A spin of the world

Während es in den USA, in Deutschland und anderen europäischen Ländern eine immer stärkere und lautere, doch beengende nationalistische Bewegung gibt, öffnet sich mir eine ganz neue Welt. Gerade sitze ich da und höre das neue und atemberaubende Album der tunesischen Musikerin Emel Mathlouthi. Produziert wurde es von dem isländischen Komponisten und Musiker Valgeir Sigurdsson, dessen Label „Bedroom Community“ eine wahre Insel im rauenden Klangmeer ist.

Und während ich hier zuhöre, lese ich die Mail von SWP-Records, einem kleinen Indie-Label aus den Niederlanden. SWP feiert 30 jährigen Geburtstag und damit ein musikalisches Erbe sondergleichen. Neben vielen eigenen Produktionen hat Labelmacher Michael Baird auch die historischen Feldaufnahmen von Hugh Tracey in seinem Katalog. Baid schafft es mit seinen Veröffentlichungen, die Brücke zwischen diesem wegweisenden Soundpionier, der in Afrika nach den Ursprüngen der Musik suchte, und der Musik von heute zu schlagen. Er selbst spielt einen Mix aus afrikanischen Roots und Jazz. Und immer wieder veröffentlicht er eigene Feldaufnahmen von Reisen ins südliche Afrika.

Auch auf der jüngsten Strassenkreuzer CD des Nürnberger Sozialmagazins lassen sich kulturelle Perlen finden. „Oropa“ nennen Gottfried Rimmele und Musa Karaalioglus ihr Projekt, das offen für die Einflüsse beider Musiker ist. Allein dieses Lied auf der Strassenkreuzer „Dynasty“ zeigt, dass Nürnberg eine Stadt ist, die schon immer ihre Vielfalt und Offenheit feierte. Das geht nicht immer reibungslos, aber es war und ist eine Bereicherung für die Metropolregion, wenn Menschen verschiedenster Herkunft zueinander finden, und sei es nur musikalisch.

Musik verbindet, öffnet Grenzen, schafft ein ganz anderes, ein viel tieferes Bild eines unbekannten Landes und Kulturraums. Was die Kleingeister unserer Zeit, ob gewählt oder auf den Straßen hier in den USA und auch in Deutschland, mit ihrem Abgrenzen, Ausgrenzen und Grenzsicherungen anrichten, ist mehr als fatal. Die Welt hört eben nicht bei Tijuana oder Garmisch Partenkirchen auf. Musik ist eine Weltsprache, die so viel mehr sein kann, als Unterhaltung, Berieselung, Beiwerk. Für mich ist Musik zu einer farbenprächtigen Untermalung meines Alltags geworden, die mir oftmals fremde Länder wie Somalia, Jemen, den Kongo oder auch Mexiko näherbrachte, verständlich machte. Die Welt ist so ein reicher Schatz an Klängen, man muss nur hin- und zuhören.

Was ist Patriotismus in den USA?

Der neue Patriotismus in den USA. Foto: Reuters.

Wir Deutschen tun uns nicht leicht mit dem Patriotismus. Ich kenne stolze Franken und Berliner und auch viele stolze Europäer. In meinem eigentlich ziemlich großen Bekanntenkreis fällt mir niemand ein, der mir schon mal gesagt hat: Ich bin stolz ein Deutscher zu sein. Als ich vor ein paar Jahren die Textzeile „Deutscher sei stolz“ im Lied „Steine sind Steine“ von And One hörte, dachte ich mir, „wow, das ist gewagt!“. weiter lesen

Operativer Vorgang „Sumpf“

Heute kamen hier in Oakland per Post die Kopien meiner angesammelten Unterlagen an, die in den Stasi Archiven in Berlin und im früheren Bezirk Karl-Marx-Stadt gefunden wurden. Vor rund zwei Jahren hatte ich nach langem hin und her dann doch mal einen Antrag ausgefüllt, kurz danach erhielt ich einen Brief, in dem stand, dass der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes etwas unter meinem Namen gefunden habe. Nun also liegen diese Informationen hier vor mir, schon seltsam, was da gesammelt, welche Informationen angehäuft wurden, wer da etwas über andere erzählte. weiter lesen

Hauruck – Ruckzuck

„KMFDM are doing it again“…in San Francisco.

„KMFDM SUCKS“ schrien Hunderte von Fans am Ende des Konzertes am Sonntagabend in San Francisco. Doch sie waren alles andere als unzufrieden. Ganz im Gegenteil, si feierten eine der in den USA erfolgreichsten „deutschen“ Bands. KMFDM um den Hamburger Sascha Konietzko rockte und brachte den Regency Ballroom, einen klassischen Ballsaal, erbaut 1909, zum Beben. Mit dem rhythmischen Ruf „KMFDM SUCKS“ wurde nach Zugabe verlangt. Und die kam… weiter lesen

Die unendlichen Weiten von Brain

Es gibt diese visionären Plattenmacher und einzigartigen Labels, die einfach am Puls der Zeit sind. Auch wenn das erst viel später erkannt und wertgeschätzt wird. Günter Körber und Bruno Wendel waren solche Macher, Brain Records das Label dazu. Sie setzten Maßstäbe und veröffentlichten diesen weiten, offenen und international beachteten Sound, der als „Krautrock“ weltweit Erfolge feiern konnte. Was zwischen 1972 und 1979 auf Brain Records passierte, ist nun in einer umfassenden und beeindruckenden 8 CD Box zusammen gefasst worden: „Brain – Cerebral Sounds of Brain Records„. weiter lesen

Eine musikalische Spurensuche

      Kulturelle Spurensuche

Amerika, der „Melting Pot“ der Kulturen und Sprachen. Ich muss mir nur die Nachbarn auf meiner Straße ansehen, Menschen aus aller Welt und mit verschiedenster Herkunft. Das macht dieses Land auch aus, denn jeder, der hierher kam, hat etwas mitgebracht, es eingebracht in eine Gesellschaft, die zwar von einigen heute gerne als „weiß“ gesehen wird, aber eigentlich ein farbenfrohes Bildnis des Miteinanders ist.

Immigranten haben immer ein stückweit ihrer Kultur mit in die neue Heimat gebracht, es eingefügt in dieses gesellschaftliche, lebendige und vielschichtige Puzzle und damit die Vereinigten Staaten von Amerika zu dem gemacht, was sie heute sind. Daran wird auch ein Präsident Donald Trump und sein rückwärts gewandter Ruf „Make America Great Again“ nichts ändern. Amerika heute ist ein reiches, ein großartiges Land, auch und vor allem Dank der Immigranten, die aus aller Welt hierher kamen und die USA auf ihre Weise mitprägten.

Dieses Feature zeigt die Bedeutung der Einwanderer aus den deutschsprachigen Ländern auf. Sie kamen aus Deutschland, aus Österreich, aus der Schweiz, um hier ganz neu anzufangen und dennoch haben sie in der „Neuen Welt“ ihre alte Heimat nicht vergessen. In Vereinen, Liederkränzen und auf Festen feierten sie ihre Wurzeln. Die Musik der Immigranten und die Lebensfreude, für die sie stand, wurde in den USA nur zu gerne angenommen und auf ihre Weise von anderen Bevöllkerungsgruppen aufgegriffen. Dieses Feature geht auf die Suche nach den musikalischen Spuren der deutschsprachigen Einwanderer.

Trump macht den Erdogan

Man stelle sich vor, Bundeskanzlerin Angela Merkel steht früh auf, macht die Morgensendung des RBB an und hört einen Bericht über ihre Regierung. Und der passt ihr gar nicht, denn sie wird dort offen kritisiert. Wutentbrannt greift die Kanzlerin zum Smartphone, öffnet die Twitter App und schreibt: „Mit all den Falschnachrichten, die von RBB und den anderen Networks verbreitet werden, an welchem Punkt ist es angebracht, die Sendelizenz anzufechten. Schlecht für das Land!“ weiter lesen

„Hell Yeah“ – KMFDM sind zurück

Es wurde auch langsam Zeit! Im November wurde Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA gewählt und nun endlich ist es so weit. Gespannt wie ein Flitzebogen habe ich auf die neue KMFDM Platte gewartet. Darauf, wie Sascha Konietzko auf die politische Lage in seiner zeitweiligen Wahlheimat reagieren wird. Der Hamburger legt mit „Hell Yeah“ nun das 20. Studioalbum der Band vor.

Es ist erneut ein brachiales Industrial-Metal Werk, ohne Raum für Kompromisse zu lassen. Die zum Teil hochpolitischen Texte machen deutlich, dass hier ein Angriff auf all das kommt, für was Amerika in diesen Tagen steht: Fake News, Gelaber, Geschichtsverfälschung, eine Verletzung der Grundwerte und Grundrechte. Unterlegt ist das lautstark, mit harten Gitarrenriffs, viel Elektronik und einem typisch-mitreißenden KMFDM Beat. Hier spielt eine Band, die nicht Schönwetter macht, vielmehr den Alltag in seiner ganzen Brutalität widerspiegelt.

KMFDM sind bekannt dafür, das auszusprechen, oder besser hinauszuschreien, was andere nur denken. Als Präsident George W. Bush ins Kriegshorn gegen Afghanistan und Irak blies und viele Künstler aus Angst vor Repressalien still blieben, antwortete Konietzko unmissverständlich mit „WWIII“, ein hochpolitisches, ein mehr als wichtiges Album in der Bandgeschichte. Damals lebte er noch in Seattle, eine Stadt, die ihn und die Band prägte. KMFDM heute sind vor allem das Duo Sascha Konietzko und Lucia Cifarelli, nicht nur musikalisch sind sie ein Paar. Und diese künstlerische Nähe spürt man. Es ist eine Ergänzung durch und durch.

KMFDM wurden 1984 am Rande einer Kunstausstellung gegründet. Seitdem brettert Sascha Konietzko unaufhaltsam voran: „KMFDM never stops“ heisst es in einem Lied. Die Band ist international eine der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Acts. Auch wenn man im eigenen Land den Einfluss von KMFDM nicht erkennt und zu schätzen weiß, viele Bands in den härteren Genres sehen die Gruppe als wichtigen Meilenstein im Musikzirkus. In den USA haben sie Kultstatus, das wird man bald wieder auf der kommenden Tour durch die (Nicht)Vereinigten Trumpschen Staaten erleben können. „Hell Yeah, se Tschörmans are coming!“

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Immer wieder Flucht und Vertreibung

Flucht und Vertreibung sind ein aktuelles Thema. In den täglichen Nachrichten diesseits und jenseits des Atlantiks, in Afrika, in Asien, in Australien. Flucht und Vertreibung bestimmen Wahlkämpfe, führen zu Wahlergebnissen, wie in den USA, die durchaus Angst machen. Doch das Thema ist nicht neu, gerade und vor allem für Deutschland.

Die sehr hörenswerte und auch nahegehende CD „Flucht und Vertreibung im Rundfunk“, kostenlos herausgegeben vom Hans-Bredow-Institut in Zusammenarbeit mit der Historischen Kommission der ARD und dem Deutschen Rundfunkarchiv, präsentiert Tondokumente aus den Jahren 1945 bis 1960. Millionen von Deutschen waren auf der Flucht, wurden aus ihrer östlichen Heimat, Schlesien, Ostpreußen, Pommern, Sudetenland vertrieben, für immer, ohne Aussicht auf eine Rückkehr. Und das kurz nachdem Deutschland selbst für Flucht und Vertreibung verantwortlich war. In den Hörbeiträgen geht es auch um Offenheit, um Unterstützung, um Hilfe, um Verständnis. Sie liefern Antworten, die zeitlos sind.

Wenn man diese Tondokumente heute hört, diese Reden, die Hörspiele, die Radiobeiträge, scheinen sie etwas verstaubt zu sein. Der Sound ist etwas dumpfer, es knackt, knistert und rauscht auch mal. Interviewer und Interviewte wirken teils steif, nicht locker flockig, wie es heute üblich ist im Radio. Vergangenheit, damals, vorbei. Doch diese Aufnahmen in ihrer Bedeutung bleiben gegenwärtig, sind aktuell, gerade für uns Deutsche. Wenn man die Interviews hört, eine junge Frau, die Ärztin werden wollte und stattdessen nun in Wesermünde in einer Heringsfabrik arbeitet, dann muss man sich an die Geschichten der geflohenen Menschen aus Syrien erinnern, die auch alles aufgegeben haben – ihr Land, ihre Herkunft, ihren Beruf, ihren Alltag – um sich und ihre Familien in Sicherheit zu bringen. (West-) Deutschland war damals wie auch heute das Ziel. Ankommen, sicher sein, von vorne anfangen.

Ich selbst kenne diese Geschichten nur zu gut, mein Vater war Flüchtling. Mit den Erzählungen von Flucht und Vertreibung wuchs ich auf, sie prägten auf ihre Art meinen Lebenslauf. Eine dieser Aufnahmen auf der CD ist ein Beitrag des Bayerischen Rundfunks vom 16. Dezember 1956. Darin berichtet der Journalist und spätere Bundestagsabgeordnete und Vertriebenen-Politiker Herbert Hupka von den schlesischen Glocken, die in westdeutschen Kirchen zu hören sind, ein Stück weit Schlesien nach West-Deutschland bringen. 1200 Glocken aus den Ostgebieten, die nach Kriegsende nicht mehr zurückgegeben werden konnten, wurden als sog. Patenglocken an christliche Gemeinden übergeben. Sie kamen über den Umweg des Glockenfriedhofs in Hamburg, auf dem im Zweiten Weltkrieg rund 47.000 Glocken aus dem gesamten Deutschen Reich zwischengelagert wurden, in die Kirchen. Und eine davon ist die Glocke aus der Gemeinde „Zum Schifflein Christi“ in Glogau. In der Oder-Stadt ging mein Vater bis zu seiner Flucht ins Gymnasium, seit 1951 erklingt die Glocke in der St. Stephans Gemeinde in Würzburg, meinem Geburtsort. So schließen sich die Kreise.

Angela wird „getweetet“

Mit etwas Verspätung hat Donald Trump nun doch noch etwas zum Besuch von Angela Merkelt getwittert. Aber das fällt dann wohl auch unter die Kategorie „Überflüssig“. Denn was er da sagt, sagt eigentlich nichts über die Gespräche aus, auch nicht über das Verhältnis zwischen den USA und Deutschland, zwischen dem Präsidenten und der Kanzlerin. „GREAT“ ist nämlich für Donald Trump auch ein Eimer voller „Chicken Wings“ von „KFC“.

Immerhin hat er in seinen Tweets auch sein Lieblingsthema „Fake News“ einbringen können. Ansonsten hätte es für Trump wohl auch keinen Grund gegeben über die Stippvisite der Bundeskanzlerin zu sprechen. Sein Bla-Bla über die Verteidigungskosten zeigt erneut, dass Trump nicht so richtig begreift, das Verteidigung mehr ist, als nur Investitionen in Panzer, Raketen, Maschinengewehre. Deutschland tut mehr für seine Verteidigung, als nur die Bundeswehr zu stärken. Das Auswärtige Amt spielt eine wichtige Rolle für Deutschland auf der internationalen Bühne. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, oder auch Entwicklungshilfeministerium genannt, ist ein wichtiger Teil für die Außen- und Sicherheitspolitik der Bundesrepublik.

All das sieht Donald Trump nicht, das macht er mit solchen banalen Äußerungen deutlich, das unterstreicht er gleich doppelt und dreifach mit seinem vorgelegten Haushaltsplan. Darin erhält das amerikanische Militär 54 Milliarden Dollar mehr. Dem State Department hingegen werden 30 Prozent des Budgets gekürzt. Und auch die Entwicklungshilfe wird drastisch runtergefahren. Das sind ganz deutliche Zeichen eines Mannes, der nicht begreift, dass die Zeiten des Wilden Westens schon lange hinter uns liegen, dass die Probleme in der Welt komplizierter geworden sind als zu Zeiten von „Billy the Kid“ „Safety and Security first“, das vertritt Trump und meint damit, mit Waffengewalt und Drohgebärden wird die Welt schon sein „America First“ schlucken. Ohne Rücksicht auf Verluste im eigenen Land und in Übersee.