Juarez versinkt im Blutbad

JuarezDie Spirale dreht sich weiter. In Juarez, Mexiko, wurden am Samstag eine Amerikanerin, die dort für das US Konsulat arbeitet, ihr Mann und ein mexikanischer Angestellter des Konsulats ermordet. Die 35jährige Lesley Enriquez und ihr 34jähriger Mann Arthur Redelfs waren mit ihrem Baby im Auto kurz vor der Santa Fe Brücke, als die tödlichen Schüsse fielen. Enriquez wurde im Kopf getroffen, ihr Mann im Nacken. Beide verstarben noch am Tatort. Das Baby auf dem Rücksitz blieb unverletzt.

Das Bild zeigt den Tatort, unmittelbar an der Santa Fe Bridge. Links davon ist bereits das ausgetrocknete Flussbett des Rio Grande, auf der anderen Seite, also keine 50 Meter entfernt steht immer ein amerikanischer Border Patrol Agent. Dieser muss am Samstagnachmittag wohl hilflos mitangesehen haben, wie die beiden Amerikaner erschossen wurden

Zehn Minuten zuvor wurde Jorge Alberto Salcido Ceniceros erschossen, der im US Konsulat als Lokalkraft angestellt war. Seine beiden Kinder im Wagen wurden schwer verwundet. Enriquez, Redelfs und Ceniceros waren zuvor auf derselben Veranstaltung.

Präsident Obama, Präsident Calderon und Aussenministerin Clinton zeigten sich geschockt von dem Zwischenfall und sprachen den Angehörigen ihr Beileid aus.

Über den Mord an den Amerikanern wurde in den US Medien gross berichtet. Damit ist die Situation in Juarez seit langem mal wieder in den amerikanischen Schlagzeilen. Seit Januar 2008 wurden nahezu 5000 Menschen in der Grenzstadt gegenüber El Paso ermordet.

Ein Sonntag in Juarez

50 Cent kostet der „Eintritt“. Den zahlt man an der Brücke, die El Paso mit Juarez verbindet. Kaum drüben steht schon der erste Soldat mit Maschinengewehr vor einem und schaut einen etwas grimmig an. Es geht die belebte Strasse entlang Richtung Downtown. Musik dringt aus einigen Läden, doch viele Ladenflächen und Restaurants sind verlassen, zugenagelt, alles andere als besenrein hinterlassen. Eine Folge des Drogenkrieges auf den Strassen von Juarez. juarez

Doch im Zentrum der Stadt angekommen erinnert so gut wie gar nichts daran, dass es in diesem Jahr schon 90 Morde gegeben hat, 18 alleine am Freitag, über 30 an diesem Wochenende. Und nicht nur das, einige der Leichen wurden zerstückelt aufgefunden. Die Brutalität kennt hier keine Grenzen. Downtown Juarez erscheint an diesem Sonntag wie eine ganz normale Stadt. Lautes Geplärre aus den Shops, Strassenhändler, die allerlei feil bieten. Die Menschen strömen zur Kathedrale, dem Mittelpunkt der Stadt.

Ich bin mit Carlos unterwegs, einem 47jährigen, der in El Paso wohnt, aber in Juarez aufgewachsen ist. Mit ihm schlendere ich durch die Gegend. Er hat, so sagt er, keine Angst, wir gehen von den Hauptstrassen ab in Nebenstrassen. Carlos erzählt und berichet, weist mich auf dieses hin, zeigt auf jenes. Auf was ich achten soll, wenn ich morgen alleine unterwegs bin, frage ich. Na ja, meint Carlos, wohl nicht in Nebenstrassen gehen, ich habe auch keine Ahnung wo wir gerade sind, meint er, lacht und wir gehen weiter.

Juarez ist eine beeindruckende Stadt. Es ist nicht der Kriegsschauplatz, den man sich aufgrund der Nachrichten vorstellt. Es gibt ein „normales“ Leben in dieser Stadt. Und das lerne ich an diesem Nachmittag auch kennen. Wir essen gut, trinken Kaffee, unterhalten uns….und doch kommt das Gespräch immer wieder auf das eine Thema zurück. Später treffen wir Julian, einen freien Journalisten, der in Juarez lebt. Er zeigt uns die vernachlässigten Gegenden. An einer Militärkontrolle werden wir von schwerbewaffneten Soldaten angehalten, müssen aussteigen, das Auto wird durchsucht, die Ausweise kontrolliert. Sogar in meine Tasche mit meinem Equipment wird geschaut. Was wir hier machen? Nichts weiter, wir sind Journalisten. Mit einem Nicken dürfen wir weiterfahren. Auch das ist Alltag in Juarez.

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