„Fry the bastard“

Fry the bastard“ wird man schon bald wieder bei Hinrichtungen vor dem Staatsgefängnis in Tennessee hören können, also „verbrennt das Schwein“. Denn auf dem elektrischen Stuhl „brutzelt“ man den Verurteilten.

Tenneessees republikanischer Gouverneur, Bill Haslam, hat nun ein Gesetz unterschrieben, dass in seinem Bundesstaat die Todesstrafe wieder mit dem elektrischen Stuhl durchgeführt werden kann und wird. Bislang hatten verurteilte Straftäter, die vor 1999 mordeten die Wahl (!) per Spritze oder per Stromschlag hingerichtet zu werden. Doch damit ist nun Schluß. Eine Wahl gibt es nicht, der Stromschalter wird umgelegt. Der Grund dafür, die Chemikalien für einen Giftcocktail sind nicht mehr frei auf dem Markt verfügbar. In allen US Bundesstaaten, die hinrichten, fehlen die Drogen für eine „humane“ Exekution, denn die europäischen Zulieferer weigern sich, diese an Gefängnisse in den USA zu schicken.

Haslam kann sich mit seiner Unterschrift auf den Mehrheitswillen der Wähler in Tennessee stützen, 56 Prozent sprachen sich für eine Wiedereinführung und Nutzung von „Old Sparky“ aus. Der Zweitname stammt von den „sparks“, den Funken, die bei einer Hinrichtung oftmals zu sehen sind. Eingebracht hat diesen Gesetzentwurf der Republikaner Ken Yager, der kürzlich in einem Interview erklärte, er habe den Antrag gestellt, da er „sich sorge, dass wir in eine Situation kommen, wenn wir  die Chemikalien nicht zur Verfügung haben, dass wir die Strafe nicht durchführen könnten“.

Noch ist nicht ganz klar, ob dieser legale Rückschritt auf frühere Zeiten rechtens ist. Falls doch, könnten schon bald wieder in den USA die Gaskammern reaktiviert, die Hinrichtungskommandos aufgestellt und die Galgen aufgebaut werden. Die „Death Rows“ Amerikas sind überfüllt. Mit schnelleren und vor allem funktionierenden Hinrichtungsmethoden könnten die Reihen der veruteilten Mörder gelichtet, die Kritiker sprachlos gemacht werden, denn immer wieder kam es, wie jüngst in Oklahoma, zu skandalösen Zwischenfällen bei der Verabreichung des Giftcocktails. Ach ja, Tennessee liegt im sogenannten „Bible Belt“ Amerikas.

 

 

Keine Hinrichtung in Kalifornien

Seit Anfang 2006 brannte die rote Lampe nicht mehr auf der Todeskammer im Staatsgefängnis von San Quentin. Der Schalter dafür wird nur umgelegt, wenn eine Hinrichtung angesetzt ist. Bis vor das Tor des Gefängnisses kann man dann das rote Licht sehen. Damals, 2006, war ich im Gefängnis als Medienzeuge für die Exekution geladen. Durch einen Hintereingang wurden die Reporter auf das Gelände von San Quentin gebracht. Am Eingang wurde mir dann eine goldene Karte ausgehändigt, die mich zum Zugang zur „Death Chamber“ berechtigt hätte.

Doch alles kam anders in jener Nacht. Bis halb vier morgens warteten die Journalisten im Gefängnis und die Demonstranten vor dem Tor, dann war klar, erstmal passiert nichts. Wir sollten am Nachmittag wiederkommen, hieß es. Doch nach mehreren Stunden wurde deutlich, die Hinrichtung wird nicht stattfinden. Ein Richter hatte in einem Eilverfahren die Exekution von Michael Morales blockiert. Seine Anwälte hatten glaubhaft machen können, dass der Drogencocktail, der verabreicht werden sollte, unverhältnismäßige Schmerzen für den Todeskandidaten verursachen würde. Hinzu kam, dass kein Arzt bei der Hinrichtung zugegen war. Der Staat Kalifornien müsse einen neuen, sicheren und akzeptablen Weg für Exekutionen finden.

Seitdem sind etliche Jahre ins Land gegangen. Der Bundesstaat hat eine sündhaft teure neue Hinrichtungskammer in San Quentin gebaut, die bislang jedoch noch nicht eingeweiht wurde. Die Juristen im Dienst des kalifornischen Staates versuchen zwar wieder einen Freibrief für die Vollstreckung der Todesurteile zu bekommen, doch erfolglos. Nun hat erneut ein Berufungsgericht gegen die Durchführung der Höchststrafe gestimmt. Für Gouverneur Jerry Brown ist das sicherlich ein Glücksfall, er ist erklärter Gegner der Todesstrafe und würde im Falle einer Hinrichtungsunterzeichnung in arge Gewissensnöte kommen. Die 736 Gefangenen auf Death Row, der größten in den USA, warten unterdessen also weiter auf einen Entscheid über ihre Zukunft.

12431 Tage auf Death Row

Heute morgen auf der Fahrt nach San Quentin dachte ich daran, was ich früher an einem Sonntagmorgen gemacht habe. Handball gespielt, damals kannte ich alle Sporthallen im Großraum Nürnberg. An diesem Sonntagmorgen fuhr ich frühmorgens rüber nach San Quentin. Von Oakland kommend auf dem 80er entlang der spiegelklaren San Francisco Bay an Emmeryville und Berkeley vorbei, dann auf den 580er  durch Richmond und auf die Brücke Richtung San Rafael. Links dahinter sieht man schon das Staatsgefängnis von San Quentin. Abfahrt rechts, links abgebogen und im Schritttempo fährt man auf das große Stahltor zu.

Vor dem Besuchereingang stehen rund 15 Frauen. Links vor der Tür ist die Reihe für Besucher des normalen Strafvollzugs. Rechts die für den East-Block, für die „Condemned“, die zum Tode Verurteilten. Schon ein paar Tage vorher mußte ich anrufen und hatte seit langem mal wieder Glück, dass überhaupt jemand den Hörer abnahm und mir diesen Besuchstermin gab. Auf einer Liste wird mein Name abgehakt, dann geht es durch einen Metalldetektor, jeder Besucher bekommt noch einen Leuchtstempel auf die Handgelenkinnenseite und dann darf man weiter. Entlang der Bay läuft man auf das Hauptgebäude des San Quentin State Prisons zu, das vor einem wie eine mittelalterliche Festung liegt.

Dort geht es wieder durch eine doppelte Schleuse, aus ein paar Automaten hole ich ein Sandwich, Popkorn, Cola und was Süßes. Schnell zur Mikrowelle und dann werde ich mit Reno in einem Stahlkäfig eingesperrt. Er freut sich über den Besuch, ist schon länger her, dass ich hier war. Wir sprechen zwar regelmäßig am Telefon, doch hier zu sein, Umarmung am Beginn und am Ende des Besuchs, direkt zu sprechen, sich zu sehen ist nochmal was ganz anderes. Während er sein Sandwich isst, reiße ich die Popkorntüte auf. Wir unterhalten uns über alles mögliche. Auch über die verlorene Wahl der Todesstrafengegner in Kalifornien. Reno ist froh über den Ausgang, wie er sagt eigentlich alle auf Death Row. Denn als zum Tode Verurteilter hat man noch rechtliche Mittel für einen Einspruch zur Verfügung, die weg wären, wenn der Volksentscheid anders ausgegangen wäre und alle Todesstrafen in lebenslängliche Haftstrafen ohne Aussicht auf Begnadigung umgewandelt worden wären.

Die Todesstrafe ist eigentlich eine Farce in Kalifornien, hier wird seit Jahren nicht mehr hingerichtet. Sowieso sind nur eine Handvoll von Verurteilten seit der Wiedereinführung der Höchststrafe exekutiert worden. Es sterben mehr Häftlinge auf Death Row eines natürlichen Todes als durch den Henker. Die Death Row verschlingt Unmengen an finanziellen Mitteln, die woanders fehlen. Doch selbst dieses Argument konnte den Großteil der kalifornischen Wähler nicht überzeugen.

Eineinhalb Stunden reden wir. Über alles, auch über seinen Fall. Lachen, scherzen, erzählen. Seit nunmehr 18 Jahren kenne ich Reno, seit 16 Jahren besuche ich ihn regelmäßig. Er ist alt geworden. 67 Jahre alt ist er nun. Er sagt, er ist unschuldig, er habe die Tat, für die er verurteilt wurde nicht begangen. Sein Anwalt kämpf um einen neuen Prozess. Wenn es klappen sollte und sich für Reno die Gefängnistüren öffnen sollten, was wird er dann machen? Zum ersten mal überhaupt meint er in einem Nebensatz, er wisse gar nicht, ob er hier eigentlich weg wolle. Überraschend kommt das, gleich darauf sagt er, doch, er wolle raus.

Die Zeit ist um, wir verabschieden uns. Er wird in Handschellen abgeführt, eine schwere Stahltür öffnet sich, er wird  in den hinteren Teil des Besucherbereichs gebracht, dort durchsucht, bevor er zurück in sein „Haus“, seine Zelle gebracht wird. 2,80 Meter mal 1,60 Meter. Seit 12431 Tagen.

Albert G. Brown darf weiterleben

BROWN_ALBERTDas kalifornische Verfassungsgericht hat heute die geplante Hinrichtung von Albert G. Brown gestoppt. Der 56jährige sollte am Donnerstagabend im Staatsgefängnis von San Quentin durch die Giftspritze sterben. Brown saß für die 1980 begangene Vergewaltigung und den Mord an einer 15jährigen in Riverside auf Death Row. Die Richter erklärten, es bleibe nicht genug Zeit, um die neue Hinrichtungsmethode des Staates Kalifornien zu überprüfen. Am Freitag läuft das Verfallsdatum des vorhandenen Sodium Pentothals in San Quentin ab. Der Hersteller kann jedoch erst wieder Ende Januar liefern. Brown sollte mit einer Überdosis des Beruhigungsmittels anstatt eines Giftcocktails exekutiert werden. Er wäre damit der erste zum Tode Verurteilte in Kalifornien gewesen, der so hingerichtet worden wäre.

Ein Richter hatte vor über vier Jahren eine Hinrichtung in San Quentin gestoppt, mit dem Argument, die Giftmischung sei eine “grausame und unangemessene Bestrafung”, die zu Schmerzen für den Verurteilten führen könnte. Seitdem wurde kein Todeskandidat mehr in Kalifornien hingerichtet. Die „Death Row“ ist damit auf über 700 Häftlinge angewachsen.

Die Zeit läuft ab für Albert Brown

DeathRow_SanQuentinFür Mittwochmorgen 00.00 Uhr ist eine Hinrichtung im kalifornischen Staatsgefängnis von San Quentin angesetzt. Albert G. Brown soll dann seine Strafe für die Vergewaltigung und den Mord an der 15jährigen Susan Jordan erhalten. Am Wochenende hatte er noch die Wahl zwischen einem Drogencocktail und einer Überdosis des Beruhigungsmittels Sodium Pentothal. Doch Brown lehnte ab. Seine Anwälte argumentierten, dass die Verabreichung der Drogenmischung Schmerzen für ihren Mandanten und somit eine “grausame und unangemessene Bestrafung” sei. Das Spritzen einer Überdosis Sodium Pentothal hingegen ist etwas neues für Kalifornien, aus diesem Grund erklärten die Verteidiger, das Gefängnispersonal sei nicht ausreichend geschult worden.

Doch gleich zwei Richter haben bislang einen Aufschub der Hinrichtung abgelehnt. Kalifornien könnte also am Mittwochmorgen wieder seine Todesmaschine in Gang setzen. Mehr als 700 Death Row Insassen sitzen in San Quentin, sechs davon habe alle ihre Einspruchmöglichkeiten ausgeschöpft. Falls Brown in den frühenm Mittwoch Morgenstunden mit einer Überdosis Sodium Pentothal hingerichtet werden sollte, würde das auch ihr nahes Ende bedeuten. Allerdings nicht vor Jahresschluß, denn der Hersteller des Beruhigungsmittels, Hospira Inc., kann erst wieder Ende Januar liefern. Und die Vorräte von San Quentin haben das Verfallsdatum von Ende September 2010 aufgestempelt.

Hinrichtungstermin

william_josef_berkleyDer in Schwäbisch Hall geborene William Josef Berkley sieht seinem Ende entgegen. Für den 22. April ist seine Hinrichtung in der texanischen Exekutionskammer in Huntsville vorgesehen. Seit sieben Jahren sitzt er auf „Death Row“ im Staatsgefängnis von Livingston für den brutalen Raubmord an der 18jährigen Sophia Martinez. Am 10. März 2000 überfiel der damals 21jährige die Schülerin an einem Bankautomaten in El Paso, zwang sie, mit ihm zu einem entlegenen Platz zu fahren, wo er ihr schliesslich mehrfach ins Gesicht schoss.

Berkley ist der Sohn einer Deutsch-Kroatin und eines US Soldaten. In seinem Profil auf einer Brieffreundeseite erklärt Berkley, er spreche fliessend Deutsch, Englisch und Spanisch. Am Mittwoch hat ein Berufungsgericht den Einspruch des Angeklagten abgelehnt, damit steht die Hinrichtung für Ende April fest.

Richterin vor Gericht

Im vergangenen Jahr waren die Hälfte aller Exekutionen in den USA in Texas. Nun steht die Richterin Sharon Keller (auch Sharon Killer (!) genannt) vor Gericht, denn sie ist vor der Hinrichtung von Michael Wayne Richard nach Hause gegangen und hat das Gerichtsgebäude geschlossen.

Die Anwälte von Richard erklärten, durch Computerprobleme konnten sie ihren letzten Einspruch erst verspätet abgeben und riefen deshalb bei Gericht an. Dort hiess es, das Gericht schliesse um 17 Uhr. Der Einspruch wurde von Richterin Sharon Keller nicht angenommen. Anscheinend ordnete sie sogar an, das Gebäude pünktlich zu schliessen, obwohl sie von dem Einspruch wusste. Michael Wayne Richard wurde drei Stunden später hingerichtet.

Nun sieht sich die Juristin selbst auf der Anklagebank, der vorgeworfen wird, schon mehrmals ein „professionelles Fehlverhalten“ an den Tag gelegt zu haben. Die Klage, falls erfolgreich, könnte der Richterin den Job kosten.