So sollte Mittelerde klingen

Zum zehnten Mal schlagen nun die Power Metaller von Blind Guardian zu. “Beyond The Red Mirror” heißt das neue Album, das Ende Januar in die Plattenregale und die Downloadplattformen zwischen Flensburg und Garmisch, zwischen Oakland und Nagasaki kommen wird. Es ist erneut ein brachiales und gewaltiges Meisterwerk. Hier wird das Rad nicht neu erfunden, vielmehr liefern die Krefelder ein durch und durch geniales Album in bekannter Manier ab.

Die neue Platte der Krefelder Band Blind Guardian wird weltweit ihre Fans finden.

Die neue Platte der Krefelder Speed und Power Metal Band Blind Guardian wird weltweit ihre Fans finden.

Mit “The Ninth Wave” wird pompös zum Dröhnland gerufen. Chorklänge eröffnen die Scheibe, treibende Beats, harte Riffs und dazu dieser typische Blind Guardian Gesangspart runden dieses perfekt produzierte Album ab. Gleich drei Chöre und zwei Sinfonieorchester wurden für das Album angeheuert. Mit dieser musikalischen Breitseite tritt der Hörer, die Hörerin wieder in eine unbekannte Dimension, wo sich – ganz in Tolkien Manier – Götter, Tyrannen und Helden die Dinge um die Ohren knallen. “Beyond The Red Mirror” macht da weiter wo 2010 “At The Edge Of Time” die Fans begeistert zurückgelassen hat.

Blind Guardian gehören weltweit zu den erfolgreichsten deutschen Musikexporten. Mehr als zweieinhalb Millionen verkaufter Alben, ausverkaufte Tourneen in den USA, Asien und Europa belegen den Stellenwert der Band. Ich höre mir nun schon zum zigten Male die Platte an und bin begeistert. Wenn ich Luftgitarre spielen könnte, mir die nichtvorhandene Matte vom Kopf schütteln, die Pommesgabel dem Rockolymp entgegen recken wollte, dieses Album wäre wie gemacht dafür. Es knallt gut, genau das richtige für einen drögen Sonnntagnachmittag in Kalifornien. Und wenn “Beyond The Red Mirror” der Soundtrack des Hobbitfilmes gewesen wäre, dann, ja dann, hätte ich durchaus die Endlosschlachten in der Tolkienverfilmung genossen. Denn Blind Guardians Mucke ist wie gemacht für Mittelerde.

Und ich war dabei

„Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere“ zog 4,2 Millionen Zuschauer in die deutschen Kinos. Damit wurde Teil drei der Saga zum erfolgreichsten Film 2014. Und ich war einer von den Zuschauern. Einer von jenen, die gelitten haben. Nein, nicht deshalb, ob Bilbo mit den großen Füßen am Ende wieder in sein Zwergenhaus kommt oder die nächste heranrollende Schlacht überlebt oder er von einem seltsamen Koloss zertreten wird. Ich litt einfach, weil ich nichts von der „alles entscheidenden Schlacht“ verstand.

Filmplakat "Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere"

Filmplakat „Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere“

Mehr durch einen Zufall fand ich mich im Kinosaal wieder und harrte der Dinge aus, die da in 3-D kommen würden. Ok, ganz neutral war ich nicht, denn „Der Herr der Ringe“ ist für mich eines dieser Bücher, das ich einfach nicht zu Ende lesen konnte. Tolkien schaffte es nicht, mich für seine Mittelerdeabenteuer zu begeistern, jede Zeile, jede Seite nervte nur und irgendwann dachte ich mir, ich verschwende hier nur meine Zeit und ging lieber mit dem Hund im Wald spazieren. Eine richtige Entscheidung! Und so verstaubt Tolkien nun auf meinem Bücherregal in Obererde.

Aber zurück zum Hobbitfilm. Ohne die anderen Streifen durchlitten zu haben, war ich verloren in diesem Trickfilm. Eine Schlacht folgte auf die andere und als ich glaubte, jetzt ist gut, marschierte erneut eine weitere Riesenarmee über einen Berg oder kam aus einem Erdloch hervor gestürmt. Dann ritten irgendwelche Zwerge etwas behäbig und in Flash Gordon Trickfilmmanier der 30er Jahre auf komischen Böcken die Hänge hoch und es wurde zu guter letzt auch noch kitschig. Nein, es mußte nicht nur bachweise Blut fließen, es wurde auch noch ein Liebesdrama eingebaut. Ein Gnom starb in den Armen der vom Vater verstoßenen Tochter, die allerdings den Kampfzwerg liebte und eigentlich mit ihm irgendwo auf einer einsamen Insel in Mittelerde leben wollte. Mein Hirn wollte das einfach nicht mehr verarbeiten.

Ich saß tief durchatmend im breiten Kinosessel. Ich hielt durch. Bis zum Schluß. Bis zum bitteren Ende. Ja, es war eine Erfahrung, es war ein schöner Abend mit Freunden. Aber auch eine finale Bestätigung, J.R.R. Tolkien ist nichts für mich. Ich weiß, Geschmackssache….aber ich wollte das einfach mal gesagt haben.