Ein Kraftwerker packt aus

Eigentlich will Karl Bartos gar nicht mehr groß darüber reden. Immerhin ist er schon seit über 25 Jahren nicht mehr Teil einer der wohl bedeutendsten Gruppen überhaupt. Und doch, alles, was er heute musikalisch und visuell macht, wird mit dem „Output“ seiner einstigen Band verglichen. Kraftwerk wurde für Karl Bartos zum Segen und zum Fluch. Nach 25 Jahren Ausstieg aus der legendären Gruppe legt er nun seine Autobiografie vor, die eine umfangreiche Klangbiografie geworden ist. Eine wahrhafte Spurensuche in der Hörwelt. weiter lesen

Kraftwerk in Oakland

„Where did you get that Radio Goethe jacket?“, fragte mich einer im Fox Theater in Oakland. „I am Radio Goethe“, meinte ich darauf. Klar, an so einem Abend muß ich doch meine von Atze Bauer bedruckte Radio Goethe Jacke tragen. Kraftwerk spielten zum ersten mal in meiner Wahlheimat Oakland. Erst wurde ein Konzert angekündigt, nun sind sie an drei Abenden in der Stadt. Ausverkauft.

Mein erstes 3D Konzert und es war der Wahnsinn. Am Eingang erhielt jeder Besucher eine 3D Brille ausgehändigt. Auch wenn mit Ralf Hütter nur noch ein Gründungsmitglied mit dabei ist, das macht rein gar nichts aus, denn die Kraftwerker bewegen sich eh nicht viel auf der Bühne. Vier Pulte, dahinter stehen sie in seltsam gestreiften Anzügen und dahinter eine riesige Leinwand, auf der Symbole herumfliegen und Filmchen gezeigt werden. Dreidimensional wohlgemerkt, der eine oder andere im Publikum, etwas berauscht vom nordkalifornischen Gras und den elektronischen Klangteppichen der Düsseldorfer, duckte sich immer mal wieder vorsichtshalber weg. Yeah!

Rund 140 Minuten lange beschallten Kraftwerk ihr begeistertes Publikum, der Altersdurchschnitt lag bei etwa 50. Ich war also weitaus nicht der Älteste, eher so im unteren Durchschnitt. Alle Platten der Elektro-Pioniere wurden abgearbeitet. Es klang frisch und doch, hier wurde das Fundament der modernen Musikwelt präsentiert. Kraftwerk leben von ihrem Namen, von ihrer Grundlagenarbeit in den 70er Jahren. Und doch ist das anders, als wenn hier Uriah Heep auf der Bühne stehen würde. Es ist nicht einfach ein Abspielen alter Songs, quasi „Easy Livin'“. Kraftwerk arbeiten vielmehr mit den technischen Möglichkeiten von heute, um ihren „alten“ Sound ganz neu zu präsentieren. Es ist ein Wohlfühl-Klangbad, in dem man sich akustisch und visuell aalt. Ein Hörgenuss für alte Fans und junge Neugierige, die von diesen „Germans“ schon viel gehört, aber sie noch nie so nah erlebt haben.

Ein Kraftwerk(er) kommt nach Nürnberg

      Karl Bartos im Radio Goethe Interview

Am 29. Januar spielt Karl Bartos, zweiter von links in der legendären Kraftwerk Formation, live in Nürnberg. Im Festsaal des K4 wird der Musikpionier altes von Kraftwerk und neues von seiner zweiten Soloplatte „Off The Record“ gekonnt vermischen. Viele der Kraftwerk Klassiker, wie „Die Roboter“ oder „Tour de France“, wurden von ihm mitgeschrieben. Dabei wird deutlich, dass Bartos nie bloß Gastmusiker oder Platzhalter auf den hindrapierten Fotos der Band war. Für „Off The Record“ hat er sein umfangreiches Archiv durchstöbert und alte Klangideen aus seiner Düsseldorfer Kraftwerk Zeit neu verarbeitet.

Die Tour von Bartos könnte zu keinem besseren Zeitpunkt beginnen. Am 25. Januar, wenn Karl Bartos in Köln seine erste Solotour seit acht Jahren startet, erhalten Kraftwerk in Los Angeles einen Grammy für ihr Lebenswerk.

Seit Jahren werden die Düsseldorfer Elektrotüftler bei der Aufnahme zur „Rock’n Roll Hall of Fame“ kläglich übergangen, doch nun wird endlich auf internationaler Bühne die maßgebliche Vorarbeit von Kraftwerk ausgezeichnet. Gerade was die Band in den 70er Jahren leistete, ist Grundlagenarbeit für viele Genres gewesen, die sich später erst entwickelten. Ob im Rock, im Pop, im HipHop, die heutige elektronische Musikwelt wäre ärmer ohne den Weitblick von Krafwerk.

Einen Eindruck dieser klanglichen Welten kann man nun am 29. Januar im K4 live erleben. Karl Bartos kommt in die Frankenmetropole. Für meine Sendung Radio Goethe hatte ich vor einiger Zeit mit Karl Bartos geskypt, das Interview kann man oben hören.

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Kraftwerk wird geehrt

Eigentlich war es höchste Zeit dafür, denn kaum eine andere Band hat die moderne Musikszene so maßgeblich beeinflußt wie Kraftwerk. Die Düsseldorfer Formation wurde nun für die „Rock and Roll Hall of Fame“ nominiert, ein Gütesiegel, das überfällig war. Kraftwerk waren Pioniere ihrer Zeit. Mit Alben wie „Autobahn“ oder „Mensch-Maschine“ beeinflussten sie nicht nur die elektronische Musikszene ihrer Zeit und nach ihnen, sondern auch Musiker anderer Genres, wie Afrika Bambaataa, der als Urvater des Hip Hops gilt.

Kraftwerk ziehen ihre eigenen Bahnen im Rock Universum. Auch im Jahr 2000, als Musikjournalisten über die wichtigsten Gruppen und Musiker des 20. Jahrhunderts sprachen, wurden Kraftwerk immer wieder genannt. Ihre Experimentierfreude, ihr Umgang mit Sound und Sprache waren bahnbrechend. Die Nominierung für die „Hall of Fame“ ist also nur eine offenkundige Wertschätzung für die wichtigste deutsche Band aller Zeiten.

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Kraftwerk – NYC – MOMA

Eigentlich ist es das Konzertereignis des Jahres. Kraftwerk live in New York. Nicht ein Abend, nicht zwei Abende…nein, gleich acht Abende haben die deutschen Musikpioniere im Museum of Modern Art in New York City gebucht. Und in jedem Konzert wird eine andere Langspielplatte der legendären Düsseldorfer Formation im Mittelpunkt stehen:

Dienstag, 10. April  – Autobahn (1974)
Mittwoch, 11. April – Radio-Activity (1975)
Donnerstag, 12. April 12 – Trans Europe Express (1977)
Freitag, 13. April – The Man-Machine (1978)
Samstag, 14.  April – Computer World (1981)
Sonntag, 15. April 1 – Techno Pop (1986)
Montag, 16. April  – The Mix (1991)
Dienstag, 17. April – Tour de France (2003)

Kraftwerk sind Kult. Und das weltweit. Es ist wohl die einzige deutsche Band die maßgeblich unzählige Gruppen und die verschiedensten Genres beeinflußt haben. Ihre musikalische und künstlerische Weitsicht kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Ich finde ja immer, es wird sehr inflationär mit dem Begriff „Musikpionier“ umgegangen. Doch wenn ich diesen Begriff nur einmal für eine Band verwenden dürfte, dann wäre es für mich zweifellos Kraftwerk.

Auf nach New York City!