Der Kartellkrieg beginnt erneut

Drogenkartellkrieg in Ciudad Juarez     
Ein erneuter Drogenkartellkrieg beginnt in Juarez. Foto: Reuters

Ein erneuter Drogenkartellkrieg beginnt in Juarez. Foto: Reuters

Es geht wieder los. 257 Morde in den ersten acht Monaten dieses Jahren, 47 davon allein im August, so viele in einem Monat, wie seit dem Dezember 2013 nicht mehr. Die mexikanische Grenzstadt Ciudad Juarez steht erneut vor einem Drogenkartellkrieg. Die Verhaftung von Joaquin ‚El Chapo‘ Guzmán, dem Boss des Sinaloa Kartells, hat zu einer Aufspaltung der eigenen Reihen und zu einem Erstarken verfeindeter Kartelle geführt. Nach dem brutalen Straßenkrieg vor ein paar Jahren (Audio-Feature oben) war die Nachbarstadt von El Paso fest in der Hand von Guzmáns Gruppe. Doch nun, nach dessen Festnahme, hat sich das Sinaloa Kartell gespalten, mehrere Fraktionen kämpfen um die Führungsrolle innerhalb des Drogenimperiums.

Und diese Bauchnabelschau nutzen andere Gruppen, um das Sinaloa Kartell herauszufordern. Allen voran das wiedererstarkte Juarez Kartell, das die wichtigen Wege in den größten Drogenmarkt der Welt, die USA, zurück gewinnen will. 47 Morde in einem Monat deuten auf den Beginn eines neuen Blutbades hin. Es geht um Macht, um Geld, um Einfluß. Und nichts wird die Gangs und Kartelle da aufhalten. Schwerbewaffnet suchen sie den Kampf mit ihren Kontrahenten und mit der Polizei. Die sieht sich derzeit einer Armee gegenüber, bestens ausgerüstet, bereit für einen erneuten Straßenkrieg. La Linea ist die Einsatztruppe des Juarez Kartells. Im April wurde eine Zelle der Bande ausgehoben, die Polizei fand zahlreiche Sturmgewehre und sogar eine Flugabwehrrakete. Seitdem sind die offiziellen Stellen in der Grenzstadt gewarnt.

Ciudad Juarez hatte sich langsam vom blutigen Straßenkrieg der Kartelle zwischen 2009 und 2011 erholt. Damals starben nahezu 10.000 Menschen im Kampf um die Drogenwege Richtung Norden. Die einstige Party-Stadt Juarez wurde in dieser Zeit zur gefährlichsten Stadt der Welt. Touristen und Besucher blieben weg, Restaurants, Kneipen wurden geschlossen, das öffentliche Leben fand nicht mehr statt. Nach Einbruch der Dunkelheit glich Juarez einer Geisterstadt. Nach dem blutigen Sieg des Sinaloa Kartells nahmen auch die Morde ab. In den letzten Jahren erholte sich Juarez, die Menschen genossen in vollen Zügen den „Mexian Way of Life“. Damit scheint nun wieder Schluß zu sein. Die nächste Welle der nicht endenwollenden Gewalt rollt heran. Ausgang und Länge noch ungewiss.

Alles beginnt und endet im Kentucky Club

Everything begins and ends at the Kentucky Club.

Nur die Santa Fe Bridge trennt El Paso in den USA von Ciudad Juarez in Mexiko. Früher war es ganz einfach und ganz normal über die Brücke zu gehen, um in der Nachbarstadt billiger einzukaufen, die Bars und Restaurants zu besuchen. Juarez war die Partymeile für die Amerikaner aus dem Norden. Dann begann 2008 ein blutiger Drogenkrieg zwischen dem Sinaloa und dem Juarez Kartell, Tausende von Menschen wurden umgebracht, es wurde zu gefährlich, um die paar Meter von El Paso nach Juarez zu gehen. Die Besucher, die Touristen, die Feiernden blieben weg. Juarez versank in einer Gewaltspirale, im Chaos. Dazu produzierte ich vor einigen Jahren das Feature „The perfect storm“.

Nur etwa 50 Meter hinter der Santa Fe Bridge, auf der rechten Seite liegt der Kentucky Club. Hier soll Elizabeth Taylor ihre Scheidung von Eddie Fisher mit Freidrinks gefeiert haben, hier trafen sich Musiker, Autoren, Künstler, Kulturschaffende, Trinker. Es ist eine einfache Kneipe. Eine lange Theke, weiter hinten eine kleine Küche, links Tische und Stühle. Seit der Gewalt auf den Straßen von Juarez kommen weitaus weniger Gringos hierher.

Benjamin Saenz lebt und arbeitet als Autor in El Paso. Er unterrichtet an der dortigen University of Texas. Er liebt den Kentucky Club: „Das ist wahrscheinlich die bekannteste Bar in Juarez. Sie ist legendär, denn sie repräsentiert irgendwie die Geschichte der Avenida Juarez und der Nachtclubszene, die es hier gab. Es zeigt noch etwas nostalgisch das, was Juarez einmal war, für was es stand und für was es noch immer steht.“

Alles beginnt und endet im Kentucky Club.

Sein jüngstes Buch heißt “Everything begins and ends at the Kentucky Club” und wurde mit dem PEN/Faulkner Award ausgezeichnet. Darin sieben Geschichten, die an irgendeinem Punkt im Kentucky Club ankommen. Die Shortstories drehen sich nicht um die Bar, nur die Handelnden kommen mal so ganz nebenbei vorbei, um einen Drink zu genießen. Man wartet beim Lesen richtig auf den Moment, an dem es passiert.

Saenz‘ Erzählungen in “Everything begins and ends at the Kentucky Club” sind traurige, teils düstere Lebensgeschichten. Es geht um Sucht und Liebe, um die Suche nach der Sinnfindung. Die Stories gehen nahe, sind teils brutal, emotional, schockierend. Und doch Saenz hat eine weiche, gefühlvolle Sprache gefunden, die den Leser erfasst. Seine Geschichten, so meint er selber, seien voller Tragik. Saenz macht aus der Gewalt in Juarez keine dramatischen Action Stories, es gibt keine Helden, keine Lösungsvorschläge. Der Autor beschreibt vielmehr das normale Leben der Menschen, diesseits und jenseits der Grenze, die gelernt haben, damit zu leben. Man wird als Leser zum Zuschauer, zum stillen Beobachter eines Alltags, der zwischen den Kulturen, zwischen den Sprachen so ganz anders ist, und doch eigentlich tagtäglich auch so in unserem Leben stattfindet. Wir wissen wenig über die Menschen, denen wir begegnen. Drogensucht, Kindesmißbrauch, Gefühlskälte, Gewalt, das findet man in Juarez, in El Paso, in Nürnberg.

Benjamin Saenz Sprache ist persönlich und überzeugend, auch, wenn er betont, dass nichts davon ihn beschreibt. Doch trotz aller Dunkelheit, Hoffnungslosigkeit, der tiefen menschlichen Abgründe, die Saenz in diesen Geschichten aufzeigt, es ist immer auch Hoffnung, Nähe und ja, auch Wärme zu spüren. “Everything begins and ends at the Kentucky Club” ist ein lesenswertes Buch, im Original bei “Cinco Puntos Press” in El Paso erschienen. Seit September auch in deutscher Übersetzung im Ripperger & Kremers Verlag erhältlich.

 

Morgenstund‘ hat Cannabis im Mund

legal-cold-brew-blackAmerika entwickelt sich zu einer Kiffernation. Ein Bundesstaat nach dem anderen legalisiert den Konsum von Marihuana. Das Beispiel Colorado zeigt, dass der Staat dabei gut mitverdienen kann. Rocky Mountain High also auch für die Finanzbeamten. Und neben dem Angebot der verschiedenen Grassorten werden auch immer mehr Cannabis Produkte angeboten. Das reicht von den obligatorischen Plätzchen und Backmischungen bis zur Pizza und Cannabisölen.

Die Firma Mirth Provisions aus Washington State dachte da noch einen Schritt weiter. Washington ist der Bundesstaat aus dem Starbucks kommt, in Seattle wird die Kaffeekultur hoch gehalten. Und in den Wäldern im Nordwesten wurden schon immer das Gras mit dem großen Weitblick angebaut. Warum also sollte man beides nicht vermischen, dachten sich die Gründer dieser kleinen Firma. Das Ergebnis heißt „Legal“, ein starker Kaffee vermischt mit „lokal angebautem“ Cannabis. Das ganze über Eis und man habe ein „besonderes Erfrischungsgetränk“. Mirth Provisions umschreibt diesen Morgendrink als „John Wayne der Eiskaffees“. Stark, vollmundig und mit etwas Cowboy Arroganz. Damit, so heisst es, werden die müden Geister am Morgen geweckt und man startet mit einem offenen Bewußtsein. Und das ganze ist auch noch legal. Daneben sind auch noch andere Mixgetränke im Angebot: Granatapfel, Ginger-Lemon und Kirsche. Natürlich mit dem bestimmten Zusatzgeschmack. Prost.

 

Das ist richtiges “Reality TV”

“Al Jazeera America” setzt ganz neue Maßstäbe. Der Nachrichtenkanal aus Katar ist vor Ort und präsentiert in seinen Programmen ein Bild, dass von dem, was CNN, MSNBC und FOXNews zeigen, Welten entfernt ist. Hier schreien sich keine erzkonservativen Obamahasser an wie auf FOXNews, hier türmt man nicht eine nach der anderen Verschwörungstheorie auf, um auf den Grund des verschollenen malaysischen Airliners zu kommen. Al Jazeera zeigt die Welt hinter den amerikanischen Grenzen, berichtet mit eigenen Korrespondenten aus Afrika, Asien, Südamerika, ist präsent und vor Ort.

Und nein, ich will hier keine Lobhudelei auf einen Sender loswerden, ich werde nicht von ihnen bezahlt, obwohl ich durchaus gerne für Al Jazeera arbeiten würde. Aber gestern Abend sah ich eine Sendung auf “Al Jazeera America”, die einfach großartig war. Nicht nur, dass damit das Thema der illegalen Einwanderung anders, einleuchtend, verständlich vermittelt wurde. Die Produzenten schafften mit “Borderland” auch eine grundlegende Kritik am amerikanischen Fernsehen. Seit Jahren schon nerven mich diese “Reality Shows” im Fernsehen. Da werden irgendwelche Hampelmänner und –frauen auf Südseeinseln oder in sonst einen Busch geschickt, um zu “überleben”. Andere lassen sich in Container einsperren, um den “Big Brother” nachzuspielen, unter den Augen der Öffentlichkeit wird dann “alles gezeigt”. Dann diese dämlichen Sendungen mit irgendwelchen Hausfrauen aus Beverly Hills oder sonst einem reichen Vorort. Nicht auszuhalten. Und das deutsche Fernsehen ist ja nicht besser. Da sucht ein Bauer eine Frau und die Zuschauer ergötzen sich an einem seltsamen Schauspiel, dass an Fremdschämen nicht zu überbieten ist. Außer man mag “Stromberg”, aber das ist im Vergleich gutes deutsches Fernsehen.

Und nun also Al Jazeera mit einer neuen Sendung, die, man kann es nicht anders sagen, brillant ist. Sechs Personen, Männer und Frauen, werden in “Borderland” zu einem Leichenschauhaus in Pima County gebracht. Dort Regale voller Leichen in “bodybags”, die in der Wüste gefunden wurden. Illegale Grenzgänger. Und hier beginnt diese Form von “Reality TV”. Jeweils zwei Kandidaten bekommen ein Bild und einen Namen von einem Toten und reisen in die Gemeinden. Nach Guaetemala, nach Südmexiko, nach Des Moines, Iowa. Und dort sprechen sie mit Verwandten und Freunden, erfahren mehr über diejenigen, die in der Wüste verendet sind, folgen ihren Spuren, erleben, was sie auf sich genommen haben, um in das gelobte Land nördlich der Grenze zu kommen. Die Gruppe der “Borderland Kandidaten” ist eine Mischung aus Menschen, die zum einen sagen, macht die Grenze dicht, lasst niemanden mehr herein. Und dem anderen Teil, die erklären, Grenzen sind unsinnig, Menschenleben werden so nur unnötig gefährdet. Doch beide Seiten müssen im Zuge ihrer neuen Erfahrunge ihre Haltung von grundauf überdenken, denn Al Jazeera geht in dieser Fernsehserie nicht nur auf die illegalen Einwanderer ein, die in den USA arbeiten wollen. Die Produzenten berichten auch vom brutalen Drogenkurierdienst durch die Wüste von Arizona, kontrolliert von den mexikanischen Kartellen. Sie bringen die Gruppe zu Farmern im Grenzland, die ihnen von ihren Problemen, Ängsten und ihrer allgemeinen Siutation berichten. Von gewaltbereiten Drogenschmugglern, die schneller schießen als Hallo zu sagen.

“Borderland” ist TV, wie man, wie ich es mir wünsche. Nah dran, gut recherchiert, kontrovers, zum Nachdenken anregend, neu….eben nicht nur eine dumme Berieselung und ein Vorgegaukel an Problemen, die eigentlich keine sind. “Al Jazeera America” läuft in den USA auf einem Kabelkanal, den man extra abonnieren muß. Das ist der eigentliche Skandal hier, denn eine Sendung wie “Borderland” gehört ins freie Abendprogramm zur besten Sendezeit. Denn, wenn mehr Amerikaner das sehen würden, könnte eine “Immigration Reform” nicht länger auf die lange Bank geschoben werden.

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Der Tod kommt vom Norden

Mehr als 10.000 Menschen sind seit Anfang 2008 auf den Straßen der nordmexikanischen Grenzstadt Ciuadad Juarez ermordet worden. Ein brutaler Drogenkartellkrieg wird in der Nachbarstadt zu El Paso ausgetragen. Es geht um die lukrativen Routen in den größten Drogenmarkt der Welt – die USA.

Die Waffen für die Kartelle und die Gangs, die den Straßenkrieg befeuern kommen aus den USA. Es gibt in Mexiko keinen freien Zugang zu Knarren, der einzige legale Waffenladen ist in Mexiko City und nur zugänglich für Angehörige der Polizei und der Armee. Nördlich der Grenze, entlang der „Border Region“, haben Hunderte von Waffenläden aufgemacht. Gezielt werden alle Kaliber über die Grenze geschmuggelt. Alleine seit Dezember 2006 wurden von den mexikanischen Sicherheitsbehörden 140.000 Waffen im ganzen Land beschlagnahmt.

Um ein Zeichen gegen die unkontrollierte Waffenflut von Nord nach Süd zu setzen, hat nun der mexikanische Präsident Felipe Calderon ein mehrere Tonnen schweres „Billboard“ (Werbetafel) in Grenznähe enthüllt. Aus zertrümmerten Pistolen und Gewehren wurden die Worte „No More Weapons“ geformt. Zuvor nahm er an der  Zerstörung von 7500 beschlagnahmten Waffen teil.

Mexiko braucht im Kampf gegen die Drogenkartelle die Unterstützung der Vereinigten Staaten. Doch gerade bei der Waffenkontrolle sind Präsident Obama die Hände gebunden. Konservative Kräfte und die überstarke Waffenlobby in den USA wehren sich gegen jeglichen Eingriff in ihr vermeintliches Grundrecht auf Waffenbesitz und schärfere Waffengesetze. Die Probleme südlich der Grenze seien ein rein mexikanisches, heißt es. Ein Irrglauben, wenn man sich nur die harten Zahlen der geschmuggelten Drogen Richtung Norden und des illegalen Waffentransfers Richtung Süden ansieht.

Juarez und die gute Meldung

Zu Anfang die gute Nachricht. Die Mordrate in Juarez ist in diesem Jahr drastisch gefallen. Bislang sind „nur“ rund 2000 Morde zu verzeichnen. 2010 kamen insgesamt 3111 Menschen in der mexikanischen Grenzstadt durch Gewaltverbrechen zu Tode. Doch so richtig feiern will in Juarez niemand. Nach wie vor ist die Nachbarstadt El Pasos im Griff der Drogenkartelle und brutalen Gangs, die sich seit vier Jahren einen Straßenkrieg liefern, bei dem die Polizei, das Militär und die Behörden zumeist nur reagieren können.

Immer mehr Menschen wandern ab, Fabriken werden geschlossen, die lokale Wirtschaft leidet und nun ist eine weitere Branche hart getroffen worden. Die Bestattungsunternehmer beklagen das schlechte Geschäft in den letzten Monaten. Kein Witz! Sie spürten die niedrigere Mordrate in der eigenen Kasse, so die Totengräber, die vor den Büros der Ermittlungsbehörden auf betroffene Familien warten. „Es gab Tage, da hatten wir 12-15 Bestattungen pro Tag“, meint einer der Leidtragenden. „Nun haben wir nur noch eine bis zwei pro Woche“. Er und seine Kollegen erkennen zwar, dass die Gewalt ein Problem für Ciudad Juarez ist, doch am Ende zählt für sie nur das monatliche Einkommen. Er müsse schließlich eine Familie ernähren, betont ein anderer.

Obwohl die Mordrate zum Vorjahr gesunken ist, sie liegt noch immer höher als 2008, dem Jahr, in dem die Drogenkartelle am Rad drehten und Juarez zum Schlachtfeld erklärten.

 

 

Tod und Anarchie in Juarez

Ciudad JuarezÜber die Situation im nordmexikanischen Ciudad Juarez wird in diesen Tagen viel berichtet. Ein erneutes Massaker an Jugendlichen geht durch die Nachrichten…

Vor einigen Monaten besuchte ich die Grenzstadt zu El Paso. Als ich dort war, wurden täglich „nur“ zehn Menschen ermordet. Mittlerweile ist die Situation erneut außer Kontrolle geraten. 20-30 Menschen werden in Juarez täglich Opfer von Gewaltverbrechen…..und ein Ende ist nicht in Sicht.

Zum Nachhören hier das SWR/DRS-Feature. Reise in eine Stadt, die im Chaos versinkt:

Besuch in Ciudad Juarez     

Der Kinderalltag in Juarez

Ciudad Juarez ist die Grenzstadt zu El Paso. Nur eine Brücke trennt die beiden Städte. Hier die zweitsicherste amerikanische Großstadt, dort die gefährlichste Stadt der Welt. Alleine in diesem Jahr sind schon über 2100 Menschen in Juarez ermordet worden. Am vergangenen Donnerstag war es wieder mal besonders blutig. 25 Menschen starben, der jüngste gerade mal 15 Jahre alt.

Mord in JuarezDie 1,5 Millionen Stadt gleicht einer Kriegszone. Ein normales Leben ist schon lange nicht mehr möglich. Schießereien, „Drive-by shootings“, gezielte Morde, Entführungen, Vergewaltigungen und nun auch immer öfters Autobomben, der Alltag in Juarez wird mit Blut gemalt. Die Polizei und das Militär zeigen Präsenz, bekommen die Situation aber nicht unter Kontrolle. Die Kartelle und die ihnen angegliederten Banden bekriegen sich bis zum bitteren Ende. Drogen, Waffen, Respektlosigkeit vor einem menschlichen Leben, Juarez ist zum einem Höllenplatz geworden.

Und die Kinder, die in Familien geboren wurden, die nicht einfach wegziehen können, sie wachsen mit der täglichen Gewalt auf, den täglichen Bildern in den Zeitungen und im Fernsehen und in der Nachbarschaft. Mit der Angst selbst davon betroffen zu sein. Dieses Bild zeigt genau das, was in Juarez tagtäglich passiert. Ein kleines Mädchen schaut durch ein Gitter zum Nachbargrundstück. Dort liegen nach einer Schiesserei gleich mehrere Tote auf dem Asphalt. Der Drogenkrieg hat viele Opfer.

Der bedröhnte Cop

Gibt es eigentlich sowas nur in den USA? Ein Polizist beschlagnahmt Marihuana und backt damit mit seiner Frau zu Hause  „Brownies“. Doch damit nicht genug, als beide so richtig bedröhnt sind rufen sie den Notruf an und erklären, sie sterben gerade und die Zeit vergeht „sehr, sehr, sehr langsam“. Ok, das Video ist schon etwas älter, aber dennoch, man kann nur lachen und sich an den Kopf packen…

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SWR2 RadioTipp: Ciudad Juarez

Das SWR2 Feature über die Reise nach Ciudad Juarez kann man nun hier anhören.

Über die Situation in der mexikanischen Grenzstadt hatte ich auch ausführlich in der NZ berichtet:

SWR2 Feature
„The perfect storm“

Sendung am Mittwoch, 14.07.2010, 22.05 bis 23.00 Uhr
Juarez, eine Stadt versinkt im Chaos
Von Arndt Peltner
Ciudad Juarez ist eine mexikanische Grenzstadt, gleich neben El Paso, Texas, USA. Eineinhalb Millionen Menschen wohnen hier. Noch vor wenigen Jahren war sie ein beliebtes Ausflugsziel und Partyzone für Amerikaner und Mexikaner gleichermaßen. Juarez war das Musterbeispiel einer funktionierenden „Global Economy“, es herrschte Vollbeschäftigung, die Wirtschaft boomte und machte die Stadt zum Dreh- und Angelpunkt zwischen Nord- und Mittelamerika.
Das änderte sich schlagartig im Januar 2008, als zwei mexikanische Drogenkartelle einen offenen Krieg um die Transportwege in die USA eröffneten und für die Stadt „the perfect storm“ losbrach. Nahezu 5500 Menschen hat er bisher das Leben gekostet und Ciudad Juarez zur gefährlichsten Stadt der Welt gemacht, noch vor Bagdad und Kabul. Brutale Gangs schalteten sich ein und beförderten den offenen Fall der Stadt ins Chaos. Die Arbeitslosigkeit stieg auf 25 Prozent, der Tourismus ist vollständig zusammen gebrochen, die Elite der Stadt hat das Weite gesucht. Und der Bürgermeister hofft, das Ruder rasch herumreißen zu können.