Die Lage südlich der „Mauer“

Feature - The Perfect Storm     

Eine alltägliche Szene in Juarez.

2009 reiste ich zum ersten Mal nach Ciudad Juarez. Damals tobte ein Drogenkartellkrieg in der Nachbarstadt von El Paso, Texas. Tausende von Menschen wurden Opfer des brutalen Straßenkrieges. Die Touristen blieben aus, Restaurants, Kneipen, Läden machten dicht, wurden mit Brettern vernagelt. Juarez versank im Chaos, glich nachts einer Geisterstadt. Mit Maschinengewehren bewaffnete und vermummte Polizisten patroullierten auf Pick Up Wagen durch die Stadt. Das Sinaloa Kartell kämpfte gegen das Juarez Kartell um die wichtigen Drogenrouten in die USA.

Nach ein paar Jahren stabilisierte und beruhigte sich die Lage wieder, das Sinaloa Kartell hatte den Krieg gewonnen. Die Mordrate sank von über 3000 im Jahr 2009 auf rund 500. Ciudad Juarez rutschte auf der Weltrangliste der gefährlichsten Städte von Platz 1 ins Mittelfeld ab.

Doch die Ruhe in Mexiko war nur von kurzer Zeit, wie die jüngste Statistik der 50 gefährlichsten Städte der Welt zeigt. Hier werden die Morde pro Einwohnerzahl gemessen. 12 der Städte liegen in Mexiko, unter den Top Ten sind sogar fünf mexikanische Städte zu finden: Platz 1 Los Cabos, Platz 3 Acapulco, Platz 5 Tijuana, Platz 6 La Paz, Platz 8 Victoria. Und Ciudad Juarez liegt auf dem 20. Platz mit einer Entwicklung nach oben, sprich die 1000er Mordrate in diesem Jahr ist schon jetzt fast erreicht. Mexiko und gerade auch die Touristenziele Los Cabos und Acapulco versinken in einem Blutbad. Die Gewaltspirale dreht sich erneut beim südlichen Nachbarn der USA.

Doch wie einst George W. Bush sieht auch Donald Trump das Problem in Mexiko selbst. Für Trump gilt, der Mauerbau würde – zumindest für die USA – alles lösen. Den Drogenfluss von Süd nach Nord, den Waffenfluss von Nord nach Süd und schließlich auch nocht die mexikanischen „Bad Guys“, „Rapists“ und „Criminals“ draußen lassen. Mexiko solle sich gefälligst um die eigenen Probleme kümmern. Das ist die Logik, die schlichtweg falsch ist. Die Gewalt in Mexiko hängt nach wie vor eng mit dem größten Drogenmarkt und den liberalsten Waffengesetzen der Welt zusammen. Die USA sind gefordert mit Mexiko zusammen zu arbeiten, um die erneute Gewaltwelle unter Kontrolle zu bringen. Doch das ist Wunschdenken in einer Zeit, in der eine Hunderte Meilen lange Mauer als Lösung für nationale Probleme gesehen wird.

„Breaking Bad“ in California

Wenn man durchs Central Valley von Kalifornien fährt, dann ist man froh im Süden die Tehachapi Berge oder im Norden den Altamont Pass zu erreichen. Interstate 5 ist die Hauptverkehrsader in Kalifornien, schnurgerade durch Farmland gebaut. Im Sommer ist es extrem heiß, im Winter wabern hier undurchsichtige Nebelbänke herum. Und ansonsten herrscht Langeweile, wenn man da auf offener Strecke eine Meile nach der anderen abfährt.

Das Central Valley wurde bekannt für Farmproteste und seine Bakersfield Country Music Szene. Ansonsten gibt es nicht viel im Gemüsegarten Amerikas. Doch hier hat sich seit Jahren auch eine weitverzweigte Gangkultur breit gemacht. Banden, zwischen Los Angeles und der San Francisco Bay Area mit engen Kontakten zu den Drogensyndikaten in Nordmexiko nutzen die verschlafene Ruhe für sich aus. Der Interstate 5 ist auch zu einer Ader zu den Drogenbaronen südlich der Grenze geworden. Und das hat sich immer mehr zu einem Problem in Kalifornien entwickelt. Die Drogenfahnder griffen durch und konnten so unzählige an Meth Laboren ausfindig machen, in denen die Crystals, ganz in „Breaking Bad“ Manier gekocht wurden.

Beschlagnahmte "Tequila" Flaschen mit Meth-Flüssigkeit.

Beschlagnahmte „Tequila“ Flaschen mit Meth-Flüssigkeit.

Die Kartelle haben darauf allerdings reagiert und das lukrative Business in den Süden verlegt, auf die andere, die sichere Seite der Grenze. Dort wird gekocht und alles verflüssigt. Das Meth wird dann in Tequila- und Saftflaschen gefüllt und harmlos verpackt über die Grenze nach Norden gebracht. Im Central Valley wird dann in Kleinstlabors, meist mitten in Wohngebieten, die Flüssigkeit in die verkaufsfertige Droge umgewandelt.

Immer öfters finden daher Polizisten und Ermittler in Kofferräumen von Autos Richtung Norden ganze „Tequila“ Kisten. Auch die Grenzbeamten ziehen an den Übergängen mehr und mehr Schmuggler in den Warteschlangen raus, die mit verdächtigen Flaschen auffallen. Im vergangenen Jahr stoppte die Border Patrol einen 16jährigen am Grenzübergang in San Diego, der erklärte, die Gallone bei sich sei wirklich Apfelsaft. Um das zu prüfen nahm er einen kräftigen Schluck und schrie sofort auf vor Schmerzen. Nach einigen qualvollen Stunden verstarb der Jugendliche.

Die mexikanischen Drogenkartelle kontrollieren das lukrative Geschäft im Norden. Über das Central Valley wird der gesamte amerikanische Westen abgedeckt. Man kann heute ohne Zweifel sagen, dass der in dern 80er Jahren ausgerufene „War on Drugs“ eine Totalniederlage für Amerika ist. Eine Verschwendung von Geldern, Energie und Ressourcen und obendrein noch eine Kriminalisierung weiter Teile der US Bevölkerung. Gebracht hat er so gut wie gar nichts. Bloß, das will niemand so offen eingestehen.

Durchatmen in Mexiko

„El Chapo“ Guzman wurde in der Nacht zum Samstag verhaftet. Angeblich hielt er sich mit einer Frau in einem Hotel in Mazatlan auf. Der 56jährige ist der Kopf des berüchtigten Sinaloa Drogenkartells, das seit 2008 für einen blutigen Straßenkrieg im Norden Mexikos verantwortlich ist. Allein in der Grenzstadt Ciudad Juarez starben weit über 10.000 Menschen im Kartellkrieg zwischen dem Sinaloa und dem Juarez Kartell.

Mehrere Millionen Dollar waren in den vergangenen Jahren für die Ergreifung von „El Chapo“ Guzman ausgesetzt worden. Sowohl die mexikanischen wie auch die US amerikansichen Behörden wollten ihn fassen. 1993 wurde er bereits einmal verhaftet und wegen Mord und Drogenhandels verurteilt. Doch 2001 gelang ihm die Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis in Mexiko.

Amerikanische Spezialeinheiten der DEA und der Federal Marshalls sollen nun an der Verhaftung in Mazatlan beteiligt gewesen sein. Schon seit längerem sind amerikanische Ermittler und Spezialeinheiten im mexikanischen Drogenkrieg aktiv. Die US Behörden bereiten wohl auch bereits einen Auslieferungsantrag vor. Sie wollen nicht noch einmal riskieren, dass Guzman entkommt und wieder die Geschäfte des Sinaloa Kartells übernimmt, wie nach seiner Flucht 2001. Guzman tauchte sogar auf der Reichen Listen von Forbes auf. Mit dem Drogenhandel  hatte er ein Vermögen gemacht. Tonnenweise brachte er Kokain durch unterirdische Tunnel ins nördliche Nachbarland.

In Mexiko wurde die Nachricht mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Mit der Verhaftung des Kartellbosses wird sich nicht viel am Bandenkrieg auf den Straßen ändern. Man geht sogar davon aus, dass das Syndikat verstärkt Vergeltungsschläge gegen staatliche Einrichtungen und Ermittlungsbehörden unternehmen wird. Guzman soll freigepresst werden. Nach dem kurzen Auftatmen werden sich also wieder die Sorgenfalten, gerade in den Grenzstädten zu den USA, breit machen.

„Bei 800 Toten hörte ich auf zu zählen“

Arturo Gallegos Castrellon wird wohl die Todesstrafe bekommen. Castrellon war einer der Bosse im Juarez Kartell. Er ist angeklagt, die Morde an der amerikanischen Konsulatsmitarbeiterin Lesley Enriquez, ihrem Ehemann Arthur Redfels und Jorge Alberto Salcido Ceniceros, Ehemann einer weiteren Konsulatsmitarbeiterin in Ciudad Juarez angeordnet zu haben. Und dabei war alles wohl bloß ein „Mißverständnis“. Am 13. März 2010 wurden die beiden Autos von Enriquez, Redfels und Ceniceros direkt an der Santa Fe Bridge und damit direkt gegenüber der amerikanischen Grenze gestoppt und mit Kugeln durchsiebt. Die Beschreibung eines der Wagen, ein weißer Honda Pilot, paßte auf das Auto einer verfeindeten Gang. Man fragte nicht viel, sondern schaffte gleich blutige Tatsachen.

Einer, der seinen früheren Boss und Weggefährten im Prozess in El Paso schwer belastet, ist Ernesto Chavez Castillo, Mitglied der berüchtigten Azteca Straßengang, die von einer US amerikanischen Gefängnisgang zu einer der blutigsten und brutalsten Gruppierungen im Drogenkartellkrieg Nordmexikos aufstieg. Die Aztecas arbeiteten für das Juarez Kartell im Kampf um die Drogenwege Richtung Norden. Ihre Feinde waren das Sinaloa Kartell und deren verbündete Gangs.

Castillo gab den Geschworenen im Prozess gegen Castrellon nun einen Einblick in den Lebensalltag des Straßenkrieges auf der anderen Seite der Brücke. Er habe bei 800 Morden aufgehört zu zählen, meinte er mit ruhiger Stimme. Oftmals habe er seine Opfer schwer mißhandelt, gefoltert, den Kopf und Extremitäten abgeschnitten, einfach, um Eindruck bei seinen Vorgesetzten zu schaffen. Er wußte, so Castillo, solch ein Mord bringe gute Schlagzeilen in den Medien. Auch eine Warnung an verfeindete Gruppen.

Wieviele Morde genau auf das Konto der Aztecas gehen, läßt sich nicht klären. Doch in den letzten fünf Jahren wurden in Juarez weit über 12.000 Menschen umgebracht. Die Aztecas operieren noch immer im Grenzgebiet, allerdings nicht mehr für das Juarez Kartell. Das hat den blutigen Krieg mit dem Sinaloa Kartell verloren. Die Mordrate ist daher auch von 3622 im Jahr 2010 auf 2086 im Jahr 2011 auf 751 im Jahr 2012 gefallen. Juarez ist auch heute keine sichere Stadt, doch so langsam kommt das Leben in der einstigen Mordmetropole der Welt zurück. Der Prozeß auf der anderen Seite der Brücke in El Paso zeigt die ganze Brutalität und Sinnlosigkeit dieses Drogenkrieges auf. An Einzelheiten wird dabei nicht gespart. Auch das ein Teil des Lebens im Grenzgebiet zwischen den USA und Mexiko.

 

Man kann wieder leben in Juarez

1623. 2754. 3622. 2086. 797. 450. Diese Zahlen sind die Mordraten zwischen 2008 und 2013 in der nordmexikanischen Stadt Ciudad Juarez. 2010 war ich zum ersten mal in der Nachbarstadt von El Paso. Hier die sicherste Großstadt der USA, auf der anderen Seite der Brücke die gefährlichste Stadt der Welt. Die einstige Partystraße gleich hinter der Santa Fe Bridge war verwaist. Bars und Restaurants mit Brettern vernagelt. Schwer bewaffnete Bundespolizisten patroullierten die Straßen, von Touristen war weit und breit nichts mehr zu sehen. Ab 20 Uhr waren die Straßen wie leer gefegt. Damals 2010 erreichte der Kartellkrieg mit 3622 Morden einen Höhepunkt. Verfeindete Gangmitglieder wurden mit Maschinengewehren durchsiebt, ihre Köpfe abgetrennt und als Warnung irgendwo abgeladen. Juarez versank im Chaos.

Ein Jahr später hatte sich die Lage leicht verbessert, doch nach wie vor war man in der Stadt nicht sicher. Damals meinte jemand, es werde erst dann besser, wenn eines der beiden Kartelle den brutalen Drogenkrieg gewinnt. Das Sinaloa Kartell hat den blutigen Kampf um Macht, Einfluß und Drogenwegen Richtung Norden schließlich gewonnen. Das Juarez Kartell ist so gut wie zerschlagen.

Juarez ist auch heute sicherlich keine sichere Stadt. 450 Morde sprechen für sich. Raubüberfälle und Vergewaltigungen sind nach wie vor an der Tagesordnung. Es gibt noch immer Stadtteile, in die man besser nicht gehen sollte. Doch das Leben hat sich zum Positiven hin verändert. Die Menschen erleben wieder ihre Stadt, trauen sich auf die Straßen, genießen das Nachtleben in Restaurants, Bars und Nachtclubs. Die Kunst- und Kulturszene von Juarez, die einmaliges zu bieten hat, blüht wieder auf. Das Jellyfish Colectivo war immer dort und hat auch während der gefährlichsten Zeit das Stadtbild farbenfroh verändert. Eine Gruppe von jungen Künstlern, die ganz deutlich und überzeugt sagten: „Qiero a mi Ciudad – Ich liebe meine Stadt“. Es ist an der Zeit mal wieder nach Ciuadad Juarez zu reisen.

 

Rocky Mountain High

John Denver hatte sicherlich nicht damit gerechnet, dass sein Song einmal so ausgelegt wird. Rocky Mountain High, high in den Rocky Mountains. Gott hab‘ ihn selig. Seit Anfang des Jahres darf man in Colorado legal Marihuana kaufen und verköstigen. Und eigentlich gibt es keine Beschränkungen. Man muß 21 sein, nach dem Genuß darf man nicht Autofahren, die Verkaufsshops dürfen nur von 8 Uhr morgens bis Mitternacht geöffnet sein und als Käufer darf man „nur“ eine Ounce, also rund 28 Gramm erwerben. Good Times, Rocky Mountain High.

Nun wird auch in anderen westlichen Bundesstaaten genau beobachtet, was sich da in den Bergen tut. Der Pottourismus verspricht gute Einnahmen für den Bundesstaat. In Kalifornien, Alaska, Arizona und Oregon sind bereits Initiativen entstanden, die bei den nächsten Wahlen die Wähler über eine Legalisierung von Marihuana abstimmen lassen wollen. Mit der Legalisierung von Marihuana unterläuft man auch die mexikanischen Drogen Syndikate. An der Grenze zum südlichen Nachbarn wird immer wieder tonnenweise Mariuhana beschlagnahmt. Mehr als 90 Prozent der konfiszierten Drogen ist Mariuhana.

Neue Töne im gescheiterten Drogenkrieg. Amerika erlebt derzeit einen Umbruch. In Umfragen erklären mehr als 50 Prozent der Bürger, dass sie nichts gegen eine Legalisierung von Pot hätten. Die Obama Administration hat darüberhinaus erklärt, dass sie erst einmal nichts gegen die Gesetzgebung in einzelnen Bundesstaaten unternehmen wird. Also, es ist und bleibt vorest legal in Colorado einen Joint zu drehen. Zumindest unter diesem Präsidenten. Und auch in Washington DC soll das Kiffen bald erlaubt sein. Ein bißchen high in der Politmetropole, vielleicht wäre das gar nicht so schlimm und würde den aggressiven Ton und das angespannte Verhältnis zwischen Demokraten und Republikanern etwas entschärfen. Good Times.

Buenas Tardes, Amigo

José am Telefon: „Mama, ich kann nicht mehr“.

Mama am Küchentisch: „José, hör auf damit“.

Mama hört José am anderen Ende der Leitung weinen.

José am Telefon „Mama, sie bringen mich um“.

Mama am Küchentisch: „José, geh einfach weg“.

José am Telefon: „Mama, ich kann nicht“.

Mama am Küchentisch: „José, doch….Du kannst und schaffst das. Die Amerikaner helfen Dir“.

Ok, das ist mein Vorschlag für den „War on Drugs“, den Kampf gegen die kolumbianischen Rebellengruppe FARC und die Drogenkartelle. Ja, ich weiß, kann man noch etwas ausarbeiten, aber es ist ein Start. Das US Militär ist derzeit auf der Suche nach Drehbuchautoren für 20 Folgen einer Radio Soap Opera, die sich gezielt an Mitglieder der bewaffneten Grppen und der Drogenkartelle Kolumbiens wenden sollen.

Soap Operas sind riesig in Mittel- und Südamerika. Und dabei wird auch immer wieder das Leben der reichen und schwerkriminellen Drogenmafiosos glorifiziert. Genauso wie in den sogenannten „Narcocorridos“, den Liedern über die Drogendealer.

Nun will MISO (Military Information Support Operations), quasi ein amerikanisches Propagandabüro des US Militärs vor Ort in Kolumbien, dem etwas entgegensetzen und mit einer eigenen, kitschigen Geschichte die harten Jungs erreichen und erweichen. Die terroristische FARC gibt es noch immer, der „War on Drugs“ läuft ja nun auch schon seit einigen Jahren und hat nicht den erhofften Erfolg gebracht. Weder Schießereien, gezielte Attentate, noch Ausbildung der lokalen Polizeieinheiten haben die bösen Jungs arbeitslos gemacht. Ganz im Gegenteil, weiterhin fließt der Stoff aus dem die bösen Träume sind ungehindert in die USA.

20 spannende Folgen werden nun in Auftrag gegeben und sollen der zuhörenden Bevölkerung zeigen, dass sich Kriminalität nicht rechnet. Ist klar! Einige Vorgaben gibt es allerdings für die Drehbuchautoren. Die Mitglieder der Kartelle werden in vier besonderen Folgen direkt angesprochen und zum Ausstieg aus dem Verbrechersumpf aufgefordert. Auch sollen die „Family Values“, die traditionellen kolumibianischen Familienwerte in den Vordergrund gerückt werden. Daneben geht es um den Umgang mit Frauen, Demokratie und Umweltbewußtsein. „José, schmeiß Deine Coladose nicht einfach weg, recycle sie. Das hilft Kolumbien“.

Die neue Strategie des US Militärs scheint so erfolgsversprechend zu sein, wie der von Präsident Ronald Reagan ausgerufene „War on Drugs“ in den frühen 80er Jahren, bei dem zum ersten mal die CIA und das US Militär gezielt gegen die Drogenkartelle eingesetzt wurden.

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Die Frauen von Ciudad Juarez

Die Frauen von Ciudad Juarez     

Ciuadad Juarez liegt gleich neben El Paso, Texas. Ein paar Brücken über den Rio Grande verbinden die beiden Städte. So nah wie Nürnberg zu Fürth, und doch trennen die beiden Kommunen Welten. El Paso gilt als eine der sichersten nordamerikanischen Großstädte, Ciuadad Juarez erholt sich gerade von einem der blutigsten Drogenkartellkriege in der Geschichte Mexikos. Seit dem Ausbruch der Schießereien Anfang 2008 wurden weit über 10.000 Menschen in Juarez umgebracht. Es gab Tage, da lagen 25 und mehr Tote auf den Straßen, die Leichenhalle der Polizei platzte aus allen Nähten. Es gab Monate da wurden 300 und mehr Tote gezählt. Es gab Stadtteile, das traute sich die Polizei nicht mehr rein, aus Angst beschossen zu werden, wenn sie eine weitere Leiche abholen wollte. Die Armee patroullierte durch die Stadt, man wusste nie, was hinter der nächsten Ecke auf einen wartete. Das gesamte öffentliche Leben kam zum Stillstand. Ciuadad Juarez glich nach Ausbruch der Dunkelheit einer Geisterstadt.

Tausenden von Toten in einem der blutigsten Drogenkartellkriege, Anarchie auf den Straßen, da interessierte sich kaum noch jemand für die Sicherheit der Frauen von Juarez. Seit den frühen 90er Jahren verschwanden immer wieder, zumeist junge Frauen, spurlos. Manchmal wurden ihre schwer mißhandelten, entstellten und vergewaltigen Körper irgendwo gefunden. In der Wüste, auf einer Müllhalde, in einem Graben. Was genau geschah, wurde nie geklärt.

Der Drogenkartellkrieg in Juarez hat sich gelegt, die Seiten haben sich geklärt. Das Sinaloa Kartell hat den blutigen Krieg um die Drogenwege in den größten Drogenmarkt der Welt, die USA, gewonnen. Im Juli verzeichneten die Behörden „nur noch“ 48 Ermordete. 33 Erschossene, sieben Erschlagene, sechs Erwürgte, zwei Erstochene. Das ist eine gute Meldung in einer Stadt, die schon fast aufgegeben wurde.

Doch die Situation für die Frauen von Juarez hat sich nicht verbessert. Nach wie vor wird von Seiten der Behörden abgewehrt, verschleiert, kaum ermittelt. Der Audiobeitrag (siehe oben) beschreibt, wie man in Ciuadad Juarez seit fast 20 Jahren damit lebt, dass Frauen einfach immer wieder spurlos verschwinden.

Gangland Los Angeles (1)

Polizeifahrt in South Central LA     

Los Angeles ist mit 40.000 Gang Mitgliedern „Gang Capital of the world“. Zumindest darauf bildet sich in LA niemand etwas ein, aber Tatsache ist, man hat sich damit abgefunden. Lange Zeit dachte man, man könnte hart durchgreifen, Polizeipräsenz zeigen und die bösen Buben von der Straße weg verhaften und hinter Gitter stecken. Doch das klappte nicht so richtig. Die Gewalt- und Kriminalitätsrate blieben unverändert hoch.

Nun versucht man ganz neue Wege zu gehen, mit Intervention und Prävention…und vor allem dem Eingeständnis, dass man dem Gangproblem nicht Herr werden kann. Gangs gehören zu Los Angeles wie das Hollywood Zeichen hoch droben am Berg. Es geht jetzt vielmehr darum, die Dinge in einem überschaubaren und kontrollierbaren Rahmen zu halten.

Hier der erste Audiobeitrag in einer Serie über die Gangs in Los Angeles.

Keine Angst mehr vor der Angst

Eine Grenze, die einen Großraum zerreißt. Früher waren El Paso und Ciudad Juarez fast eins. Man ging hin und her, tauschte sich aus, wandelte zwischen den Welten. Das hat sich alles durch den Drogenkrieg in Mexiko und den Anti-Terror Einsatz der Amerikaner geändert. Eine schwer bewachte Grenze teilt nun die beiden Schwesterstädte. In manchen Bereichen wurden zusammengewachsene Nachbarschaften auseinander gerissen. Ein hoher schwarzer Zaun im Stadtgebiet, alle 500 Meter ein Border Patrol Agent in einem SUV, Kameras und Bewegungsmelder und sogar Dronen werden im Kampf an der Grenze eingesetzt.

Man läuft über die Santa Fe Bridge und kommt auf die Avenida Benito Juarez, der einstigen Partystraße von Juarez. Noch vor zehn Jahren waren die Restaurants, Bars, Läden mit amerikanischen Touristen gefüllt. Anfang 2008 änderte sich dann alles. Ein offen ausgetragener Drogenkartellkrieg, Korruption in den Reihen der Polizei, die Weltwirtschaftskrise, neue Passgesetze in den USA und ein Nachbar im Norden, der einfach wegsah bildeten einen „perfect storm“. Juarez versank im Chaos, in einem Blutbad, der seitdem weit über 10.000 Menschenleben kostete.

Viele der Läden, Restaurants und Bars sind noch immer geschlossen, mit Brettern vernagelt. Doch es tut sich was in der Stadt. Man sieht mehr Menschen auf den Straßen, mehr Kinder die spielen, neue Läden und Kneipen werden eröffnet. Es scheint, man hat hier genug Angst gehabt. Man will leben, man will frei atmen, man will sich nicht länger verstecken in der Hoffnung, nicht der nächste Name in der Opferliste zu sein. Nach wie vor  bekriegen sich zwar die Gangs in einem blutigen Straßenkrieg, Frauen verschwinden spurlos, die Arbeitslosigkeit ist hoch, die sozialen Probleme erdrückend. Doch genug ist genug.

Juarez und El Paso, die Grenzregion in diesem westlichen Teil von Texas, ist eine wunderschöne Gegend. Hier treffen sich Autoren und Maler, Musiker und Kulturschaffende aller Art. Die Kreativität in der Region hat nie aufgehört, trotz Mord, Totschlag, Entführung, Vergewaltigung. Sie hat sich nur verändert, vielleicht ist sie sogar dadurch nur noch intensiver und vielfältiger geworden.