„It’s hard to get any word in with this clown“

Zehn Wörter erklären den Zustand Amerikas. „It’s hard to get any word in with this clown“, es ist schwierig auch nur ein Wort mit diesem Clown hier zu sagen. Joe Biden blieb meist cool in dieser Debatte mit Donald Trump. Doch dieser Satz wird in die Geschichte eingehen, denn immerhin war das eine Präsidentschaftsdebatte zwischen dem Amtsinhaber und dem Herausforderer. Und am Ende war es eine amerikanische Peinlichkeit, die hier der Fernsehnation präsentiert wurde.

Donald Trump unterbricht mal wieder Joe Biden. Foto: Reuters.

Nach diesen neunzig Minuten war klar, „Sleepy Joe“, wie Trump gerne Biden nennt, ist gar nicht so schläfrig. Ganz im Gegenteil, es würde nicht verwundern, wenn Donald Trump die nächsten zwei Debatten absagen würde, denn dieses Format kommt ihm nicht sehr entgegen. Er fiel dem Moderator Chris Wallace genauso ins Wort, wie seinem Kontrahenten Joe Biden. Trump selbst hatte im Vorfeld die Latte für diesen Abend sehr niedrig gelegt, in dem er erklärte, dass Biden ja sowieso fremgesteuert und auf Drogen sei und wahrscheinlich durch sein „Ear Piece“ die Antworten vorgesagt bekäme.

Und dann lieferte dieser Demokrat, manchmal wirkte er nervös, manchmal verhaspelte er sich, aber Biden war ein Stotterer, der noch immer mit dieser Behinderung kämpft. Mutig kämpft, das zeigte er in diesem Zweikampf mit dem selbstherrlichen Schwergewicht Donald Trump, der ihm immer und immer wieder ins Wort fiel. Der war sich wie immer sicher bei allem was er sagte und lief mit seinem sehr eigenwilligen Stil ins offene Messer. Ja, seine Basis wird weiterhin für ihn stimmen, aber Trump konnte in dieser Debatte keinen Boden gut machen, er liegt weiterhin in den Umfragen hinter seinem Herausforderer. Der Präsident machte in all seinen Antworten, in all seinen Einwürfen, in all seinen Kommentaren deutlich, dass er „Trump Country“ regiert und nicht die Vereinigten Staaten von Amerika.

Die heutige Debatte war ein Armutszeugnis für den demokratischen Diskurs in den USA. Das lag nicht an Joe Biden, der durchaus bereit war, über seinen Plan für Amerika und die Politik Trumps zu debattieren. Trump hingegen ist der „King of Chaos“. So regiert er, so stellte er sich auch am heutigen Abend dar. Ihm lag nichts daran, ernsthaft über Sachthemen zu sprechen, er wollte den Gegner nur platt machen. Einige seiner Antworten waren mehr als peinlich. Als der Moderator Chris Wallace ihn nach dem Klimwandel fragte, antworte Trump, er sei für kristallklares Wasser und saubere Luft. Und erneut meinte er, die verheerenden Brände in Kalifornien seien nur das Ergebnis von schlechter Forstwirtschaft, man müsse nur das Unterholz und das Laub wegschaffen und schon sei das Problem gelöst.

Ich weiß, als Journalist sollte man eigentlich neutral berichten. Aber mal ehrlich, wenn man solche Antworten hört, wenn man die Art und Weise sieht, wie Donald Trump sich verhält, wie er Tatsachen verdreht, offen lügt, andere rund macht, wie er die demokratischen Grundfesten dieser Nation unterminiert, wie er fast schon autokratisch regiert, wie er erneut am Abend rechtsextremistische Gruppen verteidigt, dann kann man eigentlich nicht mehr neutral bleiben. Und ich bin nicht der einzige der so denkt. Heute, am Tag der Präsidentschaftsdebatte, erreichte mich ein offener Brief einer Freundin, die Professorin an der Western Washington University in Bellingham und Direktorin des „The Ray Wolpow Institute for the Study of the Holocaust, Genocide, and Crimes Against Humanity“ ist. Sie und andere Direktoren und Direktorinnen solcher Center in den USA haben sich nun ganz deutlich vor dieser Wahl positioniert, denn es ist mehr als klar, um was es am 3. November geht: Die Zukunft der amerikanischen Demokratie.

Praise the Lord, Halleluja!

Wer gerade nachts in den USA fern sieht und über die Kanäle surft, der wird auf alle Fälle irgendwann auf einen Fernsehprediger oder -predigerin stoßen. Einige Networks sind sogar ganz für das “Wort Gottes” bestimmt. Doch beim genaueren Hinhören wird schnell klar, dass diese “Televangelists”, wie sie in den USA genannt werden, wenig mit den Übertragungen der Gottesdienste am Sonntagmorgen in Deutschland zu tun haben.

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Dr. Gene Scott, legendärer Televangelist in den USA. Er sendete Nacht für Nacht zwischen den 70er und späten 90er Jahren seine religiösen Sendungen. Bekannt wurde er durch seinen exzentrischen Stil, er beschrieb Wandtafeln mit Originaltexten, setzte sich aber auch schon mal stillschweigend und Zigarre rauchend vor die Kamera, bis seine Fernsehgemeinde 1000 weitere Dollar gespendet hatte.

LeAnn Flesher ist Vize-Präsidentin des “American Baptist Seminary of the West”, einem Priesterseminar in Berkeley. Für sie muß man eines in dieser Diskussion um Fernsehprediger beachten: „Ich würde nicht sagen, dass jeder Gottesdienst online den Fernsehpredigern gleichzusetzen ist. Diese “Televangelists” sind etwas eigenes. Viele, die meisten sogar, haben keine Gemeinde, keine Kirche an einem Ort. Sie machen nur Fernsehen.“

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Derzeit wird im amerikanischen Fernsehen öfters das Wunderwasser von Peter Popoff beworben. Popoff wurde 1946 in Ost-Berlin geboren und war schon in den 80er Jahren durch seine Wunderheilungen im Fernsehen berühmt-berüchtigt. Er flog auf wegen Betrugs, doch das stoppte ihn nicht. Popoff ist zurück auf der Mattscheibe und sammelt erneut Spenden ein. Pete Evans arbeitet für die christlichen Organisation Trinity Foundation mit Sitz in Dallas, Texas. Seit vielen Jahren sammelt die Organisation Informationen über das unregulierte Treiben der Televangelists. Die Ergebnisse ihrer Ermittlungen geben sie an den US Kongress genauso weiter, wie an die Medien. Doch selbst, wenn es mehr als offensichtlich ist, dass diese Fernsehpriester nur die Gutgläubigkeit von notleidenden, kranken und nach einem Sinn suchenden Menschen ausnützen, bislang konnte ihnen kein Riegel vorgeschoben werden. Viele von ihnen fliegen weiter in von Gläubigen finanzierten Jets durch die Weltgeschichte:

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Genaue Zahlen gibt es nicht, doch Pete Evans von der Trinity Foundation schätzt, dass die Fernsehprediger zwischen 6 und 9 Milliarden Dollar im Jahr umsetzen. Es sei wie Darwinismus unter den Predigern, der größte Gauner setze sich am Ende durch: „Grundsätzlich müssen alle Televangelists für ihre Sendezeit auf christlichen Sendern bezahlen. In der Prime Time liegt das bei ungefähr $20,000 für jede Stunde. Die Fernsehprediger, die also überleben und erfolgreich sind, sind die, die das meiste Geld aus den Leuten herausbekommen, denn damit wird auch die Sendezeit bezahlt, neben den Jets und den Bentleys, den Aston Martins, den Luxuswagen und so weiter.“ Und LeAnn Flesher ergänzt: „Sie sind nicht dazu da Seelen zu retten, sie verstehen das “Seelenretten” vielmehr ganz anders. Einige eben so: “Bete das Gebet, schick mir Geld”.

Doch es geht nicht nur um Geld, es geht auch um Macht und da sieht Pete Evans einen gefährlichen Schulterschluß: „Es ist eine Ehe, die in der Hölle geschlossen wurde, zwischen der christlichen Rechte und der rechtsaußen Politik, genauer gesagt, der republikanischen Partei. Viele dieser Televangelists unterstützen die Theorie oder besser die These, dass Präsident Trump von Gott gesandt wurde.“ Eine, die sich ganz deutlich zu Donald Trump bekennt, ist Paula White, die von Präsident Donald Trump zur offiziellen Beraterin in Glaubensfragen berufen wurde, ihn schon mehrfach im Weißen Haus besuchte, vor dessen Präsidentschaft mit Geldern ihrer Gläubigen ein Luxusapartment im Trump Tower in New York gekauft hatte und auch auf Trump Veranstaltungen, wie hier im Video zu sehen, auftritt.

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In den Auftritten der Televangelists, der Fernsehprediger, geht es um Wunder, um eine Stütze im Alltag, um die Auslegung von Gottes Wort, dem Allmächtigen, der gerade in der Krise gesucht wird. Im Fall des 83jährigen Kenneth Copeland, der geschätzt ein Vermögen von rund einer halben Milliarde Dollar erpredigt haben soll, geht diese Interpretation dann doch mal ganz seltsame Wege, wie selbst Pete Evans erstaunt erzählt: „Kenneth Copeland stand im April vor der Kamera. Er sprach stundenlang zu den Zuschauern und meinte, Gott werde das Virus verschwinden lassen, ganz schnell. Gott werde eine Hitzewelle schicken, die das Virus verbrennen lassen wird. Einfach weg, und dann zeigt er, wie Gott die Hitzewelle und das Virus einfach fortbläst.“

Sehen kann man das in dem folgenden Video bei Minute 27:08. Klar ist, die Televangelist sind ein fester Bestandteil der amerikanischen Fernsehlandschaft, “big business”, unterhaltsam, aber eben auch unkontrolliert und für manchen labilen und suchenden Zuschauer durchaus gefährlich.

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Wann arbeitet der eigentlich mal was?

15 Tweets in zehn Stunden, einige davon drehen sich über Fernsehsendungen, die sich der Präsident angesehen hat und dazu seinen Kommentar abgibt. Trump ist begeisterter FoxNews Zuschauer und gibt eigentlich täglich dazu seine Meinung ab. Und nicht nur zu FoxNews, sondern auch noch zu Sendungen auf CNN und MSNBC, zu Sportübertragungen und einflussreichen Talk Shows. Trump ist ein Fernseh-Junkie. Wenn man dann noch hinzu rechnet, wie oft sich der Donald auf seinen güldenen Golfplätzen rumtreibt, dann ist die Frage wahrlich berechtigt, wann er eigentlich mal so richtig arbeitet?

Eigentlich will man das bekannte Liedchen anstimmen: „Du hast die Haare schön…“. Foto: Reuters.

Von den täglichen Sicherheitsbriefings seiner Geheimdienste hält er bekanntlich nicht viel. Auch Lesen ist nicht seine Lieblingsbeschäftigung. Picklig wird er bei Ratschlägen anderer und man kann eigentlich bei jedem Auftritt sehen, dass Trump nicht gerne zuhört, denn dann steht er selbst ja nicht im Rampenlicht. Es muss sich um ihn drehen, dann ist er zufrieden, glücklich, in seinem Element.

Mit einem Mann wie Donald Trump zu arbeiten, muss alles andere als leicht sein. Denn informiert ist er nicht, er will es auch gar nicht, denn seine Sichtweise der Dinge, seine Weltsicht, seine Meinung zählt. Oftmals haut er über seinen privaten Twitter Account Sachen raus, die die offizielle Haltung des Weißen Hauses konterkarieren, hinterfragen oder ad absurdum führen. Trump ist das egal, es zählt, was er sagt. Und die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee-Sanders, dreht alles so, wie es ihr Boss vorgibt. Da werden Fakten verändert, verdreht, sehr gedehnt. Und alles, was dann eigentlich ein Fakt war, wird zu „Fake News“, denn die Fakten sind ja dann das, was Donald Trump und seine „Spin Machine“ in der Welt verbreiten. Manchmal wird einem schon ganz schwindling allein vom Zuhören der Trumpschen Argumentation. Amerika 2019!

Die „Fake News“ Macher

Der „Fake News“ König Donald Trump ist in diesen Tagen mehr als aktiv auf Twitter. Am Ostersonntag, als viele seiner christlich-fundamentalistischen Unterstützer in die Gottesdienste strömten, um die Auferstehung von Jesus zu feiern, tweetete Trump gegen Einwanderer und für den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Aus dem „Bible Belt“ kamen dazu keine Widerworte. Trump weiß, mit solchen Äußerungen macht er sich nur beliebt bei seiner Basis.

Der Präsident ließ es allerdings nicht nur bei seinen durchaus rassistischen und ausländerfeindlichen Tweets, er griff auch mal wieder die Medien in den USA an. CNN, NBC, ABC, CBS wurden von ihm als „Faker“ bezeichnet, als Lügner. Das im Zusammenhang mit einem Trumpschen Lob für die Sinclair Broadcast Group, einer konservativen Fernsehgruppe, die 173 lokale TV-Stationen in 81 Fernsehmärkten besitzt. Viele von ihnen sind mit anderen Networks verbunden, übernehmen deren Mantelprogramm, sind aber im Besitz von Sinclair. Sinclair ist als Unterstützer von Donald Trump bekannt, im Wahlkampf wurde oftmals positiv über ihn berichtet oder bestimmte skandalöse Äußerungen von Trump relativiert. Auch hatte Sinclair ein Abkommen mit dem Trump Lager, in dem man Zugang zum Präsidentschaftskandidaten erhielt, mit der Zusage, Interviews und Berichte nicht zu kommentieren.

Nun hat sich Sinclair allerdings sehr weit für Trump aus dem Fenster gelegt. Eigentlich lieben und vertrauen die Amerikaner ihren lokalen Medien. 85 Prozent gaben dies in jüngsten Umfragen an. Vielmehr als den nationalen Networks. Sinclair weiß das und hat nun von ganz oben bestimmt, dass alle lokalen Nachrichtenredaktionen einen vorgefertigten, einminütigen Text lesen sollten. Unkommentiert und ganz im Trump Sinne, ein Angriff gegen die „Mainstream Medien“. Doch das ging kräftig nach hinten los. Ein Twitter Nutzer hat Dutzende von lokalen News Sendungen aus dem ganzen Land zusammen geschnitten, in denen der Text als Statement der lokalen Nachrichtenredaktion vorgetragen wird. Es ist ein Affront gegen jeglichen journalistischen Grundsatz, ein Frontalangriff auf die Demokratie, ein Stiefellecken für einen Präsidenten, der dieses Verhalten auch noch bejubelt und keinerlei Probleme damit sieht. Die Gleichschaltung der Medien scheint als „normal“ angesehen zu werden, zumindest ganz oben im Land.

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Der Anfang vom Ende der Simpsons?

Alf Clausen, der Komponist der weltbekannten TV-Serie „The Simpsons“ wurde nach 27 Jahren entlassen.

Alf Clausen     

Nach 27 Jahren kam das Ende für den Komponisten der Simpsons. Alf Clausen erhielt einen Anruf vom Produzenten der Serie, Richard Sakai, der ihm mitteilte, man wolle in Zukunft „einen anderen Weg gehen“. Seit 28 Jahren schon laufen Homer, Marge, Lisa, Bart und Maggie im Abendprogramm von FOX und sind damit die am längsten laufende Serie überhaupt geworden. Clausen war seit 27 Jahren dabei. Mit einem 35 Musiker umfassenden Orchester gab er den perfekten musikalischen Rahmen für das Leben in Springfield und darüberhinaus. Und das wurde wohl nun zu teuer. Ein anderer Weg kann nur bedeuten, dass bei den Simpsons der Rotstift angesetzt werden soll. Statt eines Orchesters soll nun wohl der Sound aus der Büchse kommen. Ist das der Anfang vom Ende der Simpsons?

Vor etlichen Jahren hatte ich einmal die Gelegenheit, Alf Clausen in seinem Studio in Los Angeles zu besuchen, bei der Arbeit zu beobachten und ihn anschließend zu interviewen. Er zeigte mir die Sprecherkabinen der bekannten Simpsonsstimmen, das Produktionsstudio, nahm sich viel Zeit für das Gespräch. Der heute 76jährige Alf Clausen hat neben seiner Arbeit für die Simpsons etliche Spielfilme und weitere Serien, darunter die Abenteuer des Außerirdischen Alf, vertont. Und Clausen hat auch noch so einige Jazz CDs mit bekannten Jazz Musikern aus Los Angeles veröffentlicht. Sehr zu empfehlen sind auch die Soundtrack-CDs der Simpsons selbst, die die ganze Kreativität und das Können dieses Ausnahme Komponisten belegen. Für seine Arbeit wurde Alf Clausen mehrmals ausgezeichnet, darunter auch mit zwei Emmy Awards.

Die Aushöhlung des Rundfunks

Schon seit Jahren ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk in den USA unter Beschuß. Bereits 1995 fragte der damalige Sprecher des Kongresses, Newt Gingrich: „Soweit ich das sehe, ist dabei nichts öffentlich. Es ist vielmehr ein elitäres Unternehmen. Rush Limbaugh ist öffentlicher Rundfunk“. Gingrich und andere Rechtsaußenpolitiker der Republikaner versuchten immer mal wieder öffentliche Gelder für die „Corporation for Public Broadcasting“ (CPB) zu kürzen, mit dem Ziel dem Fernsehnetwork PBS (Public Broadcasting Service) und NPR (National Public Radio) den finanziellen Hahn zuzudrehen. Beide, PBS und NPR, seien zu links, hieß es.

Nun, mit der neuen Adminstration im Weißen Haus, scheinen die Republikaner all ihre alten Listen vorzukramen, was sie denn tun könnten, um die USA tatsächlich mehr nach rechts rutschen zu lassen. Kritischer Rundfunk und Fernsehen, das nicht ihren Meinungen entspricht, soll da gestrichen werden. Die Sesamstrasse ist christlichen Fundamentalisten schon lange ein Dorn im Auge. Deren Verbreitung von Akzeptanz, Inklusion, dem Feiern des Andersseins passt nicht in das elitäre Bild eines weißen bibeltreuen Südstaatlers, der lautstark die San Francisco und New York Werte ablehnt. Und NPR ist für sie nicht viel besser, kritische – und in meinen Ohren – durchaus ausgewogene Berichterstattung, wird als sozialistische und Demokraten-Propaganda wahrgenommen.

In Trumps Haushhaltsplan sollen nun also 445 Millionen Dollar gestrichen werden. Damit, so hofft es der Autor des Vorschlags, der republikanische Abgeordnete Doug Lamborn aus Colorado, werde endlich der linksliberale Ätherdschungel bereinigt. Doch was Lamborn übersieht ist, dass nur ein geringer Teil dieses Betrages direkt an NPR und PBS geht. Das Radio Network bekommt aus diesem Topf weniger als ein Prozent. Die Kollegen vom Fernsehen weniger als sieben Prozent. 99,3 Prozent dieser 445 Millionen Dollar wird über Fördermaßnahmen an lokale Sender in den 50 Bundesstaaten weitergegeben. Damit werden dann lokale Programme finanziert, aber auch der Einkauf von Mantelprogrammen aus dem Angebot von PBS und NPR. Lamborn und mit ihm Trump vernichten also in ihrem Feldzug gegen die öffentlich-rechtlichen Networks den lokalen Rundfunk und das lokale Fernsehen. Im Gespräch ist nun auch, das ein Gesetz verhindern soll, dass lokale Sender öffentliche Gelder für die Programme von PBS und NPR ausgeben dürfen. Eine heikle Forderung, die sicherlich nicht einfach so mal durchgewunken werden wird.

Der öffentliche Rundfunk in den USA ist nicht vergleichbar mit dem in Deutschland. Auf der Frequenzskala sind die Sender vor allem links zu finden. Es sind Lokalsender, die teilweise, wie KQED in San Francisco, durch Hinzukauf von kleineren Relaystationen zu Regionalsendern geworden sind. Und diese Stationen produzieren eigene Programme und kaufen Mantelprogramme wie die „Newshour“ von PBS oder „Morning Edition“ von NPR hinzu. Neben diesen beiden Networks gibt es noch weitere Produktionsplattformen wie „American Public Radio“ oder auch „Public Radio Exchange“, die ebenfalls Programme an Lokalsender liefern.

Neben den bei PBS und NPR organisierten Stationen, senden auch unzählige von unanbhängigen Sendern wie KWMR in West-Marin oder KKUP in Cupertino. Diese produzieren nur eigene Programme und finanzieren sich aus Spendengeldern der Hörer. Hinzu kommt das „Pacifica Network“, ein Verbund mehrerer Radiosender, der aus der Pazifisten Bewegung im Zweiten Weltkrieg entstanden ist. Und auch die Collegesender im ganzen Land können als öffentlicher Rundfunk betrachtet werden, denn sie sind oftmals Community Stationen, die fest in ihren Kommunen verankert sind. Ganz zum Schluß gibt es auch die Piratensender, eine Senderbewegung, die den Grundsatz verfolgt, die Frequenzen gehören allen. Zum Senden brauche man keine Lizenz. Radiomachen sei „Freedom of Speech“.

Dieser neue Versuch, PBS und NPR in ihrer Verbreitung zu beschränken oder gar zu zerstören, zeigt ganz deutlich, welchen politischen Weg die USA unter Donald Trump eingeschlagen haben. Nun wird alles daran gesetzt, in möglichst kurzer Zeit eine Verschiebung des gesellschaftlichen Rahmens zu erreichen, auch wenn der Großteil der Amerikaner den Wertewandel längst vollzogen hat. Doch das scheint bei einigen alten, weißen Männern in Washington noch nicht angekommen zu sein.

 

 

Das gedruckte Wort ist Gold wert

Die Pulitzer Preis Gewinner 2014 wurden nun bekannt gegeben. Die Washington Post und der Guardian US, der Boston Globe, die Tampa Bay Times, die Gazette (Colorado Springs), Reuters, die Detroit Free Press, der Philadelphia Inquirer, der Oregonian, der Charlotte Observer, die New York Times und der Center for Public Integrity. Sie alle wurden mit dem wichtigsten Preis im Printjournalismus geehrt. Ganz verschiedene Themenbearbeitungen und Recherchen wurden ausgezeichnet. Zum Teil arbeiteten Journalisten mehrere Jahre an einem Thema, um diese besondere, ihre, Geschichte, diese News Story, zu veröffentlichen.

Nachrichten kosten viel Energie, Aufwand und auch Geld. Wer sich diese Liste von Gewinnern ansieht, der merkt, dass hier noch immer Zeitungen viel Geld investieren, um einem „Lead“, einer ersten Vermutung zu folgen. Gott sei Dank! Daraus entwickelt sich dann eine Geschichte, ein Artikel, ein wichtiger Teil einer lebendigen Demokratie. Wie die NSA Berichterstattung zeigt, ist das manchmal mit erheblichen Gefahren verbunden. Und doch, Journalisten berichten, Zeitungen, wie auch Radiostationen und Fernsehsender, veröffentlichen und senden, Politiker und Behörden müssen reagieren.

Nachrichten sind kostenlos, sie passieren einfach. Doch die Berichterstattung darüber kann nicht kostenfrei sein. Eine Webseite mit den News im Schnelldurchlauf, ein Blogger, der lediglich Ereignisse subjektiv kommentiert, youtube, twitter und facebook können das nicht leisten, was Journalisten in monatelanger Kleinstarbeit, wie in einem Puzzlespiel zusammensetzen. Wer glaubt, Zeitungen haben sich überlebt, der verkennt die Macht des gedruckten Wortes.

Die Zeitungsindustrie steckt hier und auf der anderen Seite des Atlantiks in einer tiefen Krise. Redaktionen werden zusammen gelegt, Reformen durchgeführt, Einsparungen radikal durchgesetzt. Manchmal gleicht das einem Kahlschlag, der nur noch ein Gerippe von dem übrig läßt, was eine Zeitung eigentlich ausmacht – zu berichten, was passiert. Zu analysieren, was passiert. Zu kommentieren, was passiert. Und eben auch, die Möglichkeit schaffen, investigativ Themen, Ereignisse, Personen zu betrachten. Dafür stehen Zeitungen und genau das wird jedes Jahr mit den Pulitzer Preisen in den USA ausgezeichnet. Leser, Hörer, Zuschauer sollten sich also entscheiden, ob ihnen auch in Zukunft eine lebendige, kritische, unabhängige Medienlandschaft eine paar Euro und Dollar wert ist. Irgendwie lässt sich alles ganz einfach mit den Worten von Joseph Pulitzer sagen:
“Our Republic and its press will rise or fall together.”

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Herzlichen Glückwunsch Sesamstrasse

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Vor 40 Jahren, am 10. November 1969 konnten die jungen Fernsehzuschauer zum ersten mal die Sesamstrasse besuchen. Die Idee war, Kinder aus sozial schwachen Schichten mit einem Bildungs- und Unterhaltungsprogramm zu erreichen. Und das Konzept ging auf, nach wie vor ist die Sesamstrasse eine der beliebtesten Kindersendungen im Fernsehen. Die nun kommende 41. Saison beginnt mit Sendung 4187 und dreht sich um den Buchstaben „H“.

Die Sesamstrasse hat ihre kleinen und grossen Fans. Bibo oder „Big Bird“, wie er in den USA heisst, Krümmelmonster, Kermit, Ernie und Bert, Elmo und all die anderen haben sich über die Jahre einen festen Platz in den Herzen der Zuschauer geschaffen. Und ihre Programme, die sich um Buchstaben und Zahlen, ums Lesen und Rechnen drehen, sind durchaus erfolgreich. Noch im letzten Jahr schalteten in den USA pro Woche rund fünf Millionen Zuschauer die Sesamstrasse ein. Eine unabhängige Studie fand sogar heraus, dass Erwachsene, die mit der Sesamstrasse aufgewachsen sind besser in der Schule abgeschnitten haben, als jene, die ohne die witzigen Songs und Geschichten der lieben Monster und der berühmten Gäste auskommen mussten. Und in der Sesamstrasse geben sich alle die Klinke in die Hand. Jüngst sogar First Lady Michelle Obama, die mit Kindern Samen im Gemüsebeet pflanzte.

Man kann nur sagen, Happy Birtday Sesame Street….eine Gläschen Limonade auf noch viele weitere Jahre in der berühmten Strasse.

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