Schmerz lass nach

Zurück in Los Angeles für mein Feature über die Gangs in der kalifornischen Metropole. Jose und Manuel. Zwei ehemalige Gangmitglieder, schwer tätowiert. Manuel sogar bis über beide Ohren. Jose ist ebenfalls mit riesigen Tätowierungen auf dem ganzen Körper übersät, nur eben nicht im Gesicht und auf dem Kopf. Ein Wahnsinn, der Körper ein Gesamtkunstwerk und ein Aushängeschild der Gangzugehörigkeit. Und alles soll und muß weg. Zwei Jahre werden sie nun monatlich zu Homeboy Industries kommen und dort Schmerzen erleiden und erdulden. Doch nichts führt daran vorbei, nichts wird sie davon abhalten.

Jose hat auf beiden Armen die Gang eintätowiert. Dann hebt er sein T-Shirt und über die gesamte Bauchfläche ist der Name der Gang in 25 cm hohen Buchstaben eingeinkt. Der Arzt arbeitet hier zweimal im Monat ehrenamtlich. Er unterrichtet jeden der beiden über die Schmerzen, sie wissen, auf was sie sich einlassen. Jose hat schon Morddrohungen von seinen früheren Mitstreitern bekommen, weil er die Gang verlassen hat. Er will ganz raus und deshalb müssen die bestimmten Tats weg. Auch Manuel will einen Neubeginn, er hat mittlerweile Familie und will die Spuren der Vergangenheit ausmerzen. Ganginitialien sind da ein Hindernis mit der Vergangenheit einen immer wieder einholt

Nachdem der Arzthelfer Photos von den Tätowierungen gemacht hat, legt der Doktor die Laserkanone über die Schulter und fährt knatternd die Tintenbilder ab. Beide harten Burschen zucken zusammen, sind den Tränen nahe. „You’re doing good“, meint der Helfer. Sie beschreiben die Schmerzen durch den Laserstrahl als heißes Kochöl, das immer und immer wieder auf die Haut spritzt. Mut, Kraft und ein endloser Wille gehören dazu, um sich dem hier auszuliefern. Klar ist, wer diese Prozedur über sich ergehen läßt hat mit den Gangs abgeschlossen und will eine zweite Chance.