Regieren muss wohl doch gelernt sein

Der Sultan zu Gast beim King. Foto: Reuters.

Der Besuch des türkischen Präsidenten Erdogan rückte in den Hintergrund. Recep Tayyip Erdogan wurde zur Randfigur an diesem Tag, was dem Ego des Sultans vom Bosporus nicht gerade gut tun wird. Aber, mal wieder ging es nur um Donald Trump, Russland und seine Art des Regierens.

Am Dienstag kursierte die Nachricht, dass Trump im Februar in einem vertraulichen Gespräch mit dem damaligen FBI Direktor James Comey versucht haben soll, diesen von Ermittlungen gegen den geschassten Sicherheitsberater Michael Flynn abzubringen. Flynn sei “ein guter Kerl”, so Trump und seinen Job im Weißen Haus los, von daher sollten die Ermittlungen über dessen Russland Verbindungen eingestellt werden. Comey und das FBI sollten sich stattdessen lieber den durchgesickerten Informationen aus dem Weißen Haus zuwenden, irgendein Reporter, so Trump, müsste dafür ins Gefängnis.

Dieser neue Dreh in der Trumpschen Endlossaga Russland kommt, nachdem Eingeweihte bei der Bundespolizei FBI und im Justizministerium Pressevertretern erklärten, Comey habe nach dem Treffen mit dem Präsidenten ein Protokoll über sein Gespräch mit Trump angefertigt. Comey habe dies immer so als FBI Direktor getan. Der zweiseitige Bericht wirft kein gutes Licht auf Donald Trump, der hier anscheinend versuchte, unerlaubterweise Einfluss auf die Ermittlungen gegen Michael Flynn zu nehmen.

Das Weiße Haus allerdings, wie nicht anders zu erwarten, widersprach umgehend dem Bericht und erklärte am Dienstagabend, Donald Trump habe zu keinem Zeitpunkt versucht auf irgendeine Ermittlung Einfluss zu nehmen. Weiter hieß es, Zitat: “Dies ist keine glaubhafte und präzise Wiedergabe des Gesprächs zwischen dem Präsidenten und Mister Comey”. Und am Abend legte Sean Hannity, inoffizieller Sprecher von Donald Trump nach, in dem er in seiner Sendung auf FOXNews erklärte, Comey sei „nur ein verärgerter und gefeuerter FBI Direktor“. Nichts sei an den Berichten wahr.

Unterdessen fordern die Demokraten im Senat und mehr und mehr genervte republikanische Abgeordnete und Senatoren, dass Trump sowohl die vermeintlichen Audio-Mitschnitte aus dem Oval Office und James Comey sein Protokollbuch für die weiteren Ermittlungen zur Verfügung stellen. Washington gleicht in diesen Tagen einem Hühnerhaufen. Es geht nur noch um Skandale und wer was wie und wann gesagt haben soll. Vom Regieren sind Donald Trump und die Republikaner derzeit meilenweit entfernt.

Warum regt sich jeder so auf?

Die einen sprechen von einer Verfassungskrise, Nachrichtensender unterbrechen ihr Programm und bringen in Sondersendungen die Hintergründe der Geschichte. Andere wischen die Geschichte einfach vom Abendbrottisch. Das Weiße Haus wolle dazu nicht mehr sagen, als das, was in einem kurzen Statement steht, hieß es am Dienstagabend. Feierabend. Der FBI Direktor James Comey wurde entlassen. Punkt. Und Donald Trump versteht die ganze Aufregung nicht. Immerhin, so Trump, wurde Comey weder von den Republikanern noch den Demokraten in Washington geschätzt:

Donald Trump zeigt hier, dass er so gar keine politische Weitsicht hat. Denn die Gründe, die sein Justizministerium und er selbst zum Rauswurf von Comey anführen, sind lächerlich. James Comey sei entlassen worden, weil er sich im Umgang mit dem Hillary Clinton Email Skandal falsch verhalten habe. Trump selbst hatte Comey dafür niedergemacht, um ihn an anderer Stelle in höchsten Tönen zu loben. Eben so, wie es ihm gerade im Wahlkampf gegen Hillary Clinton passte.

Nun ist Comey also weg und es hat den bitteren Beigeschmack, dass Trump hier jemanden vor die Tür gesetzt hat, der nach wie vor dienstlich der Frage nach ging, ob Trump und die Trumpisten enge Kontakte zu Russland und Putin hatten. Das wischte der Donald zwar immer als „Fake News“ vom Tisch, aber Belege dafür liegen vor, wie die Kontakte seines ersten Sicherheitsberater Michael Flynn. Unklar ist dabei nach wie vor, inwieweit sich Flynn mit Trump und dessen Umfeld abgesprochen hat.

Der Präsident muss nun einen neuen FBI Direktor ernennen. Eigentlich sollte es ein überparteilicher Kandidat sein, der dann für zehn Jahre seinen Job als Chef der Bundespolizei machen soll. Doch jeder Kandidat, der nun aus dem Oval Office ernannt werden wird, hat ein riesiges Problem. Wenn er die Russlandconnection nicht weiter verfolgen will und wird, sieht das nach einer direkten Absprache mit Trump aus. Ein FBI Direktor darf nicht zur Marionette des Präsidenten werden, doch das ist derzeit die große Gefahr in der amerikanischen Demokratie. Sowieso müsste eigentlich ein unabhängiger Ermittler der Frage nachgehen, was es mit den Verbindungen zwischen Trump und Russland auf sich hat, doch dagegen wehren sich das Weiße Haus und (noch) die republikanische Mehrheit im Kongress. Warum eigentlich?

Hillary Trump oder Donald Clinton?

Für viele Amerikaner wird die Wahl im November zu einer Unwahl. Hier der lärmende und selbstverliebte Milliardär, der voller schwachsinniger Einzeiler ist, aber keinen Plan hat. Dort eine Kandidatin, die seit Jahrzehnten einen ganzen politischen Leichenkeller angehäuft hat, und die nun wieder einmal der Lüge überführt worden ist. Zwar sollte man, so das FBI, gegen sie strafrechtlich nicht ermitteln, aber das Ergebnis der FBI-Untersuchungen könnte Clinton noch mehr schaden, als eine klare Anklage.

Kann hinter diesem Lächeln eine Lügnerin stecken? Foto: Reuters.

Kann hinter diesem Lächeln eine Lügnerin stecken? Foto: Reuters.

Denn ohne Anklage sieht es so aus, als ob die Obama-Administration den ganzen Email-Skandal verharmlose, Clinton über das Gesetz stellt und einfach zur Tagesordnung übergehen will. Die Republikaner und vor allem die konservativen Medien, wie FOXNews, stürzen sich bereits auf die „lügende“ Kandidatin. Und das wohl zu Recht, wenn man sich die Ausführungen des FBI Direktors James B. Comey am heutigen Dienstag anhört. Clinton habe Sachverhalte falsch dargestellt, untertrieben, nicht alle Mails übermittelt und vor allem, eine Person in ihrer Funktion hätte die Sicherheitsbedenken eines privaten Email Servers richtig einschätzen müssen, vor allem auch, da sie diesen auch im Ausland nutzte. Zwar habe das FBI keine Belege finden können, dass Dritte Zugang zu den teils geheimen Dokumenten hatten. Aber ganz auszuschließen sei das nicht, so Comey.

Kein Wunder also, dass Sean Hannity, Rush Limbaugh und Co eine Verschwörung wittern. Eigentlich, das ist auch klar, wäre ein Tag wie heute, das Ende der Kandidatur für einen Politiker. Clinton, obwohl mit Freispruch, wurde für schuldig befunden. Und doch, sie wird wohl mit diesem politischen Erbe und als FBI-dokumentierte „Lügnerin“ ins Weiße Haus einziehen. Einfach aus dem Grund, weil ihr Kontrahent ein noch größerer Lügenbaron ist. Was er erzählte und erzählt, dann über den Haufen geworfen hat und wirft, mit welchen gewagten Aussagen er Wahlkampf führt, schreckt viele Amerikaner ab. So sehr, dass sie lieber die ungeliebte Lügnerin Clinton im Oval Office sehen wollen, als einen Egomanen Trump als „Commander in Chief“.

Rekord folgt auf Rekord

„Es ist nicht normal. Genug ist genug“. Das sind die Worte von Präsident Barack Obama nach der jüngsten Schießerei in Colorado Springs. Drei Menschen wurden getötet, neun weitere zum Teil schwer verletzt, nachdem ein Bewaffneter eine „Planned Parenthood“ Abtreibungsklinik stürmte. Obama forderte am Tag danach strengere Waffengesetze. Mal wieder. Und mal wieder werden die Worte tatenlos verhallen. Die Botschaft ist klar: „Mister President, es ist bittere Normalität“.

Jede Sekunde gab es am "Black Friday" zwei Waffenkäufe. Foto: AFP.

Jede Sekunde gab es am „Black Friday“ zwei Waffenkäufe. Foto: AFP.

Am Tag nach Thanksgiving, als Robert Lewis Dear zu seinem Amoklauf aufbrach, tummelten sich Millionen von Amerikanern in den Shopping Malls, den Einkaufspassagen, den Warenhäusern quer durchs Land. Der sogenannte „Black Friday“ ist der wichtigste Tag für den amerikanischen Einzelhandel. Mit Tiefpreisen und Sonderangeboten werden die Käufer in die Läden gelockt. Und dieser letzte „Black Friday“ ging auch in die Geschichte ein, als der Tag mit den meisten Waffenverkäufen. In den 24 Stunden des 27. November 2015 registrierte das „National Instant Criminal Background Check System“ des FBI 185.345 Anträge für einen Waffenkauf. So viel, wie noch nie zuvor, 5 Prozent mehr als am „Black Friday“ 2014. Damit wurde der Rekord vom 21. Dezember 2012 eingestellt. Damals wurden kurz nach dem Amoklauf in der Sandy Hook Grundschule in Newton, Connecticut 177.170 Knarren an nur einem Tag verkauft.

Amerika ist schwer bewaffnet und wird es auch bleiben. Daran ändern weder Massenschießereien, Amokläufe, Bandenkriege noch schöne und besorgte Worte von Politikern nichts. Seit 1998 wurden in den USA mehr als 220 Millionen Schußwaffen verkauft. Das ist keine Zahl, die ich mir ausgedacht habe, das ist eine trockene Statistik, die das FBI verbreitet. Genug ist genug ist eben nicht genug. Robert Lewis Dears Attentat auf die Klinik von „Planned Parenthood“ war kein Einzelfall. Es war die 359. Massenschießerei in diesem Jahr.

Terrorattacke oder Spaßkommando

Sony Pictures hat derzeit den Kragen voll. Lachen Fehlanzeige. Vor vier Wochen knackten Hacker das System des Filmgiganten und klauten, was zu klauen ist. Daten von Mitarbeitern, Emails, fertig produzierte Filmdateien, Previews, Projektideen und, und, und. Dahinter wird die nordkoreanische Regierung vermutet, die zuvor erklärte, die Komödie „The Interview“ mit  Seth Rogen und James Franco in den Hauptrollen, sei eine „Kriegserklärung“. Produziert wurde der Film von Sony.

In Los Angeles wurde der Streifen bereits gezeigt, in New York sollte an diesem Donnerstag die Premiere stattfinden und US weit eine Woche später anlaufen. Doch es sieht nicht gut aus für den Klamaukstreifen. Unbekannte, die auch hinter dem Hackerangriff stehen, haben nun den Kinounternehmen gedroht, die den Film zeigen wollen, Anschläge auf die Kinos durchzuführen. „Carmike Cinemas“, ein Kinobetreiber mit 247 Filmsälen im Land, hat bereits einen Rückzieher gemacht und den Film aus dem Programm genommen. Die beiden Hauptdarsteller Rogen und Franco haben alle öffentlichen Werbeauftritte für „The Interview“ abgesagt.

Und nun klagen auch noch unzählige ehemalige Mitarbeiter gegen Sony, die dem Unternehmen mangelnde Datensicherung vorwerfen. Die Unbekannten haben bereits 32.000 Mails veröffentlicht. Sie nennen sich „Guardians of Peace“, kurz GOP, was in den USA für die republikanische Partei die Grand Old Party steht.

Das FBI und das „Departments of Homeland Security“ sind nun eingeschaltet, Hinweise auf den oder die Täter gibt es bislang noch nicht. Auch keine konkreten Hinweise auf Anschlagsziele in den USA. Falls wirklich das nordkoreanische Regime hinter der Cyber Attacke stecken sollte, wäre das eine deutliche Warnung an US Unternehmen und die Regierung in Washington. Kim Jong Un versteht wahrlich keinen Spaß, wenn es um seine Person geht. Schade eigentlich!

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Auf den Spuren der „Black Panthers“

Ecke 55th/Market in Oakland. Erinnerungstafel an die Aktion der "Black Panther Party".

Erinnerungstafel an die Aktion der „Black Panther Party“.

Derzeit arbeite ich an einem Bericht über die „Black Panther Party“. Oakland war in den 60er Jahren ein Zentrum des schwarzen Widerstands und Nationalismus. Ausgehend vom Attentat auf Malcolm X formte sich die Partei der „Black Panther“. Die Mitglieder traten bewaffnet und uniformiert auf, setzten sich für die afro-amerikanischen Nachbarschaften im ganzen Land ein und gingen keiner Auseinandersetzung mit Polizei und Staat aus dem Weg. FBI Chef Hoover stufte die „Black Panthers“ als terroristische Organisation ein, ließ sie unterwandern und brutalst gegen sie vorgehen.

Die „Black Panthers“ veränderten Amerika. Sie organisierten die „Communities“, die Studenten an den Universitäten und galten für viele andere ethnische Gruppen als Vorbild. Ganz bewußt suchten sie den Schulterschluß mit anti-imperialistischen und anti-kapitalistischen Gruppen und Bewegungen in aller Welt.

Ecke 55th/Market in Oakland.

Ecke 55th/Market in Oakland.

Zu dem Thema hatte ich heute ein Interview mit dem Schriftsteller Ishmael Reed. Es ging dabei vor allem um die Veränderung der schwarzen Literatur durch die radikale Politisierung der Afro-Amerikaner in den 60ern. Reed wurde u.a. mit dem „Genius Award“ der MacArthur Stiftung ausgezeichnet, war Herausgeber von Literaturmagazinen und Anthologien und Professor an der UC Berkeley.

Im Gespräch wies er darauf hin, das gleich bei ihm um die Ecke eine der wichtigen Aktionen der „Black Panthers“ durchgeführt wurde. Im Jahr 1967 weigerte sich die Stadt Oakland eine Ampelanlage vor einer Grundschule einzurichten, obwohl dort an der Ecke 55th Street/Market Street mehrere Kinder zum Teil schwer von vorbeirasenden Autofahrern verletzt wurden. Den Eltern wurde immer wieder erklärt, die Ampel werde kommen, aber erst in eineinhalb Jahren. Die „Black Panthers“ mischten sich ein und übernahmen die Verkehrskontrolle an der Kreuzung. Sicher brachten sie die Schulkinder jeden Morgen und nach Schulende über die Straße. Die Stadtverantwortlichen mußten auf diese Art Protest reagieren. Die Ampel kam ein Jahr früher. Noch heute erinnert eine offizielle Tafel an dieser Kreuzung an die Aktion der „Black Panthers“ von 1967. Oakland ist eine Stadt voller Geschichte und Geschichten. Der Weg und der Blick von San Francisco über die Bay lohnt sich auf alle Fälle.

Operation „Project Southbound“

Amerika hat ein Gangproblem. Eigentlich nicht nur eines, denn zahlreiche Kommunen und Regionen in den USA werden von Gangs kontrolliert. Nun gehen die Behörden immer gezielter und geeinter gegen gewaltsame Gruppierungen vor, vor allem jene, die internationale Verbindungen haben. Geleitet werden diese Aktionen von ganz oben, vom Homeland Security Ministerium. Der jüngste Schlag kam im März/April. 638 Gangmitglieder in 179 Städten wurden verhaftet. Seit 2005 sollen bereits 33.000 Gangmitglieder in Haft genommen worden sein.

Die jüngste Aktion, „Project Southbound“, richtete sich gegen die „Surenos“, eine Dachorganisation von Gangs, die enge Verbindungen zu Lateinamerika unterhalten. Allen voran „Mara Salvatrucha“, besser bekannt als“ MS-13″, die rund 10.000 Mitglieder stark sein und eine starke Präsenz im Großraum Los Angeles und der San Francisco Bay Area haben soll. MS-13 wurde in den 80er Jahren in Südkalifornien von Einwanderern aus El Salvador gegründet, die ihre Gang als Schutztruppe für Immigranten aus El Salvador ansahen. Die Kampferfahrungen aus dem dortigen Bürgerkrieg brachten den Mitgliedern jedoch schnell einen Ruf auf den Straßen rund um Los Angeles ein. Mord, Drogen- und Waffenhandel, Zwangsprostitution und Menschenhandel. MS-13 schreckte und schreckt vor nichts zurück. Opfer wurden schon mal mit Macheten zerteilt.

Homeland Security hat seit Jahren die Führung im Kampf gegen die Gangs unternommen, da viele Banden im engen Kontakt mit den mexikansichen Syndikaten stehen und den Drogenkartellkrieg südlich der Grenze in Städte und Gemeinden in den USA verlagern. Der Gangkrieg zwischen Los Angeles und Washington DC ist mittlerweile zur Chefsache geworden, was auch die jüngsten Verhaftungszahlen belegen.

Kaliforniens Demokraten haben ihren Skandal

Dem kalifornischen Senator Leland Yee droht eine längere Haftstrafe. Yee ist nicht irgendein Politiker in Kalifornien. Er sollte und wollte „Secretary of State“ werden, quasi der kalifornische Außenminister. Eine wichtige Position im „Golden State“. Doch damit ist es nun vorbei. Am Dienstag durchsuchten FBI Agenten seine Büros in Sacramento und San Francisco, sein Haus im Sunset Distrikt von San Francisco und andere Örtlichkeiten, verhafteten neben Leland Yee auch 25 weitere Verdächtige. Vorgeworfen wird dem einflußreichen Demokraten und anderen in diesem kriminellen Zirkel eine Latte an Straftaten, die von Waffenschmuggel, Korruption, bis Auftragsmord und Drogenhandel reichen. Mit verdächtigt werden Mitglieder eines chinesischen Syndikats, das von Chinatown in San Francisco aus enge Kontakte nach Asien unterhielt. Seit den 80er Jahren versuchte das FBI dieses Syndikat zu knacken.

Leland Yee wird vor allem durch direkte Treffen mit Undercover Agenten belastet. Ihnen soll der Senator im Gegenzug für Wahlkampfspenden Maschinengewehre und Raketenwerfer angeboten haben. Die 137 Seiten umfassende Anklageschrift liest sich wie das Drehbuch eines Hollywoodstreifens. Enge Verquickung zwischen Politik und internationalen kriminellen Vereinigungen, die bis nach Asien und Russland reichen. Ein korrupter Senator, der Waffen liefern will, doch in der Öffentlichkeit dafür bekannt ist, strengere Waffengesetze durchgesetzt zu haben. Dazu Undercover Agenten, die jahrelang verdeckt ermittelten. Und dann kam der laute Schlußpunkt in dieser Saga mit einem verdutzten Leland Yee vor den Fernsehkameras, der so gar nicht verstehen wollte, was da gerade passierte.

Die demokratischen Führungen im Abgeordnetenhaus und Senat in Sacramento zeigten sich geschockt von diesen Anschuldigungen und forderten Lee umgehend auf, seine Ämter niederzulegen. Yee ist derzeit auf Kaution im Freien. 500.000 Dollar und seinen Reisepass mußte er bei Gericht hinterlegen. Im Strudel der Ermittlungen droht den Demokraten weiterer Schaden. Und dieses Jahr ist ein Wahljahr in Kalifornien.

Rand Paul klagt für mich

Rand Paul ist ein erzkonservativer Republikaner, einer der von der Tea Party Bewegung geliebt wird. Rand Paul wird wohl auch 2016 für das Weiße Haus kandidieren. Und Rand Paul klagt nun für mich, denn ich habe ein Telefon. Sogar zwei, damit bin ich höchstverdächtig für die Abhörspezialisten der National Security Agency, NSA. Meine Metadaten werden gesammelt, also wen ich und wie lange anrufe, und wer mich und wie lange anruft. Vor ein paar Tagen habe ich in der Zentralafrikanischen Republik angerufen, das war sicherlich sehr auffällig.

Nun klagt also Rand Paul für „everyone in America that has a phone.“ Der Republikaner ist der festen Überzeugung, dass die breiten Abhörmaßnahmen illegal und verfassungswidrig seien. Die Obama Adminstration verletze Artikel 4 der Verfassung, der besagt: „Das Recht des Volkes auf Sicherheit der Person und der Wohnung, der Urkunden und des Eigentums vor willkürlicher Durchsuchung, Festnahme und Beschlagnahme darf nicht verletzt werden, und Haussuchungs- und Haftbefehle dürfen nur bei Vorliegen eines eidlich oder eidesstattlich erhärteten Rechtsgrundes ausgestellt werden und müssen die zu durchsuchende Örtlichkeit und die in Gewahrsam zu nehmenden Personen oder Gegenstände genau bezeichnen.“

Die Klage richtet sich namentlich gegen Präsident Barack Obama, den Direktor der National Intelligence James Clapper, NSA Direktor Keith Alexander und FBI Direktor James Comey. Das Weiße Haus zeigte sich zunächst gelassen und verwies darauf, dass das Abhörgesetz Teil des Patriot Acts sei und vom damaligen Präsidenten George W. Bush unterzeichnet wurde. Auch hätten bislang alle Gerichte die Rechtmäßigkeit und Verfassungskonformität der staatlichen Spitzeleien festgestellt. Mit der andauernden Debatte über die Aktivitäten der NSA wird auch deutlich, dass es einen tiefen Graben innerhalb der republikanischen Partei gibt. Die Führung ist für die Abhörmethoden. Der libertäre Flügel der Partei hingegen lehnt die Staatsschnüffelei gegen die eigenen Bürger strikt ab.

My Country, My Gun, My Right

71 Menschen in 90 Sekunden. 12 Tote, 59 Verletzte. Das ist die Bilanz des Massakers von Aurora. Es wären wohl mehr gewesen, wenn das Schnellfeuergewehr AR-15 des mutmaßlichen Schützen James Holmes nicht blockiert hätte. Eigentlich sollte es gar nicht mehr möglich sein, diese Art von Gewehren zu erwerben, denn bereits 1994 unterzeichnete der damalige Präsident Bill Clinton ein Gesetz zum Verkaufsstopp für diese Art Schußwaffen. Doch das Gesetz lief 2004 unter dem Nachfolger George W. Bush aus. Und seitdem gab es mehrere Versuche es zu erneuern, doch vergeblich.

Nun, nach der Schießerei in Aurora, wird ein neuer Anlauf unternommen. Mehrere Demokraten, darunter die kalifornischen Senatorinnen Dianne Feinstein und Barbara Boxer, wollen das Verbot wieder in Kraft treten lassen. Die New Yorker Demokratin Carolyn McCarthy, deren Sohn erschossen wurde, warf der Waffenlobby National Rifle Association (NRA) vor, dass sie mit der Angst der Leute spiele und Abgeordnete unter Druck setze. „Jeder kann auch weiterhin an Thanksgiving auf die Jagd gehen, auch wenn Sturmgewehre verboten sein sollten, denn diese sind nur dazu da, so viele Menschen wie nur möglich in kürzester Zeit zu töten“, so McCarthy.

Aber die Message scheint bei den knarrenverliebten Amerikanern nicht anzukommen. Allein in Colorado stiegen die Anfragen auf Hintergrundchecks bei Waffenkäufen seit dem Massaker um 41 Prozent. Allein am vergangenen Wochenende erhielt das FBI 2887 solcher routinemäßiger Anfragen von Waffenhändlern. Ihnen werden derzeit die Türen eingerannt, so die Gun Shop Besitzer. Viele Kunden hätten Angst, dass Präsident Barack Obama im Falle eines Wahlsieges seine zweite Amtszeit dafür nutzen würde, das „Recht auf Waffenbesitz“ einzuschränken.

Der sprunghafte Anstieg von Waffenverkäufen nach solchen Amokläufen ist in den USA nichts neues. Als im vergangenen Jahr in Arizona die demokratische Abgeordnete Gabrielle Giffords im Kugelhagel von Jared Loughner schwer verletzt und dabei auch noch weitere Menschen getötet und verwundet wurden, stieg unmittelbar darauf der Waffenverkauf in Arizona um 60 Prozent.

Amerikaner lieben ihre Knarren, wie auch das Bild einer Waffenliebhaberin mit ihrem speziell lackierten aber funktionstüchtigen Sturmgewehr AR-15 zeigt – dieses Modell kam auch in Aurora zum Einsatz. Die „Love for Guns“ läßt sich in einer Zahl gut auszudrücken. Im Weihnachtsmonat Dezember 2011 wurden in den USA eine Million Fünfhundertvierundreissigtausend Vierhundert und Vierzehn Pistolen und Gewehre verkauft. Noch Fragen!?