Biden der Brückenpräsident

Joe Biden wird kurz nach dem Wahltag 78. Ein stolzes Alter, vor allem auch dann, wenn man sich vorstellt, dass er in den kommenden Jahren einen mehr als stressigen Alltag haben wird. Und dann wäre da die Wiederwahl, Biden würde am Wahltag 2024 kurz vor seinem 82. Geburtstag stehen. Ein anstrengender Dauerwahlkampf und vielleicht Präsidentschaft bis zum 86.? Das ist eher unwahrscheinlich.

Wie es derzeit aussieht ist Joe Biden der Kandidat der Demokraten, der es schaffen kann, die Partei zu einen. All seine Gegner im Vorwahlkampf von Elizabeth Warren, Amy Klobuchar, Pete Buttigieg, Kamala Harris bis hin zu Bernie Sanders haben sich hinter ihm eingereiht. Sie alle wollen ihre Wählerinnen und Wähler auf Joe Biden einstimmen. Dazu kommen unzählige von früheren Ministern, Botschaftern, Offiziellen und auch Barack Obama und Al Gore, sie alle haben schon ihre Unterstützung für Kandidat Biden ausgesprochen. Das zeigt überdeutlich, dass die Demokraten das eine Ziel ganz fest vor Augen haben – die Abwahl von Donald Trump.

Joe Biden mit Weitsicht? Foto: AFP.

Doch wie sähe es aus mit Präsident Biden, könnte er das Pensum eines Präsidenten schaffen, vier, vielleicht auch acht Jahre im Amt bleiben? Ich glaube nicht. Was für mich wahrscheinlicher ist, Joe Biden wird sich eine starke Frau an seine Seite holen, mit der er in diesem Wahlkampf gegen Donald Trump ziehen wird. Das steht schon fest, nur auf wen die Wahl fallen wird, ist noch offen. Biden wird dann für zwei Jahre im Amt bleiben, seinen 80. Geburtstag feiern und dann abtreten. Man wird ihm glauben, dass er das aus gesundheitlichen Gründen tun wird. Doch damit würde er auch den Weg frei machen für seine Vize-Präsidentin, die so die Möglichkeit haben würde, sich zu etablieren, als Präsidentin in den nächsten Wahlkampf zu ziehen, auf eigene Erfolge hinzuweisen. Mit Präsidentbonus und voller Energie.

Joe Biden wäre damit ein Übergangskandidat, der sicherlich nicht die große Politik auf der Weltbühne verwirklichen könnte, der aber für seine Partei und vor allem für sein Land großes erreichen würde. Denn vier weitere Trump Jahre wären für die USA in vielerlei Hinsicht eine Katastrophe. Man denke nur an die Sozial-, Außen-, Arbeitsmarkt-, Sicherheits-, Gesundheits- und Umweltpolitik. Vor allem aber wäre es eine Gefahr für die amerikanische Demokratie, wenn Trump im Amt bliebe, denn dieser Präsident setzt alles daran, die Grundfesten der Vereinigten Staaten von Amerika zu untermininieren und aufzulösen. Biden könnte somit zum Retter Amerikas werden. Die Geschichte würde es ihm danken.

Amerika wird weiblich

Joe Biden hat angekündigt, eine Frau als Vize-Präsidentschaftskandidatin auszuwählen. Damit macht Biden deutlich, dass die Zukunft Amerikas in weibliche Hände gegeben werden soll. Man kann nur sagen: Endlich!

Derzeit wird viel gemunkelt und vermutet, wer denn für Biden in Frage kommen würde. Ganz oben auf der Liste stehen wohl die kalifornische Senatorin Kamala Harris und Amy Klobuchar, Senatorin aus Minnesota. Beide kandidierten auch für die Präsidentschaftsnominierung der Demokraten, doch zogen sich schließlich aus dem Rennen zurück. Was für diese zwei Politikerinnen spricht, ist ihre Erfahrung im US Kongress. Sie kennen die Abläufe, haben direkte Kontakte, wissen, wie das politische Spiel gespielt wird.

Harris, die Biden im Wahlkampf mehrmals hart anging, gilt derzeit sogar als Favorit. Die Afro-Amerikaniern lässt immer wieder aufhorchen. So geht sie bei Senatsanhörungen hart gegen Donald Trump und seine Kandidaten vor. Das kommt an bei der Basis. Hinzu setzt sie sich verstärkt für „black communities“ in diesen Corona Zeiten ein, die hart getroffen wurden. Team Biden/Harris könnte die Partei weitgehend mobilisieren, denn am Ende geht es darum, möglichst alle Wählergruppen der Demokraten zu erreichen. Auch wäre das ein deutliches Signal für einen Generationenwechsel der Partei.

Kamala Harris, Amy Klobuchar, Elizabeth Warren (v.l.n.r.), drei mögliche Vize-Präsidentschaftskandidatinnen. Foto: Reuters.

Amy Klobuchar ist ebenfalls im Rennen, allerdings drangen immer News über Schwierigkeiten mit ihren Mitarbeitern durch. Klobuchar scheint nicht gerade eine Teamplayerin zu sein, wenn es um ihr eigenes Büro geht. Das läßt aufhorchen. Sie hat sicherlich den Vorteil, dass sie zeigen kann, auch im Mittleren Westen Wahlen gewinnen zu können, denn wer im November Präsident wird, hängt von den Wahlergebnissen in einigen „Midwest States“ wie Wisconin und Michigan ab.

Team Biden blickt auch genau auf Stacey Abrams, die nur knapp die Wahlen für das Gouverneursamt in Georgia verloren hat. Abrams ist Afro-Amerikanerin und organisiert derzeit hinter den Kulissen neue Wählergruppen und das Registrieren von Wählerinnen und Wählern. Abrams war in Georgia nah dran an einem Wahlsieg und konnte so zeigen, dass Demokraten dort durchaus eine Chance haben.

Auch Elizabeth Warren zählt zum engeren Kreis der möglichen „Veeps“. Mit ihr  könnte ein deutliches Zeichen zur Einheit der Partei gesetzt werden, denn Warren zählt zum linken Flügel der Demokraten. Sie ist eine erfahrene Wahlkämpferin und hat als Senatorin sehr gute Kontakte im Kongress. Was gegen sie spricht ist ihr Alter. Mit dann 71 Jahren wäre sie an der Seite des im November 78jährigen Joe Biden sicherlich keine Kandidatin für einen Neuanfang, einen Generationenwechsel bei den Demokraten.

Eine Frau kommt, das steht fest. Damit wird ganz deutlich gemacht, dass die amerikanische Politik endlich auch die Wende schafft. Joe Biden hat damit eine wichtige, kluge und auch weitsichtige Entscheidung getroffen.

War es ein Hinterzimmerdeal?

Mit dem deutlichen Wahlsieg von Joe Biden am vergangenen Samstag in South Carolina wurden die Karten im Vorwahlkampf der Demokraten neu gemischt. Noch am Wochenende beendeten der Milliardär Tom Steyer und der ehemalige Bürgermeister von South Bend, Indiana, Pete Buttigieg, ihre Kandidaturen.

Pete Buttigieg steigt aus und unterstützt fortan Joe Biden. Foto: Reuters.

Am Montag dann folgte die Senatorin Amy Klobuchar, auch sie schmiss das Handtuch. South Carolina und zuvor schon die Wahlergebnisse in Nevada machten allen drei deutlich, dass sie nicht die wichtigen Stimmen der Latinos und Afro-Amerikaner gewinnen können. Damit wachsen am heutigen Super Tuesday, an dem in 14 Bundesstaaten gewählt wird, die Chancen von Joe Biden, denn gleich drei Kandidaten aus der Parteimitte nehmen ihm damit keine Stimmen mehr ab. Dazu kommt, dass Buttigieg und Klobuchar ihn am gestrigen Abend auf einer Veranstaltung in Dallas ihre Unterstützung zusagten und auch Tom Steyer betonte am Samstag nach seinem Rücktritt, dass er den Kandidaten der Demokraten unterstützen wird.

Im Lager von Bernie Sanders sieht man das Ausscheiden vor allem von Buttigieg und Klobuchar als Hinterzimmerdeal. Das Establishment der Demokraten, so heißt es, versuche erneut mit unsauberen Mitteln, Bernie Sanders zu stoppen. Neben Joe Biden und Bernie Sanders sind auch noch Michael Bloomberg, Elizabeth Warren und Tulsi Gabbard im Rennen. Bloomberg wird wohl nach dem Super Tuesday entscheiden, ob er überhaupt noch eine Chance hat und weitermachen wird. Gerechnet wird damit, dass schon am Dienstagabend nach Bekanntwerden der Wahlergebnisse Elizabeth Warren das Ende ihres Wahlkampfes verkünden wird. Auch sie hat bislang kaum Wählerinnen und Wähler auf sich vereinen können.

Unterdessen mischt Präsident Trump im Wahlkampf der Demokraten mit, er schürt ganz gezielt Mißtrauen und Mißmut beim politischen Gegner. Immer wieder tweetet er in Richtung Sanders Lager, dass die Demokraten erneut „Crazy Bernie“ (OT-Trump) um die Kandidatur bringen wollen. Am Ende, das steht schon jetzt fest, wird ein Endsiebziger gegen einen anderen Endsiebziger antreten. Die Zukunft Amerikas liegt damit in der Hand der Alten.

Der Totengräber der Demokratie

Donald Trump bestimmt durch seine selbstgewählte Opferrolle im Ukraine Skandal auch den Wahlkampf der Demokraten. Es ist schon erstaunlich, wie dieser Mann aus einer eindeutigen Täterrolle eine Opferrolle einnehmen kann und es darüberhinaus noch schafft, seine Parteisoldaten hinter sich zu bringen. Hier werden gerade unglaubliche Verschwörungstheorien gesponnen, um diesen selbstverliebten Präsidenten zu schützen.

Fakten zählen schon lange nicht mehr in den USA. Foto: Reuters.

Und die Demokraten finden keine Antwort auf den Trumpschen Frontalangriff. Schlimmer noch, ihre drei führenden KandidatInnen im Rennen haben wohl keine Chance mehr das Rennen zu machen. Joe Biden ist durch die rund um die Uhr Angriffe durch Trump angeschlagen. Egal, ob was dran ist oder auch nicht an den Ukraine Vorwürfen, es wird etwas hängen bleiben. Biden ist daduch geschwächt.

Geschwächt ist nun auch Bernie Sanders, der einen Herzanfall erlitt. Mit 78 Jahren ist Bernie in einem Alter, in dem er eigentlich nicht mehr kandidieren sollte, doch bislang schien der Senator wie das berühmte Batterie-Häschen ohne Pausen voran zu marschieren. Damit ist nun Schluss, die Herzattacke führte allen vor Augen, dass Bernie Sanders zu alt für diesesn Job ist. Man kann nur hoffen, dass Sanders selbst ein Einsehen hat und aus dem kräftezehrenden Rennen ausscheidet.

Dann ist da Elizabeth Warren, die Senatorin aus Massachusetts, die unbedingt Kandidatin werden will. Doch viele in der Partei sehen sie als zu links an. Und auch sie wurde von Trump bereits heftigst angegangen und als „Pocahontas“ beschimpft, denn Warren erklärte lange Zeit, sie habe indianische Vorfahren. Trump baute eine Lügengeschichte darum auf, dass Warren dadurch Vorteile beim Studium und in der Jobwahl erhielt, was de facto nicht stimmt, doch auch da blieb vieles hängen. Warren ist für viele im Wahlvolk nur „Pocahontas“.

Das KandidatInnenfeld der Demokraten ist noch gross, viele Namen könnten sich nach vorne drängeln, doch die Frage ist, ob sie eine Chance haben gegen den Lügenbaron, der nicht an die herkömmlichen Spielregeln gebunden ist. Wie soll man einem Mann begegnen, der falsche Fakten als Tatsachen verkauft, der Halbwahrheiten als alternative Realität anbietet, der nachweislich und ohne Konsequenzen lügt und betrügt und davon nie etwas zurücknimmt. Die Demokraten haben bislang keine Antwort auf diese Fragen gefunden. Es ist an der Zeit, den Kopf aus dem eigenen Schoß zu ziehen und offen und direkt Donald Trump anzugehen. Er ist der eigentlich politische Gegner, er ist der Totengräber der amerikanischen Demokratie. Das Schaulaufen des demokratischen Wahlkampfes muss endlich ein Ende finden. Nun wäre es viel sinnvoller sich an einen Tisch zu setzen und die übergroßen Egos an der Tür zu lassen, eine Lösung zu finden, wer kandidiert und dann gemeinsam und geschlossen ein Ende der Trump-Regierung einzuleiten. Wenn das nicht bald passiert, muss man sich mit vier weiteren Trump Jahren anfreunden. Die Folgen wären katastrophal für die Demokratie, für die Umwelt, für das soziale Leben in den USA, für die internationalen Beziehungen, für die Zukunft.

Der Abend der Kamala Harris

Als Kamala Harris Ende Januar in Oakland ihre Kandidatur verkündete, blickte die Nation auf die kalifornische Senatorin. 20.000 Menschen waren vor das Rathaus gekommen, Fernsehkameras übertrugen live ihre Rede. Harris war auf einmal die Herausforderin von Donald Trump.

Doch in den folgenden Monaten geriet sie ins Hintertreffen. Immer mehr Demokratinnen und Demokraten kündigten an, Präsidentin oder Präsident zu werden. Kamala Harris und ihre Kampagne waren nur noch eine von vielen. Elizabeth Warren, Bernie Sanders und dann vor allem die Kandidatur von Joe Biden ließen Harris in den Umfragen abstürzen.

Kamala Harris greift Joe Biden an, Bernie Sanders schaut nur zu. Foto: Reuters.

Doch nun ist sie zurück und das in aller Deutlichkeit. Am zweiten Tag der ersten Debattenrunde trumpfte Kamala Harris auf. Wurde als klare Siegerin nach diesem 20köpfigen Kandidatenringelrei gefeiert. Von „Mainstream“ Medien genauso wie von konservativen Kommentatoren. Harris punktete mit ihrer Art, ihrem Wissen, ihrer persönlichen Geschichte und vor allem damit, wie sie den alten Mann und Frontrunner der Partei auf der Bühne, Joe Biden, in seine Schranken wies. Kamala Harris machte an diesem Donnerstagabend in Miami deutlich, dass die Demokraten einen Generationswechsel brauchen. Donald Trump und sein Team jubelten, denn für sie war bislang Joe Biden der gefährlichste Kontrahent. Mit Harris, so glaubt Trump, habe er ein leichtes Spiel.

Was verwundert, sind dann solche Schlagzeilen, wie die von ntv: „Die Demokraten radikalisieren sich„. Denn was da bei diesen Debatten erklärt, dargelegt, ausgeführt wurde, hat nichts mit einer Radikalisierung der Demokraten zu tun. Es ging um Klimaschutz, einem menschlichen Umgang mit Flüchtlingen, um eine allgemeine Gesundheitsvorsorge, um Bildung für alle, um die Einhaltung internationaler Verträge, um neue, strengere Waffengesetze. Nichts davon ist radikal, die Demokraten in den USA haben gerade mal einen sozialdemokratischen Kurs eingeschlagen.

Noch eineinhalb Jahre bis zum eigentlichen Wahltag. Da fließt hier noch viel Wasser im Mississippi und in Nürnberg die Pegnitz runter. Es kann noch so einiges passieren. Das Feld von derzeit 25 Kandidatinnen und Kandidaten wird sich schon bald etwas lichten. Denn es geht jetzt vor allem darum, Gelder für die teuren Wahlkämpfe einzusammeln. In allen 50 Bundesstaaten müssen Büros eröffnet, Mitarbeiter bezahlt werden. Bislang lag Joe Biden in den Umfragen weit vorne, nach diesen Debatten in Florida müssen die Karten jedoch neu gemischt werden. Harris, Castro und auch Buttigieg holen deutlich auf, in den Umfragen und auch bei den Spendern. Und nicht nur das, für mich wurde am Donnerstag eines ganz klar, es ist Zeit für eine afro-amerikanische Frau gegen Donald Trump anzutreten und ihm seine Grenzen aufzuzeigen. Americas Future is female!

Der Kampf um den weißen Mann

Joe Biden ist der Frontrunner bei den Demokraten. Es heißt, er sei der einzige im Kandidatenkarussell, der jene Wähler erreichen und überzeugen kann, die 2016 Donald Trump gewählt haben: white working men. Das ist nun also das Ziel der Demokraten für 2020.

Wöchentlich werden es mehr. Demokraten, die ins Weiße Haus wollen. Foto: Reuters.

Ich bin nun kein Wahlkampfstratege, allerdings schaue ich mir dieses Land und auch die Wähler der Demokraten an. Und da sehe ich mehr Farbe und vor allem mehr Frauen. Die Demokraten haben nun zwei Dutzend Kandidatinnen und Kandidaten im Rennen, die gemeinsam ganz gut die eigene Basis darstellen. Weiße Männer, afro-amerikanische Frauen, Mitglieder der LGBTQ Community, Veteranen, grüne Aktivisten, junge und ältere Demokratinnen und Demokraten. Und nicht nur das, die eigenen Wähler sind mehrheitlich weiblich und farbig. Warum also will man sich da „nur“ auf die „white working men“ konzentrieren, wenn die eigene Wählerschaft ganz anders aussieht?

Ich glaube, die Demokraten machen einen Riesenfehler, wenn sie sich auf Joe Biden im Kampf ums Weiße Haus einlassen, denn Biden steht nicht für das Amerika, wie es heute ist. Die USA sind ein Land voller Farbe, in dem Frauen endlich eine führende Rolle übernehmen sollten, nein, müssen. Eine, die da nicht Hillary Clinton heißt, die nicht das Land allein durch ihren Namen spaltet. Im Kandidatinnenfeld gibt es hervorragende Politikerinnen mit Vision, ich denke da an Kamala Harris, an Tulsi Gabbard oder auch an Elizabeth Warren. Sie können Frauen, Männer, Minderheiten, Junge und Alte erreichen und mobilisieren. Solch eine Kandidatin braucht Amerika. Brauchen die USA vor allem nach vier Jahren Donald Trump im Weißen Haus.

Gerade wurde die Wahlkampfrede von Joe Biden in Philadelphia auf den Nachrichtenkanälen übertragen. Er erklärte, er werde in seinem Wahlkampf keine und keinen der anderen Demokratinnen und Demokraten schlecht reden. Das muss man ihm hoch anrechnen. Vielleicht existiert sogar in der Partei ein Schlachtplan, denn das höchste Ziel ist es ja, Donald Trump abzulösen. Vielleicht beinhaltet dieser Plan, dass Biden all die Aufmerksamkeit bis zum Beginn der Vorwahlen auf sich zieht und hinter den Kulissen jemand anderes für den Zweikampf mit dem selbstverliebten „besten Präsidenten aller Zeiten“ (Trump über Trump) vorbereitet wird. Man kann es nur hoffen, dass die Demokraten solch einen Plan haben und nicht anfangen, sich auch noch im Vorwahlkampf gegenseitig anzugreifen. Denn sie alle eint das Ziel, die Ära Trump nach nur vier Jahren zu beenden.

Warum Warren?

Elizabeth Warren will Präsidentin werden. Foto: Reuters.

Elizabeth Warren kandidiert nun also doch. Genau wie damals, als Hillary Clinton ihre Kandidatur bekanntgab, frage ich mich, was geht in ihr vor, dass sie meint, sie hat eine Chance gewählt zu werden? Und dabei geht es nicht um die Politik der Senatorin aus Massachusetts und um das, für was sie steht. Warren hat vielmehr ein riesiges Problem, so wie Hillary sie mit ihren unzähligen Leichen im Keller hatte.

Nach einer tumulthaften Woche für Warren, in der die Washington Post eine von ihr handgeschriebene Anmeldung für die texanische Anwaltskammer von 1986 veröffentlichte, auf der Warren angegeben hatte, dass sie „American Indian“ sei, dachten viele, nun ziehe sich Warren zurück. Doch ganz im Gegenteil, die Senatorin glaubt noch immer, dass der Skandal um ihre Herkunft keine Auswirkungen auf ihre Kandidatur um den Präsidentenjob haben wird.

Doch Elizabeth Warren liegt da ganz falsch. Seit Jahren schon muss sie sich immer und immer wieder damit auseinandersetzen, dass sie lange Zeit behauptet hat, sie habe indianisches Blut in sich. Kein Geringerer als Donald Trump nahm das nur zu gerne auf, nannte Warren fortan nur noch „Pocahontas“ und hämmerte die falsche Behauptung Warrens in die Wahrnehmung der Amerikaner. Doch die Senatorin gab nicht einfach klein bei und wollte nachweisen, dass sie zum Teil „Native American“ sei. Im Herbst ließ sie eine DNA Analyse erstellen, die das belegen sollte. Doch der Schuss ging nicht nur nach hinten los, Warren schoss sich dabei in den eigenen Fuss. 1/20 „Native Amercian“ war das Ergebnis. Etwa so viel wie ich es habe, der in Würzburg von einer Mutter aus dem Ruhrgebiet und einem Vater aus Schlesien geboren wurde.

Und nun noch die Registrierungskarte aus Texas, die zeigt, dass Warren ihren indianischen Hintergrund nicht nur selbst glaubte, sondern sich selbst auch so vorstellte. Man muss wissen, dass in den USA jeder irgendwo Vorfahren von irgendwoher hat. Ich treffe immer wieder Leute, die mir sagen, sie seien auch Deutsch. Auf die Nachfrage wie und warum erklären sie dann, ihre Ur-Ur-Großmutter sei die Tochter eines Bäckers gewesen, der 1795 aus einem Dorf in Schwaben nach Amerika kam. Sprache, Kultur, Gepflogenheiten, alles Nebensache, denn da war ja die Ur-Ur-Oma. Das ist ein normales und für sie logisches Argument, dass sie damit Deutsche sind. Ok, sollen sie so sehen. Was Elizabeth Warren jedoch mit ihrer „Native American“ Identifikation machte ist, dass sie dadurch nicht nur einen emotionalen Bonus erhalten hat, sondern eventuell auch Vorteile bei der Auswahl an Universitäten und bei der Jobsuche. Warren, die eine brillante Juristin ist, erklärt zwar, dass dem nicht so gewesen ist, doch mit ihrer Behauptung eine Nachfahrin der Indianer zu sein, bleibt da ein Beigeschmack. Warren ist für viele nur noch „Pocahontas“.

Nun kann man behaupten, Elizabeth Warren kandidiere nur, um ihre Politik ins Gespräch zu bringen. Das stimmte dann, wenn es keine andere Kandidatin oder Kandidaten im Feld geben würde, die oder der Ähnliches fordert. Doch da sind schon jetzt mehrere Frauen und Männer im Rennen, die mit Warren auf einer Linie liegen. Elizabeth Warren glaubt also wirklich, die Vorwahlen der Demokraten überstehen zu können, um dann gegen Donald Trump zu kandidieren. Man kann nur hoffen, dass jemand die Senatorin schon bald zur Seite nimmt und ihr einmal ganz deutlich sagt: „Elizabeth, let it go!“

Die erste Demokratin fällt

Senatorin Elizabeth Warren ist „ouf of the race“. Foto: Reuters.

Elizabeth Warren wollte mit ihrer DNA Analyse einen Punktsieg gegen Donald Trump erreichen. Doch nun hat sie sich damit einen Bärendienst geleistet. Warren hatte in der Vergangenheit erklärt, sie habe „Native American“ Vorfahren. Donald Trump griff das schon im Wahlkampf auf und attackierte die US Senatorin. Trump meinte, Warren habe weniger indianisches Blut als er in sich, und er habe 0,0 Promille davon. Vielmehr, so Trump, habe „Pocahontas“, wie der Präsident die Senatorin abwertend bezeichnet, sich Vorteile mit dieser Behauptung erkauft. Das stimmt nachweislich nicht, doch der Vorwurf blieb and Warren haften.

Nun also wollte sie alles klarstellen, ein Stanford Professor untersuchte die DNA der Senatorin und erklärte, sie habe vor sechs bis zehn Generationen indianische Vorfahren gehabt. Warren jubelte, doch der Schuss ging nach hinten los. Nicht nur, dass sich die Konservativen im Land, allen voran Donald Trump, kaputt lachten und sich bestätigt fühlten. Auch betonten führende Vertreter verschiedener indianischer Völker, dass die DNA Analyse von Elizabeth Warren ein totaler Humbug sei und nichts darüber aussage, ob sie „Native American“ sei oder nicht.

Elizabeth Warren ist damit aus dem Rennen ums Weiße Haus. Sie galt als mögliche demokratische Kandidatin 2020, hatte daraufhin gearbeitet und ihr DNA Test sollte auch dahingehend bewertet werden. Warren wollte Trump angreifen, doch hat sich damit selbst ins Aus katapultiert. Denn nun hängt ganz deutlich etwas an ihrem Namen. Gegen den populistischen und verleumderischen Ton von Donald Trump kommt sie so nicht an. Vielmehr glauben seine Fans den „Pocahontas“ Vorwürfen und viele „Independent Voters“ und auch Demokraten haben ihre Zweifel, ob nicht doch was an der Trumpschen Indianergeschichte dran sein könnte. Alleine dadurch ist Elizabeth Warren angreifbar und somit nicht länger als Kandidatin haltbar. Falls sie dennoch blind und selbstgefällig ins Rennen gegen Trump einsteigen will, ist sie auf verlorenem Posten. Gegen den verlogenen King des Populismus wird sie keine Chance haben.

Donald Trump ist ein Rassist

Es ist schon erstaunlich, wenn eine der führenden Tageszeitungen in den USA ganz offen schreibt: „First, we’re long past the point where we have to beat around the bush about this: Donald Trump is a racist who says racist things.“ Dieser Satz fiel in einem Beitrag der Washington Post über die mögliche demokratische Präsidentschaftskandidatin, die demokratische Senatorin Elizabeth Warren, die von Donald Trump immer wieder als „Pocahontas“ bezeichnet wird.

Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren ist eine der beliebten Zielscheiben von Donald Trump. Foto: Reuters.

„Pocahontas“ deshalb, weil Warren einmal erklärte, sie habe „Native American“ Vorfahren, das zumindest habe ihre Großmutter erzählt. Trump jedoch – und auch andere konservative Politiker und Medien wie Fox News – nahmen diese Aussage zum Anlass, um Elizabeth Warren zu unterstellen, sie habe ihre vermeintliche indianische Herkuft dazu ausgenutzt, um in ihrer Karriere als Juristin weiterzukommen. Eine Unterstellung, die weder belegt werden kann noch wahr ist. Es geht dabei um „Affirmative Action“, Fördermaßnahmen zugunsten benachteiligter Gruppen. Wie der „Boston Globe“ in einer aufwendigen Recherche jedoch feststellen konnte, wurde Warren stets als „weiße Frau“ eingestellt, nie habe sie erwähnt, dass sie 1/32 Cherokee sei.

Doch das ist Trump egal, er greift seine Gegner immer wieder mit speziellen Namen an: Crooked Hillary, Little Mario, Lyin‘ Ted, Crazy Bernie. Und Elizabeth Warren eben als „Pocahontas“. Selbst Republikaner mit einem moralischen Gewissen fühlen sich bei diesen Angriffen unwohl. Der Abgeordnete Tom Cole aus Oklahoma, Republikaner und Mitglied des Chickasaw Stammes meinte zu Trumps Worten: „Er sollte aufhören, diese Sprache zu benutzen…Es ist weder passend für sie persönlich, und ganz ehrlich, es verletzt eine viel größere Gruppe von Menschen“.

Trump selbst wird sich um die Aussage seines Parteikollegen nicht kümmern. Er verbreitet vielmehr weiter seine rassistischen Lügen. Falls er für die Wiederwahl antreten wird und auch Elizabeth Warren ins Rennen einsteigt, dann kann sich Amerika erneut auf einen unsäglichen Wahlkampf mit Lügen und rassistischen Tönen einstellen.  Denn, der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist ein Rassist.

Obama sucht Nachfolger(in)

Senatorin Elizabeth Warren im Gespräch mit Barack Obama. Wird sie die erste US Präsidentin werden?

Senatorin Elizabeth Warren im Gespräch mit Barack Obama. Wird sie die erste US Präsidentin werden?

Hillary Clinton ist auf Werbetour für ihr Buch in Deutschland und die erste Frage, die ihr überall gestellt wird ist, wann sie endlich ihre Kandidatur bekannt geben wird? Als ob sie das wirklich in Deutschland preisgeben würde. Ganz abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass Hillary Clinton überhaupt kandidieren wird, und das aus mehreren Gründen, Amtsinhaber Barack Obama scheint sich schon auf eine Nachfolgerin festgelegt zu haben. Und die heißt eben nicht Hillary Clinton. Mit der einstigen First Lady, Senatorin, Außenministerin, doch vor allem innerparteilichen Kontrahentin im Rennen um das Weiße Haus 2008, verbindet Obama so etwas wie eine Hass-Liebe. Hillary ist eine begnadete Politikerin, die voll und ganz in ihrer Rolle als Chef-Diplomatin in der Obama Adminstration aufging. Doch Ehemann Bill Clinton hat nie einen Hehl daraus gemacht, was er eigentlich von Barack hält; nämlich gar nichts. Ein „Nobody“ sei Obama, der mit schönen Worten, aber ohne Inhalte die Wahl gewonnen habe. Seine Frau hätte die Herausforderungen nach acht Jahren George W. Bush besser gemeistert, als der Jung-Senator aus Illinois, so der Ex-Präsident Bill Clinton.

All das scheint Barack Obama nicht vergessen zu haben, denn er setzt bereits auf eine andere Kandidatin, Massachusetts Senatorin Elizabeth Warren. Sie gilt als Vertraute von Obama, als Unterstützerin seiner Politik, als Erbin seines politischen Vermächtnisses. Hillary, so heißt es aus dem Weißen Haus, würde einiges rückgängig machen oder zumindest aufweichen, was Obama in harten Kämpfen mit den Republikanern durchgesetzt hat. Offiziell wird sich Barack Obama zu dieser Personenwahl nicht äußern, doch die Obama Beraterin Valerie Jarrett hat sich bereits mehrmals mit Elizabeth Warren getroffen, um sie von einer Kandidatur zu überzeugen. Dabei sei es auch ums Geld gegangen. Jarrett habe Warren zugesichert, dass Obama seine „Geldmaschine“ für sie einsetzen werde.

Die 65jährige Elizabeth Warren war vor ihrer Wahl zur US Senatorin für den Bundesstaat Massachusetts Rechtswissenschaftlerin an der Harvard Universität. Ihr Spezialgebiet liegt auf Insolvenzrecht. Warren ist beliebt beim progressiven Flügel der demokratischen Partei und könnte als Kandidatin die Basis der Demokraten und Linken ansprechen.