Die Pegel steigen wieder

El Niño ist da. Mit aller Gewalt brettern die Stürme über Kalifornien, bringen viel Regen und Schnee mit sich. Die gute Nachricht zuerst, die Wasserpegel in den Reservoirs, Seen und Flüssen steigen wieder. Der Folsom Lake ist innerhalb eines Monats um 15 Meter gestiegen, der Lake Oroville um 7 Meter. Und auch von anderen Seen und Reservoirs in Nordkalifornien kommen positive Wasserstandsmeldungen. Auch aus der Sierra werden gute Nachrichten vermeldet, die Berge sind mit Schnee bedeckt. So langsam tropft sich Kalifornien aus der Wasserkrise.

Der Pegel am Folsom Lake steigt langsam wieder, doch ist noch lange nicht auf der selben Höhe wie vor der Wasserkrise in Kalifornien. Foto: Nasa.

Der Pegel am Folsom Lake steigt langsam wieder, doch ist er noch lange nicht auf dem selben Stand wie vor der Wasserkrise in Kalifornien. Foto: Nasa.

Ein Grund zur Entwarnung gibt es dennoch nicht. Denn derzeit ist vor allem der Norden Kaliforniens von El Niño betroffen. Im Süden fehlt nach wie vor der Niederschlag. Dort ist in den Stauseen noch immer gähnende Leere.

Und bei mir zu Hause hat El Niño auch kräftig zugeschlagen. Am Sonntag krachte ein gewaltiger Redwood auf die Oberleitung, nur zwei Häuser weiter. Ich sass im Wohnzimmer und plötzlich eine Explosion vor dem Fenster, die Stromkabel waren gerissen. Ich rannte nach draussen, sah, was passiert war, sprang ins Auto und fuhr den Wagen etwas die Straße hoch. Denn ich wußte, gleich kommt die Feuerwehr, die werden alles absperren, gerade auch weil auf den am Boden liegenden Kabeln noch Strom war. Wieder zurück ins Haus, der Band ALP gesagt, sie müssen sich beeilen, denn wir müssen JETZT los zum Konzert im Castro Theatre. Wie Musiker eben so sind, dauerte es etwas, bis sie in die Schlappen kamen. „Oakland Fire Department“ war inzwischen auch angekommen. Die wollten niemanden mehr raus und rein lassen. Also meinte ich zu den Jungs, schön langsam und ruhig die Treppe runter und dann losrennen, unter den Resten der Kabel durch. Wenn wir mal auf der anderen Seite der Straße sind, schicken sie uns nicht mehr zurück. So kam es dann auch, der Feuerwehrhauptwachtmeister war zwar etwas entsetzt, doch ließ uns im Regen ziehen. Das Konzert wurde ein absoluter Erfolg, ALP aus Berlin vertonten live Walther Ruttmanns 1927er Film „Berlin, die Sinfonie der Großstadt“.

30 Stunden später hatten wir auch wieder Strom im Haus. Bis zum nächsten Morgen, da rollte der nächste Angriff von El Niño vom Pazifik kommend heran. Wieder gab es einen „power outage“, denn erneut war ein Baum in der Nachbarschaft umgefallen. Diesmal dauerte es nicht lange, doch danach war die Telefonleitung dahin. Nur das statische Rauschen war noch zu hören. Und das noch immer. El Niño ist ja erst am Anfang, das wird noch heiter werden in den kommenden Wochen und Monaten.

Kalifornien im Regen

Ein fließender Bach hat schon was.

Ein fließender Bach hat schon was.

Die Natur ist grün. Endlich wieder. Nach jahrelanger Trockenheit rollt seit Wochen ein Sturm nach dem anderen über Nordkalifornien und bringt Regen und Schnee mit sich. Der Pegel in den Seen, Flüssen und Reservoirs steigt ganz langsam an. Doch noch lange nicht haben wir hier in Kalifornien die Wasserkrise hinter uns gelassen. Der Grundwasserspiegel in einigen Bereichen Kaliforniens, gerade im Central Valley, wird wohl nie wieder auf das alte Niveau steigen.

Für jemanden wie mich, der tagtäglich mit dem Hund durch die Wälder läuft, scheint es, als ob die Natur auf- und ganz kräftig durchatmet. Alles ist grün und sogar längst vertrocknete Bäche führen wieder Wasser. Ein seltener Klang von fliessendem Nass zwischen all den Redwoods im East-Bay Regional Park. Mein Hund ist begeistert, zwischen all dem Rennen bergauf-bergab gibt es erfrischende Wasserpausen.

Der nächste Sturm zieht bereits vom Pazifik heran. Für heute Nacht ist mehr Regen gemeldet, in der Sierra erwartet man sogar bis zu 20 cm Schnee. Gerade darauf hat man im ausgedörrten Kalifornien so sehnlichst gewartet, denn die Schneedecke bringt den Bundesstaat über den heißen Sommer. Metereologen warnen allerdings schon für die Zeit nach El Niño, der derzeit Kapriolen dreht. Der Sommer soll heiß und trocken werden. Was jetzt an Niederschlag kommt, könnte schon sehr bald  wieder verdampft sein.

El Niño zeigt sein brutales Gesicht

Kalifornien und der gesamte Südwesten der USA bereiten sich auf einen Monster El Niño vor. Stürme, Regenschauer, Überschwemmungen, Erdrutsche. Schon seit Monaten berichte ich immer mal wieder von diesem Wetterphänomen. Kalifornien ist vorbereitet, abwenden können wir es nicht, uns nur auf extreme Regenfälle einstellen. In meiner Wohngegend in Oakland bedeutet das, dass Bäume umknicken, Stromleitungen gekappt werden, die Straßen Bächen und Flüssen gleichen. Im allerschlimmsten Fall wird ein Baum aufs Dach fallen.

Nun bin ich am Horn von Afrika und El Niño ist bereits da. Was den Menschen hier bevorsteht, läßt die Sorgen in Kalifornien verblassen. Vom Süden Afrikas bis hoch nach Somalia wird das Wetterphänomen Millionen von Menschen treffen, hart treffen. Hier wird es wie in Kalifornien Überschwemmungen geben, doch El Niño bringt noch viel mehr mit: Hunger, Krankheiten und Wasserknappheit. Eine unglaubliche Dürrewelle rollt auf die Menschen zu. CARE spricht alleine im Bereich Somalia von rund 3,2 Millionen Menschen, die bereits jetzt humanitäre Hilfe benötigen. Unicef erklärte kürzlich, die Krise im benachbarten Äthiopien sei so schlimm, wie seit 30 Jahren nicht mehr. Und es wird noch schlimmer, durch das, was da kommt.

Somalia von oben. Eine trockene Landschaft.

Somalia von oben. Eine trockene Landschaft.

Es sind erschreckende Zahlen, die mir auf dieser Reise mit CARE vorgelegt werden. Über eine Million Menschen hungern in Somalia. 20 Prozent mehr als noch im Februar 2014. Der Großteil von ihnen Flüchtlinge, darunter vor allem Frauen und Kinder. Weitere 2,1 Millionen Somalier haben nicht genug zu essen. Jedes siebte Kleinkind hat Mangelerscheinungen, 44.000 sogar ganz extrem. Und das alles in einem Staat, der nicht funktionsfähig ist. Die Hilfsorganisation CARE und auch andere NGOs versuchen unter den widrigen Bedingungen zu helfen, wo es geht.

Die Katastrophe nimmt jedoch erst ihren Lauf. Das Wasser fehlt, die Regenzeit, die eigentlich diese Region nun treffen müßte, läßt auf sich warten. Der fehlende Niederschlag wird langfristige Folgen haben für Millionen von Menschen im Osten und Süden Afrikas. Und dann kommt da noch El Niño mit aller Gewalt.

Was mich bei diesem Thema betroffen macht, ist die Wahrnehmung von uns allen. El Niño an der amerikanischen Westküste ist immer ein Thema. Es wird ein, wie die US Medien es ankündigen, „Monster El Niño“ in den Wintermonaten komment. Unzählige Beiträge werden davon berichten; Kalifornien nach der jahrelangen Trockperiode in der Regenkrise. Doch was dieses Wetterphänomen auch noch mit sich bringt, was die erhöhte Wassertemperatur im Pazifik für Teile Afrikas bedeutet, wird kaum wahrgenommen. Hunger, Dürre, Krankheiten, Konflikte, es passt einfach – mal wieder – ins Bild dieses vergessenen Kontinents.

„It’s raining again“

Was war das? Gestern Abend fiel ich fast aus allen Wolken, ein Klang, den ich schon lange nicht mehr gehört hatte, zumindest hier in Oakland. Es regnete und das in Strömen. So sehr, dass auf der Straße ein Bach runterlief, die Gullis waren mit Laub und Nadeln verstopft. Yeah, es regnet.

Begeistert bei Regen und Sonne in der San Francisco Bay Area unterwegs.

Begeistert bei Regen und Sonne in der San Francisco Bay Area unterwegs.

Und es regnet noch immer. Heute morgen war ich mit meinem Hund draußen, die mich sehr früh weckte, denn in ihrem kurzen Leben, sie ist nun 21 Monate alt, hatte sie noch nie Regen gesehen oder gefühlt. Auch so etwas gibt es. Käthe wollte raus, ich nicht so sehr, aber selbst die Decke über den Kopf gezogen half nichts, sie heulte begeistert neben dem Bett und hin und wieder bekam ich eine Pfote ab. Endlich draußen ließ sie sich Zeit, sehr viel Zeit, schnupperte an allem, sprang in jede Pfütze und ich wurde klitschnass. Und das vor dem ersten Kaffee. Nein, ich beschwere mich nicht, aber das gibt noch was mit Monster El Niño im Anzug und einer agilen, kraftvollen und energiegeladenen Hündin.

Der Regen heute wird nicht viel gegen die Dürre in Kalifornien ausrichten können. Das ist wohl nur der Tropfen auf dem heißen Stein. Allerdings wird damit zumindest die Feuergefahr in den Oakland Hills reduziert. Denn wenn man hier lebt, sind gewaltige Brände ein immer wiederkehrendes Horrorszenario. Man lebt damit, doch im Herbst steigt die Gefahr, die ist jetzt allerdings erst einmal gebannt.

 

 

El Niño schickt seine Vorboten

In Kalifornien hofft und bangt man. Ein Super El Niño ist im Anzug, der noch größer und gewaltiger als der im Winter 1997 sein soll. Überschwemmungen, Lawinen, Stromausfall, Verkehrschaos mit allem muß gerechnet werden.

Und es sieht danach aus, als ob diesmal El Niño wirklich kommt. Die Meerestemperatur ist um mehrere Grad Celsius angestiegen, Hurricanes tummeln sich zwischen Hawaii und dem Festland, viele Fische, Meerestiere und Algen, die normalerweise viel weiter südlich zu finden sind, tauchen auf einmal vor der Küste Nordkaliforniens auf. Das Wasser hier hat sich zu sehr erwärmt.

Am Strand von Oxnard, zwischen Santa Barbara und Los Angeles, wurden nun zwei hochgiftige Schlangen entdeckt, die Pelamis Platura oder „yellow-bellied sea snake“. Die südkalifornische Umweltorganisation „Heal The Bay“ hat Strandbesucher aufgefordert, besonders vorsichtig zu sein und jede Sichtung zu melden. Man solle nicht versuchen, die Schlange anzufassen und sie nicht stören, jedoch Fotos und Videos von ihr machen und den genauen Ort an die Organisation weitergeben. Die Pelamis Platura kann bis zu einer Stunde an Land bleiben. Das von asiatischen Königscobras und australischen Tigerschlangen abstammende Reptil taucht normalerweise in Kalifornien nicht auf. Das warme Meerwasser hat sie jedoch auch diesmal, wie zuletzt in den 80er Jahren vor einem El Niño, hierher gebracht.

El Niño ist im Anzug

Wenn man den Wissenschaftlern glauben will, dann steht El Niño quasi schon vor der Tür. Mit 95 Prozent Wahrscheinlichkeit wird der kommende Winter in Kalifornien und dem Südwesten der USA nass werden. Endlich will man sagen, doch erstens kommt der Niederschlag etwas zu spät und zweitens wird es massive Überflutungen, Erdrutsche und damit einhergende Probleme geben.

Foto: NOAA Climate.gov

Foto: NOAA Climate.gov

Die Feuersaison in Kalifornien ist schon seit Februar im Gange. Normalerweise sieht man die Brände erst im Spätsommer oder Frühherbst. Doch die Wälder sind ausgetrocknet, im vierten Jahr der historischen Dürre braucht es nicht viel für einen Flächenbrand. Die Feuerwehren im Sonnenstaat sind bereits an ihren Grenzen. Tausende von Häftlingen aus den kalifornischen Gefängnissen kämpfen an vorderster Front gegen die Flammen mit. Sie alle wünschen sich, dass El Niño schon etwas früher kommen würde, doch der Plan geht nicht auf. Frühestens im Dezember rechnen die Wissenschaftler mit dem Öffnen der Himmelsschleusen.

Und dann geht es los. Die Zeichen stehen auf Sturm. Die Wassertemperaturen im Pazifik steigen weiter an, die Wasseroberfläche ist deutlich höher als gewöhnlich und die Migration von Fischen, Walen, Krebsen und allerhand anderem Meeresgetier ist mehr als ungewöhnlich. So findet man vor der Küste Nordkaliforniens Meeresbewohner, die normalerweise nur in den warmen Gewässern vor Mexiko leben. Die Experten von NOAA, der National Oceanic and Atmospheric Administration, gehen von einem gewaltigen El Niño aus, der da im Anzug ist. Bis ins kommende Frühjahr könnte dieses Wetterphänomen den Westen der USA überfluten. Es wird ein feuchter Winter werden. Und ich sollte mal in den kommenden Wochen aufs Dach steigen, die Regenrinnen reinigen und schauen, ob alles für die feuchte Jahreszeit bereit ist.

Ein Monster ist im Anzug

El Niño kann kommen.

El Niño kann kommen.

Wenn man den Vorhersagen Glauben schenken darf, sollte ich mir schon mal regenfeste Klamotten besorgen. Regenjacke, Regenhose und dicke Gummistiefel, denn meine Käthe will jeden Tag raus und in den Wald. Ob da nun ein Super El Niño kommt, der schon jetzt als „Monster“ beschrieben wird, oder auch nicht. Weder Hitze, Nebel noch Regenschauer halten Sie, und damit mich, auf.

Ja, nach vier Jahren Trockenheit in Kalifornien steht uns nun einiges bevor. Zur Zeit braut sich im Pazifik was zusammen, wenn man den Computeranalysen glauben will, der größte El Niño aller Zeiten steht vor der Tür. Booo! Dem Wetterphänomen geht eine deutliche Erwärmung der Gewässer voran. Derzeit sind die Wassertemperaturen vor Peru um vier Grad wärmer als normal. Vor Vancouver und Seattle um drei Grad. Das sind Anzeichen dafür, dass da ein „Monster“ entsteht, so die Wissenschaftler, die das alles beobachten.

Die gelben Stellen zeigen die erwärmten Flächen an. Foto: Earth.nullschool.net

Die gelben Stellen zeigen die erwärmten Flächen an. Foto: Earth.nullschool.net

Für Kalifornien bedeutet ein Super El Niño im kommenden Winter monatelange Regen- und Schneeschauer, die nach vier Jahren Dürre durchaus willkommen sind. Man hofft, damit wieder den Grundwasserspiegel etwas anheben, die Reservoirs und Seen füllen zu können und auch in den Bergen wichtige Schneevorkommen aufzubauen. Die Lage ist derzeit dramatisch in Kalifornien, sogar die gewaltigen, jahrtausendalten Sequoias leiden unter der Trockenheit und zeigen deutliche Zeichen von Stress.

El Niño, so sind sich die Meterologen einig, wird zu über 90 Prozent Ende des Jahres zuschlagen. Was dann kommt ist noch nicht abzusehen. Man hofft, dass alles gut ausgeht, alles in Maßen. Denn die ausgetrocknete Erde könnte die Wassermassen, die da im Anzug sind, gar nicht aufnehmen. Erdrutsche sind unvermeidbar, ein Verkehrschaos steht uns allen bevor. Und Käthe und ich werden durch den matschigen Wald stapfen. Komme was wolle.

Da kommt was auf uns zu

In Kalifornien herrscht Wasserknappheit. Der Wasserspiegel in Reservoirs, Seen und Flüsse sinkt immer weiter ab. Der Gouverneur hat bereits den Notstand ausgerufen und verpflichtende Wassereinsparungsmaßnahmen angeordnet. In einigen kalifornischen Gemeinden ist es schon so schlimm, dass kein Grundwasser mehr zur Verfügung steht. Und auch hier in der San Francisco Bay Area freut man sich, wenn es mal dröppelt. Ich wohne fast mitten im Wald, der Morgennebel und ein bisschen Nieselregen helfen zumindest etwas gegen die steigende Feuergefahr.

Die Wassertemperaturen im Pazifik steigen, ein El Niño wird immer wahrscheinlicher. Foto: Mhalpert, NOAA

Die Wassertemperaturen im Pazifik steigen, ein El Niño im kommenden Winter wird immer wahrscheinlicher.     Foto: Mhalpert, NOAA

Dass Kalifornien im Spätsommer und Herbst brennen wird, ist klar. Der Boden ist einfach zu sehr ausgetrocknet, das Unterholz zu dicht und die Santa Ana Winde werden wie in jedem Jahr von der Wüste kommend wie ein Heißluftfön jedes Grasfeuer erbarmungslos antreiben.

Und danach wird es nicht besser werden. Meteorologen sehen im Pazifik schon jetzt ein neues El Niño Wetterphänomen. Eigentlich hätte es schon im letzten Winter kommen sollen, doch nichts geschah. Kalifornien blieb verschont. Doch nun haben die Wissenschaftler die Wahrscheinlichkeit von El Niño auf 90 Prozent herauf gesetzt. Es tut sich was im Pazifik. Mike Halpert von der „National Oceanic and Atmospheric Administration“ meint, so eine Entwicklung habe man schon lange nicht mehr beobachten können. Die Wassertemperaturen am Äquator im Pazifik steigen weiter an und beeinflussen so den Niederschlag weltweit. Starke Regenfälle in Nordamerika bedeuten Trockenheit in Asien und Australien.

Kalifornien hofft auf El Niño, um die Reservoirs wieder füllen zu können, um den Grundwasserspiegel wieder anzuheben. Doch starke Regenfälle, wie im Winter 97/98, haben auch ihre Schattenseiten. Der Boden ist ausgetrocknet, es würde zu katastrophalen Überschwemmungen und Erdrutschen kommen. Aber das wird derzeit gerne in Kauf genommen. Es steht uns in Kalifornien in diesem Jahr noch einiges bevor.

Petrus öffnet die Schleusen

Kayaken auf dem Supermarktparkplatz in Healdsburg.

Kayaken auf dem Supermarktparkplatz in Healdsburg.

Erst ging jahrelang gar nichts und dann kam es mit aller Gewalt. Nordkalifornien wird derzeit von einer Sturmfront heimgesucht, die Überschwemmungen, entwurzelte Bäume, Stromausfälle und ein Verkehrschaos mit sich bringt. Im Wine Country von Sonoma konnten Anwohner sogar auf dem Parkplatz des Safeway Supermarktes in Healdsburg mit dem Kayak paddeln. Man nahm es gelassen, willkommene Erinnerungsfotos.

Die starken Regenfälle am Jahresende sind bitter nötig in einer Region, die immer mehr austrocknet. Doch derzeit geben Experten noch keine Entwarnung, noch sind die Pegel in den Seen und Reservoirs zu niedrig, der Grundwasserspiegel noch nicht gestiegen. Ein Großteil des Wassers läuft einfach ungehindert ab, der Boden ist ausgetrocknet und kann die Wassermassen gar nicht aufnehmen.

Mit Spannung wird in Kalifornien erwartet, ob es einen feuchten Jahresausklang gibt, ob das erwartete Wetterphänomen El Niño tatsächlich eintrifft und damit die Reservoirs gefüllt werden. Wenn ja, könnte man in Kalifornien endlich wieder aufatmen, denn in vielen Gemeinden herrscht Wassernotstand, im Central Valley, dem wichtigen Anbaugebiet, liegen aufgrund des Wassermangels ganze Felder brach, Wasser ist zu einem wichtigen Gut geworden, das derzeit die Nachrichten im Westen der USA bestimmt.

¡Adiós! El Niño

Hier deutlich zu sehen, der Temperaturunterschied im Wasser von El Niño und El Niña.

Hier deutlich zu sehen, der Temperaturunterschied im Wasser am Äquator von El Niño und El Niña.

Die kalifornische Erde hat Durst. Richtig Durst nach Regen und Schnee. Doch seit drei Jahren schon passiert in Kalifornien nicht viel in Sachen Niederschlag. Die Reservoirs, Seen, Flüsse, Bäche trocknen aus, der Grundwasserspiegel sinkt. Anfang des Jahres verkündeten die Metereologen, dass ein Ende bald in Sicht sei. Im Mai noch meinten sie, El Niño werde zur Jahreswende richtig Dampf machen und Regen, Regen, Regen bringen. Die Wahrscheinlichkeit für das Wetterphänomen El Niño liege bei 90 Prozent. Die Zeichen standen gut, denn Messungen ergaben, das Wasser im Pazifik erwärmte sich deutlich. Die Energie, die dabei entsteht, bestimmt in der Folgezeit das Weltwetter und wird für feuchte Verhältnisse in Kalifornien verantwortlich gemacht. Zwischen San Diego und Eureka begann man schon zu jubeln.

Doch damit wird es wohl nichts. Ende August lag die Wahrscheinlichkeit für eine gewaltige Regenserie nur noch bei 60 Prozent, und es heißt nun, wenn überhaupt, dann werde El Niño gerade mal ein El Niñchen werden. Bisschen Regen ja, aber eine große Entlastung für die dürstende Land- und Forstwirtschaft, für die Gärten und die Golfplätze im Sonnenstaat werde es wohl nicht geben. Plan B gibt es nicht, also wird weiter gehofft, dass Petrus doch noch ein einsehen hat und zumindest ein paar gewaltige Regenwolken an die Pazifikküste schickt.