„Sie hätte es aber sagen können“

Es ist schon eine komische Zeit in der wir leben. In den USA macht ein Kandidat Schmalspur-Wahlkampf und auch als gewählter Präsident äußert er sich am liebsten in Form von 140 Zeichen. Twitter ist sein Sprachrohr, darüber erklärt er und kommentiert komplizierteste tagespolitische Themen. Auf Facebook werden problem- und kritiklos erfundene Nachrichten und Kommentare verbreitet und diese bejubelt. Selbst wenn man diejenigen darauf hinweist, wie im Falle eines falschen Zitats, das der Grünen Politikerin Claudia Roth untergeschoben wurde, dass Roth so etwas nie gesagt habe, kommt zur Antwort: „Sie hätte es aber sagen können„. Der entsprechende Post auf Facebook wurde deshalb nicht gelöscht.

Nun habe ich vor ein paar Tagen ein Bild mit einem Text auf meiner Facebook Seite veröffentlicht: „Wir haben nicht Terror wegen der vielen Flüchtlinge, sondern wir haben so viele Flüchtlinge wegen Terror“. Ein Textbildchen, darunter steht als Absender Caritas. Ich habe dieses Bild geteilt, einfach so, als einen kleinen Denkanstoss in einer schwierigen Zeit.

Doch das war ein Fehler. Zwar stimmten sehr viele „Facebook Freunde“ diesen Zeilen zu, etliche teilten dieses Bild auch weiter, aber es gab auch einige, die daraufhin eine unsägliche Diskussion begannen. Es wurde auf Flüchtinge geschimpft, sie als „potentiellen Schläger„, als „Grabbscher und Gangreserve“ bezeichnet. Von der „Leitpresse“ ist da die Rede und „Wer Auslandspresse liest ist besser informiert„. Fragwürdige Propagandalinks wurden da gesetzt. Ein erfahrener Journalist und von mir sehr geschätzter Kollege bekommt zur Antwort: „Ok ich verstehe schon, wer im Mediengeschäft ist muß sich heute so verhalten, das ist die offizielle Sprachregelung, sonst ist man leider schnell erledigt.“ Einer Bekannten, die Promoterin im Musikbereich ist und einen Einwand liefert, wird gesagt: „„öffentlichkeits“arbeiter“Innen müssen sowat sagen. dafür werden sie bezahlt“.

Natürlich werden auch wieder die USA beschuldigt, Verschwörungstheorien über Hintermänner und -frauen der jüngsten Terrorattacke von Berlin geliefert, Zitat: „Die EU und D, sind koloniale Erfüllungsgehilfen„. Auch werden für die Meinungsbildung zahlreiche Quellen benutzt, manchmal durchaus fragwürdig: „Meine Friseurin in der Heimatstadt erzählte mir entsetzt, alle 4 Moscheen würden Radikalisierung betreiben.“ Pauschal werden Muslime verurteilt: „Ihre Sozialisation ist eben so, dass Frauen minderwertig sind.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird als „obermuddi“ bezeichnet, die mit ihrer „bande ihre grenzflutung erreicht„. Und die Caritasschelte darf natürlich auch nicht fehlen, immerhin ist der katholische Wohlfahrtsverband für das am Anfang stehende Zitat verantwortlich: „caritas & co verdienen sich dumm und dämlich dran. auf kosten des steuerzahlers.“

Mir wurde vorgeworfen, ich sei „naiv„, ich verbreite „ein sehr oberflächlich populistisches Bild„. Eigentlich waren es doch nur diese wenigen Worte: Wir haben nicht Terror wegen der vielen Flüchtlinge, sondern wir haben so viele Flüchtlinge wegen Terror. Und dann so eine heftige Reaktion, die mich nachdenklich und auch betroffen macht über die Art und Weise des Umgangs miteinander, der Diskussionsebene, der Problembewältigung. Klar, ich könnte einige dieser „Facebook Freunde“ sperren oder einfach alles unkommentiert lassen. Aber das ändert ja nichts daran, dass es in diesen „sozialen Medien“ viele gibt, die sich ihr eigenes Bild der Welt und seiner Abläufe gebastelt haben. Nach dem Wahlausgang in den USA, der auf Lügen, Verschwörungstheorien und Hasstiraden aufgebaut war, schaue ich mehr als besorgt auf das, was da im kommenden Jahr in Deutschland passieren könnte. Die Zeichen lassen sich nicht mehr übersehen.

Trump gegen Twitter

Was ist denn das? Donald Trump trifft in seinem Trump Tower die Größen der High Tech Industrie, nur die Chefs von Twitter fehlen. „Weil sie nicht groß genug sind“, meinte Trump auf Nachfrage, doch das wäre eigentlich ein Schuß ins eigene Bein. Trump der Twitter-König hat über 17,3 Millionen „Followers“, er verbreitet rund um die Uhr seine politischen Entscheidungen, seine Hasstiraden, seine Presseerklärungen in 140 Zeichen. Twitter ist Trumps Kommunikationsweg. Da verwundert es schon sehr, dass niemand des Kurznachrichtendienstes zum Treffen im Trump-Turm eingeladen wurde.

Der Grund scheint wohl nicht der genannte zu sein, Twitter sei nicht „groß genug“. Vielmehr sieht es so aus, als ob der Donald nachtragend ist, denn Twitter CEO Jack Dorsey höchstpersönlich verweigerte dem Trump-Team im Wahlkampf ein bestimmtes Emoji. Und das für viel Geld. Geplant war, wenn vom Kandidaten und anderen der Hashtag #CrookedHillary genutzt werden würde, dies mit einem Bildchen zu untermalen.

Doch die Twitter Oberen stellten sich quer, allen voran Jack Dorsey. Und das kam nicht gut an. Ergebnis: Keine Einladung. Auch ist der Trump Berater, Peter Thiel, Mitglied im Aufsichtsrat von facebook kein Fan von Twitter. „Es ist ein furchtbar schlecht geführtes Unternehmen – wahrscheinlich wird dort zu viel Pot geraucht“.

 

 

„I’ll visit you in Germany“

Burco ist die zweitgrößte Stadt in Somaliland, hier leben rund 400.000 Menschen. Das Gebäude von CARE ist in einer Wohngegend, am Tor kein Schild der Hilfsorganisation. Aus Sicherheitsgründen, wie es heißt. Von hier ging es in die sprichwörtliche Pampa. Erst auf einer langen Schotterpiste immer geradeaus, dann kam die Sandstraße, die sich um Büsche schlängelte und ins Nichts zu führen schien. Der Fahrer heizte dahin, als gäbe es kein Morgen.

Die Landschaft war beeindruckend, sandig und dennoch wunderschön. Ein weiter Blick, immer mal wieder Ziegen rechts und links der Straße, Nomaden, die sie hüteten und gelegentlich trabte ein Kamel über die Straße. Blau markierte Steine im Sand zeigten, wo Landminen geräumt worden waren. Die Spuren des Krieges sind in Somaliland noch immer zu sehen.

Unser erstes Ziel war das Dorf Harasheik. CARE hat dort eines dieser Brunnenprojekte aufgebaut, von dem ich gestern berichtet hatte. In Harasheik wartete man auf uns, die Dorfältesten berichteten von ihren Erfahrungen und Wünschen mit dem Brunnen und der Solarkraft. Danach noch ein paar Interviews, Fotos, Klangaufnahmen, ein kleiner Spaziergang alleine durchs Dorf. Dann ging es mit den Geländewagen nach Xaaxi, einem weiteren Projektdorf.

Ein Treffen im Schatten unterm großen Baum. Fotos: A. Peltner.

Ein Treffen im Schatten unterm großen Baum. Fotos: A. Peltner.

Auch in Xaaxi gab es ein herzliches Willkommen, diesmal suchte ich jedoch mehr das Gespräch mit Jugendlichen. Wir saßen unter einem Baum und sie erzählten davon, dass sie weg wollen. Von den etwa 15 jungen Männern hoben 12 die Hand. In Somaliland gebe es keine Jobs, keine Zukunft. Und andere, die gegangen sind und es geschafft haben, hätten Fotos von sich auf facebook gepostet. Bilder, die zeigen, dass sie erfolgreich angekommen, erfolgreich einen Job gefunden, erfolgreich ein neues Leben begonnen haben. Auf meinen Einwand, dass sie nicht alles glauben sollten, was sie auf facebook sehen und lesen, dass in Europa keine Jobs auf sie warten, ließen sie nicht gelten. Nun planen die jungen Kerle vor mir über Äthiopien und den Sudan nach Libyen zu gelangen, um von dort über das Mittelmeer Europa zu erreichen. Bereitwillig wollen sie sich in die Hände von Schleppern begeben, die bekannt dafür sind, irgendwo auf der Strecke mehr Geld zu fordern, die Eltern daheim anzurufen und sie die Schmerzensschreie ihrer Kinder hören zu lassen, bis sie zusichern, mehr Geld zu schicken. Eine lange und gefährliche Reise liegt vor den Jugendlichen. All das ist ihnen egal, meint einer. „I’ll visit you in Germany“, lacht ein anderer. Sie alle sind sich sicher, sie werden es schaffen. Inshallah!

Im Wohnzimmer zur Arbeit

In San Francisco gibt es ein einigermaßen funktionierendes öffentliches Verkehrssystem. Mit den Muni Bussen schaukelt man durch die Streets und Avenues. Hin und wieder geht gar nichts, wenn mal wieder der Stromabnehmer aus der Oberleitung gehüpft ist, manchmal regnet es auch in die alten Busse rein, dann wird einfach ein Regenschirm im Bus aufgespannt. Ich habe mich dort schon von Bekloppten zutexten lassen, einer von denen zeigte mir auch mal eine Knarre, einfach so. Ich stieg an der nächsten Haltestelle aus. Der Stadt fehlt das Geld, um das weitverzweigte System grundauf zu erneuern.

Die Firma Leap schickt Wohnzimmerbusse durch San Francisco.

Die Firma Leap schickt Wohnzimmerbusse durch San Francisco.

San Francisco ist jedoch auch im Zentrum der High Tech Industrie, das Silicon Valley liegt nicht weit, viele der dort Angestellten, wollen lieber hier an der Bay leben als im vorstädtisch langweiligen Mountain View, Palo Alto oder Redwood City. In San Francisco werden neue Ideen entwickelt und getestet, Programme, Hardware und Apps. Kein Wunder also, dass auch neue Verkehsideen ausprobiert werden. Ein neues Startup Unternehmen, Leap, will nun den Busverkehr revolutionieren. Nichts mehr mit dreckigen Sitzen, zu heiss im Sommer oder zu kalt im Winnter und schon gar nicht Überflutung bei den seltenen Regenschauern.

Leap schickt nun Wohnzimmerbusse durchs Stadtzentrum. Von einem Stadtteil, den man eher als Yuppie Gegend beschreiben kann, nach Downtown, für 6 Dollar. Bequeme Sitze, kostenloses WiFi, USB Anschlüsse, eine Fruchtsaft- und Snackbar (nicht im Fahrpreis inbegriffen). Also Service ohne Ende. Man solle „in style“ zur und von der Arbeit kommen, heisst es.

Diese Busse werden eine erneute Diskussion aufwerfen. Schon seit langem stossen vielen in San Francisco die Busse von Google, facebook und anderen High Tech Schmieden auf, die ihre Mitarbeiter an öffentlichen Haltestellen in San Francisco aufgreifen, um sie in Luxusbussen ins „Valley“ zu bringen. All das ist Ausdruck der „Gentrification“ in der nordkalifornischen Metropole. Die Stadt verändert sich in Siebenmeilenstiefeln, die Busse der IT Giganten und nun von „Leap“ machen das ganz deutlich. Das einzige, was vielleicht bei all dem positiv zu sehen sein könnte ist, dass man den öffentlichen Nahverkehr durchaus auch angenehm gestalten könnte. Wenn das mal im Rathaus ankommt. Es gibt einfach keinen Grund, warum man mit Regenschirm durch eine der schönsten Städte der Welt Bus fahren muß.

Der Wind hat mir ein Lied erzählt

Google goes g’scheit windig….oder so. Der IT Riese hat sich nun mit 50 Prozent an einem gewaltigen neuen Windpark östlich von San Francisco eingekauft. 48 riesige Windräder sollen die seit den 80er Jahren in Betrieb stehenden 770 Turbinen ersetzen. Ein Projekt, mit dem Google vor allem die eigene Energieversorgung für den Campus im 50 Meilen entfernten Mountain View decken will. Am heutigen Mittwoch will das Unternehmen die Pläne veröffentlichen.

Der Altamont Pass ist überzogen mit veralteten Windrädern.

Der Altamont Pass ist überzogen mit veralteten Windrädern.

Das ganze ist eine Partnerschaft mit NextEra Energy, die ihren Sitz in Florida haben. Das Windkraftunternehmen betreibt den riesigen Windpark am Altamont Pass, der die Bay Area vom Central Valley trennt. Es ist nicht das erste mal, dass Google auf alternative Energiequellen setzt. Insgesamt hat die IT Firma in den letzten zehn Jahren rund 1,5 Milliarden Dollar für Wind- und Solarprojekte, darunter auch Kooperationen mit NextEra in Oklahoma, North Dakota und Iowa finanziert. Im vergangenen Jahr kaufte google für 3,2 Milliarden Dollar „Nest Labs“, eine Firma, die ein intelligentes Thermostat entwickelt hatte. Google setzt also verstärkt auf den Energiesektor und hofft, mit dem jüngsten Deal am Altamont Pass die Kosten für die eigenen hohen Energiekosten zu beschränken.

Google ist nicht der einzige IT Riese im Silicon Valley, der auf den Energiemarkt schielt. Auch Yahoo!, facebook und Microsoft suchen nach Lösungen für ihren Energiedurst. Am Dienstag verkündete Apple, dass es sich mit 850 Millionen Dollar an einem 280 Megawatt Solarkraftwerk in Monterey County beteiligen wird.

Barbie soll dicker werden

Die olle „alte“ Barbie ist ja so was von unzeitgemäß. Die ach so dünne Plastikpuppe sollte als mittlerweile 54jährige ruhig mal einen Burger und Fritten, Soda und Ice-Cream essen, denn dann verkörpere sie ein gesundes Schönheitsideal für Mädchen von heute. Darum, so ein Anliegen, sollte nun endlich auch eine etwas übergewichtige und mit Doppelkinn kommende Barbie ins Kinderzimmer einziehen.

Die Organisation Plus-Size-Modeling.com hat vor wenigen Tagen eine Online Befragung auf ihrer facebook Seite gestartet. Es dauerte nicht lang und die 40.000 Marke der „Likes“ war erreicht. Zahlreiche Kommentare fanden die Idee gut, mit diesem Vorschlag auf den Barbie-Produzenten „Mattel“ zuzugehen. Diese Überarbeitung der strahlenden Barbie wäre mal eine gute Idee im amerikanischen Gesundheits- und Fitnessrausch.

Einige „Liker“ meinten allerdings auch, man brauche Barbie in der plastischen Schönheitsoperation ja nicht gleich ein Doppelkinn zu verpassen, eine etwas fülligere Körperstatur lange ja aus, um kleinen Mädchen nicht nur das Idealbild einer gertenschlanken Blondine zu präsentieren. „Barbie als eine realistische Frau mit wirklichen Kurven zu porträtieren ist eine sehr gute Idee und würde die richtige Botschaft an junge Mädchen und ihr Selbstvertrauen geben“, hieß es in einem Kommentar.

Wie Barbies Elternhaus Mattel auf dieses jüngste Anliegen reagiert, ist noch nicht klar. Ich finde ja, den ollen Lachkaspar Ken könnte man auch mal etwas „überarbeiten“.

 

San Francisco wird vergoogelt

Das hatten wir schon mal. Als ich 1992 für ein Jahr in San Francisco lebte gab es unzählige von Kneipen, Clubs und schrägen Galerien. Die Mission Gegend war ein Zentrum der Subkultur. South of Market war ein Problemgebiet. Drogensüchtige, Obdachlose, Straßenprostitution und zwischendrin immer mal alte Garagen und Werkstätten, in denen Theatergruppen auftraten oder Kunstgruppen ihre Sicht der Dinge präsentierten.

Das gab es auch noch als ich Mitte 1996 ganz in die Bay Area übersiedelte. Auf kleinen Bühnen in irgendwelchen Spelunken spielte immer irgendein Musiker oder trug ein Feierabendpoet seine teils guten, teils grottenschlechten Gedankenergüsse vor.

Der große Einschnitt kam so 1999, als im Silicon Valley die Welt neu erfunden wurde. Hipster und Napster, Jungprogrammierer und Weitdenker kamen. Mit ihnen das Geld. Viel Geld. San Francisco veränderte sich. Damals sagte mir einer, der ganz nah an der Subkultur der „City By The Bay“ war, die Stadt verliere ihre Seele. Vermieter kündigten ihren Mietern, um die gleiche Wohnung für ein mehrfaches an Dollar neu anzubieten. Apartmenthäuser wurden abgerissen, um sündhaft teure Lofts zu bauen. Alles, was nicht niet- und nagelfest war mußte weichen. Bürozentren und akzeptabler Wohnraum für die Cyber-Visionäre mußte her. Interessanterweise zog es viele von hier nach dort. Über die Bay nach Oakland und noch weiter nach Berlin. Dort gab es noch bezahlbare Freiräume und Möglichkeiten für Kulturschaffende.

Mit dem Platzen der High Tech Blase nach ein paar Jahren erlebte die Subkultur in San Francisco einen neuen Frühling. Irgendwie lief es wieder, es war wieder einiges möglich. Doch das ist nun auch wieder vorbei. Exklusive Restaurants, Food Trucks mit Essen aus aller Herren Länder, Tee- und Kaffeeläden mit ihren Soja-Lowfat-gut geschüttelt, dreimal umgerührt und koffeinfreien Heißgetränken…es geht wieder los. Und dann sind da die großen Firmen des Silicon Valleys: Google und Facebook, Apple und Genentech und all die anderen. Sie karren Tag für Tag ihre Arbeiter mit Superluxusbussen und WiFi Zugang von San Francisco zum Arbeitsplatz.

Nun haben Demonstranten einfach die Sache mal in die eigene Hand genommen und kurzerhand genau diese Busse blockiert. An den öffentlichen Haltestellen wohlgemerkt, wo sich die Firmen quasi eingekauft haben und an denen nun ihre Busse zur An- und Abfahrt ansteuern dürfen. Den Protestlern ging es um ein Zeichen, Aufmerksamkeit, was gerade in San Francisco passiert. Die Stadtteile verändern sich wieder, der Mietraum wird teurer, wieder ziehen Leute weg, die es sich nicht mehr leisten können. Und nun wird sogar der öffentliche Raum von den High Tech Giganten für ihre Zwecke genutzt. Genug scheint wohl dann auch mal genug zu sein. Immerhin kann man solche Proteste ja gut über die Social Networks von heute organisieren.

„Hitler Youth“ in Norwegen

Wenn Glenn Beck wenigstens einen Kasten Beck’s geleert hätte, dann könnte man sagen, er quatscht nur Mist, der alte Suffkopp. Doch Beck trinkt keinen Alkohol, dafür belallt er seine Hörer in seiner „syndicated“ Radioshow mit allerlei Blödsinn, Verschwörungstheorien und Weltuntergangsszenarien. Der frühere FOXNews Moderator ist beliebt, weil er es schafft, die Welt in schwarz und weiß, in gut und böse zu trennen und das seinen Hörern – und lange Zeit auch seinen Zuschauern – in wirren Gedankensprüngen zu erklären. Die sind dankbar über den Analytiker Beck, der im Weißen Haus von Barack Obama eine Terroristenzelle von Al Quaida vermutet.

Wenn man Glenn Beck eine zeitlang zuhört, also regelmäßig sich auf diese Art des intellektuellen Masochismus einlässt, dann wird einem ganz schwummerig. Das tut manchmal richtig weh, ich bin mir sicher, wenn ich für Nasenbluten anfällig wäre, dann könnte ich mir das mit Beck nicht antun. Dass Beck in seiner Sicht der Dinge nicht auch noch Elfen, Trolle und fiese Unterweltsmonster zur Erklärung der Lage der Nation heranzieht, ist überraschend. Denn eigentlich ist Obama ja ein kommunistischer Kinderfresser, Hillary Clinton eine faschistische Gestapotante und Joe Biden sowieso schon lange auf Drogen.

Beck spinnt. Punkt. Um das zu belegen hier mal ein aktuelles Beispiel dieses vielgehörten Radiomoderators, der mehr als zwei Millionen „Fans“ auf seiner facebook Seite hat. Doch bevor jetzt jemand den vielbeliebten Allgemeinrundumschlag macht und erklärt, die Amerikaner spinnen sowieso, will ich mal ganz deutlich sagen, dass Glenn Beck ein Entertainer ist. Zwar ist er überzeugt von dem was er da sagt und er überzeugt auch seine ziemlich vielen Hörer mit seinen Verbalergüssen, doch Beck spricht nicht für die Allgemeinheit der USA. Sogar dem Murdoch Sender FOXNews wurden Becks Wahnvorstellungen etwas zu viel. Man trennte sich vor ein paar Monaten „im Einvernehmen“. Nun laberrhabarbert Beck sich tagtäglich durch seine „syndicated“ Radioshow, schreibt Bücher für eine Millionenleserschaft und hat darüberhinaus auch noch GBTV gegründet, ein Web based Fernsehprogramm.

Doch zurück zum aktuellen Beckschen Durchfall. Die tragischen Anschläge von Norwegen waren auch in den USA ein großes Thema. Natürlich wollte auch Glenn Beck dazu was sagen und verglich gleich mal das Jugendlager mit der Hitler Jugend: „Als die Dinge sich entwickelten und es eine Schießerei in einem politischen Camp gab, was für mich wie Hitler Jugend klingt… Wer macht schon ein Lager für Kinder, in dem es nur um Politik geht? Das ist beunruhigend.“ Beck hasst Linke und vergleicht Präsident Obama auch schon mal mit Adolf Hitler. Irgendwie alles das gleiche, Hitler war ja auch Sozialist. Von daher kommt dieser Vergleich nicht von ungefähr. Sozialdemokraten in Norwegen sind sicherlich im gleichen Fahrwasser wie Hitlers Nationalsozialisten. Hier ein Jugendlager der Regierungspartei, dort ein Lager der Hitler Jugend der Nazi-Partei. So argumentiert Beck, so hat er auch immer schön auf seiner Tafel in der FOXNews Sendung die Dinge erklärt. Ist logisch, nicht wahr! Hier die gestrige Sendung, der Vergleich mit der Hitler Jugend kommt nach 35 Sekunden.

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Weiner’s Wiener Wienereien

Anthony Weiner sollte eigentlich Bürgermeister von New York City werden. So zumindest stellte sich das die Elite der Demokraten in den USA vor. Der Kongressabgeordnete war beliebt, hatte Charme und sah auch noch ganz passabel aus. Doch nun stolperte Weiner (wird wie das Wienerle ausgesprochen und ist im Amerikanischen auch noch eine Umschreibung für das bestimmte männliche Teil) über sein „Unterhosengate“.

Vor ein paar Wochen wurde bekannt, dass „irgendjemand“ Unterhosenbilder mit einem Mann darin an eine junge Frau in Seattle geschickt hatte…und das vom Twitter Account Anthony Weiners. Der Politiker stritt vehement ab, dass er der Spargeltarzan im Höschen war und ließ sogar eine Untersuchung über mögliche Sabotageakte anlaufen. Doch nun ist Schluß mit lustig. Am Montag mußte Weiner nun eingestehen, dass er selber die Bilder verschickt hat. Und nicht nur das, in den vergangenen Jahren hatte er über Twitter, facebook und Email einige eindeutige Photos an weibliche Empfänger versendet.

Die Demokraten sind entsetzt. Nicht nur, dass sie anfangs noch zu ihm standen und nun wie ein begossener Deppenhaufen dastehen, der Wahlkampf 2012 hat bereits begonnen. Die Republikaner stürzen sich wie ein Haufen Moralapostel auf diesen schlüpfrigen Skandal. Sie kosten ihn aus, auf FOXNews werden die „speziellen“ Bilder mit Jugendwarnung und Balken gezeigt, die konservativen Radio Moderatoren berichten gekonnt anzüglich und unterhaltsam über Weiner’s Wiener.

Die eigenen Parteikollegen von Anthony Weiner haben ihn nun im Regen stehen lassen und fordern ihn unmißverständlich dazu auf, seinen Rücktritt einzureichen. Denn auf den Kongressabgeordneten kommen nun größere legale Probleme zu. Auch das Abgeordnetenhaus wird sich mit der Causa Weiner ausführlich beschäftigen. Der Übeltäter selbst erklärt, er werde nicht zurücktreten. Für ihn ist die Affäre mit einer Entschuldigung vom Tisch…doch darauf kann er in den USA lange warten. Der Wahlkampf wird nun auf Unterhosenniveau geführt.