Drogenkrieg eskaliert

Es geht um Milliarden Dollar. Auf beiden Seiten der Grenze verdienen sich einige Drogenbosse und Waffenschmuggler eine goldene Nase. Die mexikanische und die amerikanische Regierung wollen das Problem sogar gemeinsam angehen, doch bislang merkt man vor Ort nicht viel. 23.000 Morde in den letzten paar Jahren sprechen eine deutliche Sprache und die Gewaltspirale dreht sich weiter. Die Grenzstädte Juarez und Tijuana sind zu den gefährlichsten Städten der Welt geworden. Hier kennen die Gangs und Drogenbosse keine Gnade. Niemand ist sicher, der sich ihnen auch nur in den Weg stellt.

Die US Regierung hat nun angekündigt, die jährlichen Hilfszahlungen an Mexiko umschichten zu wollen. Anstelle von Hardware zur Drogenbekämpfung wolle man die finanziellen Mittel lieber zur Verringerung der Korruption bei Polizei, Armee und Politikern einsetzen. Das dies nicht weither geholt ist zeigt die Situation in Juarez. Der Bürgermeister der Stadt erklärte gegenüber der NZ, dass er bei Amtsantritt im Sommer 2007 rund 1600 korrupte Polizisten entlassen musste.

Mexico  Drug WarUnd nun wurde der Bürgermeister von Cancun, Gregorio Sanchez, verhaftet. Ihm wird Drogenhandel, Geldwäscherei und Verstrickungen in die organisierte Kriminalität vorgeworfen. Der Beschuldigte bestreitet dies, wirft der Regierung in Mexiko City ein politisches Manöver vor, denn Sanchez ist zur Zeit ein Kandidat bei der anstehenden Gouverneurswahl im Bundesstaat Quintana Roo.

Doch zweifellos ist die Korruption ein riesiges Problem in Mexiko. Viel Geld ist im Spiel, Polizisten und Soldaten sind unterbezahlt und auch Politiker halten gerne die Hand auf, um wegzuschauen. Die USA und Barack Obama erkennen langsam, dass der Drogenkrieg südlich der Grenze kein rein mexikanisches Problem mehr ist. Obamas Vorgänger, George W. Bush, kümmerte sich reichlich wenig um die Situation in Mexiko, auch wenn die USA unter Bush mit verschiedenen politischen Entscheidungen die Situation im Kartellkrieg nur noch weiter befeuerten. Barack Obama orderte nun auch US Truppen an die Grenze, um illegale Einwanderung und den Drogenschmuggel zu stoppen.

Die Einmischung Washingtons und der Versuch gemeinsam mit der Regierung Calderon der Korruption Herr zu werden. Ein wichtiger Schritt, der jedoch auch ins Leere führen kann. „Es herrscht Anarchie auf den Strassen“, erklärte mir ein mexikanischer Journalist in Juarez. Er beschrieb ein Bild mit wenig Hoffnung. Die Zeit wird es zeigen….bis dahin werden noch tausende von Menschen der Gewalt in Mexiko zum Opfer fallen.

Bambi ist tot!

Reh in OaklandEast-Oakland ist eine Problemgegend. Die Mordrate ist hoch, Drogendealer und Gangs bekriegen sich. An jedem Wochenende gibt es eine Ballerlei, meist mit tödlichem Ausgang. Am vergangenen Wochenende hat jedoch die Polizei munter drauf los geschossen. Ein Reh hatte sich in der Gegend verirrt und sich schliesslich in einem Garten versteckt. Ein paar Polizisten berieten sich und erklärten das Reh zum „public danger“, zur Gefahr für die Öffentlichkeit. Sie sperrten die Gegend ab, blockierten weitere Blicke von Schaulustigen und Kindern, die zum ersten mal ein richtiges „Bambi“ zu sehen bekamen und legten an. Sieben (!) Schüsse wurden auf das junge Reh abgefeuert, bevor es schliesslich tödlich getroffen wurde.

Der Aufschrei ist gross in Oakland. Wie konnte man nur ein gesundes Reh, das sich lediglich in eiem Garten verlaufen hatte, so niedermetzeln? Die Polizei hingegen verteidigt sich, man kenne sich aus mit Pitbulls, wisse, was man da zu tun habe. Aber mit Rehen in East-Oakland, da habe man keine Erfahrung. Von daher wurde Bambi als gefährlich eingestuft und erschossen….wow, in so einer Stadt lebe ich, ich fühle mich hier richtig sicher!!!

Leben mit dem Horror

Ich weiss gar nicht, wo ich heute anfangen soll. Sitze hier mit einer Flasche „Dos Equis“ Bier und mir wäre eigentlich mehr nach Tequila. Der Morgen begann mit einer Fahrt entlang der Grenze. Eine Fülle von Informationen, einem versuchten illegalen Grenzübertritt, aber alles in allem ein ruhiger Tag für die „Border Patrol“ im Sektor El Paso.

juarez5Am Nachmittag bin ich dann wieder rüber nach Juarez gelaufen. Ich ging in Downtown spazieren, war essen, genoss das Pulsieren im Zentrum. Dann zum Rathaus, von dort brachte mich der Pressesprecher zur Polizei. Ich wollte ja mal direkt die Arbeit der Polizei sehen. Ein Mann erwartete uns schon, dem ich quasi übergeben wurde. Er stellte sich als Aurel vor und war in zivil gekleidet. Er wirkte ein bisschen so wie ein übergewichtiger Heinz Rudolf Kunze. Mit einem Polizeiwagen, in dem noch mehrere Uniformierte mit Kugelwesten sassen ging es los. Alle redeten Spanisch, ich verstand so gut wie gar nichts, denn keiner von ihnen sprach Englisch.

Nach rund 15 Minuten Fahrt drehte der Wagen plötzlich um, wir fuhren zurück zum Präsidium. Dort angekommen stieg Aurel aus, sagte nur „come, come“ und ging mit mir zu einem ziemlich angeschlagenen Nissan Kleinwagen. Kaum sassen wir drin ging die Fahrt los. Die Anzeigen leuchteten alle, vom Fernlicht bis zur Öllampe, die Gurte funktionierten auch nicht…und auch der Tacho blieb auf Null. War wohl besser so, denn Aurel fuhr wie der Henker. Links und rechts vorbei, rote Ampeln wurden überfahren, nichts hielt ihn auf. Nach rund 10 Minuten quer durch die Stadt bog er auf eine Schnellstrasse, die jedoch total verstopft war. Aurel fackelte nicht lange, drehte um und fuhr eine Umgehungsstrasse. juarez4An einem Einkaufszentrum parkte er und erneut „come, come“. Wir gingen über die Strasse und da war auch der Grund für den Verkehrsstau. Die Polizei und das Militär hatten eine Fahrspur gesperrt. Ein Pickup steckte an einem Müllcontainer, auf dem Fahrersitz ein blutüberströmter Mann. Tot. Der Wagen durchlöchert von dutzenden Schüssen aus einer Kalaschnikow. Auf der Strasse stehen Marker mit Nummern drauf, 92 Projektile fand die Spurensicherung. Eine Exekution, wie mir ein Polizeisprecher am Telefon erklärte. Nichts besonders für Juarez in diesen Tagen. Heute gab es zehn Morde.

Aurel zog mich weiter, „another killing“. Wieder wie der Hexenmeister durch die Strassen der Stadt und so langsam fragte ich mich, wer er eigentlich ist. Also Polizeiarbeit scheint sich hier auf die Besichtigung von Leichen zu beschränken. Diesmal jedoch wurde der Einsatz abgeblasen. Wir trafen zwei weitere Reporter, die für die lokale Tageszeitung arbeiten, mit ihnen fuhren wir durch die Gegend. Dabei wurde der Polizeifunk abgehört. Nach vier Stunden und keinem weiteren Mord brachten sie mich zur Santa Fe Brücke. Für sie hatte die Nacht erst gerade begonnen, als ich ausstieg plärrte es wieder ganz heftig aus dem Polizeiscanner.

Alltag in Juarez

Wenn man von El Paso über die Brücke nach Juarez läuft, kommt man auf eine Strasse, die noch bis vor kurzem eine Partymeile war. Restaurants, Bars, Souvenirläden liegen nebeneinander. Doch heute stehen rund 60 Prozent davon leer. Vom einst boomenden Juarez ist nicht mehr viel zu spüren und zu sehen. Amerikaner kommen schon lange nicht mehr. Die Schreckensmeldungen von tieffliegenden Kugeln, von um sich schiessenden Gang Mitgliedern und Kidnappings hat alle abgeschreckt. Als fast einziger  „Weisser“ laufe ich an diesem Morgen die Strasse runter Richtung Kathedrale. Immer mal wieder wird man angequatscht, ob man ein Taxi brauche oder nicht irgendwas kaufen möchte, aber keiner geht einen direkt an.

juarez3An diesem sonnigen Morgen fallen mir vor allem die Poster auf, die überall hängen. Darauf zumeist junge Frauen, die spurlos verschwunden sind. Schon seit Jahren ist das so. Mädchen und Frauen sind einfach weg. Hunderte. Und keiner weiss, was aus ihnen geschehen ist. Einige nehmen an, dahinter stecken ein paar Busfahrer, die die letzten Fahrgäste, wenn sie nur noch alleine im Bus sitzen, hinaus in die Wüste fahren. Niemand kommt von dort zurück. Andere vermuten reiche Familien, die junge Mädchen zu ihrem Spass entführen lassen. Auch die Polizei und das Militär stehen im Verruf. Doch was genau mit den Frauen geschah und noch immer geschieht, weiss bis heute niemand. Und das Problem ist nur noch ein Randproblem in einer Stadt, die mit einer Mordwelle zu kämpfen hat. Rund 100 sind es schon in diesem Jahr. Das ist die offizielle Zahl. Einige tausend sind es in den vergangenen zwei Jahren geworden.

juarez2Die Tageszeitung „PM“ in Juarez berichtet Tag für Tag über die Horrormeldungen des Vortages. Und das mit den brutalsten Bildern, die man schiessen kann. Die Photographen der Zeitung halten drauf, um so blutiger um so besser. Von jeder Titelseite tropft fast das Blut eines Opfers. Juarez ist in einer Spirale der Gewalt gefangen. Man lebt hier mit der Gewalt. Irgendwie hat man sich damit abgefunden. Gewalt ist, wie im Fall von „PM“, ein stückweit die tägliche Droge geworden. Nicht genug, dass es passiert, man muss es auch sehen, man will am Gemetzel teilhaben.

Im Zentrum ist irgendwie die heile Welt. Die Einkaufsstrasse ist gut besucht. Laute Musik, so laute Musik wie auf einem Jahrmarkt plärrt einem aus jedem Geschäft entgegen. Und dann, als ich mich zu einem längeren Fussmarsch Richtung Diözese aufmachte, weg von Downtown, da wurde mir doch ein bisschen mulmig. Auf einmal war ich ganz alleine in einer Seitenstrasse unterwegs. Keiner mehr weit und breit zu sehen. Etwas erleichtert bog ich dann doch wieder auf die Hauptstrasse ein. Man macht sich wirklich selbst verrückt an so einem Ort.

Morgen früh geht es mit der amerikanischen „Border Patrol“ auf eine Streife. Danach wieder rüber nach Juarez. Am Abend soll mich die dortige Polizei mitnehmen. Ich bin gespannt, was ich zu sehen bekomme.

Die Haushaltskrise wird geraucht

Marihuana Rauchen tut gut. Zumindest könnte man damit den kranken kalifornischen Haushalt wieder gesund machen. Das zumindest dachte sich der Abgeordnete Tom Ammiano, der San Francisco im Staatsparlament vertritt und nun die Legalisierung und die Besteuerung von „Pot“ verlangt. Jeder über 21 im Sonnenstaat sollte das Gras anbauen, kaufen, verkaufen und besitzen dürfen. Zwar ist all das bundesrechtlich verboten, aber schwierige Zeiten erfordern schwierige Lösungswege.

Ammiano geht davon aus, dass die Legalisierung und die Besteuerung von Marihuana bis zu einer Milliarde Dollar pro Jahr in den Staatssäckel Kaliforniens bringen würde. Ein Betrag, den man in diesen Zeiten dringend brauchen könnte.

Zwar stösst der Vorstoss des Abgeordneten nicht gerade auf breite Basis, doch er wird durchaus ernsthaft auf vielen Ebenen diskutiert. Viele in Kalifornien sind dem Marihuana nicht gerade abgeneigt. Im Norden des Bundesstaates wird tonnenweise angebaut, privat zum persönlichen Gebrauch, aber auch landwirtschaftlich im grösseren Stil. Allerdings bislang illegal. Auch stimmten die Wähler Kaliforniens im Jahr 2006 zu, dass schwer Erkrankte Zugang zu Marihuana als schmerzstillendes und stimulierendes Medikament haben sollten.

Also, abwarten….in Kalifornien könnten schon bald die roten Zahlen des Staatshaushalts in Rauch aufgehen…und das mit einem breiten Grinsen um die Lippen.

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