Was kauft man(n) am „Black Friday“

Der „Black Friday“, der Tag nach Thanksgiving, ist der Einkaufstag in den USA. An diesem Freitag wird der Weihnachtsverkauf eingeläutet, die Käufer werden mit massiven Sonderangeboten in die Läden gelockt. Vom Fernseher bis zur Spielekonsole, vom Sessel bis zum Regenmantel, es scheint, die Lagerhallen der Kaufhäuser müssen mit aller Gewalt geleert werden.

"America's Gun", das AR-15 Sturmgewehr ist eine der beliebtesten Schußwaffen in den USA.

„America’s Gun“, das AR-15 Sturmgewehr ist eine der beliebtesten Schußwaffen in den USA.

Und wenn so ein Tag wie der „Black Friday“ auch noch mit einem Ereignis, wie dem Urteilsspruch in Ferguson zusammen trifft, dann will auch die Waffenindustrie nicht zurückstecken und mitverdienen. Mit bis zu 30 Prozent Nachlass wurde „America’s Gun“ beworben. Die Unruhen in Ferguson, Oakland und anderen amerikanischen Städten, die aufgebrachten „schwarzen“ Mobs zeigten wohl einigen, man sollte sich besser auf den Tag X vorbereiten. 175.000 Waffen wurden an diesem „Black Friday“ verkauft. So viele Anträge gingen beim FBI ein, die prüfen müssen, ob der Käufer vorbestraft ist und somit keine Knarre erwerben darf. Damit gingen pro Sekunde drei Anträge bei den Behörden ein.

Doch die 175.000 Ballermänner, die da am Freitag verkauft wurden sind kein Rekord für die USA. Der wurde mit etwas mehr Feuerkraft am 21. Dezember 2012 aufgestellt. Wenige Tage nach dem Massaker an der Sandy Hook Grundschule. Damals propagierten Waffennarren, verblendete Verfassungshüter, Tea-Party Aktivisten, konservative Talk-Show Sprücheklopfer und das Sprachrohr der Rechten, FOXNews, dass der schwarze Sozialistenpräsident Barack Obama diesen „bedauernswerten Zwischenfall“ in Newtown, Connecticut wohl zum Anlass nehmen würde, um Amerikas beliebtestes Spielzeug zu verbieten. Waffen wurden gekauft, viele Waffen wurden gekauft, eine Rekordzahl an Waffen wurde gekauft.

Nun eben Ferguson, und wieder schnellen die Zahlen in die Höhe. Es wird geschätzt, dass in den USA rund 350 bis 400 Millionen Schußwaffen im Umlauf sind. Man schätzt lediglich, so genau weiß das eigentlich niemand. Der legale und illegale Waffenhandel in den USA floriert. Der letzte Freitag war wahrlich ein schwarzer Tag für die amerikanische Gesellschaft.

 

Feuer auf der Telegraph Avenue

Es brennt auf der Telegraph Avenue in Oakland.

Es brennt auf der Telegraph Avenue in Oakland.

Die zweite Nacht voller Proteste. Rund 3000 Demonstranten marschieren durch Oakland, fordern Gerechtigkeit für Michael Brown. Es sind zumeist junge Leute, die hier lauthals schreien „Shut it down for Michael Brown“. Das Ziel, Oakland lahm zu legen. An diesem Dienstagabend gelingt ihnen das auch weitgehend. Man solle weiträumig Downtown umfahren, heißt es im Verkehrsfunk.

Die Polizei hat aus der letzten Nacht gelernt und  umliegende Städte und erneut die Highway Patrol um Unterstützung gebeten. Mehrere Hundertschaften sind vor Ort, ein Polizeihubschrauber kreist über dem Marsch. Die meisten Teilnehmer sind friedlich, doch es gibt auch einen vermummten Block, die Parolen an Häuserwände, auf Ladenfronten, auf Bushhaltestellen sprayen. Je länger der Demonstrationszug andauert, um so aggressiver wird die Stimmung. Schließlich stürmen mehrere Hundert Demonstranten einen Böschung hinauf, die auf den Freeway 580 führt. Autos stoppen sofort, als sie die Menschen an der Seite sehen, die langsam auf die Fahrbahn drängen. Die Polizei ist schnell mit einem Großaufgebot vor Ort und drängt die Demonstranten zurück.

Unten werden bereits Feuer auf der Telegraph Avenue angezündet. Abfallcontainer liegen auf der Fahrbahn, daneben eine alte Matraze, sie brennen lichterloh. Ein Teilnehmer schmeisst mehrfach Steine und einen harten Plastikbehälter gegen die Fenster eines Drogeriemarktes, viele Geschäfte in Downtown Oakland sind an diesem Abend mit Brettern vernagelt. Die Situation kippt in diesem Moment.

Eindeutige Parole an eine Bushaltestelle gesprüht.

Eindeutige Parole an eine Bushaltestelle gesprüht.

Unter der Brücke parkt ein Auto, die Reifen werden einfach zerstochen. Das hier hat nichts mehr mit einer Demonstration für Gerechtigkeit für Michael Brown zu tun. Es geht nur noch um eine offene Konfrontation mit der verhassten Polizei, die immer wieder als „Schweine“ beschimpft und angepöbelt werden. Laute Feuerwerkskörper, Flaschen und Steine werden auf die Beamten geworfen. An der nächsten Kreuzung gerät ein Polizeiwagen in die Mitte einer gewaltbereiten Gruppe, die die Chance gleich nutzen und den Wagen umwerfen will.

Weitere Mülltonnen werden angezündet, direkt vor einer Kirche ist die gesamte Straße ein stinkendes und loderndes Flammenmeer. Schließlich geht die Polizei geballt vor, drängt die Demonstrierenden zurück. In einer geschlossenen Kette schiebt sie mehrere Hundert Protestierende vor sich her. Der Großteil der Demonstranten hat sich bereits verabschiedet. Die zweite Protestnacht zieht sich zur Stunde noch hin, sechs Stunden nach Beginn. Oakland bekommt mal wieder die Schlagzeilen, die es eigentlich nicht verdient.

Was steckt hinter der Gewalt?

In Ferguson brannten erneut Autos und Geschäfte.

In Ferguson brannten erneut Autos und Geschäfte.

In Ferguson, Missouri, erklärt die „Grand Jury“, dass der weiße Polizist Darren Wilson nicht für die tödlichen Schüsse auf den unbewaffneten 18jährigen Afro-Amerikaner Michael Brown angeklagt wird. In Ferguson und auch in Oakland stehen Protestierende auf der Straße, halten Plakate hoch, hören das Urteil, alles bleibt zunächst ruhig. Dann beginnt der Demonstrationszug durch Downtown Oakland zu marschieren. Alles ist noch friedlich, doch irgendwann kippt die Stimmung.

Oakland ist die Stadt, in der Oscar Grant von einem BART Polizisten erschossen wurde. Auch er war unbewaffnet, auch er ein Afro-Amerikaner, auch in dem Fall wurde der Todesschütze nicht wegen Mordes angeklagt. Oakland ist eine „schwarze“ und hochpolitische Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich hier viele Afro-Amerikaner aus dem Süden des Landes nieder. Der Hafen und die lokale Industrie boten Jobs. In Oakland wurde die Black Panther Partei gegründet, hier begann die „Free Speech“ Bewegung, Oakland ist eines der amerikanischen Zentren des Hip Hop.

Natürlich blickt man von hier aus genau hin, was in Ferguson oder in Sanford, Florida, im Trayvon Martin Fall, passierte. Eben nichts, zumindest kam das so an. Ein weißer Polizist schießt auf einen unbewaffneten Schwarzen. Mal wieder, ein Zeichen der Ungleichheit in den USA, des Rassismus, die ganze Geschichte dieses Landes wird neu aufgerollt.

Dass Schwarze in den USA noch immer nicht gleichberechtigt sind ist weitestgehend bekannt. Da helfen auch keine Gesetze und auch kein schwarzer Präsident. Eine tiefe, umfassende und vor allem ehrliche Debatte fehlt in den USA. Da wird immer wieder Martin Luther Kings „I have a dream“ Rede vorgezogen, an die Bürgerrechtsbewegung in den 60er Jahren erinnert, auf die Politisierung und auch Radikalisierung der Afro-Amerikaner gezeigt. Es wurden in den letzten 50 Jahren viele Gesetze verabschiedet, um die geschichtlichen Schulden des weißen Amerikas zu begleichen. Viel geholfen hat es nicht. Da muß man ehrlich sein.

Von daher ist die Wut und der Zorn, das Desinteresse und die Gleichgültigkeit in den afro-amerikanischen und mittlerweile auch in den Latino Communities zu verstehen. Es ändert sich ja doch nichts. Doch warum bei solchen Protesten immer auch Läden und Autos angezündet, „Corner Stores“, kleine Nachbarschaftsläden, geplündert werden, das ist mir unbegreiflich. Hier in Oakland brannten Geschäfte, Autos wurden demoliert, Hunderte marschierten auf die Autobahn und behinderten für Stunden den Verkehr. Bis tief in die Nacht lieferten sich einige der Protestierer Straßenschlachten mit der Polizei. Was das für eine politische Message sein soll, was das mit Michael Brown, Oscar Grant, Trayvon Martin, mit Diskriminierung, Rassismus und Ungleichheit zu tun hat, verstehe ich nicht. Das politische Establishment, das verhasste „weiße Amerika“ blieb davon in der Nacht auf Dienstag zumindest unberührt.

Ferguson ist überall

Die Demonstranten in Ferguson verlangen, dass der weiße Polizist angeklagt wird.

Die Demonstranten in Ferguson verlangen, dass der weiße Polizist Darren Wilson für die tödlichen Schüsse auf Michael Brown angeklagt wird.

Noch ist nichts klar. Noch hat sich die „Grand Jury“ nicht geäußert, ob der weiße Polizist Darren Wilson für die tödlichen Schüsse auf den unbewaffneten, schwarzen 18jährigen Michael Brown angeklagt werden soll. Am Freitag verabschiedeten sich die Mitglieder der Jury erst einmal ins Wochenende. Am Montag werden sie wieder zusammen kommen, um dann entweder weiter zu beraten oder eine Entscheidung zu fällen.

Im ganzen Land bereiten sich die Kommunen und Polizeieinheiten auf das vor, was da kommen könnte. Im Falle einer Nicht-Anklage wird davon ausgegangen, dass es zu massiven Unruhen in Städten quer durch die USA kommen wird. Oakland ist einer der Hotspots, der im Zentrum stehen wird. Die Hafenstadt gleich gegenüber von San Francisco hat eine große „Afro-American Community“. Schon nach den tödlichen Schüssen auf Oscar Grant und der geringen Haftstrafe für den BART Polizisten Johannes Mehserle kam es hier zu gewalttätigen und tagelangen Protesten. Der Fall Grant wurde in dem vielbeachteten Spielfilm „Fruitvale Station“ aufgerollt.

Oakland ist im Herzen der liberalen Bay Area, ein Zentrum des politischen Aktionismus. Hier wurde die Black Panther Party gegründet, hier entstand die „Free Speech Movement“, hier gibt es unzählige von politischen Grassroots Bewegungen. In Oakland gab es eines der größten „Occupy“ Camps, mitten in der Stadt, direkt vor dem Rathaus. Und Tausende Occupy-Demonstranten legten tagelang den Hafen von Oakland lahm. Das ganze Ausmaß lag auch daran, dass seit Jahren die Polizeireihen in Oakland ausgedünnt wurden. Fast 40 Prozent weniger Beamte waren für eine Stadt dieser Größe im Einsatz. Reagiert wurde meist nur noch auf Schießereien, bei Einbrüchen kam zumeist überhaupt kein Streifenwagen mehr vorbei.

Aus den vergangenen Protesten hat man gelernt, so heißt es. Die Polizei ist vorbereitet, hat sich mit umliegenden Dienststellen in anderen Städten, dem Sheriff (Bezirk) und der Highway Patrol (Staat Kalifornien) auf eine gemeinsame Vorgehensweise geeinigt. Der öffentliche Nahverkehr wird bei Ausschreitungen sofort gestoppt, um keine weiteren, zum Teil gewaltbereiten Demonstranten nach Oakland zu lassen, Ein- und Ausfahrten der Freeways in Downtown werden blockiert werden. Alles Signale stehen auf Sturm. Gespannt wartet man auf die Nachricht auf Ferguson.

Alle sind gleich, nur Weiße sind gleicher

Während die Republikaner einen angst und bange Wahlkampf führen, wollen sich die Demokraten ins rechte Licht rücken. Sie gehen auf Stimmenfang auf dem Rücken von Michael Brown, dem 18jährigen, unbewaffneten Jugenlichen aus Fergusson, der von mehreren Polizeikugeln erschossen wurde. Direkt in Ferguson versuchen die Demokraten schwarze Wähler zu registrieren. In den USA muss man sich als Wähler in Listen eintragen lassen, um an Wahlen teilzunehmen. Das machen nicht viele. Bei der letzten Wahl im April 2014 wurde der Bürgermeister von Ferguson mit gerade mal 1314 Stimmen wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei nur 12 Prozent.

Bei einer Protestveranstaltung greift ein Jugendlicher mit einer Fahnenstange den schwarzen Anwalt und Bürgerrechtler Ted Landsmark an. Das Foto wurde 1976 mit dem Pulitzer Prize ausgezeichnet.

Bei einer Protestveranstaltung greift ein Jugendlicher mit einer Fahnenstange den schwarzen Anwalt und Bürgerrechtler Ted Landsmark an. Das Foto von Stanley Forman wurde 1976 mit dem Pulitzer Prize ausgezeichnet.

Die Demokraten sehen nun ihre Chance. Nicht nur in Ferguson, sondern auch in anderen Städten. Doch die Vorfälle in Ferguson werden im Wahlkampf ausgenutzt. Zweidrittel der Bevölkerung dieser nun bekannten Kleinstadt in Missouri sind Afro-Amerikaner, nur eine verschwindende Minderheit von ihnen ging wählen. Der Bürgermeister ist ein Weißer, fünf der sechs Stadträte sind Weiße. Daneben sind viele der weiteren gewählten Amtsinhaber Weiße. Damit geht die Präsidentenpartei nun auf Stimmenfang, so, als ob die tödlichen Schüsse auf Michael Brown mit einem schwarzen Bürgermeister und einer schwarzen Mehrheit im Stadtrat verhindert hätten werden können.

Man muß sich schon fragen, wer hinter solchen irrsinnigen Wahlkampfkampagnen steckt. Denn auch schwarze Bürgermeister, Staatsanwälte, Polizeichefs und Ratsmitglieder, ja sogar ein schwarzer Präsident, konnten bislang in den USA den alltäglichen Rassismus nicht austreiben. Weder in Ferguson, noch in Oakland, nicht in San Francisco, Chicago, Detroit, New Orleans und vielen anderen Städten und Gemeinden. Die Vorkommnisse in Ferguson haben nur einmal mehr veranschaulicht, dass in Amerika einiges im argen liegt. Der politische Wille, dies radikal und grundlegend anzugehen, fehlt jedoch. Und das in beiden Parteien. Es bleibt also dabei: Alle sind gleich in Amerika, nur Weiße sind gleicher.

 

Die offenen Fragen werden nicht beerdigt

Am Montag wurde der 18jährige Michael Brown beerdigt. Sein Tod hatte in den letzten Wochen zu Ausschreitungen in Ferguson, Missouri, geführt. Insgesamt sechs Kugeln trafen den jungen Mann, abgefeuert von Darren Wilson, einem weißen Polizisten, der sich, wie es heißt, bedroht fühlte. Brown war unbewaffnet. Fragen über Fragen bleiben, nicht nur zum Hergang, was genau an diesem Abend des 9. August passierte. Viel mehr bleiben die Fragen, warum auch 50 Jahre nach der Bürgerrechtsbewegung in den USA Afro-Amerikaner noch immer deutlichst benachteiligt sind.

Patronenhülse an einem Tatort.

Patronenhülse an einem Tatort.

Derzeit arbeite ich an einem Feature über San Quentin. Dabei durchstöbere ich viele Dokumente, Bilder und Erinnerungen von ehemaligen Gefangenen und Wärtern. Auf einem Bild sieht man das Publikum beim legendären Konzert von Johnny Cash im Speisesaal von San Quentin. Vor allem weiße Männer waren Ende der 60er Jahre dort hinter Gittern. Vorletzte Woche nun war ich für einen Tag lang in San Quentin. Der Großteil der Gefangenen sind heute Afro-Amerikaner und Latinos, die in der Gesellschaft draußen hintenan stehen, die in Armut leben, die nicht den wirtschaftlichen Aufstieg geschafft haben. Viele der Gesetze in den USA benachteiligen Arme und damit Farbige, wie z.B. jenes Gesetz das Cracksüchtige für weitaus längere Haftstrafen ins Gefängnis bringt als Kokainsüchtige. Crack, eine Kokain basierende Droge, wurde in den 80er Jahren die Droge schlechthin in den Armenviertel, weil es vor allem billig war. Nutzer von reinem Kokain dagegen, die beliebte Droge der High Society, gingen meist ohne Haftstrafe oder mit einer Bewährungsstrafe aus dem Gerichtssaal. Das sieht man auch in San Quentin. Erst sehr langsam ändert sich an der Rechtssprechung etwas.

Schwarze Amerikaner sind nach wie vor benachteiligt in den USA. Es ist nicht der offene Rassismus, wie in der Ku Klux Klan mit seinen brennende Kreuzen vorlebte. Es ist die jahrzehntelange Ungleichheit, die fest verankert in den Strukturen der amerikanischen Gesellschaft zu finden ist. Schwarze werden als Bedrohung gesehen, egal ob es ein Jugendlicher, ein Arbeiter oder wie im Fall von Howard Pinderhughes, ein Professor der UCSF (die NZ berichtete), ist. An dieser Ungleichheit werden auch die tödlichen Schüsse auf Michael Brown nichts ändern. Der Grund ist ganz einfach, Amerika hasst es, sich mit der eigenen Geschichte, den eigenen Fehlern, der Tatsache zu beschäftigen, dass der „American Dream“ eigentlich ein Traum für nur wenige ist.

Und doch, was ich nach all den Jahren in Oakland nicht verstehe ist, warum der Protest nicht größer ist. Oakland ist eine „schwarze“ Stadt. Seit den 40er Jahren ist das schon so. Ich wohne seit 1999 in Oakland. Seitdem sind in der Stadt etwa 1200 zumeist junge Afro-Amerikaner ermordet worden. Viele von ihnen waren Gangmitglieder, andere waren nur unbeteiligte Passanten, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Sogar Kleinkinder starben durch mörderische Kugeln. 1200 Menschen ermordet in gerade mal 15 Jahren, meist in den Stadtteilen East- und West-Oakland. Und nichts passierte. Keine Demonstrationen, keine Proteste, keine gemeinsamen Strategien der „Afro-American Community“. Oakland ist nur eine Stadt, in anderen Gemeinden und „Cities“ ist es nicht anders. Pro Jahr werden in den USA rund 16.000 Menschen ermordet. Hinzu kommen rund 80.000 Schießereien mit zum Teil Schwerverletzten. Es scheint, als ob der strukturelle Rassismus in den USA die schwarze Bevölkerung taub für die Gewalt direkt vor ihrer Haustür gemacht hat. Die Gewalt von Schwarzen gegen Schwarze. Ein Ende ist nicht in Sicht.

 

Die offene Wunde Amerikas

Schwarze in Amerika     
Unruhen in Ferguson, Missouri.

Unruhen in Ferguson, Missouri.

Die Unruhen in Ferguson sind kein Einzelfall in den USA. Ganz im Gegenteil, sie werfen ein Licht auf ein großes Problem, das allzu gerne in Amerika übersehen wird. Die Benachteiligung und die Ungleichheit von Afro-Amerikanern. 50 Jahre nach der Bürgerrechtsbewegung hat sich für einige Teile der amerikanischen Bevölkerung nicht viel geändert. Interessanterweise ist Amerika selbst über das Offensichtliche im Land gespalten. Nahezu 65 Prozent der Republikaner sehen in den Ereignissen in Ferguson kein „Rassenproblem“. Demokraten hingegen meinen mit einer Zweidrittelmehrheit, dass die Unruhen in der Kleinstadt durchaus etwas mit einer Ungleichbehandlung von jungen Schwarzen zu tun habe. Und nicht nur das, wie Professor Howard Pinderhughes von der „University of California“ in San Francisco (UCSF) erklärt, wer eine schwarze Hautfarbe in den USA hat, ist von vornherein verdächtig.

Dazu der aktuelle Audiobericht.