Trump, Du kannst nach Hause fahrn!

Heute Abend findet die dritte und letzte Fernsehdebatte zwischen Hillary Clinton und Donald Trump statt. Eigentlich ist die Sache klar, wenn Hillary Clinton nicht noch einen riesigen Fehler macht, wird sie die nächste Präsidentin der USA werden. Trump ist auf der Verliererstraße und kann daran nichts mehr ändern.

Er könnte nur noch in seiner Niederlage etwas verbessern, doch das wird er nicht. Der Polterer Trump wird nicht stillschweigend und als fairer Verlierer von der Bühne treten. Das macht er immer und immer wieder auf seinen Wahlkampfveranstaltungen deutlich. Trump spricht von einem abgekarteten Spiel, die Wahl sei manipuliert, von den Demokraten und auch den Republikanern, vom politischen Establishment gefälscht. Das sei klar, so Trump: „Wir werden nicht zulassen, dass sie vielleicht die großartigste Bewegung in der Geschichte dieses Landes stoppen“. Das sind die Worte von Donald Trump, mit denen er seine Wutfans in Rage bringt. Die Menge brüllte im Chor zurück „USA, USA, USA“.

Dieser Gedanke ist weit verbreitet im Trump-Lager. Die stille Mehrheit in den USA sei für Donald Trump. Foto: Reuters.

Dieser Gedanke ist weit verbreitet im Trump-Lager. Die stille Mehrheit in den USA sei für Donald Trump. Foto: Reuters.

Keiner der Trump Unterstützer erkennt die derzeitige Situation an. Für sie führt ihr Kandidat in den Umfragen, wenn er nicht gewinnen sollte, sei alles manipuliert. Von Hillary, den Demokraten, der eigenen Partei und einer geheimen Macht, die in Washington die Fäden in der Hand hält. „Die Demokraten besch…“, so die allgemeine Meinung im Trump-Lager. Der Vertraute und Berater von Donald Trump, Roger Stone, erklärte: „Es gibt weitreichenden Wählerbetrug. Und wenn das so ist, dann ist die Wahl nicht legitim. Wir werden eine Verfassungskrise haben, zivilen Ungehorsam und die Regierung wird nicht als Regierung anerkannt werden.“ Das ist die eindeutige Richtung, in die derzeit die politische Debatte geht.

Viele in den USA befürchten nach einer Niederlage Trumps das Schlimmste, heißt, eine weitere Radikalisierung eines Teiles des Trump-Lagers. Der Milliardär spielt mit dem Feuer und das ganz bewußt. Er fordert seine Unterstützer dazu auf, das Ergebnis der Wahl nicht anzuerkennen, sich dagegen aufzulehnen in welcher Form auch immer. Es ist ein riskantes Spiel, das durchaus die Gefahr eines Inlandsterrorismus birgt. Das Bombenattentat von Oklahoma City, Waco, Ruby Ridge und zuletzt der Bundy-Aufstand zeigen, dass es in den USA schon jetzt Freiräume gibt, in denen der bewaffnete Kampf gegen die Regierung geprobt und durchgeführt wird. Was nach der Niederlage von Donald Trump am 8. November passieren wird ist noch offen, doch schon jetzt kann man davon ausgehen, dass radikale und bewaffnete Kräfte im Land Unterstützung bekommen werden. Donald Trump selbst hat damit die Grundlage für so einiges geliefert, was man sich jetzt noch gar nicht vorstellen möchte. Zu stoppen ist diese Entwicklung nicht mehr, seine Wählerinnen und Wähler sind davon überzeugt, dass das System „rigged“, manipuliert ist.

Die Einheit der Partei

Es war mal ein unterhaltsamer Abend. Das republikanische Stelldichein auf CNBC. Foto: Reuters.

Es war mal wieder ein sehr unterhaltsamer Abend. Das republikanische Stelldichein auf CNBC. Foto: Reuters.

Die republikanischen Präsidentschaftskandidaten kamen gestern zur dritten Fernsehdebatte zusammen. Diesmal übertrug CNBC, die Moderatoren und ihre Fragen waren schon etwas nervig. Man hatte immer das Gefühl, dass sie einen Streit vom Zaun brechen wollten. Das passierte nicht, ganz im Gegenteil, zum ersten Mal präsentierten sich die Kandidaten auf der Bühne als Einheit, als Teil der republikanischen Partei. Sie erkannten den politischen Gegner und hieben vor allen auf Hillary Clinton ein. Die liegt in den Umfragen weit vorne und wird wohl die Herausforderin bei den Demokraten werden.

Allerdings wurde in dieser durchaus inhaltlichen Debatte auch deutlich, wohin der Weg mit einem republikanischen Präsidenten gehen würde. Radikal wolle man die Regierung umbauen, Ministerien abschaffen, Bürokratie vermindern. Der Steuersatz solle vereinfacht werden und nur noch bei allgemein zehn Prozent liegen. Das Militär muß natürlich ausgebaut, Umweltschutzmaßnahmen verringert werden. Mexiko baut die Mauer entlang seiner Nordgrenze, Unternehmen, die im billigen Ausland produzieren, müßten heimgeholt, das Sozial- und Gesundheitswesen ganz neu gestaltet werden. Elf Millionen illegale Einwanderer sollten abgeschoben und die USA würden sicherlich in neue Kriegsschauplätze hineingezogen werden.

Zwar sagten die Kandidaten, sie geben keine Versprechen, wie das in ihren Augen die Demokraten tun, aber was da von Seiten der Republikaner geplant wird, gleicht in bestimmten Bereichen einem radikalen Kahlschlag in den USA. Wie das alles finanziert werden soll, bei gleichzeitigen Steuererleichterungen ist fraglich. Klar, Donald Trump ist der Vertragsexperte, wie er sich selbst immer wieder bezeichnet. Und auch die anderen auf der republikanischen Bühne halten da nicht zurück. Sie schwärmen von Amerika und dem „American Dream“, so, als ob das hier das Paradies ist.

Den großen Gewinner gab es an diesem Abend nicht. Jeder punktete irgendwie für sich, große Schankungen in den Umfragen werden nicht die Folge sein. Das allerdings ist keine gute Nachricht für Jeb Bush, Ted Cruz, Marco Rubio und die anderen unter ferner liefen Kandidaten. Carson und Trump liegen weiter vorne, wo das noch hinführen wird, muß man in den nächsten Wochen und Monaten sehen. Die Kleinstaaten Iowa und New Hampshire werden die politischen Weichen stellen, man muß sich fragen, warum nur, denn politisches Gewicht außerhalb der Vorwahlen haben sie nicht.

Ich hab‘ doch keine Ahnung!

Ich glaube, ich habe gestern die falsche Fernsehdebatte der Republikaner gesehen. Denn was ich heute lese, trifft so gar nicht das, was ich da beobachtet habe. Es heißt, die frühere CEO von Hewlett-Packard, Carly Fiorina, habe den Abend für sich entschieden. Klar, sie hat gut auf Donald Trump reagiert, das stimmt. Aber die Kommentatoren zeigten sich anschließend davon beeindruckt, dass Carly eine „gute Rednerin“ sei und ihre Themen „verständlich“ vermitteln könne. Hallo! Geht’s noch? Also sexistischere Kommenatere kann es ja wohl nicht geben. Das klingt ja so, als ob man verwundert war, dass nicht nur eine Frau mit auf der Bühne stand, sondern auch noch, dass sie in zusammenhängenden Sätzen sprechen konnte.

Ihre Nase wuchs dann doch nicht auf der Bühen - Carly Fiorina. Foto: AFP.

Ihre Nase wuchs dann doch nicht auf der Bühen – Carly Fiorina. Foto: AFP.

Carly Fiorina kam äußerst unterkühlt rüber. Alle anderen auf der Bühne lachten zumindest einmal, machten teils Witze oder reagierten locker auf die Fragen der Moderatoren. Vielleicht sehe ich Carly Fiorina zu verbissen, kann durchaus sein, aber überzeugend war ihr Auftreten für mich nicht. Vor allem auch nicht, wenn man weiß, dass sie auf der Bühne gelogen hat. Sie forderte, die staatliche Finanzierung der Gesundheitskliniken von „Planned Parenthood“, in denen auch Abtreibungen durchgeführt werden, zu beenden. Dabei bezog sie sich auf umstrittene Videos. Fiorina sagte wörtlich: „Jeder, der diese Videos gesehen hat – ich fordere Hillary Clinton, Barack Obama auf, sich diese Bänder anzusehen – zuschauen, wie ein völlig entwickelter Fötus auf dem Tisch liegt, das Herz schlägt, seine Beine strampeln und jemand sagt; „Wir müssen ihn am Leben halten, um sein Gehirn zu bekommen“. Es geht hier um den Charakter unserer Nation. Und wenn wir nicht aufstehen und Präsident Obama zwingen, dieses Gesetz zu blockieren, Schande über uns alle.“

Einziges Problem, dieses Video gibt es gar nicht. Was da Carly „Pinochio“ Fiorina gesehen haben will war nicht aus dieser Welt. In den bislang bekannten Videos ist solche eine Szene nicht zu sehen. Auch nicht etwas annähernd brutales. Carly Fiorina wurde mit ernster Miene in der Fernsehdebatte zur Märchentante, die ihre Zuhörer schön gruseln wollte. Und das erreichte sie. Ein Wunder nur, dass ihr keine lange Nase wuchs. Natürlich weiß ich, dass im Wahlkampf gelogen wird bis sich die Balken biegen, aber das ist dann schon eine krasse Nummer.

Am Tag danach feierte sich CNN selbst. 25 Millionen Zuschauer schalteten sich zu, so viele, wie noch nie zuvor. Klar, CNN sah das als Erfolg des eigenen Konzeptes. Doch vielmehr lag es daran, dass Donald Trump wieder einmal auf der Bühne stand. Er ist der Entertainer im Wahlkampfzirkus, der die Massen anzieht, schockiert und unterhält. Auch am Mittwoch lieferte er, gute Breitseiten gegen die anderen Kandidaten, er klopfte sich wie immer mehrmals auf die eigenen Schultern und bestach durch aberwitzige politische Ideen. Genau das will man sehen und hören. Das kommt an in diesen Tagen. Also, auf zur nächsten Runde, die am 28. Oktober stattfinden wird.

 

 

Ein Ding, genannt Flugzeugträger

Mitt Romney schwitzte, Barack Obama war ganz cool. Doch einen klaren Sieger gab es am Ende nicht. Romney griff auf dem ungewohnten Terrain der Außenpolitik an, präsentierte sich dabei nicht als Elefant im Porzellanladen und das reichte ihm schon am Ende. Obama hingegen argumentierte, verteidigte und schoß zurück. Klar wurde am Montagabend, die beiden unterscheiden sich gar nicht so sehr in Fragen der Außenpolitik, deshalb zog es sie auch immer wieder zur Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik zurück, um die Differenzen herauszukehren.

Wer als Wähler in den USA noch immer unentschlossen ist, der sollte langsam eine Münze werfen. Noch zwei Wochen, dann sind Dauerbeschallung und die Frickelfrackelanalysen der Möchtegernexperten vorbei. Zum Glück, nach zweieinhalb Jahren Wahlkampf kann man das alles nicht mehr hören. Langsam wäre es mal wieder Zeit zum Regieren.

Der heutige Abend war dennoch unterhaltsam, es ging in dieser dritten Fernsehdebatte zwischen Mitt Romney und Barack Obama thematisch um vieles. Libyen, Syrien, Ägypten, Iran, Afghanistan, Pakistan, Israel, China und dann noch ein bisschen amerikanische Sicherheits-, Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik. Es ging munter hin und her, keiner erlaubte sich einen Ausrutscher, wobei die Latte für Romney weit tiefer lag, als für den „Commander in Chief“. Höhepunkt war sicherlich die kleine Lehrstunde für Romney, als dieser erklärte, Obama lasse der US Navy weniger Boote als 1917. „Also, Gouverneur, wir haben auch weniger Pferde und Bajonette, denn unser Militär hat sich verändert. Wir haben diese Dinge, die man Flugzeugträger nennt, auf denen Flugzeuge landen können. Wir haben diese Schiffe, die unter Wasser fahren: Atom U-Boote. Also es ist keine Frage des Schiffe versenkens, bei dem wir Boote zählen. Es geht  um unsere Möglichkeiten.“

 

 

Alles nach Plan

Barack Obama kann also doch, wenn er nur will. Mitt Romney dann nicht ganz so, wie er sollte. Und draußen vor der Tür werden die Kandidatinnen der Grünen Jill Stein und Cheri Honkala verhaftet, weil sie eigentlich auch gerne an dieser Debatte im Saal teilnehmen würden. Am Schluß steht dann fest, amerikanische Politik ist ein seltsames Geschäft. Da werden Phrasen gedroschen und allerlei Zahlen aufeinander getürmt, Sachverhalte etwas oder auch etwas mehr verdreht. Obama steht am Ende als Sieger der zweiten Fernsehdebatte fest, seine Umfragewerte steigen auch gleich leicht. Also, alles nach Plan?

In drei Wochen ist alles vorbei. Dann liegen zwei Jahre republikanischer Vor- und ein aufreibender Präsidentschaftswahlkampf hinter uns, die als die teuersten in die Geschichte eingehen werden. Bis zum nächsten mal eben. Milliarden von Dollar wurden ausgegeben für ein weltweit beachtetes „Event“, das gar nicht so eine weltweite Bedeutung hat. Noch ein paar Tage, dann ist alles vorbei und wir befinden uns wieder im Vorwahlkampf auf das nächste große Showdown.

Was war das denn?

Also, es ist mir schon klar, dass man als amerikanischer Präsident seinen Kopf mit allerlei Sachen voll hat. Krieg und Frieden, die eigenen Jungs in Afghanistan, die Eskalation an der türkisch-syrischen Grenze, Arbeitslosigkeit und soziale Kälte….also, da gibt es schon viel, was so einem Präsidenten am Abend durch den Kopf geht. Aber Barack Obama stand heute in dieser ersten Fernsehdebatte mit Mitt Romney völlig neben sich. Er wirkte nervös, unkonzentriert, müde und ausgelaugt. Da fehlte eigentlich alles, was ihn als begnadeten Redner ausmacht. Und das lag sicherlich nicht am fehlenden Teleprompter, denn Obama kann ja in Debatten bestehen, spontan sein, überzeugen, das hat er in der Vergangenheit oft genug bewiesen. Aber der Auftritt am heutigen Tag sollte ganz schnell abgehakt werden. Das war wirklich nichts.

Mitt Romney hatte sich dagegen gut vorbereitet, wirkte gelassen, locker, sachkundig, auch wenn vieles, was er da an den Mann und die Frau brachte, hinten und vorne nicht stimmte. Aber er verkaufte es gut. Das lag auch an Obama, der auf Steilvorlagen seines Kontrahenten so gar nicht reagierte, vieles einfach im Raum stehen ließ und lieber mit Details und politischen Feinheiten auch den letzten der 50 Millionen Zuschauer verwirrte.

Einen klaren Sieger gab es am Ende nicht, nur Romney gewann das Duell wohl nach Punkten. Er überzeugte im Auftreten, suchte nicht hilflos nach Worten wie Obama, vergatzte auch keine Sätze, wie der Amtsinhaber. Das war dann auch schon alles, ob das allerdings am Ende für Oval Office reicht, das sei mal dahin gestellt.

Der Kandidat ohne Wähler

Mitt Romney hatte sich mit seinen jüngsten außenpolitischen Äusserungen schon quasi die Chancen auf eine erfolgreiche Kandidatur genommen. Selbst in der eigenen Partei stöhnte man auf, über die Kurzsichtigkeit und die naive Interpretation der gewaltsamen Übergriffe auf amerikanische Botschaftseinrichtungen. Irgendwie hoffte man auf ein gelungenes Comeback, auf einen geplanten Rückschlag gegen Team Obama.

Doch dann kam auch noch die Veröffentlichung des Videos von einer Wahlkampfveranstaltung im Mai, auf der Romney erklärte 47 Prozent der Wähler seien ihm sowieso egal. Eine klare Ansage und ein deutliches Signal an alle Wähler, dass Mitt Romney gar nicht Präsident aller Amerikaner werden möchte. Vielmehr sieht er sich als ein Vertreter von ein paar wenigen, jenen mit direkten finanziellen Interessen im Weißen Haus. Romney scheint der Kandidat zu sein, der die Arm-Reich Schere im Land noch weiter auseinanderreißen will und wird. Der Republikaner, und das ist in diesen Tagen klar geworden, ist noch nicht in der heißen Phase des Wahlkampfes angekommen. Am 3. Oktober steht die erste Fernsehdebatte zwischen Amtsinhaber Obama und dem republikanischen Herausforderer Romney zur besten Sendezeit an. Ohne Teleprompter, ohne die Zusprache von Beratern muß sich Romney einem Präsidenten stellen, der solche Duelle lebt und liebt. Mitt Romney muss in den kommenden Wochen alles daran setzen, um irgendwie noch Punkte, gerade mit den Wählerschichten zu sammeln, die er in jüngster Zeit so hammerhart vor den Kopf gestoßen hat. Latinos, Afro-Amerikaner, Arbeiter, Mittelschichtsangehörige, Frauen und Mütter, Erstwähler, Homosexuelle….und das sind nur ein paar Beispiele von Wählergruppen, die in diesem Jahr massiv im Wahlkampf auftreten. Mitt Romney hat ein Problem, er läuft einem Zug hinterher, der schon ohne ihn den Bahnsteig Richtung Weißes Haus verlassen hat.