Audio Beitrag über Ruanda

Kind im Gefängnis von GitaramaVor ein paar Wochen war ich in Ruanda, ein unbekanntes Land auf einem – für mich – unbekannten Kontinent. Ein Land im Auf- und Umbruch. Man hat hehre Ziele, 2020 will man ein Vorzeigeland in Afrika sein. Es wird vom Singapur, vom Dubai Afrikas gesprochen. Man blickt nach vorne, doch fast täglich blickt man auch zurück. Auf 1994, auf jene Tage, die kaum mit Worten zu beschreiben sind.

In Kigali traf ich auch Eugenie Musayidire, die 2007 für ihre Versöhnungsarbeit zwischen Hutus und Tutsis mit dem Nürnberger Menschenrechtspreis ausgezeichnet wurde. Mit ihr war ich im Frauengefängnis von Gitarama.

Dazu ein Audiobeitrag:     

Im ruandischen Gefängnis

Ruanda ist ein Land im Um- und Aufbruch. Der Genozid ist überall, egal wohin man sich wendet, man wird damit in Kontakt kommen. Heute war ich mit Eugenie Musayidire, die 2007 mit dem Nürnberger Menschrechtspreis ausgezeichnet wurde, im Gefängnis von Gitarama. Mehr als 8000 Häftlinge sitzen dort ein, der Grossteil von ihnen wegen Straftaten während des Genozids 1994.

Dort sind auch rund 400 Frauen in einer engen Baracke untergebracht. Holzstockbetten über drei Etagen, eng aneinander liegen die Frauen. Handtücher und Kleidungsstücke hängen an Leinen, Taschen, in denen private Dinge untergebracht sind. Eine davon mit dem Konterfei von Barack Obama „Yes we can“. Im kleinen Innenhof stehen viel aneinander gedrängt, reden, singen, lesen in der Bibel.ruanda2

Eugenie Musayidire hat hier ihr neues Projekt gefunden. Sie betreut die 74 Kinder im Alter bis zu sechs Jahren, die mit ihren Müttern hinter den Gefängnismauern leben. Mit Hilfe einiger Gefangener geht sie mit den Kleinen spazieren, singt und spielt mit ihnen, geht zum Gefängniszaun und blickt nach draussen, wo an einer Strasse Passanten vorbeilaufen und Autos vorbeifahren. Für die Kinder eine spannende Abwechslung von der Enge des Gefängnistraktes.

Eugenie Musayidire hat grosse Pläne, sie will hier ein Kinderzentrum aufbauen, eine Art Kindergarten, um den Kleinen eine Kindheit in einer einigermassen normalen Umgebung zu bieten. Es wäre ein richtiger Schritt für die Kleinen, vielleicht auch ein Stück Hoffnung für die Mütter, die ihren Kindern so gut wie gar nichts bieten können.

Auch dieses Erlebnis am heutigen Tag war erschütternd, die Enge des Traktes erdrückend. Dazwischen kleine Kinder, die den Spaziergang im staubigen Gefängnishof geniessen.

ruanda3Später sass ich noch mit Eugenie und ihren Helferinnen zusammen. Sie stellten sich vor, ihren Namen, warum sie hier waren und wie lange sie noch hier sein werden. Die meisten von ihnen meinten „Genocide“. 14, 22, 27 Jahre, lebenslänglich. Unvorstellbar in diesen Zuständen, in dieser Umgebung. Wie halten sie das aus? Sie wüssten, warum sie hier seien. Schuld, Sühne, hoffen auf Vergebung.