Deutsche Internierung im 2. Weltkrieg

      Deutsche Internierte im Zweiten Weltkrieg

John Christgau wurde nach seinen Recherchen zur deutschen Internierung auch nach Washington DC eingeladen.

Als ich 1996 von Nürnberg nach San Francisco zog, um hier für ein paar Jahre als freier Korrespondent zu arbeiten, musste ich meine Themenlücke finden. Damals begann es im Silicon Valley und in San Francisco zu brodeln, das Internetzeitalter begann. Als jemand, der sich kaum für Computer und Technologie interessierte hielt ich mich von diesen Themen bewusst fern. Hinzu kam, dass damals rund drei Dutzend deutsche Korrespondenten in der Gegend lebten und arbeiteten, die sich fast alle auf die High Tech Industrie stürzten.

Für mich waren andere Themen interessanter und spannender, darunter die deutsche Geschichte in den USA, in Kalifornien und der San Francisco Bay Area. Und mehr durch Zufall stieß ich auf das fast völlig unbekannte deutsch-amerikanische Kapitel der Internierung deutscher Staatsbürger im Zweiten Weltkrieg, vor allem nach dem japanischen Angrif auf die Navy Base Pearl Harbor auf Hawaii. Es handelte sich dabei nicht um Kriegsgefangene und nicht um Nazi Sympathisanten. Vielmehr waren es deutsche Immigranten, die in den USA mit einem deutschen Pass lebten. Viele der 12000 Betroffenen hatten Familien, deren Kinder in den USA geboren wurden, damit amerikanische Staatsbürger waren. Doch auch sie wurden in Familienlager, wie Crystal City in Texas, interniert. Im Zuge meiner Recherchen lernte ich John Christgau kennen, der eines der wenigen Bücher über dieses Thema geschrieben hatte. „Enemies“ ist ein ganz wichtiges Geschichtsbuch, denn es beschreibt, wie die Amerikaner nach Pearl Harbor zu einem Rundumschlag gegen Japaner, Italiener und eben auch Deutsche im Land ausholten. Es herrschte Panikstimmung in den USA. Und nicht nur das, die Agenten des FBI schwärmten aus, um deutsche und japanische Staatsangehörige in Mittel- und Südamerika zu verhaften und in Internierungslager in den USA zu bringen.

John Christgau erzählte diese spannende deutsch-amerikanische Geschichte, die die meisten Amerikaner und Deutsche gar nicht kennen. Er selbst hörte auch durch Zufall davon, als er bei einem Nachbarn war. John lud mich zu sich nach Belmont ein, wir trafen uns gleich mehrmals für dieses Feature, das man oben im Audioplayer hören kann. Er vermittelte mir weitere Ansprechpartner, ich flog für Interviews mit ehemaligen Internierten nach Seattle, nach Arizona und nach New Hampshire. Diese Geschichte war so aufregend und beeindruckend, dass ich John mit dem deutschen Generalkonsulat in Verbindung brachte. Auch dort hatte man von der deutschen Internierung kaum etwas gehört. Nach dieser Recherche blieben wir in Kontakt. John lud mich immer mal wieder zu Lesungen ein. Er war ein rastloser Schreiber, der Geschichten aufsog und erzählte und ein gutes Dutzend Bücher veröffentlichte. Ein Meister des Wortes, der ein hervorragender Interviewpartner war, denn er dachte genau darüber nach, was er sagen wollte und konnte.

Der 84jährige John Christgau verstarb nun unerwartet. Noch vor kurzem hatte er mich zu einem Theaterstück eingeladen. Natürlich zu einem von ihm selbst geschrieben. Im kommenden Frühjahr soll es eine Gedenkveranstaltung für ihn geben, passend in der städtischen Bibliothek von Belmont.

King Donald und sein alternatives Königreich

Präsident Donald Trump zitiert gerne jene am Morgen, die ihm huldigen, ihn preisen, ihn loben. So auch am heutigen Dienstag, als er die Worte des Fox Business Moderators Lou Dobbs wiedergibt. Nach Dobbs hat Trump also mehr für Minderheiten in den USA getan, als andere Präsidenten. Das gefällt Trump, auch wenn das, was Dobbs da sagt, nicht stimmt und nur weil er es sagt nicht stimmen muss. Aber egal, Donald Trump genießt die warmen Worte am Morgen.

Es wird immer deutlicher, dass der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika in einer Parallelwelt lebt und nur für sie regiert. Vorbei am Großteil der USA und der Welt. Sein nun angekündigter Frontalangriff auf Google und andere High Tech Firmen, die, wie er sagt, nur schlechte Nachrichten über ihn verbreiteten, passt in dieses Bild. Donald Trump kann mit Kritik und kritischen Anmerkungen nicht umgehen. Er versteht gar nicht, wie man das, was er macht, was er sagt, wie er sich verhält, wie er auf andere wirkt, nicht als großartig und positiv bewertet. Donald Trump teilt die USA in ein Amerika vor seinem Amtsantritt und eines nach seinem Amtsantritt ein. Vor ihm war alles schlecht, mit ihm ist alles gut. So einfach ist die Weltsicht dieses Präsidenten.

Dass Amtsvorgänger Barack Obama durchaus die Weichen für den wirtschaftlichen Boom stellte, den Trump nun beackern kann, das will er nicht wahrhaben. Dass seine „America First“ Politik vielleicht in einer globalen Welt etwas kurzsichtig ist, erkennt Trump nicht. Warum auch, seine von ihm geblendeten Wählerinnen und Wähler glauben ihrem Märchenonkel weiter, der da von blühenden Landschaften, von internationalem Respekt, von zufriedenen Minderheiten im eigenen Land spricht.

Die Realität sieht allerdings anders aus. Trumps Wähler scheinen nicht nach Mexiko oder Kanada, nicht nach Deutschland oder Frankreich und schon gar nicht in die afrikanischen „Shithole Countries“ zu reisen, um sich vor Ort über das Bild Amerikas zu informieren. Der Großteil der Trumpianer lebt nicht in Großstädten, erlebt nicht die Realitäten des sozialen Kahlschlags und die Auswirkungen auf sozial Schwache und Angehörige von Minderheiten. Und für sie ist es unverständlich, ja, ein Affront, dass ihr King Donald nicht zur königlichen Trauung nach England eingeladen wurde und nicht an Staatsbegräbnissen wie denen der einstigen First Lady Barbara Bush und des jüngst verstorbenen Senators John McCain teilnehmen darf und soll. Trump dreht selbst diese für ihn bitteren Realitäten in Verschwörungstheorien um, die seine Anhänger in ihrer alternativen Weltsicht für real halten. Er sieht sich als Opfer einer Verschwörung aus Medien, antiamerikanischen Interessen und einem „Deep State“. Amerika durchlebt in diesen Tagen wahrlich seltsame Zeiten und ein Ende scheint mit diesem Präsidenten nicht in Sicht zu sein.

Aldi haut in den USA auf den Putz

Der amerikanische Einzelhandelsriese Walmart scheiterte in Deutschland kläglich mit dem Versuch auf dem heiß umkämpften Supermarktschlachtfeld Boden zu gewinnen. Nach einer nur kurzen Zeit zogen sich die Amerikaner zurück, sie hatten den deutschen Einzelhandel und vor allem den deutschen Konsumenten komplett falsch eingeschätzt.

Aldi investiert weit über fünf Milliarden Dollar in seine USA Läden. Foto: AFP.

Schon seit mehreren Jahren arbeitet dagegen Aldi durchaus erfolgreich an einer Ausweitung seiner US Marktanteile und bläst nun zum Großangriff im Walmart Country. 5,3 Milliarden Dollar investiert das Albrecht-Unternehmen in seine bereits bestehenden 1800 Läden, erweitert und renoviert diese, genau so, wie ich es vor kurzem im Aldi an der Ecke Konstanzen- und Geisseestraße im Nürnberger Süden gesehen habe. Aldi sieht hier wie dort gleich aus. Dazu will der Konzern noch weitere 800 Läden in den kommenden fünf Jahren eröffnen und danach die Nummer drei des Supermarkt Einzelhandels in den USA sein.

In den USA operieren Aldi Nord und Aldi Süd zusammen, gemeinsam will man die Konkurrenten aus dem Weg schieben. Hinzu kommen die Aktivitäten von Aldi Süd unter dem Namen Trader Joe’s, einer beliebten Supermarktkette mit etwa 500 Läden vor allem in den westlichen Bundesstaaten der USA. Die nun angekündigte Expansion von Aldi USA soll vor allem mit der eigenen Produktlinie vorangetrieben, neue Läden schwerpunktmäßig in Vorstädten und wohlhabenderen Gegenden eröffnet werden. Das Schmuddelladenimage aus vergangenen Tagen hat dabei keinen Platz mehr. Helle, breitere und aufgeräumte Läden, dazu Bio-Obst und -Gemüse, vegetarische und vegane Produkte, Aldi will eine junge und auf gesundes Essen bedachte neue Mittelschicht erreichen.

Rassistische Idioten aller Länder…

Am Unfallort eines syrischen Jungen im mecklenburg-vorpommerischen Schönberg tauchten mehrfach Hakenkreuze auf. Es scheint fast so, als ob tumbe Rassisten und Neo-Nazis den Tod des Jungen feiern würden. Der Neunjährige war mit seinem Fahrrad vom Bürgersteig auf die Straße geraten und von einem vorbeifahrenden Traktor erfasst worden.

Emmett Tills durchsiebte Gedenktafel im Mississippi Delta. Foto: Emmett Till Interpretive Center.

Doch dieses Verhalten ist wohl nicht einmalig und nicht nur auf Deutschland beschränkt. Am Tallahatchie River in Mississippi, dort wo im August 1955, der schwer mißhandelte Körper des 14jährigen Afro-Amerikaners Emmett Till aus dem Wasser gezogen wurde, steht heute eine Gedenktafel. Und die wurde nun schon zum zweiten Mal von Kugeln durchsiebt. Die erste Tafel wurde einfach glattweg gestohlen.

Carolyn Bryant, eine Weiße, hatte im Sommer ’55 behauptet, der 14jährige Till hätte nach ihr gepfiffen und sexuell eindeutige Gesten gemacht (sie erklärte später – zu spät – dass sie gelogen hatte). Daraufhin nahmen zwei weiße Männer das Gesetz des Südens in ihre Hand. Roy Bryant und sein Schwager J.W. Milam, entführten und folterten den Jugendlichen über mehrere Stunden, bis sie ihn schließlich mit einem schweren Ventilator ertränkten, der mit Stacheldraht um seinen Hals festgezurrt war. Die beiden Männer wurden von einer rein weißen Geschworenenbank innerhalb von weniger als einer Stunde freigesprochen. Der Mord an Emmett Till mobilisierte die schwarze Bürgerrechtsbewegung in den USA.

52 Jahre später (!) wurde endlich eine Gedenktafel an der Stelle aufgestellt, an der der gelynchte Junge gefunden wurde. Und diese Erinnerung passt wohl so einigen nicht im Mississippi Delta, das drücken sie mit ihren Kugeln aus. Der Rassismus von damals ist noch lange nicht ausgemerzt. Nicht anders scheint es in Schönberg zu sein, wo blinder Hass oder der totale Hohlraum im Kopf sich in Hakenkreuzen an einem Unfallort ausdrückt.

Nazis in San Francisco

An der Adresse 1960 Jackson Street in San Francisco, gleich gegenüber dem Haus der Schriftstellerin Danielle Steel, wehen heute friedlich die deutsche und die europäische Fahne. Das Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland befindet sich in einem altehrwürdigen Gebäude, errichtet 1917 und erweitert 1924 von der Witwe des schwedischen Reeders William Matson.

Manfred Freiherr von Killinger 1934 im Staatstheater von Dresden gleich hinter Adolf Hitler.

Bis 1941 hatte das damalige Deutsche Reich sein Generalkonsulat im achten Stock 26 O’Farrell Street, direkt in Downtown San Francisco gelegen. Und hier hielt eine Zeitlang einer der verblendesten Nationalsozialisten die Fäden in der Hand. 1937 wurde Manfred Freiherr von Killinger als Generalkonsul an der amerikanischen Westküste eingesetzt. Der frühere NSDAP Reichstagspolitiker war kurzfristig sogar Ministerpräsident von Sachsen. Berüchtigt war er allerdings als  erklärter Anti-Semit und SA Mitglied, der 1921 direkt am Attentat auf den Zentrum-Politiker Matthias Erzberger beteiligt war. Nach dem Röhm-Putsch wechselte Killinger zunächst zum Volksgerichtshof, bevor er ins Auswärtige Amt berufen und am 14. Juni 1937 als neuer Generalkonsul nach San Francisco entsandt wurde.

Killinger sollte zwei Aufgaben erfüllen. Zum einen die Spionage Aktivitäten der Nazis an der Westküste ausweiten und koordinieren. Zum anderen den Versuch des Amerikadeutschen Volksbundes unterstützen, die deutschen Vereine in den USA auf einen einheitlichen Kurs Hitler-Deutschlands zu bringen. Die Aktivitäten des Generalkonsuls reichten von Seattle bis hinunter nach San Diego. Gewaltige Nazi-Aufmärsche im Cow Palace in South San Francisco waren das Ergebnis. Auch die Traumfabrik Hollywood in Los Angeles war ein Ziel der deutschen Diplomaten, wie ich schon vor ein paar Jahren in dem Audio-Beitrag über Ben Urwands Buch „The Collaboration – Hollywood’s Pact with Hitler“ darstellte.

Manfred Freiherr von Killinger erreichte sein Ziel nicht. In San Francisco organisierten sich, auch unter der Führung von deutschen Sozialdemokraten und Gewerkschaftsmitgliedern des einzigen Arbeiterbildungsvereins in den USA, die Mitglieder der Seeleute- und Hafenarbeitergewerkschaft, Maritime Union of the Pacific, gegen Killinger und erreichten schließlich die Abberufung des umstrittenen deutschen Generalkonsuls. Ende 1938 wurde der Diplomat nach Slowenien und Rumänien geschickt. In Bukarest machte er sich an der Verfolgung und Deportation von Juden mitschuldig. Als die Rote Armee in Bukarest einrückte, nahm sich der Freiherr am 2. September 1944 das Leben.

Auf diese Episode bin ich im Zuge meiner Recherchen zu einer Langen Nacht gestossen, die sich um die Geschichte der deutschen Einwanderer nach San Francisco und die Bay Area drehen wird. Die Sendung wird voraussichtlich Ende 2018 ausgestrahlt werden.

Der Ton macht die Musik

Seit dem Wahlkampf von Donald Trump hat sich der Ton in den USA verändert. Seit die AfD für deutsche Parlamente kandidiert, hat sich der Ton in Deutschland dramatisch verschärft. Seit Populisten in vielen EU Ländern auf dem Vormarsch sind, hat sich der europäische Ton verschlechtert. Wobei man das Wort „Populismus“ mehr als hinterfragen sollte, denn „auf der Seite des „einfachen Volkes““ stehen Populisten nicht, auch wenn sie das stets erklären. Ganz im Gegenteil, mit Hass und Wut, Übertreibungen und Lügen agitieren sie und spielen damit gefählich mit dem Feuer.

Donald Trump spielt mit dem Feuer. Foto: Reuters.

Donald Trump beschreibt Menschen aus Mexiko, aus Honduras, Guatemala, El Salvador als Vergewaltiger, Kriminelle, als Tiere. Von Flüchtlingen hält er nichts, will sie nun ohne Gerichtsverfahren in die Länder zurück schicken, aus denen sie gekommen sind. Das Asylrecht will er untergraben. Er verkennt die Immigrationsgeschichte seines eigenen Landes, denn aus Deutschland, Irland, Italien, China, Mexiko, Russland, Polen, Somalia, Indien, aus aller Herren Länder kamen über die Jahrhunderte nicht die besten der Besten, wie Trump es nun fordert. Aus all diesen Ländern kamen Flüchtlinge, Notleidende, Menschen auf der Suche nach Wohlstand, nach Sicherheit, nach einem besseren Leben. Familien, Abenteurer, daheim Gescheiterte, und all sie machten und machen Amerika heute aus. Wer diesen wichtigen Grundsatz Amerikas unterschlägt, verkennt, dass Immigranten Amerika groß gemacht haben. MAGA made by Immigrants!

Es ist nicht viel anders in Deutschland. Auch hier hat sich der Ton verändert. Was ich online in den sozialen Medien lese, was ich von der politischen Berichterstattung in den Fernseh- und Nachrichtensendungen höre und sehe, was ich in den Zeitungen und Magazinen mitbekomme und was ich auf den Straßen erfasse, auch hier werden von Brandstiftern Flüchtlinge und Asylsuchende mit Terroristen, Kriminellen, Verbrechern gleichgesetzt. Es gibt nach jeder schlimmen Straftat eine unsägliche Verallgemeinerung, die diesseits und jenseits des Atlantiks zur Tagesordnung geworden ist. Es ist eine gefährliche Entwicklung, die Menschen zu Schuldigen macht, die eigentlich nur Hilfe suchen, die „das einfache Volk“ gegen Andersaussehende, Anderssprechende, Andersdenkende ausspielen soll. Die Probleme einer Gesellschaft löst man aber nicht durch Spaltung und Ausgrenzung.

Was und wer ist amerikanisch? Was und wer ist deutsch? Vielleicht denke ich auch nur so, weil ich der Sohn eines Vertriebenen bin, der seinerzeit von Deutschen als Flüchtling bezeichnet und abgestempelt wurde. Vielleicht denke ich so, weil ich mich noch an den Mauerfall erinnern kann und daran, wie DDR Bürger Willkommen geheißen wurden, die Wiedervereinigung trotz der immensen Kosten für die Bundesbürger als Chance für Deutschland gesehen wurde. Vielleicht denke ich auch nur so, weil ich heute selbst Immigrant bin und daraus kein Geheimnis mache.

Das gestörte transatlantische Gefühl

Wohl nichts wird in diesen Tagen mehr beschworen, als die transatlantische Partnerschaft. Hier die USA, dort Deutschland und Europa. Geschichtlich gewachsen, sturmerprobt. Und doch, irgendwie ist da Sand ins Getriebe geraten. Der Atlantikkreuzer will nicht mehr so richtig hin und her tuckern.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Los Angeles. Foto: Bundespräsidialamt.

Der amerikanische Präsident Donald Trump poltert in diesen Tagen verstärkt über Twitter gegen Deutschland. Verbreitet mal wieder Unwahrheiten gegen den langjährigen Partner. Der deutsche Präsident Frank-Walter Steinmeier ist gerade auf Kalifornientour und meint: „Ganz so einfach ist das mit dem transatlantischen Bekenntnis heute nicht mehr.“ Recht hat er, aber das ist so neu nun auch wieder nicht. Die Amerikaner haben Deutschland nie als gleichwertigen Partner angesehen. Nicht unter Reagan, nicht unter Bush Senior, nicht unter Clinton, nicht unter W., nicht unter Obama und eben auch nicht unter Trump. Deutschland war ein Verbündeter, der meistens auf der Seite des großen Bruders Amerika stand. Nur als Gerhard Schröder sich offen gegen George W. Bush wandte, als dieser in seinen Irakkrieg zog, wurde offensichtlich, dass die Amerikaner die Partnerschaft mehr als eine Gefolgschaft sehen.

Und diese Einschätzung hat Donald Trump eben auch. „America First“ heißt für ihn, dass Partner und Freunde sich eben hintenan stellen und das beste – und bitteschön kritiklos – aus der neuen Situation machen. Denn, so Trump, wenn es den USA gut geht, dann geht es auch den anderen gut. Und wem das nicht passt, der ist eben kein Freund der „best nation on earth“. Man erinnere sich hier an die Worte von George W. Bush, als er nach den Terroranschlägen von 9/11 am 30. September 2001 vor den versammelten Kongress trat und erklärte: „Every nation, in every region, now has a decision to make. Either you are with us, or you are with the terrorists.“ Man ist entweder mit den Amerikanern oder gegen sie. Und genau diese Haltung wird von der jetzigen Administration ad absurdum geführt, denn sie hat für Trump und Co Bestand für alles und überall. Da werden Schutzzölle aufgrund der nationalen Sicherheit für Importe aus Kanada und Deutschland ausgerufen. Da werden international ausgehandelte Verträge vom Tisch gewischt, um anschließend Partnern offen zu drohen, wenn sie weiterhin Handel mit bestimmten Ländern betreiben, hätte das Konsequenzen. Da mischt sich der Präsident in die Vergabeentscheidung für eine Weltmeisterschaft 2026 an und erklärt, man werde genau hinsehen, wer für die USA stimmt und danach die Entwicklungshilfegelder dementsprechend anpassen. Das ist zynisch, das ist der neue Ton in der amerikanischen Machtzentrale. Und all das soll eben einfach geschluckt werden – von den Partnern, den Freunden, den Verbündeten.

Donald Trump malt da in seiner Fantasie sein Weltbild in „red, white and blue“. Damit umzugehen ist schlichtweg unmöglich. Hier macht er einen Alleingang, verprellt langjährige Freunde, Partner und enge Verbündete, dort erklärt er sein Verhältnis zu Regierungschefs, die er gerade noch per Twitter übelst angegangen ist, als hervorragend. Ja, was nun? Es ist kein Wunder, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lieber nach Kalifornien reist als nach Washington, denn dort sucht man den Schulterschluss mit den Europäern – kulturell, wirtschaftlich, politisch. Hier trifft Steinmeier auf Verbündete, die diesen Namen auch verdienen. Auf Freunde, auf Partner, auf all jene, die den Blick nach vorne wagen, auf die Zeit nach Trump und dabei hoffen, dass der Schaden, der nun angerichtet wird, nicht allzu groß sein wird. Kalifornien an der amerikanischen Westküste ist in diesen Tagen Deutschland viel näher als die amerikanische Hauptstadt Washington DC an der Ostküste.

„Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“

Peinlich, peinlich. Echo für… Foto: Reuters.

Man muss kein Moralapostel, nicht auf dem politisch-korrekten Kreuzer unterwegs sein, nicht Kultur in gut und böse aufteilen, um zu erkennen, dass die Rapper Kollegah und Farid Bang mit ihrem Song „0815“ mehr als eine rote Linie  überschritten haben. Rap und Hip-Hop waren und sind die Sprache einer Jugend, die aufbegehrt, die anders denkt, die Probleme und Ereignisse aus ihrem direkten Umfeld anspricht.

Erst vor wenigen Tagen berichtete ich für Deutschlandfunk Kultur über den Einfluss, die Geschichte und die Bedeutung des Hip-Hop in Oakland und der East Bay. Oakland zählt zu einer der bedeutenden Geburtsstätten der Musik und der Hip-Hop Kultur. Wenn man durch die neue Ausstellung „Respect“ im „Oakland Museum of California“ läuft, dann kann man die Größe und die Tragweite des Hip-Hop erkennen.

Die Texte von Kollegah und Farid Bang, gerade in diesem Song „0815“, haben damit allerdings nichts mehr zu tun. Provokation, Protest, Einmischen, Umschreibung des Zustands ist wichtig, doch wer rassistische, antisemitische, sexistische und schlichtweg dümmliche Worte und Zeilen aneinander reiht und auch noch glaubt, damit eine „Message“ zu senden, verfehlt den geschichtlichen Kontext des Hip-Hop. Aber ja, es gibt die Kunst- und Kulturfreiheit, die wird hier auch nicht von mir angezweifelt oder hinterfragt. Vielmehr wundere ich mich, wie diese Echo-Jury das Album „Jung, brutal, gutaussehend 3“ in den Kategorien „HipHop/Urban National“ und „Album des Jahres“ für den Echo 2018 nominieren kann und dann auch noch einen Echo dafür vergibt. Damit hat der Echo wohl endgültig seine Legitimation als bedeutender deutscher Musikpreis verloren. Es ist nicht nur verwunderlich und peinlich, es ist beschämend und schlichtweg unsäglich. Die Textzeile „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ ist da nur die Spitze eines bescheuerten Liedtextes, geschrieben von Schwachmaten, die nichts, aber auch gar nichts an geschichtlichem Verständnis und sozialem Gewissen haben. Hier der gesamte Text zum Nachlesen:

 

Kollegah & Farid Bang

„0815“

Diese Syrer vergewaltigen dein Mädel, Bitch
Sie sagt, „Lass mich in Ruhe!“, doch er versteht sie nicht
Zerlege dich, gab mir Testo
Mach‘ dein Bahnhofsghetto zu Charlie Hebdo
Deutschen Rap höre ich zum Einschlafen
Denn er hat mehr Windowshopper als ein Eiswagen, ah
Und wegen mir sind sie beim Auftritt bewaffnet
Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen
Ich tick‘ Rauschgift in Massen, ficke Bauchtaschenrapper
Wenn ich will, macht Genetikk ein Auslandssemester, ah
Wenn Farid bei dir einläuft mit Pumpgun
Suchst du Anis im Wald, als wärst du Heilkräutersammler
Dann kommt ein deutscher Gammler und bumst dich im Wald schnell
Und nimmt dich von hinten wie Bullen die Handschell’n (ah)
JBG 3, die Muskelpakete
Doch keiner von uns kann Ali Huckepack heben

Dieses Album kommt, weil ihr wieder Ansagen braucht
Fuck mich ab und ich ficke deine schwangere Frau (ah)
Danach fick‘ ich deine Ma, die Flüchtlingsschlampe
JBG 3, keine 08/15-Bande
Dieses Album kommt, weil ihr wieder Ansagen braucht
Fuck mich ab und ich stopfe dir ’ne Pumpgun ins Maul
Dreißig Kilo auf dem Rücksitz, Schlampe
JBG 3, keine 08/15-Bande

Staiger befriedigt seine Frau nicht, ich meine schon
Und er meint, er wär‘ kein Hurensohn, ich meine schon
Sieh, wie der Bosscock deine Tochter zur Frau macht
In Clips, die sie in zwei Jahren erst offiziell schau’n darf
JBG bedeutet, scheiß auf komplexe Songtexte
JBG heißt, es wird stumpf und hart wie Betonklötze
Komplette Zerfickung für Anis Ferchichi
Denn der Hund hat mehr Herrchen als der Bart von Sinan-G
Ich leb‘ die Pate-Trilogie und trag‘ die Rolex-Day-Date-Watch
MOK ist nur’n Running Gag wie die Slomo in Baywatch
Und Jennifer Rostock schwingt nach ’ner Schelle den Kochtopf
Bringt dann die Säcke zum Kompost und blowt den prächtigen Bosscock
Sidos Schwestern geb‘ ich hardcore
Sie wollen den Cumshot nicht teil’n, also spritz ich straight in den Deckenventilator
Schnips‘ Zigarren in Sierras Face aus meinem Lamborghini
Ehe seine Ma rufen kann, „Halt, der Kleine hat Bronchitis!“

Dieses Album kommt, weil ihr wieder Ansagen braucht
Fuck mich ab und ich ficke deine schwangere Frau (ah)
Danach fick‘ ich deine Ma, die Flüchtlingsschlampe
JBG 3, keine 08/15-Bande
Dieses Album kommt, weil ihr wieder Ansagen braucht
Fuck mich ab und ich stopfe dir ’ne Pumpgun ins Maul
Dreißig Kilo auf dem Rücksitz, Schlampe
JBG 3, keine 08/15-Bande

„Cowboys of Peace“ im Wohnzimmer

Die Mata Hari Bar in der Nürnberger Weißgerbergasse kannte ich bislang nicht. Selbst wenn man die Straße entlang läuft, kann es durchaus sein, dass man diese Kneipe übersieht. Gerade mal 30 Leute passen in den kleinen Schankraum und dann ist die Bude richtig kuschelig voll. Und hier fand das jüngste – ausverkaufte – Konzert der Nürnberger Indie-Heroen Shiny Gnomes statt. Als „Wohnzimmerkonzert“ wurde es angekündigt und das traf es ganz gut.

Mit den Shiny Gnomes auf Tuchfühlung in der Mata Hari Bar. Schlagzeugerin Miss Dooright verschwand etwas hinter dem Pfosten und der Lavalampe.

Die paar Dutzend Freunde und Fans mussten zuerst in die Kneipe, dann kam die Band, schloss die Tür und los ging es. Bassist und Schlagzeugerin, Andreas Rösel und Miss Dooright, blockierten den Ein- und Ausgang, Gitarrist Limo stand daneben und Keyboarder Gazi legte sein unterarmlanges Tasteninstrument auf der Bar ab. Es war alles sehr familiär an diesem Abend. „Falls Ihr Getränke wollt, könnt ihr die auch bei mir bestellen“, meinte Limo.

Der eigenwillige Shiny Gnomes Sound zwischen 60er Beat Music, Country und Independent Rock wurde an diesem Abend gefeiert. Die aktuelle Platte „Searchin‘ for Capitola“ stand im Mittelpunkt, eine brillante, teils psychedelische Neuausrichtung der Band. Doch die vier wandelten auch gekonnt durch die Jahrzehnte der Bandgeschichte und endeten mit „Wild Spells“ von der ersten, 1986 veröffentlichten LP.

Dieses „Wohnzimmerkonzert“ der Shiny Gnomes zeigte, warum sie die wohl wichtigste Band aus dem Nürnberger Raum sind. Die Offenheit der Einflüsse, die internationale Weitsicht, die spielerische Freude machen die Shiny Gnomes auch nach 33 Jahren Bandbestehen zu einem Hörgenuss. Noch immer setzen sie neue Akzente, wie man das auch auf der jüngsten Platte hören kann. Die Gnome haben noch immer nichts von ihrem Glanz verloren. Für mich sowieso nicht, erst vorletzte Woche habe ich die Shiny Gnomes in meiner ersten Live-Sendung auf KKUP im Großraum San Jose gespielt. Sie gehören fest zum Klangbild meiner nun auch schon fast 22jährigen Radio Goethe Geschichte dazu.

Ein Stück Ostsee an der Bay

Die nordkalifornische Metropole San Francisco hat viele Schwesterstädte, darunter Paris, Sydney, Taipei, Seoul und Zürich. Osaka in Japan will zum Jahresende die Partnerschaft mit San Francisco aufkündigen. Der Grund ist ein Denkmal in Chinatown, das an die Mädchen und Frauen erinnern soll, die vor und während des Zweiten Weltkrieges aus asiatischen Ländern entführt wurden und als Sexsklavinnen für japanische Soldaten herhalten mussten. Das offizielle Japan hat dieses Kapitel der eigenen Geschichte nie aufgearbeitet, wie die kurzsichtige Aufkündigung durch den Bürgermeister von Osaka nun erneut zeigt. In San Francisco stößt diese Entscheidung nur auf Unverständnis. Hier wirft man den Stadtverantwortlichen in Osaka vor, die Geschichte umschreiben zu wollen und sich nicht der dunklen Seite des Zweiten Weltkriegs zu stellen.

Gefeiert wird hingegen die erste Städtepartnerschaft zwischen der „City by the Bay“ und einer deutschen Stadt. Und es ist nicht Berlin, Hamburg, München oder Frankfurt. Nein, die Ostseestadt Kiel hat einen Vertrag über eine enge Partnerschaft mit San Francisco unterschrieben. Auf den ersten Blick scheint diese Partnerschaft etwas ungleich zu sein. Hier die schillernde Metropole mit rund 800.000 Einwohnern. Da die in den USA völlig unbekannte Stadt an der Kieler Förde mit ihren 250.000 Bürgern.

Und doch, es passt irgendwie. Beide Städte liegen am Meer, sind Hafenstädte, beide haben ähnliche Umweltprobleme. Kiel mit seinem „Institut für Weltwirtschaft“ und dem „Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung“ hat neben der Uni Kiel auch noch zwei bedeutende Einrichtungen, die schon lange enge Kontakte mit Partnern in der San Francisco Bay führen.

Zustande kam die Partnerschaft über zwei Cousins, dem Kieler Unternehmensberater Thomas Ewoldt und dem Dezernet in San Francisco Mark Farrell. Farrells Mutter stammt aus Kiel und er verbrachte in seiner Kindheit viel Zeit an der Ostsee. Das war die Grundlage für diese scheinbar ungleiche Verbindung, die nun möglich gemacht wurde. Versucht werden soll, in mehreren Bereichen diese Partnerschaftsbrücke aufzubauen. Auch kulturell will man aktiv werden. Ein Offener Kanal aus Kiel sucht derzeit sogar einen Partnersender in San Francisco für einen Programmaustausch. Getragen wird die neue Städtepartnerschaft von vielen ehrenamtlichen Helfern, darauf will man bauen und die Partnerschaft vertiefen. Kiel will sich also nicht mit einer Schattenrolle hinter Paris oder Sydney zufrieden geben.