It’s the end of the world as we know it…

Nun mußte er auch gehen. Mit großem Bedauern habe ich von der letzten Kündigungswelle im Funkhaus Nürnberg erfahren, denn unter denen, die nun vor die Tür gesetzt wurden, war mein „Radio-Ziehvater“, dem ich sehr viel zu verdanken habe. Ich erinnere mich noch an meine ersten Schritte im Hörfunk, damals bei Radio Gong in der Inneren-Kramer-Klett-Straße. Ich machte dauerhaft Frühdienst mit R.K., jeden Morgen um halb fünf begann die Schicht. Wir hatten Zeit über vieles im Radio zu sprechen. Oftmals nach dem Dienst gingen wir noch auf einen Kaffee in die Meisengeige, unterhielten uns, tauschten uns aus über Beiträge, Nachrichten, Gehörtes. Und irgendwann meinte R. zu mir, „Radio, das ist Theater im Kopf“.

Und wie recht er hatte. Dieser Satz begleitete mich und begleitet mich noch immer in meiner beruflichen Laufbahn. Egal ob in Kurzbeiträgen für Privatsender oder in Einstundenfeatures für öffentlich-rechtliche Hörfunkanstalten, Radio ist „Theater im Kopf“, wenn man es denn will. R. redete nicht nur, er zeigte mir auch, was er meinte. Ein Begleiter in den Anfangsjahren, den ich jedem Berufsanfänger nur wünschen würde.

Doch es ging in diesen Gesprächen nicht nur um das Handwerk, wir redeten auch über die Verantwortung als Journalist, wie leicht es ist als Radiomann, Dinge zu verändern, Stimmung zu machen, einseitig zu berichten. Nie wieder wurde mir in meiner Ausbildung zum Radioredakteur im Funkhaus Nürnberg so deutlich gemacht, was Ethik im Journalisms bedeutete. R. bereitete mich für das Leben als freier Journalist und Korrespondent vor.

Das hier soll jetzt kein Nachruf sein. Oder vielleicht gerade doch. Ein Nachruf auf die journalistische Qualität im bayerischen Lokalradio und besonders im Funkhaus Nürnberg. Über die Jahre wurden viele Journalisten in diesem Radioverbund gegangen, die Qualität auf die Sender brachten. Die gerne mehr Programm wollten, Qualitätsprogramm. Die jungen Nachwuchskräften halfen, ihnen mit Fachwissen und Rat zur Seite standen.

Als jemand, der aus dem Funkhaus Nürnberg kommt, der dort als der erste Volontär ausgebildet wurde, verbindet mich viel mit diesen vier Sendern, für die ich damals arbeitete. Und ich höre immer mal rein übers Webradio und sowieso, wenn ich in Nürnberg bin. Doch was ich höre gleicht einer Dauerwerbesendung. Zwischen den einzelnen Werbeblöcken werden Musik und Wortbeiträge geschalten. Wortbeiträge, mehr ist es nicht mehr. Ganz banal und immer Witzi-Spritzi-Heiterkeit. Natürlich ist das Funkhaus Nürnberg ein kommerzielles Unternehmen, natürlich muß auch hier gespart werden. Doch die Entwicklung, die im Privatfunk mit Siebenmeilenstiefeln voran getrieben wird, ist der Todesstoß des Radios. Die Qualität bleibt links liegen. Schade, sehr schade. Doch verständlich, wenn man die guten Leute, diejenigen, die diese Sender mit ihrer Stimme aufgebaut haben, gehen läßt, oder sie aus Kostengründen vor die Tür setzt. Praktikanten und Volontäre sind billiger, keine Frage.

Doch Radio ist mehr als Nebenbeibeschallung. Auch ein Privatsender kann anspruchsvoller Hörfunk sein. Es benötigt nur den Mut, neue Wege in der Programmgestaltung, der Vermarktung, der Einbeziehung von Zielgruppenzu zu gehen, ja auch in Fragen des Werbeverkaufs. Die eingeschlagenen Pfade, nicht nur im Funkhaus Nürnberg, sind leider die falschen.

Die Frauen von Juarez

Im Frühjahr war ich mit meiner Kollegin Anja Bühling in Ciudad Juarez, um mehr zu erfahren über die Situation von Frauen in dieser nordmexikanischen Grenzstadt. Seit Anfang der 90er Jahre verschwanden Hunderte von Frauen. Dutzende wurden ermordet, vergewaltigt und verstümmelt in der Wüste gefunden, der Großteil der zumeist jungen Frauen blieb jedoch spurlos verschwunden. Keiner weiß, was wirklich geschah und noch immer geschieht. Etliche Theorien kursieren, von Massenmördern über religiöse Sekten bis hin zu Menschenhandel ist die Rede. Die Behörden gehen jedoch nur selten einem Fall nach.

Unser Feature erzählt die Geschichte der verschwundenen Frauen von Juarez und beschreibt die aktuelle Situation. Das Feature wurde auf SWR2 ausgestrahlt:

Die Frauen von Juarez     

Tod und Anarchie in Juarez

Ciudad JuarezÜber die Situation im nordmexikanischen Ciudad Juarez wird in diesen Tagen viel berichtet. Ein erneutes Massaker an Jugendlichen geht durch die Nachrichten…

Vor einigen Monaten besuchte ich die Grenzstadt zu El Paso. Als ich dort war, wurden täglich „nur“ zehn Menschen ermordet. Mittlerweile ist die Situation erneut außer Kontrolle geraten. 20-30 Menschen werden in Juarez täglich Opfer von Gewaltverbrechen…..und ein Ende ist nicht in Sicht.

Zum Nachhören hier das SWR/DRS-Feature. Reise in eine Stadt, die im Chaos versinkt:

Besuch in Ciudad Juarez     

SWR2 RadioTipp: Ciudad Juarez

Das SWR2 Feature über die Reise nach Ciudad Juarez kann man nun hier anhören.

Über die Situation in der mexikanischen Grenzstadt hatte ich auch ausführlich in der NZ berichtet:

SWR2 Feature
„The perfect storm“

Sendung am Mittwoch, 14.07.2010, 22.05 bis 23.00 Uhr
Juarez, eine Stadt versinkt im Chaos
Von Arndt Peltner
Ciudad Juarez ist eine mexikanische Grenzstadt, gleich neben El Paso, Texas, USA. Eineinhalb Millionen Menschen wohnen hier. Noch vor wenigen Jahren war sie ein beliebtes Ausflugsziel und Partyzone für Amerikaner und Mexikaner gleichermaßen. Juarez war das Musterbeispiel einer funktionierenden „Global Economy“, es herrschte Vollbeschäftigung, die Wirtschaft boomte und machte die Stadt zum Dreh- und Angelpunkt zwischen Nord- und Mittelamerika.
Das änderte sich schlagartig im Januar 2008, als zwei mexikanische Drogenkartelle einen offenen Krieg um die Transportwege in die USA eröffneten und für die Stadt „the perfect storm“ losbrach. Nahezu 5500 Menschen hat er bisher das Leben gekostet und Ciudad Juarez zur gefährlichsten Stadt der Welt gemacht, noch vor Bagdad und Kabul. Brutale Gangs schalteten sich ein und beförderten den offenen Fall der Stadt ins Chaos. Die Arbeitslosigkeit stieg auf 25 Prozent, der Tourismus ist vollständig zusammen gebrochen, die Elite der Stadt hat das Weite gesucht. Und der Bürgermeister hofft, das Ruder rasch herumreißen zu können.

Seattle und Nirvana (Ein Audio Feature)

Auf der Suche nach einem Interview stiess ich in meinem Audio-Archiv auf ein altes Feature, das ich mal produziert hatte: „10 Jahre nach Nirvanas Nevermind“. Auf den ipod geladen, ging ich damit zum Laufen und hörte mir das ganze nochmal an…Es ist eine Soundcollage ohne Sprechertext, also brauchte ich mir nicht selber zuhören – Gott sei Dank!!! Aber da ich damals einige sehr interessante Gesprächspartner vors Mikro bekam, dachte ich mir, das könnte auch einige Leser/Hörer im NZ-Blog interessieren.

Nirvanas Nevermind