Amerika unter Druck

Die beiden Gesichter kennt nun die Welt. Dzhokhar (19) und Tamerlan (26) Tsarnaev, Immigrantenkinder aus Tschetschenien, die seit Jahren in Massachusetts lebten. Der eine tot, der andere noch auf der Flucht. Irgendwie und irgendwann haben sie sich radikalisiert, den Dschihad nach Amerika getragen. Warum, das weiß keiner. Ob wir es je erfahren werden, ist auch nicht sicher, denn was bringt jemanden dazu, mit einer Bombe unschuldige Teilnehmer und Zuschauer an einer Sportveranstaltung in die Luft zu jagen? Verstehen kann man so etwas nicht.

In den USA wird nun bereits über die Folgen diskutiert. Ein neues Visa- und Einwanderungsgesetz, Verschärfung von Kontrollgesetzen, Aufstockung des nationalen Sicherheitsetas, verstärkte Kontrollen im öffentlichen Raum, eine Beschneidung von Bürgerrechten. Hinzu kommt die offen erklärte Absicht, bestimmte Einwanderungsgruppen, sprich aus muslimischen Ländern, in Zukunft genauer zu observieren. Jetzt geht es schnell, all das wird wohl fahnenschwingend durch den Kongress und Senat gebracht. Wenn es allerdings nach einem Massaker wie in Newtown um die Waffenkontrolle bei Amerikanern geht, wird das abgewunken. Geht nicht, das ist unamerikanisch.

Amerika hat mit den Anschlägen von Boston gelernt, dass es nirgends eine Sicherheit gibt. Und nicht nur das, hierher kommen Menschen in Not, die sich in diesem Land gegen ihr neues Zuhause wenden, sich radikalisieren, hier zu Terroristen werden. Wie kann das sein? Die USA stehen vor einer großen Debatte. Allerdings wird diese wohl wieder, wie schon so oft zuvor, im patriotischen Taumel untergehen. Viel Geld wird wieder für eine vermeintliche Sicherheit ausgegeben werden, das woanders fehlen wird. Doch eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.