Auf den Hund gekommen

Die New York Times schreibt in einem Bericht, dass Wissenschaftler herausgefunden haben, Menschen mit Hunden bewegen sich nahezu viermal so viel, wie jene, die keinen Hund daheim haben. Das ist nicht neu. Überraschend war für mich, dass es in dem Artikel heisst, knapp 300 Minuten spazierten Hundehalter in der Woche durch die Gegend. Das sind gerade mal 42 Minuten pro Tag.

Ich habe 30 Jahre lang ohne einen Hund gelebt. 1998 kam Dolfi, 2010 Luzia und 2015 Käthe. Und ich will es nicht mehr missen. Ich bin Freiberufler, arbeite von zu Hause. Doch jeder der drei machte mir klar, dass ich Tag für Tag, bei Wind und Wetter, bei Kälte, Sturm, Regen, Hitze nach draussen musste. Dolfi viel, Luzia weniger, Käthe dafür umso mehr. Sie kam mit 14 Monaten in mein Leben, eine gequälte Seele, die nicht wusste, wie sie spielen sollte. Mehrmals abgeschoben, die letzte Besitzerin hatte sie gerade mal vier Wochen. Eingesperrt sein, das mag sie gar nicht. Sie schaffte es sogar aus einer vergitterten Transportbox zu kommen, was mich erst einmal vor ein großes Rätsel stellte, denn als ich einmal nach ein paar Stunden nach Hause kam, lag sie an der Tür und die Transportbox war nach wie vor verschlossen. Das ging zweimal so, seitdem hat die Box kein Türchen mehr und Käthe schläft seitdem liebend gerne darin. Nun ist sie hier, liegt meist vor der Haustür, schaut dem Treiben vor dem Haus in aller Ruhe zu, lässt sich von nichts und niemandem beeindrucken, der auf der Straße vorbei läuft. Es sei denn, jemand will die Treppe zum Haus hochkommen, dann ist es vorbei mit der Ruhe.

Käthe ist eine Schäferhund-Husky Mischung, was vor allem bedeutet, sie hat Energie ohne Ende. Und das tut auch mir gut. Jeden Tag bin ich mit ihr stundenlang im Wald unterwegs, habe viele neue, schöne Orte und Wege in den Hills des „East Bay Regional Parks“ gefunden. Oftmals hört man mich schreien, einige Spaziergänger werden mich wohl nur von meiner Stimme her kennen, wenn Käthe mal wieder auf Jagd gegangen ist. Irgendwas bewegt sich ja immer im Gebüsch oder im tiefen Gras: Eich- und Erdhörnchen, Stinktiere, Waschbären, Mäuse, Koyoten, doch vor allem Rehe haben es ihr angetan. Sie hat eine lange, sehr sensible Nase, damit entgeht ihr nichts. Auch in der Ferne, wenn die Windrichtung es zulässt.

Für mich gehören diese Spaziergänge zum täglichen Rhythmus. Morgens arbeiten, am frühen Nachmittag dann raus mich und uns bewegen, durchatmen, nachdenken. Manchmal geht mir meine Arbeit durch den Kopf, doch ich versuche meist einfach nichts zu denken, den Kopf frei zu kriegen, diese täglichen Stunden in der Natur mit meiner Käthe zu genießen. Und das egal ob wir beide klitschenass, verdreckt und außer Atem zurück kommen.

300 Minuten Bewegung in der Woche würden uns nicht ausreichen, aber es stimmt, durch meinen Hund bin ich aktiver. Ohne sie würde ich oftmals wohl weiter arbeiten, Entschuldigungen finden, um eben nicht nach draußen zu müssen. Von daher, sei mal ein Dank an all die Hunde gerichtet, die Menschen wie mich aus ihren Sesseln und hinter ihren Schreibtischen hervor holen.