Ein Kulturaustausch ist nicht länger erwünscht

Tourabsage durch Die Krupps.

Es war für eine ausländische Band noch nie leicht in den USA zu touren. Neben der genauen Planung, dem hohen finanziellen Aufwand, war da auch immer die kritische und unsichere Visafrage. Nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 wurde es noch schwieriger ganz offiziell mit einem Künstlervisum einzureisen. Und nun haben wir den Diet Coke trinkenden und Big Mac essenden Donald Trump im Weißen Haus, der scheinbar nicht viel von einem kulturellen Austausch hält.

Für viele Musikerinnen und Musiker ist eine US Tour noch immer ein großer Traum. Langfristige Planungen und finanzielle Risiken werden dafür eingegangen. Doch selbst das garantiert nicht, dass man am Ende ein Visum für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten erhält. Schon gar nicht in dieser Zeit. Allein in der kommenden Woche fallen gleich zwei Konzerttouren aus, weil die Visa nicht rechtzeitig ausgestellt wurden. Die legendäre Düsseldorfer Band Die Krupps, um den in Austin lebenden Jürgen Engler, mussten nun in letzter Minute ihre geplanten Konzerte in den USA absagen, darunter auch ein für Freitag angesetzter Gig im „Elbo Room“ von San Francisco. Der Grund, die US Botschaft schaffte es nicht „on time“ die Visa für die Deutschen auszustellen. Auch für die Schwedin Anna von Hausswolff wird es nichts mit ihrer geplanten Tournee durch die Vereinigten Staaten. Sie sollte in der kommenden Woche u.a. in „The Chapel“ in San Francisco spielen. Auch hier machten US Bürokraten in der Botschaft keine Anstalten, zeitnah die nötigen Einreisepapiere auszustellen.

Tourabsage durch Anna von Hausswolff.

Das sind nur zwei aktuelle Beispiele von sicherlich vielen. Diese beiden habe ich aus persönlichem Interesse mitbekommen. Ein Kulturaustausch ist anscheinend nicht mehr erwünscht zwischen den Trumpschen USA und anderen Ländern. Beide Gruppen, Die Krupps und Anna von Hausswolff, hätten sicherlich kein Interesse länger als erlaubt in den USA zu bleiben, würden hier auch nicht unerlaubt nebenbei arbeiten oder versuchen den Präsidenten zu stürzen. Warum also werden Visa verweigert? Vor allem sind diese „Last Minute“ Entscheidungen und Visavergabeverzögerungen durch die US Botschaften ein teurer Spaß für Kulturschaffende, die kurz vor dem Abflug Flüge und Hotels, Transportmittel und Equipment Anmietungen stornieren müssen. Ganz zu schweigen von den Clubs, die kurzfristig keinen Ersatz finden und Geld in Werbung investiert hatten.

Ein aktiver Kulturaustausch ist ein wichtiger Brückenschlag, der gerade in kritischen Zeiten mehr als notwendig ist. Und in solchen befinden wir uns, in denen Lügen und Halbwahrheiten zu Realitäten erkoren werden. Es trifft nicht nur Bands, Musikerinnen und Musiker, die hier touren wollen. Genauso sind davon andere Kulturschaffende und Kultureinrichtungen, wie Museen und Theater betroffen. Kultur ist grenzenlos. Doch was soll man erwarten von einem selbstverliebten, kleingeistigen und kulturlosen Präsidenten, der am liebsten mit seinen goldenen Palästen protzt, auf dem auch noch sein Name in großen Lettern zu lesen ist. Amerika durchlebt wahrlich düstere Zeiten.

Musik nur, wenn sie laut ist

Gestern Abend spielten KMFDM in San Francisco. Eine Band, die seit fast 30 Jahren kompromisslos ihren Weg geht, oder wie es in einem Lied heisst, den „ultimate beat“ präsentiert. Gegründet vom Hamburger Sascha Konietzko gehören KMFDM weltweit zu den Pionieren des härteren Industrial-Metal Sounds. Konietzko singt mal auf Englisch, mal auf Deutsch und liebt solche Wörter wie „Hauruck“, „Ruckzuck“ oder „Tohuvabohu“, die dann vom Publikum begeistert und lauthals mitgesungen werden. Eine Deutschlektion, der etwas anderen Art. Auf solchen Wörtern bauen ganze Songs  auf, und ja, sie sind durchzogen vom „ultimate beat“.

KMFDM touren regelmäßig durch die USA und Kanada. Sie sind eine der deutschen Bands, die unbeachtet von Kulturinstitutionen, Konsulaten und deutschen Musikexportbüros Werbung für Deutschland machen. Am gestrigen Abend traf ich auch Dave Heckman, den Besitzer von Metropolis Records, auf dem KMFDM seit einigen Jahren veröffentlicht sind. Heckman sagte mir mal, sein Label sei wohl das bedeutendste deutsche Label in den USA. Und recht hat er. Seitdem ich Radio Goethe produziere kenne ich Metropolis Records. Neben KMFDM und vielen EBM und Darkwave Acts, wie Wumpscut, Funker Vogt, In Strict Confidence u.a. waren dort auch Wolfsheim und Melotron  mit ihrem Elektropop und viele andere veröffentlicht.

Und auch die Münchner Eisbrecher haben hier ein US Zuhause gefunden. Eisbrecher sind richtig angesagt „overseas“. Wenn man auf Pandora „Rammstein“ oder „KMFDM“ eingibt, dann ist fast jeder dritte Song, der gespielt wird ein Eisbrecher Lied. Auf Deutsch wohlgemerkt. Dave Heckman bestätigte mir, dass dieser Streaming Service mittlerweile mehr als wichtig für sein Indie-Label geworden ist und Eisbrecher darüber hervorragend verbreitet werden.

Heute steht noch ein Interview mit Jürgen Engler an. Er war Gründungsmitglied von „Die Krupps“, die wieder zusammen gekommen sind und mit „The Machinists of Joy“ ein hervorragendes Comeback Album vorlegen. Viele der Texte sind auf Deutsch, die amerikanischen Fans wird es freuen. Harter Beat und „Tschörman“, das geht hier drüben spielend zusammen. Jürgen Engler lebt in Austin, Texas und natürlich kommt die Platte in den USA auf Metropolis heraus. Die Krupps sind auch eine dieser einflussreichen deutschen Bands, die gerne übersehen werden. Doch wer sich ein bisschen mit der deutschen Musikgeschichte beschäftigt, wer einmal genauer hinblickt, der wird etliche Gruppen aus Deutschland finden, die Pioniere in ihrem Genre sind. Und ich rede hier mal nicht von Kraftwerk, Can und Tangerine Dream. Gerade was Anfang der 80er Jahre in Deutschland passierte und allgemein als Neue Deutsche Welle durchgewunken wird, war eine Revolution im internationalen Musikzirkus. Wer an NDW denkt, dem trudeln Lieder der Spaßfraktion von Nena, Markus, Frl. Menke und UKW durchs Ohr. Doch die Plattenfirmen veröffentlichten damals, wohl mehr aus Versehen, auch bahnbrechende Gruppen, die etwas ganz anderes machten, doch eben deutsch waren und somit den NDW Sticker erhielten.  Gerade im Ausland wurden diese Bands für ihre Arbeit, für ihre neuen Ansätze erkannt und geschätzt. Der Blick zurück lohnt sich. Garantiert.

 

„Hey, Hey – Ho, Ho“

Nein, ich war nicht beim Fußball, ich komme gerade vom „Max Raabe &  Palastorchester“ Konzert zurück. Im wunderschönen alten Paramount Theatre in Oakland begeisterten sie ein fast volles Haus. Toll, einfach nur toll. Auch wenn man sich bei so einem Konzert etwas jung vorkommt – und ich bin auch nicht mehr der jüngste – ich kannte fast alle Lieder. Zum einen liegt das sicherlich daran, dass ich viel Musik aus den 20er und 30er Jahren hier in meiner Sammlung habe. Zum anderen aber auch an meinem Vater, der beim Abtrocknen und beim samstäglichen Bratkartoffel mit Gurkensalat zubereiten immer vor sich hin sang und flötete, bis meine Mutter sagte „Jetzt hör aber mal auf“.

Präsentiert wurde das Konzert von SFJazz, dem deutschen Generalkonsulat und dem Goethe-Institut. Neben vielen Amerikanern kamen auch unzählige von Deutschen, teils im 20er/30er Jahre Outfit. Und eben dieser grau melierte Herr schräg hinter mir, der immer wieder ganz begeistert „Hey, Hey – Ho, Ho“ von sich gab. Keine Ahnung warum, aber nach dem dritten mal, nervte er gewaltig. Dann war da noch die ältere Dame in meiner Reihe, die sowas von falsch mitklatschte…. Doch Max Raabe ließ sich nicht irritieren und sang klar und deutlich durch die Neumann Mikrofone.

Es war ein toller Abend für deutsche Kultur. Das nächste Konzert einer deutschen Kapelle in der Bay Area steht in drei Wochen an. Die legendäre Hard Rock Formation Accept wird dann San Francisco lautstark beschallen. Im Mai geht es dann weiter mit Rammstein, bevor die Pioniere des Metal-Industrial Die Krupps live in San Francisco aufspielen werden.

 

Megaherz are back

Lex (Megaherz)Die neueste Megaherz Platte ist ein Remix Album. Bands wie Die Krupps, Funker Vogt, Suicide Commando u.a. haben sich darauf die Songs der Müncher zur Brust genommen. Herausgekommen ist ein Doppelalbum mit ganz neuen Tönen: Megaherz im Clubgewand.

Mit Spannung wurde das Album von den Fans diesseits und jenseits des Atlantiks erwartet. Ich habe mit Lex, dem Sänger der Band, über die Platte, Remixe allgemein und die Zukunftspläne von Megaherz gesprochen.

Das gesamte Interview kann man

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