Das Ende von Weinstein

Am Sonntagabend gab die Weinstein Company bekannt, die Insolvenz für die Filmproduktionsfirma zu beantragen. Damit ist ein dramatisches und schnelles Ende eines einst übermächtigen Hollywood-Moguls erreicht worden. Dazu ein Interview:

Einer der Erfolgsfilme aus dem Hause „Weinstein“.

– Ist die Insolvenz nun allein auf die #metoo-Debatte zurückzuführen?

Dass es so schnell ging, kann man sicherlich auf die #metoo Kampagne zurückführen, die ja nach dem Bekanntwerden der sexuellen Übergriffe durch Harvey Weinstein, dem Mitbegründer der Weinstein-Company, ins Leben gerufen wurde und sich seitdem verselbstständigt hat und international geworden ist. Die Firma des einstig übermächtigen Filmproduzenten wurde von allen Seiten umgehend fallengelassen. Niemand wollte mehr etwas mit Weinstein oder der Firma zu tun haben. Hinzu kam, dass die #metoo Kampagne ja eine Lawine ausgelöst hat, durch die zahlreiche andere bekannte Showgrößen und auch Politiker zurücktreten mussten. Damit blieb der Name Weinstein in den Medien, es wurde einfach nicht ruhiger. Von daher waren die Aussichten auch nur irgendwie das Unternehmen am Leben zu erhalten äußerst gering.

– War der Reputationsschaden schlicht zu gross?

Ganz klar ja. Der Schaden am Namen Weinstein war einfach zu gross. Jeder dachte nur noch an den Produzenten, der sich durch seine Macht sexuelle Vorteile erzwungen haben soll. Und wenn die Firma so heisst, wie der vermeintliche Täter, dann denkt da niemand mehr an Qualitätsfilme, sondern eher daran, was sich hinter den Kulissen der Filmsets abgespielt haben könnte.

– Berichten zufolge hatte Weinstein – trotz seines Gewichts in der Branche – schon vorher kein gutes wirtschaftliches Händchen.. Was steckt also alles hinter der Insolvenz?

Ja, die Firma soll hochverschuldet gewesen sein, das Führungsgremium soll sich zu lange auf den Erfolgen früherer Tage ausgeruht haben. Ganz deutlich wird von Mismanagement gesprochen, das war vielen Eingeweihten und Beobachtern auch schon vo dem Sexskandal klar. Und die Weinstein Company hatte schon länger keinen grossen Hit mehr. Die Zeiten von Oscar prämierten Filmen with “The Artist” und “The King’s Speech” sind lange her. Zuletzt wurde Weinstein nur noch mit totalen Flops in Verbindung gebracht. Die finanzielle Lage war also schon mehr als schief. Der Skandal um Harvey Weinstein bedeutete dann das Ende ist ganz nah.

– Und was bedeutet das für die Filmwelt?

Nun muss geordnet werden, was von der Firma übrig bleibt, wer die Rechte bekommt. Für die Filmbranche insgesamt bedeutet der Skandal, der Sturz von Weinstein, auch eine Art Neubeginn. Schon jetzt spürt man, wie sich der Ton verändert hat, wie anders miteinander umgegangen wird, wie auch mehr Frauen nach vorne drängen und Führungsrollen übernehmen und übernehmen wollen. Die Weinstein Firma sollte ja von einer Investorengruppe um Maria Contreras-Sweet aufgekauft werden, die vor hatte, ein Führungsgremium aus Frauen einzusetzen. Das wäre ein ganz deutliches Signal in Richtung Hollywood gewesen.

Oakland und sein „Black Panther“

Das „Grand Lake Theatre“ in Oakland ist das älteste Kino de Stadt. 1929 wurde es eröffnet und ist zu einem Wahrzeichen der Stadt in der East Bay geworden. Schon von weitem kann man den gewaltigen Namenszug auf dem Dach des Filmtheaters sehen.

Der 31jährige Filmemacher Ryan Coogler, wählte das „Grand Lake Theatre“ für die Premiere seines neuesten Streifens „Black Panther“. Zuvor schon hatte er seinen Film „Fruitvale Station“ über den Tod von Oscar Grant hier erfolgreich gezeigt. Coogler ist eng mit Oakland verbunden, wuchs hier und in der East Bay auf, ging zur Schule, machte hier seine ersten Schritte im Filmbusiness. Schon früh wurde sein Talent entdeckt.

Und nun der Mega Millionen Blockbuster „Black Panther“. Allein am Eröffnungswochenende spielte der Film über 242 Millionen Dollar in den USA ein. Schon im Vorfeld wurde der Streifen als ein Meilenstein im amerikanischen Kino gehypt. Und das nicht ohne Grund, schwarze Superhelden, eine siegreiche, führende schwarze Gesellschaft, ein Film, der die afro-amerikanische Community einte. In den letzten Wochen war ich mehrmals für ein Feature zu Gast in einer afro-amerikanischen Kirche in Berkeley. Und auch hier wurde der Film als wichtiges Zeichen gesehen, angekündigt, dass gleich mehrere Gemeinden das gesamte „Grand Lake Theatre“ für eine Sondervorstellung von „Black Panther“ reserviert hätten. „Einzige Bedingung, kommt in afrikanischer Kleidung, feiert Eure Wurzeln“, meinte Pastor Mike unter dem Jubel der Gemeinde.

Gestern nun habe ich mir den Film angesehen, natürlich im „Grand Lake Theatre“. Der alte Kinosaal mit Stuck an der Decke war vollgepackt. Ein gemischtes Publikum, was für eine Stadt wie Oakland nichts ungewöhnliches ist. Und „Black Panther“ wurde gefeiert, denn der Film beginnt mit einer Szene in Oakland und endet hoffnungsvoll in Oakland. Auch wenn ich kein Fan von Marvel-Comics und Superhelden bin, „Black Panther“ ist ein beeindruckender Film, der zur richtigen Zeit für viele im Land kommt. Und nicht nur für die Schwarzen und Farbigen in den USA.

Der Blick in die Welt

Seit 1996 findet in San Francisco Jahr für Jahr das deutschsprachige Filmfestival „Berlin & Beyond“ statt. San Francisco ist eine Film- und Festivalstadt, hier trifft man auf ein Publikum, das den Blick hinter die Glanz- und Glimmerwelt Hollywoods wagt und wagen will. Ein Blick in die Welt. Das deutschsprachige Filmfestival mit Streifen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bietet genau das.

Doch „Berlin & Beyond“ war noch nie so wichtig, wie in diesem Jahr. Mit der Wahl von Donald Trump, mit seiner Bauchnabelschau, seinem „America First“ Ruf, seinem „Make America Great Again“ wird ein fataler Kurs in den USA eingeschlagen. Amerika wendet sich von der Welt ab und vergisst scheinbar dabei, dass dieses Land nicht der Mittelpunkt des Universums ist.

„Berlin & Beyond“ kommt daher mit einer vielseitigen Filmauswahl zur richtigen Zeit. Der Blick auf das Leben, die Kultur, die Probleme, den Humor, die Kreativität in einem Land, das der neue Präsident schon jetzt als „Gegner“ auserkoren hat. „Berlin & Beyond“ zeigt, dass uns alle viel mehr vereint als uns trennt. Ob hier in San Francisco, in Oklahoma City, in Flensburg oder Zwickau, der Alltag und seine Freuden und Sorgen ist überall gleich. Ein Donald Trump denkt in schwarz-weiß, doch die Welt ist bunt. Das klingt platt, aber wer die Filme dieses Festivals ansieht, der merkt sehr schnell, dass der Weg, auf den Donald Trump die USA bringen will, ein Irrweg ist. Denn, wie sang mal Udo Lindenberg; „Hinter’m Horizont geht’s weiter“.

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Wenn die Erde so richtig bebt

Filmplakat für San Andreas.

Filmplakat für San Andreas.

„San Andreas“ heißt der neueste Blockbuster Action-Desaster Film aus Hollywood. 100 Millionen Dollar wurden für das Trickfilmspektakel ausgegeben, ein Beben der Superlative erschüttert Kalifornien. Nichts bleibt mehr heil, Hochhäuser zerbröckeln einfach, Straßen werden aufgerissen und eine gigantische Tsunamiwelle rollt auf das Golden Gate zu.

Für die Hauptrollen wurden  Dwayne Johnson, Carla Gugino, Alexandra Daddario, Colton Haynes und Paul Giamatti engagiert. Gedreht wurde in Australien und in San Francisco. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich mir den Streifen im Kino ansehen werde. Der offizielle Trailer hat es allerdings in sich, auch wenn da schon den Hollywoodmachern die Pferde durchgehen. Da frage ich mich, was da noch alles im Film passieren soll, und, wie wird bei so einer gewaltigen Katastrophe ein Hollywood Happy End wohl aussehen. Ich weiß nicht, ob ich das eineinhalb Stunden und dazu noch in 3D aushalten will.

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Tief in einer Plattenkiste

Der Soundtrack "Judgment at Nuremberg".

Der Soundtrack „Judgment at Nuremberg“.

Gestern lief ich bei einem „Estate Sale“ vorbei, das Inventar und alles, was so dazu gehört wurde aufgelöst. Teils schreckliche Bilder neben dunkelholzigen Möbeln, allerlei Krimskrams, Geschirr, Vasen, Tischdeckchen. Und dann auch ein Regal mit Büchern und davor eine Kiste mit Platten. Und ich wurde fündig. Eine drei LPs umfassende Box von Kurt Weills „Rise and Fall of the City of Mahagony“, eingesungen vom „North German Radio Chorus“ mit Lotte Lenya.

Und dann stand da auch der Soundtrack mit dramatischen Höhepunkten von „Judgment at Nuremberg“, jener Film der 1961 in Nürnbergs mit Spencer Tracy, Burt Lancaster, Marlene Dietrich, Maximillian Schell, Judy Garland und Montgomery Clift gedreht wurde. Eine Platte, an der ich einfach nicht für gerade mal einen Dollar vorbeigehen konnte. Den Film habe ich schon mehrmals gesehen und war immer wieder davon tief beeindruckt. Genauso wie vom Soundtrack und den Originalausschnitten.

Porsche vor Gericht

Schauspieler Paul Walker starb am 30. November 2013. Der Star aus „Fast & Furious“ war Beifahrer in einem Porsche Carrera GT, am Steuer saß sein Freund Roger Rodas. Im Polizeibericht heißt es, der Wagen fuhr mit etwa 100 Meilen pro Stunde auf einer gut beleuchteten und fast leeren Straße in Santa Clarita, im Großraum Los Angeles. Erlaubt waren 55 Meilen pro Stunde. Aus unbekannten Gründen verlor der Fahrer die Kontrolle über den Wagen, rammte den Bordstein, prallte gegen einen Baum, dann gegen einen Lichtmasten, wirbelte 180 Grad herum und prallte erneut gegen einen Baum. Dort fing der Wagen Feuer. Beide Insassen hatten keine Chance und starben am Unfallort.

Die Experten der Highway Patrol und des Los Angeles Sheriff Departments kamen zu dem Ergebnis, dass es sich um einen Fahrfehler handelte und nicht um ein mechanisches Problem. Roger Rodas war schlichtweg zu schnell unterwegs, als er die Kontrolle am Steuer verlor.

Doch damit will sich die Witwe von Rodas nicht abfinden. Sie hat nun die besten Anwälte eingeschaltet und Porsche vor einem Gericht in Los Angeles verklagt. Roger Rodas sei ein erfahrener Rennfahrer gewesen, erklärt sie. Außerdem stimmten die Angaben der Polizei nicht, der Wagen sei nur mit 55 Meilen pro Stunde unterwegs gewesen, das hätten ihre „Experten“ heraus gefunden. Dem Porsche fehlten mehrere Sicherheitsfeatures, die bei einem Sportwagen wie diesem Standard sein müßten, führten die Anwälte von Kristine Rodas in ihrer Klage an. Und das könnten sie prüfen. Demnach liege also kein Fahrfehler vor, sondern ein Designfehler des deutschen Autoherstellers. Über die Höhe des eingeklagten Schadensbetrages wurde geschwiegen. Porsche Nordamerika hat bislang noch keinen Kommentar zur Klage abgegeben.

Hollywood im Bibel Fieber

Amerikanische Christen landauf, landab freuen sich auf ein großes Filmjahr. In dieser Woche kommt „Son of God“ in die Kinos, ein Streifen, der die Geschichte Jesus Christus nacherzählt. Pfarreien und Fernsehprediger haben dazu aufgerufen, Tickets für diesen Film zu erwerben. Ganze Kinos sind schon im Vorfeld ausverkauft. Christliche Gruppen wollen ein deutliches Signal an Hollywood richten, dass solche Filme durchaus gefragt sind und erfolgreich sein können. In diesem Jahr werden auch noch die Hollywoodstreifen über „Noah“ und „Moses“ in die Kinos kommen.

„Son of God“ basiert auf der sehr erfolgreichen Mini-Serie „The Bible“, die im History Channel ausgestrahlt wurde. Die 10stündige Serie war die bislang erfolgreichste eines amerikanischen Kabelkanals. Produziert wurde sie vom Ehepaar Roma Downey und Mark Burnett. Der Spielfilm ist nun ein Zusammenschnitt und konzentriert sich auf das Leben Jesus. Allerdings entschlossen sich die Produzenten eine umstrittene Person aus dem Streifen zu schneiden. In der Mini-Serie tauchte in einer Szene Satan auf, der viele Fernsehzuschauer an Barack Obama erinnerte.“Es freut mich, Ihnen mitteilen zu können, dass der Teufel auf dem Boden im Schnittraum liegt. Dieser Film dreht sich nun allein um Jesus, den Sohn Gottes, der Teufel bekommt keine Sendezeit mehr“, meinte Roma Downey in einer Presseerklärung. Vorausgegangen waren Proteste, die dem Ehepaar politische Meinungsmache und rassistische Ansichten vorwarfen. Klar ist schon jetzt, dass „Son of God“ einer der erfolgreichsten Filme in diesem Jahr werden wird.

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König Ludwig am Golden Gate

      Berlin & Beyond 2014

Schon zum 18. mal fand in der vergangenen Woche das deutschsprachige Filmfestival „Berlin & Beyond“ in San Francisco statt. 23 Filme und etliche Kurzfilme „made in Germany, Austria and Switzerland“ wurden gezeigt. Zum ersten mal teilte man das Festival. Die großen Filme und Zuschauermagneten, wie der deutsche Beitrag für die Oscars „Zwei Leben“ oder der letzte Film von Regisseur Peter Sehr, „Ludwig II“, zeigte man im riesigen Castro Theatre, einem alten Kinosaal aus den ruhmreichen 1920er Jahren. Weit über 1000 Zuschauer kamen jeweils allein zu diesen Filmen.

Am heutigen Dienstag wird im Goethe-Institut in der Bush Street das diesjährige Festival mit „Unter Menschen“ und „Schuld sind immer die anderen“ seinen Schluß finden. „Berlin & Beyond“ hat sich über die Jahre in die Top Ten der Filmfestivals in San Francisco vorgearbeitet. Das ist ein Erfolg, denn die Streifen werden alle mit Untertiteln gezeigt und die nordkalifornische Metropole ist eine Film, ja, eine Filmfestival statt. Rund 10.000 Tickets werden jedes Jahr für die Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz verkauft. Die Zuschauer sind begeistert, auf diesem Weg etwas mehr über Deutschland, Österreich, die Schweiz, die deutsche Sprache und die Kultur aus Übersee zu erfahren.

Dazu der aktuelle Audiobeitrag, siehe oben.

Wim Wenders mag Musik

      Wim Wenders

Sein Geld verdient er mit Filmen. Mit richtig guten Filmen, muß man schon sagen. Vor ein paar Jahren traf ich Wim Wenders für ein Interview in San Francisco. Natürlich ging es dabei um das Thema Film. Nach dem sehr interessanten und netten Gespräch gab ich ihm eine Platte einer meiner Lieblingsbands und bat ihn da mal reinzuhören. Denn irgendwie, so meinte ich, könnte das was für einen seiner nächsten Filme sein.

Keine Ahnung, ob er dachte, was soll denn das nun, auf jeden Fall schleppte er die Platte mit sich rum, bis er wieder in Berlin war. Dort hörte er rein und es gefiel ihm. Nicht für einen neuen Film, aber gut genug, die Band anzuschreiben und alles von ihnen gegen Vorkasse zu besellen. Nach langer Zeit ist nun endlich die neue Infamis Platte veröffentlicht worden. „Im Westen der Himmel“ heißt sie, erschienen auf „Wenders Music“. So klein kann die Welt sein.

Dazu das obige Audiointerview mit Wim Wenders, den ich bei Dreharbeiten in Montreal erreichte.

 

D + CH + A in SF

Der deutschsprachige Film ist gefragt in den USA. Klar, „Metropolis“, „Das Boot“…auch noch „Lola rennt“ und „Der Untergang“, aber auch die neueren Streifen kommen an, was die Erfolge von Fatih Akin oder Florian Henckel von Donnersmarck belegen. Derzeit läuft wieder das Filmfestival „Berlin & Beyond“ in San Francisco, das größte seiner Art weltweit…zumindest außerhalb der deutschsprachigen Länder. Und die Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ziehen ihre Fans an. Es wird gelacht, geweint, heftigst diskutiert und gefeiert, alles im Zeichen des Films „made in Germany, Austria and Switzerland“. Eine tolle Sache.

Zur 16. Ausgabe des Festivals ein aktueller Hörbeitrag:

      Berlin & Beyond 2012