Sie können sich nur selber schlagen

Amerika im Wahlkampf und das in einem Krisenjahr. Ein spaltender Präsident, eine weltweite Pandemie, die in den USA schön über 110000 Todesopfer gefordert hat und dann noch ein Land in Aufruhr. Proteste von Küste zu Küste, von Grenze zu Grenze. In den USA wird derzeit eine breite Diskussion über fundamentale Veränderungen geführt, die das Land erschüttert.

Diese Debatte ist schon lange überfällig. Es geht nicht um neue Gesetze, es geht um das Erkennen, um den Umgang mit Rassismus in der Gesellschaft. Darum, in allen Bereichen diese Ungleichheit, die Diskriminierung, die Benachteiligung auszumerzen. Und das in einem Wahljahr. Was nun passiert läßt hoffen, hoffen darauf, dass Amerika endlich aufwacht, nicht immer nur Schlußstriche zieht, sondern auch wirkliche Reformen einleitet und umsetzt.

Ein Kandidat hört zu. Foto: Reuters.

Doch all das sollte warten. Wichtig ist derzeit, dass die Demokraten geeint in den Wahlkampf ziehen, der Übergangskandidat Joe Biden die Wahl gewinnt, dass die Ära Donald Trump nach nur einer Wahlperiode beendet wird. Denn ein Wahlsieg von Donald Trump hätte fatale Folgen. Biden ist sicherlich nicht der Wunschkandidat von vielen, er hat sicherlich viele politische Fehler in seiner langjährigen Karriere gemacht, doch Amerika muss das Kapitel Trump zu Ende bringen und das schnell. Joe Biden wird eine Frau, wahrscheinlich ein Afro-Amerikanerin als Vize-Kandidatin wählen. Auf ihr liegt dann die Last und die Chance die USA zu verändern, umzubauen, von Gund auf zu erneuern. Ich glaube nämlich, dass Biden, wenn er die Wahl gewinnt, nach zwei Jahren abtreten wird, denn eine erneute Kandidatur kann sich der dann fast 82jährige nicht mehr antun. Amerika ist bereit für einen Generationenwechsel, bereit für eine Präsidentin, bereit für ein Ende des systemischen Rassismus.

Leben in einem gespaltenen Land

Die Arbeitslosenzahl in den USA ist so hoch wie seit der großen Depression nicht mehr. Hunderttausende im Land sind auf Lebensmittelhilfen angewiesen, die Schlangen vor den „Food Banks“ und Suppenküchen werden von Tag zu Tag lang und länger. In Amerika im Jahr 2020 hungern wieder Menschen.

Donald Trump ist mit sich selbst sehr zufrieden. Foto: Reuters.

Das ist die Realität in den Vereinigten Staaten von Amerika. Doch wenn man Präsident Donald Trump zuhört, dann bekommt man ein ganz anderes Bild. Er und seine Administration hätten einen „fantastic job“ gemacht. Alles sei unter Kontrolle und die Wirtschaft fange bereits wieder an zu boomen. Im dritten und dann im vierten Quartal sei alles wieder in Ordnung. Nächstes Jahr dann, würden die Wirtschaftszahlen von 2019 noch weit überholt werden. „Ich habe es einmal gemacht und werde es wieder machen“. Trump trompetet, dass er für den Wirtschaftsboom und nur er alleine dafür verantwortlich ist. Auch wenn Ökonomen immer wieder darauf hinweisen, dass Vorgänger Barack Obama die USA nach der Wirtschaftskrise 2008 in sichere Bahnen geleitet hatte. Trump erbte einen gut geschmierten und in Fahrt kommenden Wirtschaftsmotor. Aber das würde Trump nie zugeben, er will Obama aus den Geschichtsbüchern entfernen. Jegliche politischen Erfolge von #44 ausradieren und ihn für alles verantwortlich machen, was schief läuft. So erklärte Trump sogar, dass er von Obama keine Tests für Covid-19 bekommen habe.

Ob das gelingt sei dahingestellt. Trump jedenfalls zeichnet ein ganz anderes Bild der USA, als es der Großteil Amerikas wahrnimmt. Er betont, alles nicht so schlimm, alles unter Kontrolle, alles wird wieder wie und noch besser als zuvor. Das muß er auch sagen, denn die Wirtschaftszahlen waren das, auf was er immer wieder hinwies. Das sollte sein Ticket zur Wiederwahl werden. Und nun ist alles anders. Sicherlich, Donald Trump kann nicht für den Ausbruch der Pandemie verantwortlich gemacht werden. Aber seine Reaktion, seine Verharmlosung, seine Schönrederei, die wird ihn verfolgen. Seine Basis glaubt ihm, steht zu ihm, aber das sind nur etwa 30 Prozent der Wähler. Trump muß, um die Wahl im November gewinnen zu können, erneut „Independent“ und noch untentschlossene Wählerinnen und Wähler für sich gewinnen. Kein leichtes Unterfangen, denn als Krisenmanager hat sich Trump keineswegs bewährt, als Märchenonkel hingegen durchaus.

War es ein Hinterzimmerdeal?

Mit dem deutlichen Wahlsieg von Joe Biden am vergangenen Samstag in South Carolina wurden die Karten im Vorwahlkampf der Demokraten neu gemischt. Noch am Wochenende beendeten der Milliardär Tom Steyer und der ehemalige Bürgermeister von South Bend, Indiana, Pete Buttigieg, ihre Kandidaturen.

Pete Buttigieg steigt aus und unterstützt fortan Joe Biden. Foto: Reuters.

Am Montag dann folgte die Senatorin Amy Klobuchar, auch sie schmiss das Handtuch. South Carolina und zuvor schon die Wahlergebnisse in Nevada machten allen drei deutlich, dass sie nicht die wichtigen Stimmen der Latinos und Afro-Amerikaner gewinnen können. Damit wachsen am heutigen Super Tuesday, an dem in 14 Bundesstaaten gewählt wird, die Chancen von Joe Biden, denn gleich drei Kandidaten aus der Parteimitte nehmen ihm damit keine Stimmen mehr ab. Dazu kommt, dass Buttigieg und Klobuchar ihn am gestrigen Abend auf einer Veranstaltung in Dallas ihre Unterstützung zusagten und auch Tom Steyer betonte am Samstag nach seinem Rücktritt, dass er den Kandidaten der Demokraten unterstützen wird.

Im Lager von Bernie Sanders sieht man das Ausscheiden vor allem von Buttigieg und Klobuchar als Hinterzimmerdeal. Das Establishment der Demokraten, so heißt es, versuche erneut mit unsauberen Mitteln, Bernie Sanders zu stoppen. Neben Joe Biden und Bernie Sanders sind auch noch Michael Bloomberg, Elizabeth Warren und Tulsi Gabbard im Rennen. Bloomberg wird wohl nach dem Super Tuesday entscheiden, ob er überhaupt noch eine Chance hat und weitermachen wird. Gerechnet wird damit, dass schon am Dienstagabend nach Bekanntwerden der Wahlergebnisse Elizabeth Warren das Ende ihres Wahlkampfes verkünden wird. Auch sie hat bislang kaum Wählerinnen und Wähler auf sich vereinen können.

Unterdessen mischt Präsident Trump im Wahlkampf der Demokraten mit, er schürt ganz gezielt Mißtrauen und Mißmut beim politischen Gegner. Immer wieder tweetet er in Richtung Sanders Lager, dass die Demokraten erneut „Crazy Bernie“ (OT-Trump) um die Kandidatur bringen wollen. Am Ende, das steht schon jetzt fest, wird ein Endsiebziger gegen einen anderen Endsiebziger antreten. Die Zukunft Amerikas liegt damit in der Hand der Alten.

Bowling for democracy

Michael Moore meint, Donald Trump werde wiedergewählt. Zumindest wenn die Wahl jetzt oder am kommenden Dienstag wäre. Das ist keine Panikmache, Michael Moore kennt den Mittleren Westen ziemlich gut, man erinnere sich an seinen Film „Roger & Me“ über die Bankrotterklärung von General Motors in Flint, Michigan. Moore ist in diesem Teil der USA zu Hause und weiß, dass die Stimmung dort nach wie vor „Pro-Trump“ ist. Seine Basis ist in den vergangenen Jahren keinen Inch von ihm abgewichen. Mit Michigan und Wisconsin liegen da gleich zwei Bundesstaaten, die als „Swing States“ mehr als wichtig für den Wahlsieg eines Präsidentschaftsanwärters sind. Beides Staaten, die Trump 2016 gewonnen hat, weil Hillary Clinton sie als sicher in ihrer Westentasche vermutete.

Donald Trump könnte erneut gewinnen, sagt Michael Moore. Foto: AFP.

Der Filmemacher und Oscarpreisträger sagt aber auch, dass der oder die HerausforderIn von Trump höchstwahrscheinlich mehrere Millionen Wählerstimmen mehr als Trump erhalten werde und doch am Ende verlieren könnte. Das amerikanische Wahlsystem ist einfach nicht mehr zeitgemäß und somit undemokratisch. Denn hier gewinnt nicht derjenige, der die meisten Stimmen bekommt, sondern derjenige, der mit politischem Kalkül mehr Wahlmänner auf sich vereinen kann. Das war so bei Trump gegen Hillary und auch so bei Bush gegen Gore und es wird wieder passieren. In den wenigen Swing States werden heute die Wahlen entschieden, was bedeutet, dass die Bürgerinnen und Bürger in Wisconsin weit mehr zu sagen haben als die Wählerinnen und Wähler in Kalifornien. Demokratie „made in USA“.

Die Demokraten haben ein Problem. Zum einen müssen sie sich endlich auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin einigen, dann die Parteireihen hinter genau dieser Person schließen und gemeinsam in den Kampf gegen Donald Trump gehen. Der ist bekannt dafür, dass er gerne einfach mit Lügen und Falschaussagen, mit Halbwahrheiten und verdrehten Fakten seine Gegner aus dem Konzept bringen kann. Trump weiß, er muss in den Swing States punkten, denn Amerika ist eigentlich nicht Trump-Country. Hinter dem Präsidenten steckt weder das amerikanische Volk, wie er und seine FoxNews Schreihälse dennoch gerne betonen und auch keine Mehrheit, wie das gerne fälschlicherweise in der deutschen Berichterstattung genannt wird. Trump ist vielmehr ein geschickter Wahlkämpfer, der strategisch vorgeht, sich gerne auf Massenveranstaltungen feiern läßt und so das Bild verbreitet, dass ihm die Massen zujubeln. Doch der Donald ist eigentlich nur ein Blender, der für sich einen Weg in diesem veralteten Wahlsystem gefunden hat, am Ende als „Sieger“ dazustehen. Er ist und könnte wohl auch weiterhin ein Minderheitenpräsident mit großen Folgen für die USA und die Welt sein. Es sei denn, die Demokraten kriegen endlich die Kurve und konzentrieren sich auf das, was einzig und allein wichtig ist – die Abwahl von Donald Trump.

Geld regiert die Welt

Der amerikanische Wahlkampf war schon immer ein Fall für sich. Das sieht man nicht nur an den Ergebnissen, wo jemand zum Präsidenten mit weniger Stimmen als seine Kontrahentin gewählt wird. Oder an dem sündhaft teuren Wahlkampf, der Milliarden an Dollar verschlingt. Oder an der Länge des Wahlkampfes, der mittlerweile etwa zwei Jahre andauert.

Sein Geld soll ihn ins Weiße Haus bringen, Mike Bloomberg. Foto: AFP.

Dieses Mal sind gleich drei Milliardäre am Start, die alle glauben, ihr finanzieller Erfolg ermächtige sie dafür „Commander in Chief“ zu sein. Donald Trump weiß sowieso alles besser, Tom Steyer glaubt genau das Gegenteil und kandidiert deshalb. Und dann ist da nun auch noch Mike Bloomberg, der erst spät ins Rennen eingestiegen ist, aber meint, mit seinem Vermögen kann er die fehlenden Prozentpunkte wettmachen.

Bloomberg TV, das dem Milliardär gehört, hat bekannt gegeben, dass sie nicht groß im Leben von „Mike“ herumrecherchieren werden. Das gilt auch für die demokratischen Mitkandidaten. Nur Präsident Donald Trump werde genauer betrachtet. Man macht also einen Unterschied zwischen dem Wahlkämpfer und dem Präsidenten Trump. Team Trump reagierte umgehend und erklärte, fortan werden keine Journalisten mehr von Bloomberg TV auf den Wahlveranstaltungen akkreditiert. Damit fetzen sich zwei Milliardäre und ziehen die Freiheit der Presse in den Dreck.

Aber das interessiert keinen in diesem Schaulaufen. Amerika hat sich grundlegend verändert, seitdem Donald Trump in Amt und Würden ist. Das liegt sicherlich zum einen an ihm. Sein Ton, sein Politikstil, sein Egozentrismus sind erschreckend, aber kommen bei seinen Wählern an. Zum anderen sind da auch die neuen, sozialen Medien, die keiner besser zu nutzen weiss als Donald Trump. Er hat problemlos eine Medienlandschaft neben den alteingesessenen Printhäusern und Fernsehanstalten aufgebaut. Und keiner der Demokraten im Rennen kann dem die Stirn bieten. Deshalb meint Mike Bloomberg, er könne sich die Wahl erkaufen. Klar, seine politischen Aussagen sind auf Demokraten-Kurs, aber zu meinen, das viele Geld auf dem Bankkonto reiche aus, um die Wählerinnen und Wähler zu überzeugen, ist gewagt und anmaßend gleichermaßen. Aber das ist nun eben mal die neue amerikanische Politlandschaft.

Und nun auch Joe

Joe Biden will es also werden. Der langjährige Senator und Obamas Vize hat am Donnerstag seine Kandidatur für das Präsidentenamt bekannt gegeben. Eigentlich sollte er schon 2016 kandidieren, doch Biden trauerte um seinen verstorbenen Sohn, sah sich nicht in der Lage einen Wahlkampf durchzuführen. Das Ergebnis ist bekannt, Hillary Clinton trat für die Demokraten an und verlor gegen Donald Trump. Biden machte gleich mehrmals im Rückblick deutlich, dass Clinton für die Niederlage verantwortlich ist und er seine damalige Entscheidung bereut.

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Nun will er es also wissen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Fast zwei Dutzend demokratische Kandidatinnen und Kandidaten sind bereits ins Rennen um die Kandidatenkür ihrer Partei eingestiegen. Darunter zahlreiche Hoffnungsträger und politische Schwergewichte. Die Demokraten rücken nach links, Biden hingegen steht für den eher konservativen Flügel der Partei. Warum er kandidiert ist nicht ganz klar. Auch wenn er in seiner Ankündigung erklärt, die rassistischen Vorfälle in Charlottesville und die Reaktion von Donald Trump darauf haben ihn zu dieser Entscheidung geführt, weiss ich dennoch nicht, warum er meint, er sei der richtige für den brutalen Wahlkampf und den Posten des Präsidenten.

Joe Biden will Präsident werden. Foto: Reuters.

Denn auch die anderen Kandidatinnen und Kandidaten, von Kamala Harris bis Bernie Sanders, verurteilten aufs Schärfste den Aufmarsch der Rechten und die darauf folgenden verharmlosenden Worte Trumps. Warum also Biden? Inhaltlich wird er sich kaum vom Rest des Feldes absetzen können. Darüberhinaus konkurriert er mit den anderen um die wichtigen Geldgeber. Ich kann mir nur vorstellen – und hoffe es -, dass es einen Masterplan bei den Demokraten gibt. Denn so unterschiedlich sind die Antretenden nicht, das einzige Ziel sollte und muss sein, die Wiederwahl von Donald Trump zu verhindern. Acht Jahre unter diesem Präsidenten, und da gebe ich Joe Biden recht, würden die USA auf unbestimmte Zeit verändern. Vier Jahre Trump können als geschichtlicher Ausfall betrachtet werden. Acht Jahre hingegen wären eine Katastrophe für dieses Land.

Das Tollhaus Republikaner

Bei den Republikanern blickt man nach Iowa, doch irgendwie blickt man gar nicht mehr durch. Der Iowa „Caucus“ findet am 1. Februar statt, es ist quasi die erste Vorwahl für die Partei. Schon seit dem Herbst 2014 beackern einige der Kandidaten die weiten Felder im „Hawkeye State“. Allen voran Wisconsins Gouverneur Scott Walker, der schon früh als Geheimfavorit der republikanischen Partei gehandelt wurde. Walker machte sich in seinem Bundesstaat einen Namen damit, dass er die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes zerlegte, massiv Steuern kürzte, den Haushalt zusammenstrich und auch im Bildungsbereich den dicken Rotstift ansetzte. Das kam an bei Republikanern in Wisconsin und im ganzen Land und fiel auch den Koch Brothers angenehm auf, die seit Jahren die Wahlkämpfe der GOP finanzieren. Sie erwählten Walker als ihren Kandidaten für 2016. Alles sah nach einem „homerun“ aus.

Scott Walker hat derzeit nichts zu lachen. Foto: AFP.

Scott Walker hat derzeit nichts zu lachen. Foto: AFP.

Doch dann kam Donald Trump und irgendwie lief auf einmal alles ganz anders als geplant. Und nicht nur bei Scott Walker, auch bei den anderen Kandidaten, die sich ernsthafte Chancen in Iowa und darüberhinaus ausrechneten. Derzeit liegt Trump in Iowa mit 23 Prozent weit vorne. Dahinter der Arzt Ben Carson mit 18 Prozent und an dritter Stelle dann Scott Walker mit gerade mal 8 Prozent. Mit so einem innerparteilichen Stellungskrieg hat man weder im Lager Walker noch im Lager Bush gerechnet. Von den anderen Kandidaten ganz zu schweigen. Zwei politische Außenseiter liegen weit vorne, der Rest der Partei versucht damit umzugehen und driftet immer weiter nach rechts ab. Trump und Carson bestimmen die Diskussion zum Leid der Partei, die sie sich als Plattform gewählt haben.

Scott Walker ist kaum wiederzuerkennen. Das ist nicht nur die Analyse der Kommentatoren in den USA, auch seine einstigen Unterstützer sind irritiert. Sie behaupten, Walker höre zu sehr auf seine Berater aus dem fernen Washington und halte sich zu sehr mit seinen Stellungnahmen zurück. Und wenn, dann reagiere er nur noch auf Trumps Gepoltere und agiere kaum noch.

Der Wahlkampf steht derzeit Kopf. Vor einem halben Jahr hatte niemand mit dieser Situation gerechnet. Aus dem Darling der Partei wurde ein Mitläufer, der in der Debatte kaum noch beachtet wird. Ob er den Trend noch drehen kann ist fraglich. 15 Prozent hinter dem Frontrunner Trump ist keine gute Ausgangslage, um in den Iowa Endspurt zu gehen. Nun versucht man im Walker Lager und auch in den andern PAC, political action commitees, Trumps Ruf zu beschädigen. Was die anderen GOP Kandidaten im Rennen derzeit eint, ist nicht nur ihre Ablehnung von Obama und Clinton, die steht sowieso fest. Was die Reihen der Senatoren, Gouverneure und der vielen Ex-Offiziellen in diesen Wochen verbindet, ist der New Yorker Milliardär. Er muß aus dem Weg geschafft werden, koste es was es wolle, um überhaupt einen Wahlkampf zu erlauben. Man kann sich also vorstellen, dass da einige vertrauliche Telefonate, Gespräche und Treffen zwischen Walker, Bush, Perry, Huckabee, Graham, Christie, Kasich, Cruz, Rubio, Pataki, Jindal, Fiorina, Paul, Santorum stattfinden. Alle gegen einen, zum Wohle der Partei.

Amerika wählt!

WahltagDie Amerikaner werden heute erneut zur Wahlurne gebeten. Diesmal geht es um den Kongress, aber auch um viele Senats- und Gouverneursposten, Bürgermeister und Volksentscheide. Ob Barack Obama der Rücken gestärkt oder ob er eine deutliche Klatsche für seine Politik erhalten wird hängt auch von der Wahlbeteiligung ab. Viele Demokraten sind von ihrem Friendensnobelpreisträger enttäuscht.

Ein Audio-Beitrag zum Wahltag:

Amerika wählt     

Ruanda nach der Wahl

Alles ist wieder ruhig in Ruanda. Die Siegesparty der FPR und Präsident Paul Kagames dauerte bis in die frühen Morgenstunden des Dienstag. Viele der rund 60.000 Jubelnden gingen direkt vom Amahoro National Stadium in Kigali zur Arbeit. Die staatlich Bediensteten bekamen einfach frei, Paul Kagame verkündete das in der Wahlnacht. Dass das ein deutliches Indiz für die Verstrickung von Staat und Regierungspartei sein könnte, interessierte niemanden. Ruanda war im ausgerufenen Freudentaumel.

Paul KagameAm Dienstag berichteten die nationalen und internationalen Medien von einem „Erdrutschsieg“ Kagames. Was daran ein Erdrutschsieg sein soll verstehe ich allerdings nicht. Vor sieben Jahren bekam Paul Kagame 95,5 Prozent der Wählerstimmen. Diesmal sieht es nach offiziell rund 93 Prozent aus. Die anderen drei Kandidaten endeten unter ferner liefen. Wer behauptet, dieses Ergebnis sei überraschend, der verkennt die Situation in Ruanda. Zwar wird hier überall und jederzeit davon gesprochen, dass die Wahlen im Land fair, offen und demokratisch gewesen seien. Doch viele Zu- und Mißstände deuten darauf hin, dass diese Wahl eben mehr ein Schaulaufen war, um die internationalen Unterstützer des Kagame-Weges zu beruhigen: Schaut her, Ruanda hat sich vom Massenmordstaat zur afrikanischen Vorzeigedemokratie gemausert.

Egal, was die zahlreichen internationalen Korrespondenten auch berichten werden, die sich in den letzten Wochen und Monaten intensiv mit Ruanda und der bevorstehenden Wahl beschäftigten. Gleich, was die internationalen Wahlbeobachter bemängeln, kritisieren oder auch nur dokumentieren werden, ändern wird das nichts. Die Europäer und die Amerikaner brauchen ein stabiles und florierendes Ruanda. Und das verspricht Präsident Paul Kagame. Er hat das Land auf einen sicheren Kurs gebracht. Die Wirtschaft boomt, der Aufschwung ist überall sichtbar. Ruanda heute ist zu einem Powerhouse in der Region der Großen Seen, Präsident Paul Kagame zu einem einflußreichen Politiker in Afrika geworden. Da kann man, da wird man schon mal über so mache Ungereimtheiten im Wahlkampf und bei der Wahl selbst hinwegblicken.

kagame94Paul Kagame war noch nie ein buckelnder Bittsteller. Er ist ein souveräner, überzeugter und auch stolzer Ruander. Schon 1994 als Führer der RPF Armee war er auf sich gestellt, um Ruanda zu befreien und dem blutigen Gemetzel der Hutu-Milizen ein Ende zu setzen. Und genauso regiert er. Kagame macht der internationalen Gemeinde deutlich, dass man Ruanda nicht mehr als Dritte Welt Land sehen soll, vielmehr als ein Land, in dem Visionen umgesetzt werden, ein Land, dass wirtschaftlich und politisch nach vorne sprintet. Mit dieser Wahl hat Kagame erneut unterstrichen, dass Ruanda einem eigenen, seinen Weg folgt. Wem das nicht passt, der kann sich zum Teufel scheren.

Der Gottgesandte

80.000, 95.000, 100.000 Menschen…in solchen Dimensionen finden die Wahlveranstaltungen der Regierungspartei FPR mit ihrem Kandidaten Paul Kagame statt. Die Tageszeitungen sind voll mit Huldigungsbeiträgen über den Präsidenten. Die größte englischsprachige Zeitung Ruandas „New Times“ liest sich dieser Tage wie das Parteiorgan der FPR.

Wahlkampf in RuandaKagame pendelt durchs Land und wird überall von jubelnden Menschenmassen empfangen. Er beschreibt sich selbst als „Stütze für Einheit, Demokratie und Entwicklung“. Nur er stünde für den eingeschlagenen Weg der Ruander. Was Ausländer über ihn sagen sollte niemanden in Ruanda stören. Was zähle sei die Entwicklung der letzten sieben Jahre, seitdem er Präsident ist.

Und die Jubelgesänge sind überall zu hören. Organisierte Parteiveranstaltungen in den Stadtteilen und Dörfern belegen schon jetzt den sicheren Ausgang der Wahl für Paul Kagame. Unterstützer preisen ihn als „Helden“, als „grossen afrikanischen Führer“, als „von Gott gesandt“. Und sie sehen ihn auf einer Stufe mit Martin Luther King und Barack Obama.

Hier noch ein aktuelles Interview der BBC mit Ruandas Außenministerin Louise Mushikiwabo über die Situation vor den Wahlen und die Kritik aus dem Ausland:

BBC Interview