Musik nur, wenn sie laut ist

Laute Musik wird es geben. Ganz sicher sogar. Daneben noch so einiges mehr. Die Deutschen kommen sogar in offizieller Mission und finanziert durch den deutschen Steuerzahler mit einigen Bands, DJs und Messestand nach Austin, Texas. Die zweiwöchige Messe und das Musikfestival „South By Southwest“ gehört mittlerweile zu den wichtigsten Musiktreffen der Szene. Doch schon seit langem geht es nicht mehr nur um die Independent Musik. Filme, Neue Medien und Podiumsdiskussionen runden das Programm ab. Austin wird in diesen Tagen zum Zentrum der hippen und Möchtegernwichtigen.

Welche Bedeutung die SXSW bekommen hat zeigt auch eine der geplanten Veranstaltungen. Auf einer Podiumsdiskussion am 10. März zum Thema neue Technologien im Zeitalter der digitalen Überwachung, wird neben dem Journalisten Glenn Greenwald und dem Experten der American Civil Liberties Union (ACLU), Christopher Soghoian, auch Edward Snowden auftreten. Natürlich nicht persönlich, sondern per Videoschaltung. Zum ersten mal überhaupt wird Snowden seit seiner Flucht und den Enthüllungen der massiven interntionalen NSA Überwachung vor einem Publikum auftreten und Rede und Antwort stehen. Man kann also gespannt sein, die Musik wird mit diesem Überraschungsgast bei der diesjährigen SXSW etwas in den Hintergrund geraten.

 

Datensammeln für die Katz‘

Was machen die eigentlich mit meinen Bildern? Jedes Mal wenn ich in den USA am Flughafen ankomme, werden meine Fingerabdrücke genommen, ein Foto von mir mit Augenrändern gemacht und bla bla bla, wo ich denn war, was ich da gemacht habe und überhaupt, was ich hier in den USA so treibe. Und das seit 17 Jahren. Also, die Damen und Herren bei der INS wissen, dass ich viel reise und überhaupt könnten sie eigentlich mal alle Bilder ausdrucken und ein Daumenkino von mir machen. In diesen 204 Monaten habe ich zugenommen, abgenommen, zugenommen. Haare kurz, Haare lang, Haare weniger…und noch weniger. Unterhaltsam wäre so ein Daumenkino.

Und nun fülle ich Formulare für die doppelte Staatsbürgerschaft aus und was wollen sie? Klar, 2 Passbilder. Ja, sagt mal, speichert ihr das nicht? Ich dachte, ihr seid so datengeil und sammelt alles, hört und lest mit, schaut einem beim Online Einkauf über die Schultern, verfolgt einen auf Auslandsreisen? Und dann so was, 2 Passbilder. Und nicht nur das, die Beamten von der Einwanderungsbehörde wollen auch wissen, wann ich welche Auslandsreisen angetreten habe. Also genauer Abflugtermin und genaues Einreisedatum. Sagt mal, habt ihr da den Computer nur zur Staffage rumstehen? Was tippen die Uniformierten da eigentich ein, wenn nicht zumindest das Datum meiner Einreise? Nun darf ich da die Daten auf den Stempeln in meinem Pass entziffern. Das weiß ich doch nicht mehr, wann ich genau wo war! Vor allem Afghanistan, Ruanda, Kongo, Uganda, Burundi, Mexiko rein und raus und rein und raus, Türkei….Deutschland, Schweiz.

Und dann kommen solche Fragen, ob ich zwischen 1933 und 1945 Mitglied der Nazi-Partei war? Oder ob ich der internationalen kommunistischen Bewegung angehöre? Nein, ich habe nicht fünf Ehefrauen und bin auch nicht hier, um die amerikanische Regierung zu stürzen. Und auch bei keinem Genozid habe ich aktiv teilgenommen. Kenne mich auch nicht im Bombenbau aus und werde auch nicht in anderen Ländern wegen Mordes gesucht. Ja, ich zahle meine Steuern und nein, ich werde nicht per Haftbefehl gesucht. Und Kinder habe ich keine, also habe ich auch keine Alimente zu zahlen. Man, was sind das für Fragen. Vor allem, fast denselben Fragenkatalog habe ich schon beantworten müssen, als ich die „Green Card“ beantragte. Amerika ist schon ein seltsames Land!

Wenn man solch einen Papierkram in den USA ausfüllen muß, dann zweifelt man wirklich daran, dass eine Geschichte, wie die über die Abhörmaßnahmen der NSA auch nur ansatzweise der Wahrheit entsprechen kann. Sammeln können sie, aber auswerten…ich bin mir da nicht mehr so sicher.

Kuschelkurs in Washington

Abhörskandal     

George W. Bush fing damit an und auch sein Nachfolger Barack Obama macht damit fleissig weiter. Auf breiter Basis werden die Amerikaner von ihrer eigenen Regierung überwacht. Nachdem Edward Snowden geheime Dokumente der „National Security Agency“ veroeffentlicht hat wird nun in den USA eine Diskussion geführt, ob der 29jaehrige ein Held oder ein Verräter ist. Doch groß wundern tut sich niemand über die flächendendeckenden und umfassenden Abhörmaßnahmen. Dazu der obige Audiobeitrag.

Obamas große Ohren

Schon lange nicht mehr war sich das politische Amerika so einig. Edward Snowden sei ein „Verräter“, der die nationale Sicherheit der USA gefährde. Der 29jährige „Whistleblower“ müsse vor ein Gericht gestellt werden und hart für seine Tat bestraft werden. Sowohl Demokraten, wie auch Republikaner stimmen überein, Snowdens Veröffentlichung von strenggeheimen Abhörmaßnahmen sei ein direkter Angriff auf Amerika und diene nur dem Feind.

Nur ein paar einsame Rufer im Land der Unbegrenzten Möglichkeiten sehen den Skandal, dass die US Regierung gezielt die eigenen Bürger aushorcht, auch wirklich als Skandal. Das ergibt eine interessante Konstellation. Der konservative Senator Rand Paul und Filmemacher Michael Moore, Tea Party Aktivisten und linke Bürgerrechtsaktivisten.

Das alleine deutet schon darauf hin, dass nichts passieren wird. Die Mehrheit im Kongreß und im Senat stimmen mit dem Weißen Haus überein. Das große Ohr der Obama Regierung darf mithören. Die Abhörmaßnahmen stehen, die „National Security Agency“ (NSA), die „Central Intelligence Agency“ (CIA) und andere US Behörden werden  sicherlich nicht die laufende Datensammlung einstampfen. Ganz im Gegenteil, vieles deutet darauf hin, dass die Überwachung der Amerikaner noch zunehmen wird. Verstärkte Kontrollen des öffentlichen Raumes und die Auswertung der gesammelten photographischen Daten wird schon lange verstärkt getrieben. Das Kaufverhalten der Bürger und der hier lebenden Ausländer gehört zum sicherheitspolitischen Alltag. Genauso wie die Sammlung von Reisedaten, wer, wie oft und wohin fliegt und fährt.

Das Bekanntwerden der umfassenden Abhörmaßnahmen durch die Obama Regierung hat vielen Amerikanern nur  vor Augen geführt, dass das Privatleben in den letzten Jahren ausgehöhlt worden ist. Und das alles im Namen der nationalen Sicherheit.