Und die Lichter gehen aus

Fast eine Million Menschen sind von den Stromabschaltungen in Nordkalifornien betroffen. Dabei geht es nicht nur darum, ob das Licht im Kühlschrank ausgeht, auch wichtige medizinische Geräte in Privatwohnungen, Alarmanlagen, Straßenlichter, Ampeln, lokale Läden, Aufladegeräte und so weiter fallen aus. Mein Fitnessclub hat die Türen geschlossen, denn ohne Strom laufen keine der Ausdauermaschinen und im Dunkeln zu Pumpen ist auch kein Spass.

Bis zu fünf Tage sollen die Abschaltungen dauern, denn der Stromversorger PG&E muss Leitungen reparieren und will „Inch by Inch“ die Kabel kontrollieren. Gouverneur Gavin Newsom spricht von einem Skandal, immerhin sind wir im 21. Jahrhundert und das in einer Gegend, die als Zukunftsschmiede, als Zentrum der High Tech Industrie gilt. Der Schaden für die Allgemeinheit wird schon jetzt auf weit über eine Milliarde Dollar geschätzt.

Die Lichter gingen aus im High Tech Country. Foto: AFP.

PG&E sieht sich allerdings im Recht. Prävention heißt das Mantra, man wolle Feuer wie im vergangenen Jahr verhindern, bei dem ganze Ortschaften wie Paradise ausgelöscht wurden, Dutzende Menschen starben, ein Schaden von nahezu 20 Milliarden Dollar entstand. Damals wurde fehlerhaftes Equipment von PG&E als Grund für die massiven Feuer ermittelt. Doch das Problem ist hausgemacht. Der Stromversorger hat es über die Jahre versäumt seine Leitungen zu erneuern, zu sichern und teils unter die Erde zu verlegen. Vielmehr wurden riesige Gewinne an die Aktionäre ausgezahlt, die eigene Infrastruktur litt unter dieser Unternehmenspolitik.

Nun will man retten, was nicht mehr zu retten ist. PG&E hat das Ansehen in der Bevölkerung verloren. Das Geld fehlt nun, um sich aus der Krise herauszuarbeiten. Deshalb geht man radikale Wege, schlägt Schneisen in Wohngebieten, in dem man ganze Baumgruppen fällt, weil ja ein Ast auf eine Leitung fallen könnte. Und man schaltet bei etwas heftigerem Wind den Strom für Hunderttausende von Konsumenten einfach ab. Nach dem Motto, wo kein Strom fließt, ist auch keine Gefahr, zumindest nicht für den Konzern. Brände durch Kerzen sind nicht das Problem von PG&E.

So lebt es sich also in Kalifornien, dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat in den USA, dem Wirtschaftsmotor des Landes, eine der für sich größten Wirtschaftsmächte der Welt. Apple, Google, Facebook und all die anderen High Tech Giganten bereiten die Zukunft vor, natürlich mit eigenen Backup Generatoren, auf den Straßen rund um ihre Headquarters allerdings gehen die Lichter aus wie in einem Dritte-Welt-Land. Das ist die bittere Realität in der San Francisco Bay Area im Jahr 2019.

Die Zukunft heißt Solar, Mister Trump

Ich denke mal nicht, dass Donald Trump meinen Ratschlag will. Er hat ja eine Reihe von erfolgreichen Unternehmern um sich gesammelt, die ihn beraten. Darunter sind aber wohl nur wenige zukunftsorientierte Energiewissenschaftler und Geschäftsleute. Denn anscheinend erkennen die Trumpschen Jünger nicht die Zeichen der Zeit.

Die Pumpe für den neuen Wasserturm außerhalb von Dilla, Somaliland, wird mit Solarkraft betrieben.

Gestern schaute ich mir den Neubau eines Wassertanks an, der sauberes Grundwasser außerhalb von Dilla in Somaliland speichern soll. Die Pumpe, mit der das Grundwasser aus über 100 Metern Tiefe an die Oberfläche gebracht wird, ist solarbetrieben. Ein nachhaltiges Projekt von CARE, solche Bauprojekte werden nun vermehrt mit Solarenergie bestückt. Keine Ausnahme, denn im Herbst 2015 besuchte ich den Osten Somalilands. Auch dort gibt es CARE Wasserprojekte. Pumpen werden mit Solarkraft betrieben, die überschüssige Energiegewinnung hilft sogar den Dorfbewohnern ihre Handys aufzuladen und Strom in mehrere Geschäfte und Wohnhäuser zu bringen. Das sind ein paar Beispiele, wie effektiv und nachhaltig und vor allem preiswert die Sonnenenergie genutzt werden kann.

Die USA sind für eine umfassende Solarnutzung prädestiniert. Solarkraftwerke existieren bereits in Kalifornien und auch anderswo im Süden des Landes. Die Frage ist allerdings, wie lange noch? Denn wenn es nach Donald Trump geht, werden dem Energieministerium – genau, jenes Ministerium unter der Führung von Rick Perry, der als Kandidat noch sein eigenes Ministerium abschaffen wollte – noch in diesem Jahr 500 Millionen Dollar gestrichen. Und das im Bereich der Forschung für neue Energiequellen und -nutzung. Das sind 25 Prozent des gesamten Haushalts des „Office of Energy Efficiency and Renewable Energy“ (EERE), das Teil des „Departments of Energy“ ist. Für das Budget 2018 soll eine ganze Milliarde Dollar von EERE gestrichen werden.

Wissenschaftler sprechen davon, dass diese Kürzungen der Todesstoss für die Solarforschung in den USA sei. Doch Trump hört lieber anderen Leuten zu, wie jenen, die ihn an seine Wahlkampfversprechen erinnern. Trump kandidierte mit dem Versprechen die Kohleindustrie wieder anzukurbeln. Jobs, Jobs, Jobs für den Bergbau. Sinn macht das keinen, vor allem auch keinen finanziellen, aber das ist Trump egal. Neben der Kohlehuldigung streicht er auch so einige Umweltregularien, die sein Vorgänger Barack Obama der Industrie auferlegt hat. Das eingesparte Geld aus der Solarforschung soll jedoch nicht für neue Kohlegruben investiert, sondern weitgehendst für den Ausbau der Atomenergie in den USA eingeplant werden. Amerika hat unter Donald Trump einen energiepolitischen Irrweg mit weitreichenden Folgen eingeschlagen. Da kann man nur noch „Glück auf, Mister President“ wünschen.

Mit neuer Energie in den Wahlkampf

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney macht nun mit seinem Energieprogramm klar, was Barack Obama da in den letzten vier Jahren in Sachen Energiepolitik verzapft hat, sei blanker Blödsinn. Obama habe die Suche nach Ölreserven auf Bundesland und vor den Küsten der USA gestoppt, die gesamte Ölindustrie massiv mit immer neuen Auflagen und Einschränkungen behindert, den Kohlebergbau gezielt verkleinert und stattdessen – fälschlicherweise, wie Romney meint – auf erneuerbare Energiequellen, wie Wind und Solar, gesetzt. Auch die Atomindustrie habe unter Obama nicht so recht boomen können.

Aber damit sei nun bald Schluß. Romney hatte erst kürzlich ein Treffen mit Vertretern der Ölindustrie, die quasi seinen Energieplan geschrieben haben. Mit ihm im Weißen Haus werden die Umweltauflagen der Obama Administration zurück genommen, verstärkt die Erschließung neuer Ölreservern voran getrieben und die einzelnen Bundesstaaten könnten dann selbst entscheiden, ob auf Bundesland in ihrem Staat nach Öl und Gas gebohrt werden dürfe. Vor Ort wisse man das sowieso viel besser als im fernen Washington. Und auch Kohlekraftwerke sind Teil des Romneyschen Umweltprogrammes. Immerhin sind die Bergleute auch Wähler: Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt!

Es gehe um Arbeitsplätze und um die Sicherung des amerikanischen Energiebedarfs. Für grüne Hirngespinste und Schreckensmeldungen sei kein Platz in einer gesicherten und unabhängigen amerikanischen Energieversorgung. Mitt Romney verliert kein Wort für die Probleme der Erderwärmung, für die Reduzierung der Kohlendioxide, für die Ausbeutung ganzer Landstriche, für internationale Verträge und Ansätze im Kampf für eine bessere Umwelt. Es geht nicht um Energieeinsparungen, um ein Umdenken in der Energie- und Verkehrspolitik, nein, Romney redet davon drei Millionen Arbeitsplätze im Energiesektor zu schaffen, die Teil seines 12 Millionen Jobprogrammes sein sollen.“Ich will, dass jeder Amerikaner, der einen guten Job haben will, auch einen guten Job bekommt“.

Eine klare Ansage an Amerika und den Rest der Welt. Lass die Europäer mal in ihren Nuckelpinnen durch die Gegend rollen, ein Amerikaner kutschiert mit einem Straßenkreuzer herum. Energiesparen ist was für Sozialisten, Amerikaner verblasen so viel Energie, wie sie nur wollen. So sieht das aus….im Amerika des Mitt Romney!

 

 

An der Uhr drehen

UhrHeute Nacht um 2 Uhr beginnt in den USA die Sommerzeit, zwei Wochen bevor es in Deutschland so weit ist. Zumindest in weiten Teilen der Vereinigten Staaten. In Arizona, Hawaii und  in Puerto Rico, Guam, den Virgin Islands und American Samoa werden die Uhren nicht vorgestellt. Wobei in Teilen von Arizona, in den Reservaten der Navajo Indianer, die Sommerzeit gilt. Das macht wieder mal überhaupt keinen Sinn, aber so ist das im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Kalifornien hatte sogar 2001 einen Antrag gestellt, eine ganzjährige „Sommerzeit“ einzuführen. Damals herrschte die totale Energiekrise im Bundesstaat und man erhoffte durch die Umstellung erheblich an Energiekosten einzusparen. Das wurde abgelehnt, also blieb man bei der „normalen“ Sommerzeit.

Ob und wieviel Energie überhaupt durch die Zeitumstellung eingespart wird, darüber streiten sich die Geister. Bislang verweist man hier drüben immer auf eine Studie von 1970, in der es heisst, pro Sommerzeiten Tag spare man rund ein Prozent an Energie.