Die Knastbrigade im Einsatz

Das „Thomas Fire“ in Ventura und Santa Barbara County ist zum größten in der Geschichte Kaliforniens geworden. Mehrere Tausend Feuerwehrleute hatten wochenlang die Flammen bekämpft, oftmals waren sie auf verlorenem Posten und konnten sich nur noch selbst in Sicherheit bringen. Die starken Santa Ana Winde trieben die Brände vor sich her. Innerhalb weniger Sekunden wurde da oftmals die Länge eine Fußballfeldes überwunden.

Einsatzkräfte des „California Department of Corrections“ an vorderster Front. Foto: Reuters.

Zum Einsatz kamen auch Häftlinge, die Teil einer etwas ungewöhnlichen Brigade sind. 3800 Gefangene in Kalifornien sind in 43 sogenannten “Conservation” oder “Fire Camps” im ganzen Bundesstaat untergebracht. Es ist eine relativ preisgünstige Möglichkeit, präventive Brandschutzmaßnahmen durchzuführen und gleichzeitig im Falle eines Grossfeuers mit einer geschulten Extracrew die Flammen zu bekämpfen. Die Häftlingseinheiten sind jederzeit abrufbar und einsetzbar.

Für den Dienst melden sich die Strafgefangenen freiwillig, danach werden sie von der Feuerwehr geschult, schlafen dann in kleinen Einheiten in der Wildnis, halten Feuerwege frei, schneiden Unterholz und sind im Brandfall sofort einsatzbereit. Bei den großen Feuern in Sonoma County und dem „Thomas Fire“ waren etwa 1700 Häftlinge an der vordersten Brandlinie im Einsatz, der Rest arbeitete zu. Die Gefangenen erhalten für ihren Einsatz pro Tag einen Dollar und je Stunde Einsatz einen weiteren Dollar. Das ist deutlich mehr, als sie im Gefängnis selbst verdienen können. Darüberhinaus werden sie in Teamfähigkeit und Führungsqualitäten geschult und bekommen auch deutlich besseres Essen in den Camps als hinter Gittern.

Melden können sich nur solche Gefangene, die nicht wegen Gewalttaten verurteilt wurden und auch keine Gangmitglieder waren oder sind. Sie werden in den Camps überwacht, aber nicht streng bewacht. Nur wenige Strafvollzugsbeamte sind Teil der „Fire Camps“. Den Häftlingen wird in diesen Camps eine sinnvolle Tätigkeit geboten und gleichzeitig der Gesellschaft gezeigt, dass Gefangene durchaus hilfreiche und verantwortungsbewusste Mitglieder der Allgemeinheit sein können. Dieses “Feuerwehr-Programm” für Gefangene gibt es bereits seit 1943 und hat sich über die Jahrzehnte bewährt. Gerade bei Großbränden, wie nun dem “Thomas Fire” nördlich von Los Angeles, waren die Häftlings-Crews wichtige Helfer für die hauptamtlichen Feuerwehren.

Für die Gefangenen sind die „Fire Camps“ durchaus attraktiv. Sie bekommen mehr Geld, sie sind im Freien und nicht hinter Mauern, es sind Teams, die sich verstehen müssen, auch mit den Strafvollzugsbeamten. Dazu lernen sie Fähigkeiten, die ihnen im Gefängnis nicht beigebracht werden können. Und ganz wichtig für viele, die sich diesem Feuerschutzprogramm anschliessen ist, dass sie dem oftmals brutalen Gefängnisalltag entfliehen können, in dem Gangs die Abläufe kontrollieren und bestimmen. Das alles fällt draussen in den Camps weg. Draussen arbeiten bedeutet auch einen ersten Schritt zurück in die Freiheit und die Gesellschaft zu tun.

Dieses Resozialisierungsprogramm, das den Gefangenen sicherlich viel abverlangt, aber der Gesellschaft viel bringt und Steuergelder einspart, kommt in der Bevölkerung gut an. Seit 75 Jahren gibt es dieses Gefangenen Brigaden schon, bislang kam es zu keinen großen Problemen oder Ausbruchsversuchen. Nach dem verheerenden Brandjahr in Kalifornien, wird sogar darüber nachgedacht, die Budgets der Feuerwehren aufzustocken. Darunter würde dann auch das Feuerwehr Programm für Strafgefangene fallen.

Es wird heiß in Kalifornien

Das Thermometer steigt. Die Sonne strahlt am blauen kalifornischen Himmel, in der San Francisco Bay Area soll es Mitte der Woche 30 Grad heiß werden. Kalifornienreisende wird es freuen, so stellt man sich den Sonnenstaat am Pazifik vor. Doch wenn man hier lebt, gerade etwas außerhalb der Städte, denkt man bei der Hitze an etwas ganz anderes: Feuergefahr.

Schon jetzt werden doppelt so viele Brände in staatlichen Waldgebieten verbucht, wie im letzten Jahr, berichten die kalifornischen Feuerwehren. Auch in den kalifornischen Nationalparks, die von eigenen „Federal Fire Crews“ betreut werden, liegen die Zahlen deutlich über normal. Die sommerliche Feuersaison hat hier bereits Anfang des Jahres begonnen. Feuerwehren im ganzen Staat bereiten sich auf ein langes Jahr vor.

In ganz Kalifornien sind Feuerwehrleute in den Nachbarschaften unterwegs. Wenn sie mal eine Einsatzpause haben, dann reden sie mit Nachbarn, kontrollieren Gärten und Baumwuchs, leiten Teams an, die in Parks und auf offenen Grün- und Waldflächen das ausgetrocknete Unterholz beseitigen. Wer seinen Garten und sein Grundstück nicht in Ordnung bringt, dem droht eine hohe Geldstrafe.

Der Mangel an Niederschlag in Kalifornien hat die Böden ausgetrocknet. Es herrscht Wassernotstand im Bundesstaat. Viele Seen, Flüsse und Reservoirs sind fast ausgetrocknet oder auf einem absoluten Tiefstand. Die Rede ist von einer Jahrhundertdürre, jedes Jahr wird es schlimmer. Die Schneedecke in den Bergen ist so dünn wie noch nie zuvor. Doch bislang kam der Notstand bei den meisten Bürgern Kaliforniens noch nicht an. Nach wie vor wird mit dem Wasser hausiert, als ob das Trink-, Dusch- und Spülwasser aus dem Pazifik kommt. Und auch im Parlament in Sacramento hat man noch nicht die gesetzliche Bremse gezogen, obwohl seit Jahren klar ist, dass unbequeme Entscheidungen getroffen werden müssen. Stärkere Gesetze, die das Leben der Bürger einschränken, sind unbeliebt. Dann wird vom „Nanny State“ gesprochen, dem Bevormundungsstaat. Was in Deutschland „Freie Fahrt für freie Bürger“ ist, bedeutet in den USA „Keep the government out of my personal life“. Und da fällt eben alles mit drunter, auch, dass man nach dem Pinkeln sechs Liter Wasser beim Abziehen verschwendet. Ein umweltpolitisches Umdenken ist in Amerika noch lange nicht in Sicht.

9/11 Schwindel der Sonderklasse

Sie wurden „New York’s Finest“ und „New York’s Bravest“ genannt. Sie rannten in die brennenden Türme, als Amerika von einer Handvoll Terroristen angegriffen wurde. Doch so fein und so mutig waren einige von ihnen dann wohl doch nicht. Am Dienstag wurden Dutzende von ehemaligen Polizisten und Feuerwehrleuten, deren Anwälte und Ärzte aus New York verhaftet. Man wirft ihnen massiven Versicherungsbetrug vor, der den Steuerzahlern Hunderte von Millionen Dollar gekostet haben soll.

Am Terrortag, dem 11. September 2001, starben 343 Feuerwehrleute und 23 Polizisten in den Trümmern des World Trade Centers. Unzählige der Einsatzkräfte ließen sich danach pensionieren. Stress, Alpträume, gesundheitliche Probleme wurden angeführt. Für den Großteil der Betroffenen traf das sicherlich auch zu. Doch einige der Frührentner erschwindelten sich anscheinend lukrative Abfindungen, Entschädigungen, Pensionen. Sie arbeiteten einfach danach an anderer Stelle weiter, obwohl das unter den Rahmenbedingungen nicht erlaubt war. Auch behielten etliche der Polizisten ihre Knarren, ebenfalls ein Verstoß gegen Richtlinien. Zwei Jahre lang untersuchte unter höchster Geheimhaltung eine Spezialabteilung der New Yorker Staatsanwaltschaft mit Unterstützung des „Internal Affairs Bureau“ der New Yorker Polizei etliche Fälle von Frühpensionisten nach den Terroranschlägen von 9/11. Am Dienstag schlugen sie dann zu, verhafteten Dutzende von ehemaligen Beamten. Ein Skandal der besonderen Schwere, denn hier werden die amerikanischen „Helden“ des 11. Septembers direkt angeklagt.

„Ich schmeiss alle raus“

San FranciscoDie „City by the Bay“ hat Riesenprobleme. Schlappe 522 Millionen Dollar ist das Haushaltsloch gross. Da hilft eigentlich so gut wie gar nichts. Man kann zwar Gebühren für allerlei Bürgerserviceleistungen und Preise für Fahrscheine des öffentlichen Nahverkehrs anheben, man kann auch mal Angebote reduzieren oder Öffnungszeiten für Museen verkürzen, aber irgendwie kommt man da am Ende auch nicht auf diese magische Zahl 522 Millionen Dollar. Das ist doch alles nur ein Geschiebe von Pennies.

Nun greift Bürgermeister Gavin Newsom zu radikalen Hilfsmassnahmen. Er hat 15.000 seiner 26.000 städtischen Angestellten gekündigt. Ratzfatz haben diese 15.000 am Freitag ein Entlassungsschreiben bekommen.  Und das ging quer durch die Bank. Vom Müllmann bis zum Lehrer, vom Sachbearbeiter bis zum Ingenieur. Das Geheule war gross, auch wenn Newsom erklärte, er werde die meisten wieder einstellen, denn die Idee hinter dieser Kündigungswelle ist, dass er die städtisch Bediensteten zu anderen Konditionen wieder an ihren Job holt. Newsom hatte im Vorfeld versucht einen breiten Einschnitt bei den Gehältern durchzusetzen. Doch das ist ihm nicht gelungen. Die Gewerkschaften zogen nicht mit. Also schmeisst er nun fast alle raus, die 40 Stunden in ihrem Vertrag haben, stellt sie dann wieder mit Verträgen für 37,5 Stundenwochen ein, zahlt ihnen 6,25 Prozent weniger Gehalt und spart damit einen riesigen Batzen Geld.

Das ist doch auch mal ein Weg, um das Haushaltsloch zu flicken. Allerdings wäre es ja zu leicht, wenn das alles ohne Probleme über die Bühne gehen würde. Schon jetzt haben etliche Arbeitnehmerorganisationen heftigen Widerstand gegen diese Vorgehensweise angekündigt. Gavin Newsom kann sich also auf was gefasst machen. Doch ihm kann es egal sein, denn er steht nicht mehr zur Wiederwahl an. Als er vor drei Jahren noch im Wahlkampf war, „erkaufte“ er sich die Stimmen der mächtigen Polizei- und Feuerwehrgewerkschaften mit einem Gehaltszuschlag von 23 Prozent über vier Jahre. Politik ist schon ein seltsames Geschäft.

Hunderettung in Los Angeles

In Los Angeles wurde am Freitag ein Hund aus einem Hochwasserkanal gerettet. Der Vierbeiner war zuvor an einer Einstiegstelle ins Wasser geraten, abgetrieben worden und fand nicht mehr zurück. An den hohen Kanalwänden konnte er nicht hochklettern. Die verständigte Feuerwehr rief einen Hubschrauber zur Hilfe. Ein Feuerwehrmann wurde heruntergelassen, um dem Hund zu helfen. Das Tier war allerdings völlig in Panik geraten und biss erstmal zu. Doch der Feuerwehrmann gab nicht auf und schaffte es schliesslich den Vierbeiner unter Kontrolle zu bringen und festzuhalten. Ein dramatisches Video zeigt die Hilfsaktion.

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Nordkalifornien brennt

Die Feuersaison hat in diesem Jahr früh in Kalifornien begonnen. Derzeit sind gleich zwei riesige Brände im näheren Umfeld ausser Kontrolle. Und die eigentliche Feuersaison im Herbst ist noch Wochen weg. Der Grund für diese Feuer liegt in einer Trockenperiode in diesem Jahr. Es hat nur wenig geregnet, die Böden und das Unterholz sind ausgedorrt. Kalifornien ist in Sachen Feuergefahr in höchster Alarmbereitschaft. Da reicht eine Zigarettenkippe, eine Glasscheibe, ein Blitzeinschlag. Dazu noch die passenden Winde und schon lodert ein Wald.

Hier Bilder vom Feuer in den Santa Cruz Mountains:

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Und hier das Feuer in Livermore, im Osten der San Francisco Bay Area:

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Kaliforniens Kahlschlag

Was derzeit hier in Kalifornien abgeht, geht auf keine Kuhhaut mehr. Der Gouverneur, die Abgeordneten im Parlament und die verschiedensten Lobbygruppen streiten sich darum, wie man das riesige Haushaltsloch schliessen soll. Und was da angedacht ist, ist ein reiner Kahlschlag mit dramatischen Folgen.

Schon jetzt fragt man sich als kalifornischer Steuerzahler, was eigentlich mit dem Geld gemacht wird, das man regelmässig abdrücken darf. Es gibt weder ein funktionierendes öffentliches Verkehrssystem, die Strassen und Highways sind in einem desolaten Zustand, die Kommunen sind hoch verschuldet, die Parks werden nur noch notdürftig betreut, die Schulen sind überlaufen, die Universitäten stehen kurz vor dem Kollaps. Sogar bei Feuerwehren und Polizei wird gespart. Querbeet werden einfach Ausgaben gestrichen.

Das Ergebnis ist schon jetzt sichtbar…doch die Zukunft sieht sehr düster für den Sonnenstaat Kalifornien aus. Gab der Staat Kalifornien 1990 noch 15,860 Dollar pro Student an den staatlichen Universitäten aus, sind es nach den jüngsten Haushaltsplänen nur noch 7,680 Dollar. Die Gehälter von UC Professoren liegen schon jetzt deutlich unter denen von privaten Bildungseinrichtungen, und sie sollen weiter fallen. Ganz zu Schweigen von gekürzten Mitteln für Forschung und Wissenschaft. Die weltweit angesehenen Universities of California im UC-Verbund werden per Rotstift zur Mittelmässigkeit verdammt…oder wie es eine Absolventin der UC Berkeley sagte: „We’re going to be fucking Mississippi“.