Der Präsident im Verschwörungstheoretikerclub

Hitler lebt noch, die Mondlandung gab es nie, die Außerirdischen sind unter uns. Und hinter allem steckt die geheime Weltregierung, die uns nicht die Wahrheit sagen will. Ich weiß nicht, wie Donald Trump die gerade genannten Beispiele bewertet, aber er ist mit Sicherheit einer der größten Verschwörungstheoretiker, dem zugehört und auch noch applaudiert wird.

Donald Trump weiß auf alles eine Antwort. Foto: AFP.

Donald Trump weiß auf alles eine Antwort. Foto: AFP.

Trumps Wahlkampf ist von unzähligen unsäglichen Theorien durchzogen. Nach wie vor glaubt er nicht, dass Barack Obama in den USA geboren wurde. Man erinnere sich an die Geburtsurkundenepisode von 2008. Doch das ist nur ein kleiner Nebenschauplatz für Donald Trump. Er hinterfragt alles, auch wenn es noch so absurd ist. Der König der Tweets erklärte: „Die USA müssen sofort alle Flüge aus EBOLA infizierten Ländern stoppen oder die Seuche wird sich innerhalb unserer Grenzen ausbreiten. Sofort!“. Danach dann die Ergänzung: „EBOLA verbreitet sich leichter als CDC und Regierungsvertreter zugeben“. CDC sind die „Centers for Disease Control“, eine Einrichtung für die öffentliche Gesundheit in den USA. Trump will hart durchgreifen, auch wenn das bedeutet hätte, dass keine Hilfsflüge mehr für die Menschen in Guinea, Sierra Leone und Liberia möglich gewesen wären. EBOLA hätte sich ungebremst ausbreiten können.

Das ist nicht der einzige Fall, in dem der Immobilienmogul Trump den Wissenschaftlern und Experten Unvermögen, Unkenntnis und Untätigkeit vorwirft. „Ein gesundes Kind geht zum Arzt, wird vollgepumpt mit mehren Spritzen an Impfstoffen, fühlt sich danach nicht gut und anders – Autismus“, so Trump auf der Wahlkampfbühne. „Die Ärzt lügen.“ „So viele Leute mit autistischen Kindern haben mir gedankt – unglaubliche Resonanz. Sie wissen es besser als gefälschte Berichte“.

Donald Trump weiß es einfach besser, er weiß es immer besser, er hat auf alles und auf jeden eine Antwort. Und sei sie noch so balla-balla. Die mexikanische Regierung schicke „die ganz schlimmen Verbrecher über die Grenze, denn sie wollen nicht selbst dafür zahlen“, meinte er und führt als Quelle seiner Information Grenzbeamte an, „die lieber nicht namentlich genannt werden wollen“.

Sowieso hat der Millardär kein Problem dubiose Quellen für seine Verschwörungstheorien anzugeben. So erklärte er im Wahlkampf, „Tausende von Moslems“ hätten von New Jersey aus, jubelnd den einstürzenden Türmen des World Trade Centers zugesehen. Diese Information habe er von der Webseite Infowars, die von Alex Jones geführt wird, einem der größten Verschwörungstheoretiker in den USA. Jones meint ganz offen, dass die US Regierung selbst hinter den 9/11 Anschlägen steht. Trump ist das nicht zu doof und ergänzte sogar, im Falle seines Wahlsieges werden wir alle „erfahren, wer wirklich das World Trade Center zum Einsturz gebracht hat“.

Trump kommentiert alles und immer mit einem Fragezeichen am Ende. Zum Tod des politisch eher rechts orientierten Verfassungsrichters Antonin Scalia bestach der Donald mit seiner eigenen Sicht der Dinge: „Sie sagen, man habe ein Kissen auf seinem Gesicht gefunden, was ein ziemlich ungewöhnlicher Ort ist, ein Kissen zu finden“. Hinter diesem Satz steckt die Anschuldigung, dass liberale Kräfte im Land, dem verhassten Verfassungsrichter das frühzeitige Ende gebracht haben. Egal, ob die Ermittlungen der Polizei und des FBI zu einem anderen Ergebnis kommen und von einem natürlichen Tod sprechen.

Donald Trump will Amerika wieder „great“ machen. Falls er wirklich den Sprung ins Oval Office schaffen sollte, dann werden die kommenden Jahre mehr als „unterhaltsam“. Als Korrespondent wird es mir dann mit Sicherheit nicht langweilig werden.

Uncle Sam in Afrika

Burkina Faso, Mali, Niger, Nigeria, Tschad, Zentralafrikanische Republik, Demokratische Republik Kongo, Uganda, Kenia, Südsudan, Äthiopien, Somalia, Djibouti. Das sind die afrikanischen Länder, in denen das US Militär präsent ist, zumindest sind diese Einsätze bekannt. Teils mit Beratern, Ausbildern, mit Spezialkräften und -einheiten, Geheimdienstmitarbeitern, teils, wie in Djibouti mit einer 4000 Mann starken Truppe.

Amerika zeigt nicht gerade offen Flagge in Afrika, doch man spürt, dass die Amerikaner vor Ort sind. Immer mal wieder trifft man irgendwo im Nirgendwo einen Amerikaner, der da eigentlich gar nicht hingehört. Sowohl in West- als auch in Ostafrika fliegen US Drohnen im Kampf gegen islamische Terroristen und Extremistengruppen. Im Grenzbereich DRC/CAR/Uganda/Südsudan unterstützen amerikanische Spezialeiheiten die Suche nach dem Anführer der „Lord’s Resistance Army“, Joseph Kony. Alles streng geheim, gerade auch, weil der Übergang von den Militärangehörigen zu CIA Mitarbeitern fliessend ist.

Doch neben diesen militärischen und geheimdienstlichen Aufgaben ist die US Armee auch im humanitären Bereich aktiv. In den Ebola betroffenen Ländern Liberia, Sierra Leone und Guinea wurden Krankenhäuser errichtet, Infrastrukturmaßnahmen verbessert, medizinisches und logistisches Know-how weiter gegeben. Amerika ist vor Ort, hat mit Africom einen eigenen Schwerpunkt auf den vergessenen Kontinent gelegt. Es geht um nationale Sicherheit, um die Erschließung neuer Märkte, um Ressourcen und auch um humanitäre Hilfe. Aber bei all dem steht Amerika nicht alleine da. Die USA sind nur einer von vielen Spielern am afrikanischen Tisch.

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Ebola, das „Nurse Killer“ Virus

„In West Afrika nennen sie die Krankheit den Pflegepersonal Mörder, denn das Pflegepersonal ist 24/7 bei dem Patienten“. Das ist eine Aussage einer Vertreterin der Krankenschwesterorganisationen „California Nurses Association“ der Gewerkschaft „National Nurses United“. Beide demonstrierten am Mittwoch hier in Oakland und forderten bessere Vorbereitungen und Ausrüstung für die Krankenschwestern und Krankenpfleger. Ja, Ebola ist überall, auch in Oakland. Ganz in rot marschierten die Mitglieder, die aus allen Teilen Kaliforniens nach Oakland gekarrt wurden und riefen „Kein weiterer Patient“, „Stoppt Ebola“.

Pflegepersonal in roter Kleidung gegen Ebola.

Pflegepersonal in roter Kleidung gegen Ebola.

Der Protest war Teil des internationalen „Global Ebola Action Day“. Damit sollte auf die mangelnde Bereitschaft westlicher Krankenhäuser aufmerksam gemacht werden, die im Falle des Falles des Falles des Falles nicht reagieren könnten. Wir reden hier von Oakland! Die Wahrscheinlichkeit, dass hier jemand in ein Krankenhaus läuft und tatsächlich infiziert ist und dann auch noch falsch diagnostiziert wird, geht gegen Null.

Ebola und die USA ist eher ein politisches Problem. Da streiten sich Politiker in Washington, ob man die Länder in West-Afrika isolieren sollte. Da setzen Nachrichtenkanäle die Ebola Gefahr mit der Terrorismus Gefahr gleich. Die Republikaner haben mit der Ebola Panik am Ende so einige Stimmen mehr bekommen und die Wahlen Anfang November gewonnen. Mal wieder ein Angstwahlkampf, der sich auszahlte. Logisch ist das nicht, denn die Ebola Gefahr in den USA existiert so gut wie gar nicht. Hier kommt niemand mehr einfach so aus Ländern wie Sierra Leone, Liberia oder Guinea am Flughafen an und wird mit einem freundlichen „Welcome Home“ begrüßt. Es wird genau darauf geschaut, welche Reisepässe von Touristen da vorgelegt werden, welche Stempel ein US Amerikaner im Pass hat. Die Passagierlisten auf Flügen in die USA werden vorab genauestens betrachtet. Und überhaupt, kein Flug aus West-Afrika landet im Westen der USA.

In allen Teilen der USA sind Ärzte und Pflegepersonal in Krankenhäusern geschult worden, wie sie mit Ebola Patienten umzugehen haben, wie sie im Falle eines Verdachts reagieren sollten. Von daher sind solche Proteste, wie hier in Oakland, für die Katz‘. Sie bringen alles andere als Lösungen für eine Epidemie in West-Afrika. Sie verunsichern nur mehr eine Bevölkerung, die ihre Informationen von schreienden und agitierenden Moderatoren und Online-Schlagzeilen bekommt.

 

Keine Panik. Wir sind die besten im Ebolakampf.

Das Kabinett von Barack Obama diskutiert über Ebola.

Das Kabinett von Barack Obama diskutiert über Ebola.

Präsident Obama ist naiv. Auch nach sechs Jahren im Amt, er hat es einfach noch nicht gelernt, wie Amerika tickt. Das zeigte er heute erneut in seiner „Weekly Radio Address“, eine wöchentliche Rede an die Nation, die mittlerweile auch zur Videobotschaft geworden ist. In diesen Reden wenden sich die Präsidenten mit aktuellen Fragen, Problemen, Themen an die Bürgerinnen und Bürger. Angefangen hatte damit Franklin Roosevelt. Ronald Reagan belebte 1982 diese Tradition wieder. Bekannt wurde sein Soundcheck vor einer solchen „Radio Address“, als er vorab den Mikrofonpegel mit den Worten testete: „My fellow Americans, I’m pleased to tell you today that I’ve signed legislation that will outlaw Russia forever. We begin bombing in five minutes.“

Reagans Nachfolger behielten die wöchentliche Rede bei und nutzten so den direkten Draht zur Bevölkerung, um ihre Politik zu erklären. George W. Bush und Barack Obama sind die ersten, die auch mit einer wöchentliche Videobotschaft begannen. Und in dieser aktuellen Rede geht es eben um Ebola und den Kampf gegen das Virus. Obama, ganz der kühle und logische Präsident, versucht die Bevölkerung zu beruhigen. Ebola sei unter Kontrolle, es gebe in den USA keine Epidemie. Man solle auf die Wissenschaftler hören, selbst die Statistik zeige, dass Ebola nicht die große Gefahr sei. Und einmal mehr zeigt Obama, dass er im Washingtoner Politzirkus naiv durch die Gegend läuft.

Die Republikaner verlangen Reiseverbote, Kontrollen an allen Flughäfen, eine Schließung der Grenze, eine Isolierung Westafrikas, ein drastisches Durchgreifen. Das republikanische Sprachrohr FOXNews hat bereits seit Wochen den Panikknopf für die Berichterstattung gedrückt. Dramatische Trailer kündigen reißerisch das Thema EBOLA an. Irgendwie und irgendwo finden sie immer wieder Interviewpartner, die noch blutiger, noch grausamer, noch panischer auf die Meinungsmache der FOX Köpfe antworten. Barack Obama reagiert auf seine Weise mit einer naiven, weil logischen wöchentlichen Radioansprache. Er will die Bevölkerung beruhigen, alles sei unter Kontrolle, man beobachte, berate, helfe, wo es geht. Eben auch in Westafrika. Amerika sei die führende Nation im Kampf gegen das tödliche Virus. Doch eins ist klar, positive Meldungen verkaufen sich nicht gut. Amerika will mit Panikmache, Angst und Schuldzuweisungen unterhalten werden.

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Ich lass das mal mit dem Arzt

Ich habe da ein kleines Problem. Eigentlich wollte ich nach meiner Rückkehr hier in Oakland zum Arzt gehen, doch allein die Tatsache, dass ich in Afrika unterwegs war, birgt nun ein Problem. Denn es gibt da ja die einfache Rechnung: Afrika + Unpässlichkeit = Ebola.

Ebola ist das Topthema auf der CDC Webseite.

Ebola ist das Topthema auf der CDC Webseite.

Amerika „liebt“ Horrorszenarien. Al Qaida baut Terrorzellen in den USA auf. Saddam Hussein hat riesige Arsenale mit chemischen und biologischen Waffen. Die Terrorgruppe Islamischer Staat steht schon in Ciudad Juarez an der amerikanischen Grenze, um mit Unterstützung der Drogenkartelle Attentate zu planen. Die Flüchtlinge aus Guatemala, Honduras und El Salvador werden das amerikanische Sozialnetz vernichten. Ach ja, dann sind da noch Kuba, weiße Haie an Stränden, gelegentlich ein Berglöwe in einer Nachbarschaft, Pädophile hinter jedem Busch und Strauch. Und, und, und nun eben auch noch Ebola. Damit lassen sich 24 Stunden „Nachrichtenkanäle“ füllen.

Amerika reagiert panisch. Die Medien stürzen sich darauf, berichten über etwas, was fast nirgendwo im Land auch nur aktuell ist. Gestern Abend stand tatsächlich in den 23 Uhr Nachrichten ein Reporter eines lokalen Fernsehsenders für einen Live-Bericht (!) am Flughafen von San Francisco. „Wird SFO bald Ebola Testtechnologie bekommen?“, fragte er. Hallo!!! Es gibt keine direkten Flüge von Freetown in Sierra Leone oder Monrovia in Liberia nach San Francisco. Also, was soll das?

Die konservativen Meinungsmacher von FOXNews, wie Sean Hannity, die Radio Talkshow Brabbler, wie Michael Savage, die Online Kolumnisten, wie Ann Coulter, sie alle sehen die Ebola Krise als eine politische Krise im Land. Barack Obama verfolge das Weltbürgertum, nur so sei zu erklären, warum es keine Reisebeschränkungen nach Westafrika gebe. Zwischen den Zeilen kann man da die rassistischen Töne durchhören, er sei ja ein Schwarzer, da wolle er seine Brüder und Schwestern in Afrika nicht vor den Kopf stoßen. Erneut zeige sich jedoch die Führungsschwäche des „Commander in Chief“. Egal, was Obama auch macht, es ist für seine Berufskritiker nicht genug. Der zuständige Chef des „Center for Disease Control“ (CDC) müßte umgehend entlassen werden, die Grenzen dicht gemacht, Reisewarnungen und Reiseverbote ausgesprochen werden, kein Amerikaner dürfe mehr in die betroffenen Länder reisen. Man hat den Eindruck, das Ebola Virus lauert hinter jeder Ecke und wartet nur darauf einen Amerikaner, „a good patriot“ zu infizieren. Obama, der Weichling, lasse es zu, dass „god’s country“ verseucht wird, so die Meinung der vielbeachteten Meinungsmacher.

Und nun wieder zu meinem angedachten Arztbesuch. Ich glaube, es ist verständlich, dass ich erst einmal ein bisschen warte. Schmerzen hin, Schmerzen her. Unwohlsein hin, Unwohlsein her. Bevor ich mir das antue, erneut jemanden vor mir im Schutzanzug zu sehen, lasse ich lieber noch etwas Wasser die Pegnitz runterfließen. Die mit ihrer Panikmache gehen mir gerade ziemlich auf den Geist. Hier und da. Denn durch die Ebolakrise bekomme ich noch nicht mal meine Tschadthemen in den Medien unter. Die Afrikaberichterstattung drehe sich derzeit nur um Ebola, heißt es. So, als ob der Kontinent eh nur aus Krankheiten und Seuchen besteht.

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Wer Ebola hat, ist selbst schuld

Wahlkampf 2012. In Florida trafen sich die Kandidaten des Tea Party Flügels in der republikanischen Partei zu einem Diskussionsabend. Moderator war Wolf Blitzer von CNN. Einer der Teilnehmer war der Texaner Ron Paul, im außerpolitischen Leben Arzt. Die Frage stand im Raum, was zu machen sei, wenn ein 30jähriger Mann, der gesund ist und sich gegen den Kauf einer Krankenversicherung entschieden hatte, plötzlich krank wird, in ein Koma fällt und ins Krankenhaus gebracht werden muß. „Genau das ist die Freiheit, eigene Risiken einzugehen“, meinte Paul. „Diese Idee, dass die Gesellschaft sich um jeden kümmern muß…“. Wolf Blitzer hakte da ein und fragte nach, ob die Gesellschaft den Mann einfach sterben lassen solle. Das Publikum reagierte, zahlreiche Besucher schrien laut und hörbar und lachend „Ja“ und „Genau“. Rand Paul reagierte und meinte „Nein“. Er habe selbst als Arzt gearbeitet und damals hätten Kirchen die Kosten für die Behandlung von Unversicherten übernommen. „Wir haben nie jemanden aus dem Krankenhaus verwiesen“, erklärte Paul.

Das Ebola Virus.

Das Ebola Virus.

Dieser Zwischenfall zeigt auf, wie das Denken in weiten Teilen der republikanischen Partei ist. Jeder ist für sich selber zuständig, jeder geht seine eigenen Risiken ein, die Gesellschaft kann deshalb nicht haftbar oder verantwortlich für die Entscheidungen eines einzelnen sein. Was das nun für die Ebola Diskussion in den USA bedeutet ist klar. Wer sich in Gefahr begibt, egal ob Doktor, Krankenschwester, Entwicklungshelfer oder Missionar, der ist selbst schuld, wenn er sich mit dem tödlichen Virus infiziert. Zahlreiche Konservative im Land, wie Donald Trump oder auch die Kolumnistin Ann Coulter, forderten sogar, dass keine Kranken aus Westafrika zurück in die USA gebracht werden. Sie sollten da bleiben, wo sie sind und dort behandelt werden.

Interessanterweise ist die derzeitige Versorgungskrise von Ebola Patienten eine fast selbstgemachte. Die Republikaner, die mit ihrer Mehrheit das Abgeordnetenhaus kontrollieren und jeden Vorschlag von Präsident Obama torpedieren, haben in den letzten Jahren gerade da den Rotstift angesetzt, wo eigentlich Investitionen fließen müßten. Die zuständige Behörde für Krankheiten, Viren und allgemeine Gesundheit, der  „Center for Disease Control“ (CDC),  wurde zusammengespart. Das Budget wurde seit 2006 auf die Hälfte herunter gestrichen. Nicht anders beim „National Institutes of Health“ (NIH), auch hier tanzte auf Initiative der Republikaner der Rotstift. Der Texaner Ted Cruz, heißer Kandidat fürs Präsidentenamt seiner Partei, ruft jetzt lautstark nach einer starken und handlungsfähigen Regierung. Im vergangenen Jahr pokerte er allerdings hoch, ließ die Zwangsbeurlaubung aller Regierungsstellen zu und verhinderte damit den Beginn wichtiger Tests und Untersuchungen des NIH.

Die Republikaner werfen der Obama Administration ein Totalversagen in der Ebola Krise vor und übergehen schlichtweg, dass sie die Rahmenbedingungen für die schlechte Vorbereitung geschaffen oder zumindest daran maßgeblich beteiligt waren. Nun ist Wahlkampf, Anfang November wird gewählt. Und die Ebola Krise ist zum heißen Thema geworden. Die Grenzen sollten dicht gemacht, die Kontrolle von Reisenden verstärkt werden. Die großen Verfechter des individuellen Rechts auf freie Bestimmung werfen den anderen vor, das amerikanische Gesundheitssystem ausgehöhlt zu haben. Zynischer kann ein Wahlkampf kaum noch werden.

 

 

Ein Mann im Schutzanzug

Zurück aus dem Tschad. Am letzten Tag hatte ich noch ein sehr interessantes und umfassendes Gespräch mit dem Leiter der UN Mission im Tschad. Der Schweizer Thomas Gurtner lebt seit über drei Jahren in N’Djamena und fasste für mich die Situation historisch und politisch zusammen. Die Region brennt, der Tschad ist das einzig einigermaßen stabile Land weit und breit. Der Westen sollte hinschauen, was dort passiert, meinte Gurtner, Europa ist nah. Die Konsequenzen eines gescheiteren Tschad wären immens.

Deutschland ist im Tschad aktiv. In den Flüchtlingslagern sieht man Schilder und Plakate, auf denen erwähnt wird, dass dieses oder jenes Projekt mit Geldern des Auswärtigen Amtes und des BMZ unterstützt wurde. Die Hilfsorganisation Care ist vor Ort ein verlässlicher Partner. Die deutschen Steuergelder kommen da an, wo sie helfen sollen. Und das wird geprüft. Für jeden ausgegebenen Euro gibt es einen Beleg. Der Papierberg ist immens, die Pressesprecherin von Care Deutschland schleppte am Ende der Reise einen zusätzlichen fast 30 Kilogramm schweren Koffer mit zurück nach Bonn. Gefüllt nur mit Papier. Abrechnungen, die ans Auswärtige Amt gehen und dort genauestens geprüft werden. Der Umfang der Hilfsangebote und Hilfsprojekte von Care im Tschad ist jedoch gefährdet. Es fehlen Gelder, um den aktuellen Stand auch nur halten zu können. Wie es weiter gehen soll, das ist derzeit noch offen.

Am Abend ging es dann mit Verspätung von N’Djamena zuerst nach Kona in Nigeria. Turkish Airlines mußte aufgrund der Ebola Krise in Westafrika seine Flugroute ändern. Normalerweise fliegt TK zuerst Kona an und dann in einem Spreizflug weiter nach N’Djamena, bevor es zurück nach Istanbul geht. Doch der Tschad gibt derzeit keine Landeerlaubnis für Flüge aus Westafrika, Nigeria eingeschlossen. Also fliegt TK andersrum, Istanbul – N’Djamena – Kona – Istanbul.

Ebola "Screening Form" auf dem Flug von Nigeria nach Istanbul.

Ebola „Screening Form“ auf dem Flug von Nigeria nach Istanbul.

Auf dem Flug von Kona an den Bosporus rannte dann zuerst mal eine Flugbegleiterin mit einer Tüte, auf der „Do not open, burn right away“ stand,  in den vorderen Bereich der Kabine. Mit etwas darin kam sie zurück. Anschließend dann die Durchsage „Is a doctor on board?“. Kein Arzt meldete sich. Das war die letzte Durchsage. Formulare, „Screening Forms“, wurden verteilt, auf denen man Kontaktinformationen und Gesundheitsprobleme vermerken sollte. Interessant die Telefonnummer 080EBOLAHELP für etwaige Rückfragen. Fortan liefen die Flugbegleiter nur noch mit Mundschutz und Latexhandschuhen durch das Flugzeug.

Nach der Landung in Istanbul ging ersteinmal gar nichts. Die Passagiere wurden lediglich aufgefordert sitzen zu bleiben und zu warten. Auf was, keine Ahnung, bis dann eben nach rund 45 Minuten zwei Personen in Schutzanzügen durchs Flugzeug marschierten.

Mundschutz für die Flugbegleiter, Schutzanzug für die Bodencrew.

Mundschutz für die Flugbegleiter von Turkish Airlines, Schutzanzug für die Bodencrew.

Sie schauten sich den „Patienten“ genauer an, nahmen die Temperatur von einigen anderen. Doch eine klare Ansage von Turkish Airlines fehlte. Wir warteten. Und warteten. Und warteten. Bei jedem Husterer eines Mitpassagiers schaute man sich um, wer denn da seine Bazillen und Viren verbreitete. Die Mundschutzfraktion und die Schutzanzugtragenden liefen mal hoch und mal runter. Irgendwie hatte keiner einen Plan. Dann hieß es, wir dürften aussteigen. Als ich am Ausgang die „Screening Form“ der Stewardess geben wollte, meinte sie nur, die wäre für mich. Auf meinen Einwand, dass ich ja wüßte, wie ich heiße und ob mir schlecht sei, lächelte sie nur. Auch schön. Also stiegen wir alle in den bereitstehenden Bus und fuhren Richtung Terminal.

Doch dort durften wir nicht aussteigen. Warten und wieder keine Durchsage von Turkish Airlines. Die Fluggesellschaft lobt sich zwar an allen Ecken und Enden selbst, dass sie Europas beste Airline sei, die Werbeträger Kobe Bryant und Lionel Messi grinsen einem überall entgegen, aber im Kommunikationsbereich spielt sie derzeit noch in der anatolischen C-Klasse. Dann, nach weiteren 15 Minuten, durften wir schließlich den Bus verlassen, nachdem  (!) wir die „Screening Forms“ TK Airline Mitarbeitern ausgehändigt hatten. Mit etwas Gerenne durch den Atatürk Airport erreichte ich auch noch meinen Anschlußflug nach Deutschland.

Bislang hat sich auch noch niemand bei mir gemeldet, von daher hatte der vermeintliche Ebola Patient wohl nur eine lausige Grippe. Zurück im Alltag, ein kleiner Kulturschock, zurück zu den Alltagsthemen. Die Kongresswahlen in den USA stehen an, die Trockenheit in Kalifornien bleibt ein heißes Thema und überhaupt, alles was in Amerika passiert, scheint interessanter, wichtiger, weltbewegender zu sein, als das, was in einem Land wie dem Tschad vor sich geht. Das Geschäft mit den Nachrichten ist schon ein seltsames.

Du hast die Haare schön

Donal Trump mit schöner Haarpracht.

Donal Trump mit schöner Haarpracht.

Donald Trump ist bekannt für viel Geld, für Erfolg, für wichtigtuerisches Gehabe und für seine schrille Haarpracht. Einmal rüber gekämmt und zurück. Doch unter dieser eingenartigen Frisur klickt alles etwas anders. Trump, der einfach zu allem und jedem seinen Kommentar dazu geben muß, ein erklärter Gegner von Barack Obama ist, dem er noch immer vorwirft, nicht in den USA geboren zu sein, hat nun erneut den Vogel abgeschossen.

Trump twittert. In 150 Zeichen verbreitet er gerne seine Ergüsse und Hirngespinste. So auch zuletzt, als er davon Wind bekam, dass die USA zwei mit dem Ebola Virus infizierten amerikanischen Entwicklungshelfern die Einreise erlaubt hatten. Trump tobte, es sei „unverantwortlich“, „verrückt“ und „dumm“ das zuzulassen. Er erklärte, es sei ja gut und schön, dass Amerikaner in Übersee helfen, aber wenn sie sich infizierten, dann sollten sie gefälligst auch dort behandelt werden. Sowieso fordert er ein sofortiges Flugverbot aller Airlines mit Abflughafen Westafrika.

Die Panikmache von Donald Trump kommt nicht von ungefähr. Bereits 1999 erklärte er in einem Interview, dass er das Händeschütteln „barbarisch“ fände. Es gebe so viele wissenschaftliche Untersuchungen, so Trump, die belegten welche Viren und Krankheiten mit dieser Geste übertragen werden. Deshalb schüttele er keine Hand. Kein Wunder also, dass Trump Ebola mit der Pest gleichsetzt und schon mal davon ausgeht, dass das Ende der Zeitenrechnung für die USA angebrochen ist. Aber bestimmt läßt sich auch damit Geld verdienen.

Fokus auf einen vergessenen Kontinent

Ukraine, Gaza, Afghanistan, Mexiko. Im Nachrichtensumpf dieser Tage ist nicht viel Platz für Afrika. Ach ja, zwei amerikanische Entwicklungshelfer wurden aus Westafrika ausgeflogen, die sich mit dem Ebola Virus infiziert hatten. Afrikanische Themen kommen in den amerikanischen (und auch deutschen) Medien meist nur zum Zug, wenn ein direktes Interesse besteht.

US-Africa Leader Summit. Ein Treffen der USA mit Präsidenten aus 50 afrikanischen Ländern.

Obama hat Vertreter aus Afrika nach Washington geladen.

Nun geht das Weiße Haus in die Offensive. Vom 4. – 6. August findet in Washington das erste Treffen zwischen den USA und rund 50 Präsidenten und Regierungsvertretern afrikanischer Staaten statt. Ein Ereignis, das eigentlich gefeiert werden sollte, denn damit versucht Amerika verlorenes Vertrauen wieder herzustellen, bestehende Verbindungen zu stärken und neue aufzubauen. Afrika war lange Zeit nur ein Nebenschauplatz der USA während des Kalten Krieges. Man rüstete Verbündete auf, stärkte Despoten und ließ unliebsame Präsidenten, wie Patrice Lumumba im Kongo, ermorden. Und Washington hat auch in jüngster Zeit mehrfach total versagt, als es darum ging, eine Führungsrolle auf dem Kontinent zu übernehmen. Man denke an Ruanda, an Liberia, Sierra Leone, Zimbabwe, Somalia, Kongo und andere afrikanische Staaten.

Nun also will man zeigen, dass Amerika den Kontinent nicht vergessen hat. Man will diskutieren, sich austauschen, Lösungen und Strategien finden. Doch in den hiesigen Medien wird dieses Treffen fast vollständig ausgeblendet. Die Grenzsituation zu Mexiko ist politisch angespannter, der Krieg in Gaza näher. Was interessieren da die Probleme eines ganzen Kontinentes, der sowieso nie aus seinem „Dritte Welt Status“ herausfinden wird, so die Denke der Medienmacher. Man kann also nur hoffen, dass die USA dieses mal ihr Wort halten werden, wenn es am Rande der Zusammenkunft in Washington zu Absprachen und Verträgen kommen sollte. Die afrikanischen Nationen haben viel zu bieten und sollten nicht nur für ihre Rohstoffe und als Exportmarkt amerikanischer Waffenschmieden gesehen werden. Doch vor allem geht es um die Zukunft der Menschen in Afrika. Ein symbolträchtiges Zeichen ist „Young African Leaders Initiative (YALI)“, einer Initiative, die 2010 ins Leben gerufen wurde und Jahr für Jahr junge Menschen aus Afrika in die USA bringt. Afrika lohnt sich, das will Obama mit dem Treffen zeigen.

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