Volksfeind #1

„…the real enemy of the people, the Fake News Media“. Donald Trump kann es einfach nicht lassen. Er überrascht mit seinen Aussagen zwar nicht mehr, aber es trifft mich dennoch, wenn ich am Morgen auf Twitter lese, dass er Journalistinnen und Journalisten, die ihm nicht nach dem Mund schreiben, erneut als „Volksfeinde“ bezeichnet. Das ist harter Tobak und sollte nicht so einfach hingenommen werden. Wo ist der Aufschrei der Republikaner im Kongress, die diesen Mann endlich in seine Schranken verweisen.

Denn Donald Trump ist der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, einem schwerbewaffneten Land, in dem es genügend Menschen gibt, die seine Aushöhlung der Demokratie, der demokratischen Grundprinzipien, als Einladung zur Gewalt gegen jene nehmen, die sich gegen die Trump’sche Weltordnung stellen. Wer Medienvertreter als „Volksfeinde“ bezeichnet, und das immer und immer wieder, der schürt ganz bewußt Gewalt. Die ersten Auswüchse kann man auf Trump Veranstaltungen sehen, auf denen Reporter übelst beleidigt und angegangen werden. Der Schritt von Wutausbrüchen zu gezielten Anschlägen ist da nicht mehr weit.

Natürlich stimmt nicht alles, über was Medien berichten. Es passieren überall Fehler, meist unbeabsichtigt, oftmals in der Hektik und unter Druck die neuesten News sofort und gleich zu veröffentlichen. Es gibt natürlich auch Medienvertreter, die ganz bewußt Falschmeldungen streuen, um so Aufmerksamkeit zu bekommen oder gezielt Politik zu beeinflussen. Aber von denen spricht Donald Trump nicht, wenn er Journalistinnen und Journalisten als Volksfeinde bezeichnet. Er geht vor allem all jene an, die ihm nicht nach dem Mund schreiben, die ihn und seine Politik hinterfragen, ihn kritisieren. Trump liebt Diktatoren und Despoten wie Putin, Kim, Erdogan und andere, gerade auch deshalb, weil sie von ihren Medien gehuldigt werden. Sowas will Donald Trump auch, daraus macht er keinen Hehl, wenn er die Berichterstattung der New York Times und der Washington Post kritisiert und gleichzeitig die Speichelleckerei von FoxNews bejubelt. Der Schaden, den Donald Trump der amerikanischen Demokratie zufügt, wird nie wieder rückgängig zu machen sein.

Wir brauchen einen trumplosen Tag

Ich glaube langsam wirklich, man sollte Donald Trump ignorieren. Zwar kann man ihn nicht ganz ignorieren, denn immerhin ist er der amerikanische Präsident. Sein Wort hat Gewicht, national und international. Seine Entscheidungen haben Auswirkungen auf lange Zeit hinaus. So ist die Wahl seiner Bundesrichter mehr als kritisch zu beobachten, denn die werden auf Lebenszeit bestimmt, heisst, Donald Trump könnte den USA und der Welt damit ein folgenreiches, jahrzehntelanges Erbe hinterlassen.

Aber man sollte Donald Trump einfach mal reden lassen, ohne alles zu kommentieren, was er da tagtäglich in seinen Auftritten, auf Pressekonferenzen, am Rande von Veranstaltungen und vor allem auf Twitter von sich gibt. Man sollte – und ich schließe mich dabei ein – nicht alles auf die Goldwaage legen, was dieser Mann, der nur von einem Drittel der Amerikaner gewählt wurde, von sich gibt. Und das ist schwer einzuhalten, denn Tweets des 45. Präsidenten rufen gewaltige Gewitter in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hervor. Was Trump in seinen Kurznachrichten verlauten lässt, wird international gelesen und bewertet. 51,3 Millionen „Followers“ hat Trump, darunter wohl jeden Journalisten mit einem Twitter Account, der auch nur am Rand über Politik berichtet.

Und doch, es würde gut tun, wenn nicht alles kommentiert wird, was Donald Trump vom Stapel lässt. Denn Trump braucht die Reaktion wie die Luft zum Atmen. Das sieht man auch an dem jüngsten Tweet, Trump liebt Umfrageergebnisse, wenn er sie denn auf sich beziehen und für sich hinbiegen kann. Für ihn wäre es eine Katastrophe mal an einem Tag auf die Webseiten der verhassten New York Times und Washington Post zu klicken und keinen Artikel über ihn zu finden, CNN und MSNBC einzuschalten und nicht seinen Namen zu hören. Den Hofsender FOXNews möchte ich gar nicht erwähnen, Trump würde einen Infarkt erleiden, wenn er morgens „Fox & Friends“ einschaltete und in einer Sendung nicht über ihn gesprochen werden würde. Für den Egozentriker Donald Trump wäre die Welt nicht mehr in Ordnung, sein Weltbild würde aus den Fugen geraten.

Aber das ist ein Wunschdenken, denn nicht nur die verhassten Journalisten berichten über Trump, auch die Leser, Hörer und Zuschauer verlangen nach ihrer regelmäßigen „Trump Dosis“. Wie sonst lässt es sich erklären, das Klickzahlen auf Trump-Berichte weitaus höher liegen, dass Rückmeldungen gerade nach Trump Artikeln und Radiobeiträgen kommen? Wir alle sollten also etwas entspannter werden und unseren Trump Konsum runterschrauben.

In welcher Welt lebt Donald Trump?

Es vergeht kaum ein Tag, an dem Präsident Donald Trump keine neue Front eröffnet. Irgendwas scheint ihn immer zu stören. Mal sind es Demokraten, mal Republikaner, mal die Medien, mal irgendjemand in Übersee, dann wieder die Mexikaner, die Kalifornier, Obama, Hillary Clinton, die Liste ist lang und wird stetig länger. Bis vor wenigen Tagen war Amazon Chef Jeff Bezos auch ein beliebtes Ziel für Trumps Tweets. Nun weitet er den Groll gegen den Online Riesen auf die gesamte Branche aus.

Doch seine heutige Kurznachricht zeigt, Trump lebt in einer anderen Welt. Er benutzt weder einen Computer, noch kauft er selbst ein, schon gar nicht online. Sein Tweet zeigt, Trump lebt in einer Welt, in der die Realität vorbeigleitet. So kann man auch die „Alternative Reality“ dieses Präsidenten besser verstehen. Sein „Make America Great Again“ Ruf ist das Zurückdrehen der Zeit auf die 1950er Jahre, als die USA ein weißes, ordentliches, gesittetes Land waren, eine Weltmacht, der keiner was tun konnte, in der scheinbar alles noch in Ordnung war. Im Rückblick verklärt Trump die Realität, so, als ob es damals auf der „Main Street“ keine Probleme gegeben hat.

Trump scheint auch nicht zu wissen, dass man  beim Einkaufen im Internet durchaus Steuern zahlen muss, selbst beim verhassten Giganten Amazon. Aber Fakten interessieren ihn nicht. Der Miliardär Trump präsentiert sich hier erneut als der Robin Hood der „Vergessenen“, wie er seine Anhänger gerne nennt. Das kommt an bei der Basis, bei jenen, die schon lange seine Weltsicht teilen. Die Spaltung Amerikas wird so nicht überwunden.

Donald Trump, der größte Präsident aller Zeiten

Keiner ist besser als Donald Trump. Foto: Reuters.

Ich kann mich eigentlich glücklich schätzen, dass ich in „God’s Country“ lebe, „the best place on earth“, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Wer kann das schon von sich sagen. Und nun haben wir auch einen Präsidenten, der historisch, einmalig, gnadenlos gut ist. Trump macht keine Fehler, er gibt sie auch nicht zu, vielmehr dreht er Kritik an ihm und seinem Verhalten ins Gegenteil um. Aber glauben Sie mir nicht, liebe Leserinnen und Leser, ich lasse Donald Trump einfach mit seinen eigenen Worten sprechen. Hier sind ein paar gesammelte Zitate des 45. Präsidenten. Von Donald Trump über Donald Trump. Und es wird schnell klar, dass niemand besser, erfolgreicher, klüger, engagierter, wichtiger war, ist und sein wird, als „unser“ Präsident. Nach dem Lesen der folgenden Zeilen werden Sie mir zustimmen, Präsident Donald Trump ist einmalig!

  • “I am the least anti-Semitic person that you’ve ever seen in your entire life.”
  • „Nobody has been tougher on Russia than I have.”
  • “I am the least racist person you have ever interviewed.”
  • “Nobody knows more about trade than me.”
  • “Nobody respects women more than I do.”
  • “Nobody loves the Bible more than I do.”
  • “Nobody’s better to people with disabilities than me.”
  • “I have one of the great temperaments.”
  • “There’s nobody that’s done so much for equality as I have.”
  • “With the exception of the late, great Abraham Lincoln, I can be more presidential than any president that’s ever held this office.”
  • “My I.Q. is one of the highest.”
  • “I am a stable genius.”
  • “I have one of the great memories of all time.”
  • “I was always the best athlete.”
  • “I  know more about the Islamic State than the generals.”
  • “I know more about taxes than anyone in the history of the world.”
  • “I am the most militaristic person ever.”
  • Die Russland Affäre ist “the single greatest witch hunt of a politician in American history.”
  • Und, “no politician in history . . . has been treated worse or more unfairly,” als Donald Trump.
  • Nach seiner Asienreise schwärmte er: “I received a red carpet like I think probably nobody has ever received.“
  • Nach seiner Rede in Polen: “It was the greatest speech ever made on foreign soil by a president.”
  • Trump über Trumps Minister: “by far the highest IQ of any Cabinet ever.”
  • Trump versteht die Gesetzgebung besser “than any president that’s ever been in office.”

Es brennt an allen Fronten

In gerade mal zweieinhalb Stunden schaffte es Donald Trump am Dienstag im eigenen Land die Grundfesten der Demokratie weiter auszuhöhlen und international die Lunte an gleich zwei Megakrisen zu halten. In gleich mehreren Tweets vollführte er den Rundumschlag gegen alles und jeden. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika will Medien, die ihm nicht passen, die keine Hofberichterstattung veranstalten, die kritisch über ihn und seine Adminstration berichten „auszeichnen“. Es geht ihm um „Unehrlichkeit“ und „schlechte Berichterstattung“ der „Fake News Medien“. Auf einer Veranstaltung am kommenden Montag will er seine „Preisträger“ verkünden. Was kommen wird ist klar, eine Schmusekurs mit FOXNews, Breitbart und Washington Times und eine Anprangerung der New York Times, der Washington Post, von CNN, NBC, ABC und CBS. Trump macht damit einen auf Erdogan. Der Schulterschluss zwischen King Donald und Sultan Recep.

Schon zuvor hatte Trump ausgeholt und das internationale Parkett für seine Verbalattacken genutzt. Erst die Palästinenser und dann Nordkorea. Er droht mit Kürzungen von Geldern und ganz offen mit einem nuklearen Schlag gegen das Kim-Regime. Trump zündelt auf dem Globus mal hier, mal da. Die Folgen sind noch nicht abzusehen, aber, dass dieser Kurs ein friedliches Ende finden wird, daran glauben in den USA immer weniger Menschen.

Donald Trump wird zum gefährlichsten Mann in Amerika, gerade weil er unkalkulierbar und populistisch regiert. Trump ist der Präsidenten seiner „Red States“ und sieht sich nicht als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Er regiert für seine Basis, die ihm zujubelt, egal, was für unlogische, gefährliche und schlichtweg falsche Entscheidungen er auch treffen mag. Die Frage, die ich mir immer öfters stelle ist, wie werden die USA nach diesem Präsidenten aussehen, der ein Land in kürzester Zeit zerlegt, verändert, unüberbrückbar spaltet? Ich kann, ich will es mir gar nicht vorstellen.

Wie wäre es mit einem Trump-freien Tag

Es ist ja nicht so, dass nichts in der Welt passiert. Eigentlich gibt es genügend Brennpunkte rund um den Globus, die beachtet werden sollten. Wer mich kennt oder wer hin und wieder dieses Blog liest, weiß, wovon ich spreche. Die Hungerkrise in Somalia, die katastrophale Situation im Ost-Kongo, die Not und das Leid im Niger und der gesamten Tschadsee Region. Gestern führte ich ein Interview mit Wolfgang Jamann, dem Geschäftsführer von CARE International. Er kam gerade von einer Reise in den Jemen zurück, jenem Land, das derzeit im Chaos versinkt, in dem sich zwei große regionale Mächte einen Stellvertreterkrieg liefern, in dem Millionen von Menschen Flüchtlinge im eigenen Land sind, in dem nun auch noch eine der größten Cholerakrisen der jüngsten Zeit ausgebrochen ist. Bis Ende des Jahres rechnen Gesundheitsexperten mit etwa 600.000 Fällen. Aber all das wird gerne übersehen. Wolfgang Jamann meinte dazu: „Aber eins ist auch klar, Jemen schickt keine Flüchtlinge nach Europa, hier gibt es zwei Millionen Vertriebene innerhalb des Landes und das heißt natürlich – und das wurde mir auch sehr klar und sehr deutlich vor Ort zur Kenntnis gebracht – dass hier die internationale Gemeinschaft nicht ganz so besorgt reagiert, wie das vielleicht in Ländern der Fall ist, wo ein Flüchtlingsexodus droht“.

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Und vor diesem Hintergund der harten Fakten, Nachrichten, Realitäten sitze ich hier jeden Morgen und lese das, was Donald Trump tagtäglich über Twitter raushaut und was anschließend über ihn berichtet wird. Trump ist im Dauerwahlkampf, er wütet, tobt, beleidigt, macht andere nieder. Das sind dann Meldungen, mit denen sich die New York Times, die Washington Post, CNN, FOXNews und am Ende auch ich beschäftige. Es sind Nullnummern, platte Aussagen, es sind wahrlich „Fake News“ im Trump-Zeitlalter. Denn seien wir mal ehrlich, auf politische Ergebnisse kann dieser Präsident bislang nicht verweisen. Außer viel heißer Luft hat er bislang wenig zu bieten, doch die hat so einige in Washington ins Schwitzen gebracht.

Was ich mir wünschen würde, wären Tage, an denen man wirklich nur über die Nachrichten berichtet, die es wert sind verbreitet zu werden. Nicht Trumps leeres Gepoltere und die darauf kommenden Reaktionen, sondern den Blick auf das zu richten, was wirklich wichtig ist. Die Hungerkatastrophe in Teilen Afrikas, der Krieg im Jemen oder auch die Heroinkrise in den USA, die Probleme von illegalen Einwanderern in diesem Land, die abgehängten Regionen in den Weiten der USA, die Gefährdung durch Raubbau der einzigartigen Natur in den Vereinigten Staaten. Davon sollte man mehr lesen und mitbekommen.

Es gibt sicherlich einige, die nun sagen „mach halt“. Aber so einfach ist das nicht, denn Leser und Hörer entscheiden mit, was geschrieben und berichtet wird. Das Interesse an einem Trump Bericht mit Nullinformationswert ist einfach höher als eine Reise nach Somalia, um über die dortige Hungerkatastrophe zu informieren. Genau so ist es, zumindest sehe ich das an den Klickzahlen im Blog, kann das an den Reaktionen auf Berichte und Features über Trump und solchen Reisen ablesen. Wenn man dem Trump-Wahn entkommen will, als Journalist und als Leser und Hörer und Zuschauer, dann geht das nur gemeinsam. Ein „Trump freier Sonntag“ im Monat wäre vielleicht der richtige Ansatz.

Der „Lord of the Lies“ und seine Halbwahrheiten

Donald Trump nimmt es nicht so genau mit der Wahrheit. Er beschuldigt zwar tagtäglich die New York Times, die Washington Post, CNN, NBC und viele andere im nicht gewillte Medien der Verbreitung von Lügen und „Fake News“, aber Trump selbst ist der König der Unwahrheiten. Ganz deutlich wird das, wenn man sich die Listen der „Fact Checkers“ in der Washington Post oder der New York Times durchliest. Da kommt der amerikanische Präsident Donald Trump in gerade mal 151 Tagen auf 669 Falschaussagen und Halbwahrheiten, hier nachzulesen.

Der „Lord of the Lies“, wie ihn die New York Times in einem Kommentar bezeichnete, bedient seine Wähler und Anhängerschaft per Twitter. Dort werden sie unterrichtet, dass er die Wahrheit in Person ist, der Messias, der das Land vor äußeren und inneren Angriffen retten wird, nur er hat recht, alle anderen verbreiten „Fake News“. Und die Millionen von Trumpisten, die ihn in Amt und Würden gewählt haben, stehen weiterhin an seiner Seite. Die Auflistungen in den namhaften Zeitungen, die Kritik an seinen eigenen „Fake News“, die großen Fragezeichen hinter den Skandalen und Skandälchen der Trump-Dynastie werden einfach übersehen, nicht wahrgenommen, bewußt übergangen.

Die Schere in Amerika geht immer weiter auseinander. Arm und reich, links und rechts, schwarz und weiß, Demokraten und Republikaner. Amerika ist ein gespaltenes Land und nichts und niemand wird dieses Land mehr zusammenführen. Die innere Spaltung ist zementiert. Das war schon so in den Vor-Trump Jahren und mit ihm wurde alles nur noch schlimmer. Die amerikanische Politik, die amerikanische Gesellschaft, die amerikanische Kultur, das alltägliche Leben in den USA wird nie wieder so sein, wie wir es mal kannten, zu kennen glaubten, in den vielen Heile-Welt-Filmen und -Serien vorgegaukelt bekamen. Man muss sich nur die aktuelle „Weekly Address“ des Präsidenten ansehen, dann wird klar, was Donald Trump schon jetzt angerichtet hat. Dieser Ton bestimmt nun den politischen Diskurs in den USA. Eine Abkehr oder Umkehr davon ist da nicht mehr möglich.

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Der „Fake News“-König

Erst warnte Donald Trump in einem Tweet, der geschasste FBI Direktor James Comey solle vorsichtig sein, was er sage, denn es könnte ja Tonbänder des Gespräches im Oval Office geben. Trump deutete damit an, dass er seine Gäste und Kommunikationen im Weißen Haus aufzeichnen lasse. Wochenlang ließ er danach offen, ob es solche Tonbandaufnahmen wirklich gibt. Trump ging sogar so weit und erklärte, er würde auch unter Eid vor einem Ermittlungsausschuss aussagen, so, als ob er dort seine Gesprächsmitschnitte vorspielen würde. Der Druck auf ihn wuchs, mehr und mehr Politiker beider Parteien verlangten, dass Trump diese Bänder veröffentlicht.

Doch nun – typisch Trump – legt er den Rückwärts- oder in seinem Fall den Ausweichgang nach vorne ein. Er wisse gar nicht, ob es Tonaufzeichnungen aus dem Oval Office gebe, so Trump in einem Tweet, aber verwundern würde ihn das nicht, nachdem ja jeder über Abhörmaßnahmen und illegale Weitergabe von Infomationen spreche. Trump sieht keinen Fehler in seiner „Fake News“ Verbreitung, vielmehr lebt er nach dem Motto: Ich mach‘ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt.

Donald Trump schaut zu viel FOXNews

Man stelle sich vor, Donald Trump wacht früh morgens alleine und im Seidenpyjama in seinem Bett im ersten Stock des Weißen Hauss auf. Seine Frau Melania ist ja noch in New York, wahrscheinlich teilen sie sich auch dort kein Schlafzimmer, denn der Donald hat die Angewohnheit nachts fern zu sehen und wild auf seinem Telefon rumzuhacken. Die Frisur ist an diesem Morgen etwas verschoben, Trump greift zur Seite, nimmt die Fernbedienung vom Nachttisch und schaltet den Fernseher an. FOXNews natürlich, denn das ist der Kanal, den der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika schaut, liebt und lobt.

Das ist nun ein etwas ausgeschmücktes Bild eines Morgens im Schlafzimmer des amerikanischen „Commander in Chiefs“. Fakt ist aber, dass Donald Trump den konservativen und verschwörerischen Nachrichtensender am liebsten sieht und das täglich. Das ist sogar nachweisbar, denn die Tweets zu Themen, die FOXNews am Morgen aufgegriffen hat, seien sie noch so abwegig, tauchen kurz darauf in Trumps 140 Zeichen Wutnachrichten auf, für alle Welt zu lesen.

Der Murdoch-Sender ist derzeit auf einer Mission: Trump schönreden, ihn als Opfer der verhassten „Mainstream Media“ darzustellen, ihn als klugen, weitsichtigen Mann zu präsentieren, als Washington-Außenseiter, als einen erfolgreichen Geschäftsmann, der seinen Weg geht und natürlich ist das der richtige Weg für Amerika. Bislang fehlt nur noch der morgendliche Kinderchor, der die Hymne anstimmt: „Make America Great Again“.

Donald Trump sieht sich als Opfer. In dieser Rolle fühlt er sich allerdings wohl. Denn aus dieser vermeintlichen Defensivposition kann er austeilen, wild um sich schlagen, Tiefschläge setzen. Und die setzt er nur zu gerne, auch wenn sie oftmals unüberlegt kommen. Seine Lieblingsgegner sind die Medien mit ihren „Fake News“, Barack Obama und Hillary Clinton, was wäre Trump nur ohne diese Hassbilder? Daran hält er fest, kommentiert, zwitschert sich einen und nutzt eigentlich jede öffentliche Rede, um wieder alte Geschichten aufzukochen und seien die schon längst vom Tisch gewesen. Trump hält zum Beispiel nach wie vor daran fest, dass Obama seinen Trump Tower in New York abhören ließ. Beweise dafür gibt es nicht. Sein Argument ist oftmals, „people are talking“, aber wer diese Leute sind, das sagt er nicht. Oder eigentlich doch mit seinen Tweets am Morgen – Moderatoren und Gesprächspartner auf FOXNews.

„A needy, whiny baby“

„A needy whiny baby“, „A moral midget“, „I’m sad for America tonight“, das sind einige der Kommentare nach der Rede von Donald Trump. Trump reiste nach Pennsylvania, um sich am 100. Tag seiner Amtszeit feiern zu lassen. Er kam, sah und lieferte genau das, was seine Fans hören wollten. Ersteinmal ging es zehn Minuten gegen die Medien, die „Fake News“, wie der amerikanische Präsident sie nennt. Allein das ist ein Armutszeugnis für diesen Mann. CNN, MSNBC, die New York Times bekamen besonders ihr Fett ab. Trump hat damit gezeigt, dass er noch immer kein Interesse daran hat, sich vom Wahlkämpfer zum Präsidenten zu wandeln. Auch andere Präsidenten vor ihm hatten ihre Kämpfe und ihre Meinungsverschiedenheiten mit der Presse. Aber alle, egal ob Reagan, Bush, Clinton, Bush, Obama waren sich einig in dem, was Barack Obama am Ende seiner Amtszeit zu den Korrespondenten des Weißen Hauses sagte: „America needs you and democracy needs you“. Das ist eine unumstößliche Wertschätzung!

Die Rede tat weh, zeitweise tat sie sogar sehr weh. Nicht nur, weil da ein Mann im Weißen Haus sitzt, den ich bei meiner ersten US Präsidentenwahl nicht gewählt habe. Es tat vor allem weh, weil da jemand das Amt des Präsidenten innehat, der bislang keinen Versuch unternommen hat dieses Land zu einen. Es geht noch nicht einmal um den politischen Graben, der in keiner Amtszeit überwunden werden kann. Das war so unter Bill Clinton, unter George W. Bush, unter Barack Obama und nun auch unter Donald Trump. Politisch wird man nie überein stimmen. Doch der Ton, den Donald Trump befeuert, die Stimmung, die er anheizt ist alles andere als die eines präsidialen Staatsmannes. Ich habe George W. Bush nicht gemocht, ich habe auch Ronald Reagan nicht gemocht, aber keiner der beiden Republikaner hätte jemals solch ein Rede gehalten, wie sie Donald Trump heute Abend gehalten hat: hasserfüllt, nachtretend, anstachelnd und voller bewußter Falschausssagen.

Trump ist ein narzistischer Selbstdarsteller, der solche Auftritte liebt. So füttert er sein krankhaftes Ego, wenn ihm die ausgewählte Masse zujubelt. Egal was er sagt, Trump wird von seinen Fans als Heilsbringer angehimmelt. „Lock her up“ und „Build the wall“, Trump lächelt nur zu diesen bescheuerten Rufen. Seine Wähler stehen nach wie vor zu ihm, sie sehen ihn als Washington-Außenseiter, als jemanden mit provokanten Forderungen, als jemand, der ihnen aus der Seele spricht. Jobs, Ausländer, Terrorangst. Ein bißchen Rassismus darf ruhig sein, auch das liefert Trump.

Diese Rede zeigt den kritischen Punkt, den Amerika heute erreicht hat. 100 Tage Donald Trump sind nicht Anlass zum Rückblick, auf das, was Trump bislang schon alles gemacht, erreicht und angerichtet hat. Diese 100 Tage Marke ist für mich mehr ein Grund sorgenvoll nach vorne zu blicken. Denn was da noch auf uns zukommen wird – auf Amerikaner und die internationale Gemeinschaft – verspricht nach diesem Samstagabend nichts Gutes.