Nur weg damit

Sind wir nach den Feiertagen alle satt? Mal ehrlich, wie viel des Essens wurde am Ende weggeworfen? Jede Menge, nicht wahr? In den USA werden jährlich rund 40 Prozent der Lebensmittel in den Müll geworfen, und das nicht nur an Weihnachten. Das ist ungefähr so, als wenn man im Supermarkt nach dem Bezahlen ein paar Einkaufstüten gleich an der Kasse zurück läßt. 40 Prozent!

Immer frisch auf den Tisch. Foto: Reuters.

Immer frisch auf den Tisch. Foto: Reuters.

Amerikaner schmeißen etwa 50 Prozent mehr Lebensmittel weg, als noch in den 70er Jahren. Schon damals war der Trend absehbar. Während des Zweiten Weltkrieges gab es in den USA sogar Posterkampagnen, die dazu aufriefen, keine Nahrungsmittel in den Müll zu werfen. „Essen ist eine Waffe“, hieß es. Doch wie kam es zu dieser dramatischen Wende, die sicherlich auch in Deutschland ähnliche Dimensionen angenommen hat.

Gegessen wird heute im Vorbeigehen. Fast-Food und Fertiggerichte, mal unterwegs schnell den Döner, den Burger, die Pizza. Alles „Super-Sized“, es ist eh zu viel, also am Ende weg damit. Und auch zu Hause wird zu viel gekocht, die Reste will niemand mehr aufheben, um sie am nächsten Tag zu essen. Hinzu kommt ein Ungleichgewicht zwischen der Produktion und dem Konsum von Lebensmitteln. Untersuchungen haben gezeigt, dass Schüler und Studenten mit dem Gemüse ganz anders umgehen, wenn sie es selbst gesät, gewässert, geerntet haben. Zu wissen, woher das kommt, was da vor mir auf dem Teller liegt und wie aufwendig es war, bis es dahin kam, bringt einen anderen Umgang mit Lebensmittel mit sich.

Essen ist billig geworden, in Supermärkten wird man von den Angeboten erschlagen. Und dennoch ist heute einer von sechs Amerikanern auf „Food Stamps“, auf Lebensmittelunterstützung durch den Staat, angewiesen. Jahreszeiten gibt es schon lange nicht mehr in den Einkaufsregalen, alles ist immer erhältlich. Seltsam ist, dass es in den letzten Jahren eine „Food Movement“ gibt, Essen als Genuß, „Food Trucks“, innerstädtische Gärten, neue Restaurantideen. Doch gleichzeitig steigt der Lebensmittelmüllberg jährlich an.

In Kalifornien gehen 80 Prozent des Wassers in die Produktion von Lebensmitteln. Der Bundesstaat ist die Kornkammer der USA. Der Großteil des Gemüses und der Nüsse, die in den USA angebaut werden, stammt aus Kalifornien. Die Wasserkrise im „Golden State“ hängt eng mit der Landwirtschaft zusammen. Eine Lebensmittel-Wegwerfgesellschaft, wie wir sie heute erleben, ist auf Dauer aus sozialen, moralischen und auch ökologischen Gründen nicht zukunftsfähig. Der kleine Satz, Weniger ist mehr, könnte und sollte in der eigenen Küche beginnen.

 

„Für mein Schwager hier auch noch ne Currywurst“

Deutsche Restaurants hat San Francisco schon. Fast Food Läden auch en masse. Und nicht nur die amerikanischen Burger und Sandwichketten. Von arabisch bis thailändisch, ganz zu schweigen von den Unmengen an Taco Trucks, die überall in der Stadt parken, um Burritos, Tamales und Tacos anzubieten. Und nun kommt der „King of Currywurst“. An der Ecke Haight Street/Divisadero sollen ab heute die Amerikaner die wahren deutschen kulinarischen Spezialitäten kennenlernen.

Neben der traditionellen Currywurst gibt es auch eine chilenische Variante und – ganz wichtig für Kalifornien – eine fleischlose Wurst (!). Über Social Networks hat der „King of Currywurst“ seinen Laden bekannt gemacht. Ob so eine Currywurstbude auch im fernen San Francisco ankommt, haben die beiden Macher schon vorher getestet. Auf Farmers Markets in San Francisco boten sie mobil die besondere Wurst „made in germany“ an…und die kam an. Nun also der Fast Food Laden….

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Lecker – frisches Robbenherz

Die Europäische Union hat ein Problem mit der Robbenjagd. Und kanadische Indianerstämme und Regierungsoffizielle verstehen das überhaupt nicht. Denn Robbenjagd sei etwas wichtiges und kulturell gewachsenes in den entlegenen Regionen. Und es fördere die lokale Wirtschaft. Nun hat die EU zwar erklärt, dass das, was die Indianer da machen, akzeptiert wird, aber gleichzeitig auch festgelegt, dass keine Robbenprodukte in Länder der Europäischen Union exportiert werden dürfen.

Und das stösst der Ober-Gouverneurin Kanadas, Michaelle Jean, ziemlich auf. Der Job, den sie inne hat ist eigentlich mehr so eine Art Blödelamt. Jean ist die Stellvertreterin Queen Elizabeths in Kanada. Da nun aber Kanada ein freies, unabhängiges und selbstregiertes Land ist, und das auch schon seit einiger Zeit, wankt Michaelle Jean mehr von Fest zu Fest und winkt mal nett in die Menge und die Kameras. „Hellllooooo, greetings from the Queen“…so ungefähr muss man sich das vorstellen…

Doch zurück zum Aufstossen…die Ober-Gouverneurin findet also die EU gar nicht gut. Denn Robbenjagd sei ja etwas urkanadisches und gehöre einfach zum Leben im hohen Norden dazu, wie Lebertran und Schlittenhunde. Um das zu zeigen, reiste sie nun nach Rankin Inlet in der Provinz Nunavut und nahm da an einer Gemeindeveranstaltung der Inuit teil. Natürlich lagen da auch ein paar frisch geschlachtete Robben rum, denn wie bereits erwähnt, ist das ja urkanadisch. Michaelle Jean schnappte sich ein Messer, kniete sich über die Robbenleiber und fragte, „Kann ich das Herz probieren?“. Und schnipp-schnapp schnitt sie sich ein Stückchen roh-blutendes Herz aus der Robbe und kaute es kräftig durch (siehe Bild)….“Wie Sushi, sehr reich an Proteinen“, erklärte sie den Umstehenden. Das war das mit dem Aufstossen. Mahlzeit!

Ach ja, darauf angesprochen meinte ein Sprecher der EU: „Kein Kommentar, das ist zu bizarr, um überhaupt beachtet zu werden“.

Man is(s)t Deutsch

Heute habe ich Negerküsse, ähm, Mohrenköpfe…nö Schokoschaumküsse in einem Laden gefunden. Nach 12 Jahren USA das erste mal und ich habe mich gefreut, wie damals zu Heiligabend, als mein Vater in der Heinrichstrasse das Glöckchen zur Bescherung bimmelte. Mit breitem Grinsen bin ich heute zur Kasse und habe die Packung bezahlt. Der Verkäufer, ein Asiate, wusste nicht, was das ist und warum ich wie ein Honigkuchenpferd grinste. Aber egal, lass den mal kucken, draussen auf dem Parkplatz gönnte ich mir gleich einen…und der schmeckte…

Ist schon komisch, was man so im Ausland vermisst. Aber meistens sind es wirklich so banale Dinge wie Mohrenköpfe. Und wenn man dann etwas findet, dann ist das wie Ostern und Weihnachten zusammen. Als ich 1992/93 für ein Jahr in San Francisco war, also noch vor dem Internetzeitalter, da freute ich mich über eine deutsche Zeitung, die bestimmt schon drei, vier Tage alt war. Aber mal wieder was von „Daheim“ zu lesen, war ein Genuss, auch wenn das sechs Dollar kostete, damals viel Geld für einen Praktikanten.

Jedes Jahr im Spätherbst tauchen bei Trader Joe’s, einem Aldi Ableger, Lebkuchen und Stollen und Pfeffernüsse auf. Klar, die Lebkuchen sind nicht die besten, aber man wird genügsam. Und deutsches Bier ist mir auch nach 12 Jahren noch lieber als die olle Plörre, die man hier als Bier verkauft. Man findet hier sogar Tucher in ein paar Läden, auch wenn ich nicht der grosse Tucher Trinker bin. Aber so ein Hopfengruss aus der alten Heimat erfreut einen auch im Regal stehend.

Ich hätte es mir ja auch nie denken lassen, aber man schaut beim Einkaufen in den Läden richtig gezielt nach bekannten Dingen. Wenn ich hin und wieder im „PX Store“ der US Navy in Ventura einkaufen gehe, dann leere ich einiges aus dem Regal, denn dort sind viele Produkte aus den Ländern im Angebot, in denen die US Armee stationiert war, eben auch aus Deutschland. Neben eingelegten Gurken und Rotkohl, Plätzchen und Spätzle, Klossteig und Underberg. Das klingt nun sicherlich bekloppt für manchen Leser, aber ich sage Ihnen, leben Sie mal für längere Zeit im Ausland und Sie sehnen sich nach einer guten Scheibe Brot, einer Breze oder einem leckeren Brötchen. Da kommt kein Toast und kein Bagel mit.

Im Juli werde ich mal wieder in Deutschland sein, ich weiss schon jetzt, was ich mir am Anfang kaufen werde: Nippon und Brausebonbons, und in der Stadt eine gute Breze… Zum Glück schreibe ich hier kein Gesundheitsblog, denn sonst könnte ich wahrscheinlich gleich meinen Hut nehmen.