Es wird brenzlig in Oakland

Kein Platz für Raucher und Kiffer.

Kein Platz für Raucher und Kiffer.

Es fehlt nur noch die Lunte. Derzeit blasen wieder die Santa Ana Winde über Kalifornien. Der September und Oktober sind gerade hier in der San Francisco Bay Area die heißesten Monate im Jahr. Warme Luftströme aus dem Landesinneren, die wie ein Fön wirken. Da schwitzt man schon, wenn man noch nicht einmal einen Schritt gemacht hat. Kein gutes Wetter für meine stets gut sitzende Frisur, da hilft selbt das Dreiwettertaft nicht.

Dazu kommt, dass die Wälder wieder ausgetrocknet sind, das Unterholz dicht und dröge. Zwar hat es im Norden des Bundesstaates im letzten Winter heftigst geregnet, die Reservoirs und Seen waren gut gefüllt, doch der Regen traf nur Nordkalifornien. Im Süden herrscht gähnende Leere in den Reservoirs und hinter den Staudämmen. Wasserknappheit wird zur Normalität in Südkalifornien.

Es fehlt also nicht viel, um eine weitere Katastrophe zu entfachen. In den Wäldern gleich hinter meinem Haus herrscht deshalb striktes Rauchverbot. Die Feuergefahr ist einfach zu groß, eine weggeworfene Kippe, dazu die Santa Ana Winde, und das war’s für viele Anwohner. In den Sommermonaten fressen sich zwar Schaf- und Ziegenherden durch das Unterholz und das hochgewachsene Trockengras, doch das ist bloß eine kurze Schneise am Beginn des „East Bay Regional Parks“. Betroffen wären auch die gewaltigen Redwood Bäume, die hier gleich in der Nachbarschaft wachsen. Die Feuergefahr nimmt man in den East Bay Hills von Oakland und Berkeley sehr ernst. Genau vor 25 Jahren brannte das sogenannte „Tunnel Fire“ über dem Caldecott Tunnel, der die beiden Städte voneinander trennt. Am Ende waren 2900 Häuser zerstört, 25 Menschen starben, ein Schaden von über einer Milliarde Dollar war entstanden.

Wie wäre es mit Kautabak?

Auch die Bäume haben ein Recht auf eine rauchfreie Umgebung.

Auch die Bäume haben ein Recht auf eine rauchfreie Umgebung.

In Kalifornien muß man 21 Jahre alt sein, um Tabakprodukte zu kaufen. Das ist neu, damit ist Kalifornien der zweite US-Bundesstaat nach Hawaii, der das Mindestalter von 18 auf 21 Jahre anhob. Eine breite Kampagne soll den Tabakkonsum im Sonnenstaat weiter senken, dazu gehören auch E-Zigaretten. Geschätzte 217.000 Jugendliche im Alter von 12-17 Jahren rauchen in Kalifornien. Diese Zahl soll weiter fallen.

Seit 1988 wird offensiv gegen das Qualmen vorgegangen. Raucher wurden immer mehr an den Rand der Gesellschaft und des Alltags gedrängt. Heute sieht man kaum noch jemanden sich eine anzünden. Es fällt richtiggehend auf, wenn man es dann doch mal sieht. Seit 1988 wurde die Anzahl der Raucher in Kalifornien um 50 Prozent reduziert. Das liegt zum einen sicherlich am erhöhten Preis für eine Schachtel Zigaretten, zum anderen aber wohl auch an der allseits präsenten Anti-Raucher-Kampagne, wie auch das Schild zeigt. Es fiel mir gestern am Parkplatz auf, als ich mal wieder mit meinem Hund losziehen wollte. Das Rauchen ist auch im Wald verboten, bleibt wohl wirklich nur noch der Kautabak. NoButts, keine Kippen, heißt die Initiative, mit der Nikotinabhängigen online und mit einem Sorgentelefon geholfen werden soll. Es scheint ja zu funktionieren.

Kalifornien im Regen

Ein fließender Bach hat schon was.

Ein fließender Bach hat schon was.

Die Natur ist grün. Endlich wieder. Nach jahrelanger Trockenheit rollt seit Wochen ein Sturm nach dem anderen über Nordkalifornien und bringt Regen und Schnee mit sich. Der Pegel in den Seen, Flüssen und Reservoirs steigt ganz langsam an. Doch noch lange nicht haben wir hier in Kalifornien die Wasserkrise hinter uns gelassen. Der Grundwasserspiegel in einigen Bereichen Kaliforniens, gerade im Central Valley, wird wohl nie wieder auf das alte Niveau steigen.

Für jemanden wie mich, der tagtäglich mit dem Hund durch die Wälder läuft, scheint es, als ob die Natur auf- und ganz kräftig durchatmet. Alles ist grün und sogar längst vertrocknete Bäche führen wieder Wasser. Ein seltener Klang von fliessendem Nass zwischen all den Redwoods im East-Bay Regional Park. Mein Hund ist begeistert, zwischen all dem Rennen bergauf-bergab gibt es erfrischende Wasserpausen.

Der nächste Sturm zieht bereits vom Pazifik heran. Für heute Nacht ist mehr Regen gemeldet, in der Sierra erwartet man sogar bis zu 20 cm Schnee. Gerade darauf hat man im ausgedörrten Kalifornien so sehnlichst gewartet, denn die Schneedecke bringt den Bundesstaat über den heißen Sommer. Metereologen warnen allerdings schon für die Zeit nach El Niño, der derzeit Kapriolen dreht. Der Sommer soll heiß und trocken werden. Was jetzt an Niederschlag kommt, könnte schon sehr bald  wieder verdampft sein.

Unbekannte Ausblicke

313,700 Reisende mit einem deutschen Pass kamen im vergangenen Jahr nach San Francisco. Das sind die offiziellen Zahlen des San Francisco Touristenbüros. Die Besucher zog es in Scharen zur Golden Gate Bridge und nach Fisherman’s Wharf, zur Cable Car und nach China Town, dann noch in den Golden Gate Park und nach Haight Ashbury, in die Castro Street und den Mission Distrikt. San Francisco hat durchaus die schönen, doch bekannten und leider auch überlaufenen, Ecken.

Ganz anders die East-Bay und besondes hier in Oakland. Heute war ich mal wieder mit meinem Hund im Sibley Park unterwegs, er ist Teil des „East Bay Regional Park Districts“. Sonntagnachmittag und ich war fast alleine in den Hügeln. Die Sonne schien, der Wind blies kräftig. Hinter mir Mount Diablo bei Walnut Creek, vor mir die San Francisco Bay mit Alcatraz, dem Golden Gate und ganz weit draußen sogar die Farallon Islands zu erkennen. Der Blick war klar heute. Von hier oben kann man weit, sehr weit sehen.

Die East Bay Hills mit ihrem fast unbekannten Parksystem sind ein Geheimtipp für San Francisco und Nordkalifornien Reisende. Hier findet man eine wunderbare Naturlandschaft mit Redwoods, Bächen, Vulkangestein und immer wieder beeindruckenden Ausblicken. Und jedesmal denke ich mir, es ist schon ein wunderbares Fleckchen Erde, an das es mich hier verschlagen hat

Kein so schlechter Ort zum Leben

San Francisco Bay Area von oben in all ihrer Pracht.

San Francisco Bay Area von oben in all ihrer Pracht.

Wir haben Erdbeben und viel Nebel, teure Mieten und schrecklichen Straßenverkehr.  Und dennoch, die San Francisco Bay Area ist eine unvergleichlich schöne Gegend. Das kann man sich nun auch von oben ansehen. Der Esa-Erdbeobachtungssatellit „Landsat 8“ hat dieses Bild Anfang März geschossen und es zeigt die ganze Einmaligkeit dieser Region. Wasser und viel Grün. Es ist schon eine besondere Gegend, in der ich meine zweite Heimat gefunden habe.

Da rechts, wo Oakland ins Grüne übergeht wohne ich. Und arbeite ich, denn als freier Korrespondent habe ich mein Büro daheim. Das hat hier einen Riesenvorteil, ich muß nicht täglich durch den Wahnsinnsberufsverkehr einmal hin und einmal zurück. Ich kann sogar sagen, ich laufe ins Büro…na ja, ein paar Treppen runter, Kaffee machen, Treppe hoch und der Tag kann beginnen. Und jeder Tag bietet was neues. Politische Themen, Kultur, viel Musik. Die Berichterstattung über Amerika, dazu noch meine Reisen und mein Interesse an verschiedenen anderen Regionen und meine Radiosendung zur Musik aus deutschsprachigen Landen, lassen es nicht langweilig und eintönig werden.

Doch zurück zu diesem besonderen Bild von oben. Hier kann man gut sehen, warum so viele in dieser Region leben wollen. Es ist einfach eine besondere Gegend. Das Meer, die Bay, die vielen offenen und geschützten Naturflächen, wie die Marin Headlands, nördlich der Golden Gate Bridge, der East Bay Regional Park, gleich da, wo ich wohne östlich von Downtown Oakland und dann findet man südlich von San Francisco weite offene Flächen zwischen Pazifik und Bay, die zum Golden Gate National Park Service gehören. Und das ist alles direkt vor der Tür.

Was das beeindruckende ist, man hat es hier geschafft, in einem Ballungsraum mit Millionen von Menschen offenen Platz zu schützen. Gerade das macht die Bay Area neben all ihren wirtschaftlichen, kulturellen und innovativen Reizen auch aus. Von meinem Haus gehe ich nur ein paar Minuten und stehe allein unter gewaltigen Redwoods, eine natürliche Kathedrale, ohne auch nur eine Menschenseele um mich herum. Kein Lärm, kein Geschrei, kein Laubgeblase. Nur Ruhe. Auch das ist Oakland.