Wie wäre es mit einem Trump-freien Tag

Es ist ja nicht so, dass nichts in der Welt passiert. Eigentlich gibt es genügend Brennpunkte rund um den Globus, die beachtet werden sollten. Wer mich kennt oder wer hin und wieder dieses Blog liest, weiß, wovon ich spreche. Die Hungerkrise in Somalia, die katastrophale Situation im Ost-Kongo, die Not und das Leid im Niger und der gesamten Tschadsee Region. Gestern führte ich ein Interview mit Wolfgang Jamann, dem Geschäftsführer von CARE International. Er kam gerade von einer Reise in den Jemen zurück, jenem Land, das derzeit im Chaos versinkt, in dem sich zwei große regionale Mächte einen Stellvertreterkrieg liefern, in dem Millionen von Menschen Flüchtlinge im eigenen Land sind, in dem nun auch noch eine der größten Cholerakrisen der jüngsten Zeit ausgebrochen ist. Bis Ende des Jahres rechnen Gesundheitsexperten mit etwa 600.000 Fällen. Aber all das wird gerne übersehen. Wolfgang Jamann meinte dazu: „Aber eins ist auch klar, Jemen schickt keine Flüchtlinge nach Europa, hier gibt es zwei Millionen Vertriebene innerhalb des Landes und das heißt natürlich – und das wurde mir auch sehr klar und sehr deutlich vor Ort zur Kenntnis gebracht – dass hier die internationale Gemeinschaft nicht ganz so besorgt reagiert, wie das vielleicht in Ländern der Fall ist, wo ein Flüchtlingsexodus droht“.

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Und vor diesem Hintergund der harten Fakten, Nachrichten, Realitäten sitze ich hier jeden Morgen und lese das, was Donald Trump tagtäglich über Twitter raushaut und was anschließend über ihn berichtet wird. Trump ist im Dauerwahlkampf, er wütet, tobt, beleidigt, macht andere nieder. Das sind dann Meldungen, mit denen sich die New York Times, die Washington Post, CNN, FOXNews und am Ende auch ich beschäftige. Es sind Nullnummern, platte Aussagen, es sind wahrlich „Fake News“ im Trump-Zeitlalter. Denn seien wir mal ehrlich, auf politische Ergebnisse kann dieser Präsident bislang nicht verweisen. Außer viel heißer Luft hat er bislang wenig zu bieten, doch die hat so einige in Washington ins Schwitzen gebracht.

Was ich mir wünschen würde, wären Tage, an denen man wirklich nur über die Nachrichten berichtet, die es wert sind verbreitet zu werden. Nicht Trumps leeres Gepoltere und die darauf kommenden Reaktionen, sondern den Blick auf das zu richten, was wirklich wichtig ist. Die Hungerkatastrophe in Teilen Afrikas, der Krieg im Jemen oder auch die Heroinkrise in den USA, die Probleme von illegalen Einwanderern in diesem Land, die abgehängten Regionen in den Weiten der USA, die Gefährdung durch Raubbau der einzigartigen Natur in den Vereinigten Staaten. Davon sollte man mehr lesen und mitbekommen.

Es gibt sicherlich einige, die nun sagen „mach halt“. Aber so einfach ist das nicht, denn Leser und Hörer entscheiden mit, was geschrieben und berichtet wird. Das Interesse an einem Trump Bericht mit Nullinformationswert ist einfach höher als eine Reise nach Somalia, um über die dortige Hungerkatastrophe zu informieren. Genau so ist es, zumindest sehe ich das an den Klickzahlen im Blog, kann das an den Reaktionen auf Berichte und Features über Trump und solchen Reisen ablesen. Wenn man dem Trump-Wahn entkommen will, als Journalist und als Leser und Hörer und Zuschauer, dann geht das nur gemeinsam. Ein „Trump freier Sonntag“ im Monat wäre vielleicht der richtige Ansatz.

Der „Lord of the Lies“ und seine Halbwahrheiten

Donald Trump nimmt es nicht so genau mit der Wahrheit. Er beschuldigt zwar tagtäglich die New York Times, die Washington Post, CNN, NBC und viele andere im nicht gewillte Medien der Verbreitung von Lügen und „Fake News“, aber Trump selbst ist der König der Unwahrheiten. Ganz deutlich wird das, wenn man sich die Listen der „Fact Checkers“ in der Washington Post oder der New York Times durchliest. Da kommt der amerikanische Präsident Donald Trump in gerade mal 151 Tagen auf 669 Falschaussagen und Halbwahrheiten, hier nachzulesen.

Der „Lord of the Lies“, wie ihn die New York Times in einem Kommentar bezeichnete, bedient seine Wähler und Anhängerschaft per Twitter. Dort werden sie unterrichtet, dass er die Wahrheit in Person ist, der Messias, der das Land vor äußeren und inneren Angriffen retten wird, nur er hat recht, alle anderen verbreiten „Fake News“. Und die Millionen von Trumpisten, die ihn in Amt und Würden gewählt haben, stehen weiterhin an seiner Seite. Die Auflistungen in den namhaften Zeitungen, die Kritik an seinen eigenen „Fake News“, die großen Fragezeichen hinter den Skandalen und Skandälchen der Trump-Dynastie werden einfach übersehen, nicht wahrgenommen, bewußt übergangen.

Die Schere in Amerika geht immer weiter auseinander. Arm und reich, links und rechts, schwarz und weiß, Demokraten und Republikaner. Amerika ist ein gespaltenes Land und nichts und niemand wird dieses Land mehr zusammenführen. Die innere Spaltung ist zementiert. Das war schon so in den Vor-Trump Jahren und mit ihm wurde alles nur noch schlimmer. Die amerikanische Politik, die amerikanische Gesellschaft, die amerikanische Kultur, das alltägliche Leben in den USA wird nie wieder so sein, wie wir es mal kannten, zu kennen glaubten, in den vielen Heile-Welt-Filmen und -Serien vorgegaukelt bekamen. Man muss sich nur die aktuelle „Weekly Address“ des Präsidenten ansehen, dann wird klar, was Donald Trump schon jetzt angerichtet hat. Dieser Ton bestimmt nun den politischen Diskurs in den USA. Eine Abkehr oder Umkehr davon ist da nicht mehr möglich.

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Der „Fake News“-König

Erst warnte Donald Trump in einem Tweet, der geschasste FBI Direktor James Comey solle vorsichtig sein, was er sage, denn es könnte ja Tonbänder des Gespräches im Oval Office geben. Trump deutete damit an, dass er seine Gäste und Kommunikationen im Weißen Haus aufzeichnen lasse. Wochenlang ließ er danach offen, ob es solche Tonbandaufnahmen wirklich gibt. Trump ging sogar so weit und erklärte, er würde auch unter Eid vor einem Ermittlungsausschuss aussagen, so, als ob er dort seine Gesprächsmitschnitte vorspielen würde. Der Druck auf ihn wuchs, mehr und mehr Politiker beider Parteien verlangten, dass Trump diese Bänder veröffentlicht.

Doch nun – typisch Trump – legt er den Rückwärts- oder in seinem Fall den Ausweichgang nach vorne ein. Er wisse gar nicht, ob es Tonaufzeichnungen aus dem Oval Office gebe, so Trump in einem Tweet, aber verwundern würde ihn das nicht, nachdem ja jeder über Abhörmaßnahmen und illegale Weitergabe von Infomationen spreche. Trump sieht keinen Fehler in seiner „Fake News“ Verbreitung, vielmehr lebt er nach dem Motto: Ich mach‘ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt.

Donald Trump schaut zu viel FOXNews

Man stelle sich vor, Donald Trump wacht früh morgens alleine und im Seidenpyjama in seinem Bett im ersten Stock des Weißen Hauss auf. Seine Frau Melania ist ja noch in New York, wahrscheinlich teilen sie sich auch dort kein Schlafzimmer, denn der Donald hat die Angewohnheit nachts fern zu sehen und wild auf seinem Telefon rumzuhacken. Die Frisur ist an diesem Morgen etwas verschoben, Trump greift zur Seite, nimmt die Fernbedienung vom Nachttisch und schaltet den Fernseher an. FOXNews natürlich, denn das ist der Kanal, den der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika schaut, liebt und lobt.

Das ist nun ein etwas ausgeschmücktes Bild eines Morgens im Schlafzimmer des amerikanischen „Commander in Chiefs“. Fakt ist aber, dass Donald Trump den konservativen und verschwörerischen Nachrichtensender am liebsten sieht und das täglich. Das ist sogar nachweisbar, denn die Tweets zu Themen, die FOXNews am Morgen aufgegriffen hat, seien sie noch so abwegig, tauchen kurz darauf in Trumps 140 Zeichen Wutnachrichten auf, für alle Welt zu lesen.

Der Murdoch-Sender ist derzeit auf einer Mission: Trump schönreden, ihn als Opfer der verhassten „Mainstream Media“ darzustellen, ihn als klugen, weitsichtigen Mann zu präsentieren, als Washington-Außenseiter, als einen erfolgreichen Geschäftsmann, der seinen Weg geht und natürlich ist das der richtige Weg für Amerika. Bislang fehlt nur noch der morgendliche Kinderchor, der die Hymne anstimmt: „Make America Great Again“.

Donald Trump sieht sich als Opfer. In dieser Rolle fühlt er sich allerdings wohl. Denn aus dieser vermeintlichen Defensivposition kann er austeilen, wild um sich schlagen, Tiefschläge setzen. Und die setzt er nur zu gerne, auch wenn sie oftmals unüberlegt kommen. Seine Lieblingsgegner sind die Medien mit ihren „Fake News“, Barack Obama und Hillary Clinton, was wäre Trump nur ohne diese Hassbilder? Daran hält er fest, kommentiert, zwitschert sich einen und nutzt eigentlich jede öffentliche Rede, um wieder alte Geschichten aufzukochen und seien die schon längst vom Tisch gewesen. Trump hält zum Beispiel nach wie vor daran fest, dass Obama seinen Trump Tower in New York abhören ließ. Beweise dafür gibt es nicht. Sein Argument ist oftmals, „people are talking“, aber wer diese Leute sind, das sagt er nicht. Oder eigentlich doch mit seinen Tweets am Morgen – Moderatoren und Gesprächspartner auf FOXNews.

„A needy, whiny baby“

„A needy whiny baby“, „A moral midget“, „I’m sad for America tonight“, das sind einige der Kommentare nach der Rede von Donald Trump. Trump reiste nach Pennsylvania, um sich am 100. Tag seiner Amtszeit feiern zu lassen. Er kam, sah und lieferte genau das, was seine Fans hören wollten. Ersteinmal ging es zehn Minuten gegen die Medien, die „Fake News“, wie der amerikanische Präsident sie nennt. Allein das ist ein Armutszeugnis für diesen Mann. CNN, MSNBC, die New York Times bekamen besonders ihr Fett ab. Trump hat damit gezeigt, dass er noch immer kein Interesse daran hat, sich vom Wahlkämpfer zum Präsidenten zu wandeln. Auch andere Präsidenten vor ihm hatten ihre Kämpfe und ihre Meinungsverschiedenheiten mit der Presse. Aber alle, egal ob Reagan, Bush, Clinton, Bush, Obama waren sich einig in dem, was Barack Obama am Ende seiner Amtszeit zu den Korrespondenten des Weißen Hauses sagte: „America needs you and democracy needs you“. Das ist eine unumstößliche Wertschätzung!

Die Rede tat weh, zeitweise tat sie sogar sehr weh. Nicht nur, weil da ein Mann im Weißen Haus sitzt, den ich bei meiner ersten US Präsidentenwahl nicht gewählt habe. Es tat vor allem weh, weil da jemand das Amt des Präsidenten innehat, der bislang keinen Versuch unternommen hat dieses Land zu einen. Es geht noch nicht einmal um den politischen Graben, der in keiner Amtszeit überwunden werden kann. Das war so unter Bill Clinton, unter George W. Bush, unter Barack Obama und nun auch unter Donald Trump. Politisch wird man nie überein stimmen. Doch der Ton, den Donald Trump befeuert, die Stimmung, die er anheizt ist alles andere als die eines präsidialen Staatsmannes. Ich habe George W. Bush nicht gemocht, ich habe auch Ronald Reagan nicht gemocht, aber keiner der beiden Republikaner hätte jemals solch ein Rede gehalten, wie sie Donald Trump heute Abend gehalten hat: hasserfüllt, nachtretend, anstachelnd und voller bewußter Falschausssagen.

Trump ist ein narzistischer Selbstdarsteller, der solche Auftritte liebt. So füttert er sein krankhaftes Ego, wenn ihm die ausgewählte Masse zujubelt. Egal was er sagt, Trump wird von seinen Fans als Heilsbringer angehimmelt. „Lock her up“ und „Build the wall“, Trump lächelt nur zu diesen bescheuerten Rufen. Seine Wähler stehen nach wie vor zu ihm, sie sehen ihn als Washington-Außenseiter, als jemanden mit provokanten Forderungen, als jemand, der ihnen aus der Seele spricht. Jobs, Ausländer, Terrorangst. Ein bißchen Rassismus darf ruhig sein, auch das liefert Trump.

Diese Rede zeigt den kritischen Punkt, den Amerika heute erreicht hat. 100 Tage Donald Trump sind nicht Anlass zum Rückblick, auf das, was Trump bislang schon alles gemacht, erreicht und angerichtet hat. Diese 100 Tage Marke ist für mich mehr ein Grund sorgenvoll nach vorne zu blicken. Denn was da noch auf uns zukommen wird – auf Amerikaner und die internationale Gemeinschaft – verspricht nach diesem Samstagabend nichts Gutes.

Abenteuerland Sprache

„Fake News“ und „Alternative Fakten“ sind schon bekannt, nun kommt auch noch hinzu, dass das, was gesagt wird, eigentlich gar nicht das ist, was es per Definition ist. Man erinnere sich an Präsident (!) Donald Trumps Tweets, in denen er seinem Vorgänger Barack Obama vorwarf, ihn im Trump Tower in New York illegal abgehört zu haben. „Wire tapping“ schrieb Trump gleich in mehreren wütenden Kurznachrichten und endete mit „bad (sick) guy“. Damit war Obama gemeint.

Im Weißen Haus werden gerne die Tatsachen verdreht. Foto: Reuters.

Selbst die eigene Partei war von diesen Anschuldigungen überrascht. Trump hatte an jenem Morgen seinen Lieblingssender FOXNews gesehen und eine Nachricht aus dem Berich Verschwörungstheorien für bare Münze genommen und dann seine Wut-Tweets in alle Welt geschickt. Trump forderte darin auch den Kongress auf, einen Untersuchungsausschuss einzurichten, der der Frage nach den Abhörmaßnahmen im Trump Tower nachgehen sollte. Senator John McCain machte schließlich den Präsidenten darauf aufmerksam, dass er eigentlich nur zum Telefon greifen müsse, um die Information zu bekommen, die er haben möchte. Trump hat nämlich als Präsident oberste „clearance“, den Zugang zu allen Informationen und Daten, die die Geheimdienste im In- und Ausland sammeln.

Doch es herrschte nur Schweigen im Walde. Trump schmiss lieber weiter Rauchbomben. Höhepunkt war dann der Auftritt von Pressesprecher Sean Spicer, der ernsthaft sagte „wire tapping“ sei nicht gleich „wire tapping“. Also, der Präsident habe damit gemeint, dass er belauscht und beobachtet werde, aber nicht unbedingt, dass seine Telefone abgehört werden. Auf die Frage der Reporter, warum der Präsident dann aber „wire tapping“ schreibe, für das es eine klare Definition gebe, antwortete Spicer, der Präsident habe „wire tapping“ ja in Anführungszeichen gesetzt, damit wollte er ausdrücken, dass es um Einfluß von außen ging, nicht unbedingt um das Abhören von Telefonen.

Aber genau das hatte Trump geschrieben, auch ohne Anführungszeichen. Nun wird also die Sprache seziert, mit dem Ziel feststehende Begriffe zu unterhöhlen und ganz neu zu definieren. In der Welt von Donald Trump werden alternative Fakten erfunden, Falschnachrichten in Umlauf gebracht, die Bedeutung von Worten und Begriffen umgeschrieben. Und alles nur dafür, dass Donald Trump nach seinen unbedachten verbalen Entgleisungen und Hirngespinsten nicht als, Entschuldigung, „Vollpfosten“ dastehen könnte. (Und ich betone hier, dass ich „Vollpfosten“ in Anführungszeichen gesetzt habe, nach der Trump’schen Lehre kann also nun über die Bedeutung des Begriffes als solchen diskutiert werden.)  Trump hat nicht die Größe um Fehler einzugestehen. Einen Schritt zurück macht er nicht. Seine Verteidigung ist der Angriff ohne Rücksicht auf Verluste. Den Schaden hat die amerikanische Gesellschaft und das für sehr lange. Trump hat schon jetzt die USA in ihren Grundfesten erschüttert.

Fake News Nation

Donald Trumps Lieblingsbeschäftigung scheinen Schimpftiraden auf die Medien und ihre Vertreter zu sein. „Unehrlich“, „Lügner“, „Fake News“, das sind noch die harmlosesten Worte, die er findet. Seine Anhänger und Hofberichterstatter jubeln begeistert. Was für Trump „Fake News“ sind, das bestimmt er selbst. Kritische Berichte, Nachfragen von Journalisten, umfangreiche Recherchen im Umfeld von King Donald werden als „Lügen“ und „Falschnachrichten“ abgetan. Die Medien, so Trump, seien die Gegner des amerikanischen Volkes. Damit unterminiert er wohl ganz bewußt die amerikanische Demokratie.

Trump selbst ist der König der „Fake News“, wie ich in einem älteren Blogbeitrag schon dargelegt habe. Er nimmt es nie so genau mit der Wahrheit, verdreht Zahlen und Tatsachen, baute seinen Wahlkampf auf Angst auf und so regiert er auch im Weißen Haus. Und doch, Trump ist nicht der Begründer der „Fake News“, auch wenn er es wahrscheinlich gerne wäre, „the greatest Fake News“ Verbreiter.

Hier wurden schon viele Verschwörungstheorien geboren – die geheime Militärbasis Area 51 in Nevada. Foto: Reuters.

Amerika ist vielmehr eine Nation, die auf Falschmeldungen und fragwürdigen Nachrichten aufgebaut ist. Big Foot, Aliens, UFOs, Geisterjäger, dieses Land ist voller Falschmeldungen. Eine der erfolgreichsten und seit 1984 ausgestrahlten allabendlichen Radiosendungen in den USA ist „Coast to Coast AM“, eine Spätnachttalksendung, in der es nur über diese Art der Nachrichten und Ereignisse geht. Verschwörungstheorien und UFO-Sichtungen werden genauso ausführlichst diskutiert, wie die jüngsten Meldungen von der anderen Seite des Jordan. Pro Woche erreicht „Coast to Coast AM“ auf über 600 Stationen fast drei Millionen Hörer.

Ich selbst war vor ein paar Jahren auf einem UFO Kongress. Dort führte ich Interviews mit UFO-Wissenschaftlern, -Historikern, -Experten und selbsternannten investigativen Reportern. Eine Frau beschrieb mir mit ernster Stimme, wie sie schon viermal von Außerirdischen nachts abgeholt worden war, um sich auf dem Mars Untersuchungen unterziehen zu lassen. Sie war allerdings rechtzeitig zum Aufstehen wieder in ihrem Bett. Für das gleiche Feature reiste ich auch nach Rachel, Nevada, der Ansiedlung, die am nähesten zur Area 51 liegt. Auch dort traf ich Menschen (oder Außerirdische), die mir die harten Fakten erzählten und jeglichen Zweifel an dem, was sie gesehen, gehört und erlebt haben als „Fake News“ abtaten.

Doch das sind die offensichtlichen „Fake News“, die es in diesem Land zuhauf gibt. Anders ist es da schon, wenn man durch die USA fährt, das Radio anschaltet und Talk Radio hört. Was ist da noch richtig und wahr, was halbwahr und offensichtlich falsch? Kurz hinter Reno kann man meist nur noch Mittelwellensender empfangen. Weiter auf dem Highway ins Heartland ändert sich auch das Programm. UKW ist ein einziges Rauschen, AM Radio ist die einzige Möglichkeit. Drei Stunden „Farm-Talk“ gefolgt von drei Stunden „Gun-Talk“ und dann drei Stunden Rush Limbaugh, der König des Talk-Radios. Er und andere, wie Michael Savage, Sean Hannity, Mark Levin verdrehen da schon mal die Tatsachen, sehen Ereignisse aus ihrer amerikanisch-patriotisch-nationalistischen Sicht der Dinge. Es wird ein Schwarz-Weiß Bild von diesem Land gezeichnet, hier die Guten Amerikaner, dort die sozialistisch-kommunistisch-irregeleiteten Demokraten. So was bringt Hörer, Einschaltquoten, Werbeeinnahmen. „Fake News“ ist daher keine Neuerscheinung in den USA, sie sind heute nur weit verbreiteter und werden von ganz oben, vom „Fake News Commander in Chief“ verbreitet.

Wann ist Liechtenstein dran?

Nun also die Schweden. Ein Land im Chaos. Horden von muslimischen Flüchtlingen überrennen die friedlichen Landschaften von Astrid Lindgren. Sie rauben, vergewaltigen, verprügeln, brandschatzen und terrorisieren die arme schwedische Bevölkerung. Wer das sagt? Donald Trump, seines Zeichens amerikanischer Präsident. Und der muß es ja wissen, immerhin kann er sich auf die besten Geheimdienste verlassen: CIA, NSA, FBI.

Aber gerade das tut Trump nicht. Wie es heißt, weigert er sich, die täglichen Sicherheits-Briefings seiner Nachrichtendienste zu besuchen. Die hätten ihm vielleicht gesagt, dass zwischen Malmö und Övre Soppero die Welt eigentlich in Ordnung ist. Trump schaut lieber Fernsehen, vor allem FOXNews, einen Sender, den er immer wieder in seinen Tweets „great“ nennt. Dort lief am Freitag ein Interview von Moderator Tucker Carlson mit dem „Dokumentarfilmer“ Ami Horowitz. Horowitz beschrieb darin, wie auch in seinem Film, die gewaltigen Probleme, mit denen Schweden zu kämpfen habe, nachdem das Land sehr viele Flüchtlinge aufgenommen hat.

Donald Trump hat sich also bei seinen jüngsten „Fake News“ auf ein Interview mit einem Filmemacher bezogen, der einen sehr fragwürdigen Film produziert hat. Denn selbst interviewte Polizisten in dem „Dokumentarstreifen“ erklärten der Washington Post, dass ihre Antworten falsch wiedergegeben wurden.

Aber Trump wäre nicht Trump, wenn er zugeben würde, dass ihm da ein peinlicher Fehler unterlaufen sei. Er twittert vielmehr allwissend, dass die „Fake News Medien“ die Situation in Schweden nun schön reden wollten. Er kennt sich ja schließlich aus, im vergangen Jahr meinte Trump, die Menschen in Oakland lebten in einer der gefährlichsten Städte der Welt, Oakland sei noch gefährlicher als Baghdad. Trump erklärt die Welt, wie sie ihm gefällt. Wann endlich schaut er nach Liechtenstein und warnt vor der „LMAA“….der Liechtensteiner Muslim Anti-Amerika Gruppe!

Onkel Donald erklärt die Welt

Jetzt wissen wir es also, was „Fake News“ sind. Donald Trump erklärt es in einem seiner beliebten Tweets: „Negative Umfragen“ sind „Fake News“. Heißt, wenn etwas nicht so geschrieben wird, wie Donald Trump es gerne hätte, dann sind das Falschnachrichten. Wer ihn kritisiert ist im Unrecht und schreibt nur Lügen, „Fake News“, obwohl Trump selbst der König dieser Unwahrheiten ist. Das hat er zahlreich im Wahlkampf und auch nach seinem Wahlsieg gezeigt. So genau nimmt er es nicht mit der Wahrheit. Er glaubt, was er hört und der Weg von seinem Mund zu seinem Ohr ist nicht weit genug, um gründlichst darüber nachzudenken.

Es wird immer seltsamer, schlimmer, fragwürdiger in den USA. Irgendjemand hat da am Rad gedreht und alles ist nicht mehr so, wie es einmal war.

Donald Trump, der König der „Fake News“

Donald Trump ist „pissed“, so sagt man hier, wenn jemand ziemlich sauer ist über das was er über sich selbst liest und hört. Trump hat allen Grund dafür, denn ein Geheimbericht macht die Runde, in dem es heißt, die Russen hätten Trump mit hochpeinlichen persönlichen Videos unter Druck gesetzt und somit in der Hand. Der „President elect“ reagiert wutschnaubend, „alles Lüge“, „nicht nachweisbar“, außerdem würde er sowas nie machen, meint er.

Doch Donald Trump selbst war und ist der König der Verschwörungstheorien, der „Fake News“, der Beschuldigungen ohne jeglichen Grund und Boden. Ein paar der markantesten Beispiele führe ich hier auf:

Donald Trump steckte hinter der sogenannten „Birther“-Szene, jenen Verschwörungstheoretikern, die Barack Obama vorwarfen nicht in den USA geboren zu sein. Beweise hatte er keine!

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Donald Trump erklärte, der Vater seines innerparteilichen Kontrahenten Ted Cruz, sei mit dem Kennedy Mörder, Lee Harvey Oswald, gesehen worden, das zumindest würden ihm Vertraute erzählen. Rafael Cruz, in Kuba geboren, sei demnach wohl in das Attentat auf JFK verwickelt gewesen, so Trump, der damit eine riesige kubanische Verschwörungstheorie aufbaute. Beweise hatte er keine!

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Donald Trump meinte, ganz im Trump Stil, er sage ja nichts, aber andere reden darüber, dass Hillary Clinton in den Tod des einstigen Mitarbeiters Vince Foster verwickelt gewesen sei. Hillary also auch noch eine Mörderin? Beweise hatte er keine!

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Donald Trump nahm es bislang nie so genau mit dem, was er verbreitete. Klar, Trump würde nie zugeben, dass das „Fake News“ seien, denn er habe es ja nur gehört, andere reden darüber. Aber Trump ist der König dieser Meldungen, er bringt es so überzeugend rüber, dass viele seiner Anhänger den Schmarrn glauben, den er da vom Stapel läßt. Das ist wohl nicht ganz so präsidial.