Eine filmische Brücke zwischen Berlin und San Francisco

Pornofilme haben einen schlechten Ruf. Rein-Raus, der schnelle Quickie, sie seien frauenfeindlich und geben nur ein falsches Bild von Sexualität wider. Dass das nicht so sein muß, zeigt Jahr für Jahr das Berliner Pornofilmfestival. Und das hat durchaus weite Kreise gezogen. Einige Filmbegeisterte im fernen Kalifornien wurden auf den Plan gerufen. Das erste San Francisco Pornfilmfestival findet Mittwoch bis Sonntag (19.-23.8.) Corona bedingt online statt.

“Weißt Du, in Toronto gibt es ein Pornofilmfestival, London hat eins, Berlin und auch Madrid. Und ich dachte mir, warum gibt es das überall, San Francisco braucht auch eines”, das meinte Shine Louise Houston zu mir, die Direktorin des ersten Pornofilm Festivals in San Francisco ist, auf die Frage, warum sie ein Filmfest mit nackten Tatsachen ans Golden Gate bringen wollte. Für sie war klar, das im prallen Festivalkalender von San Francisco solch eine Filmschau einfach fehlt, auch wenn andere Events, wie das weltweit größte LGBTQ Filmfest “Frameline” immer mal wieder “After Dark” Streifen im Programm haben, also Filme mit eindeutigen Sexszenen.

Vor über zehn Jahren sei sie zum ersten Mal zum Pornofilmfest nach Berlin gereist, meint Houston. “Ich war vollkommen hin und weg, denn da machten Leute etwas, was ich gerade erst für mich entdeckt hatte, ich bin eine Filmliebhaberin. Für mich war klar, ich wollte wirklich schöne Filme machen und hier waren Leute, die dieselben Ideen und Werte hatten und fantastische Dinge realisierten.”

San Francisco, die Stadt am Golden Gate, ist wohl wie für dieses Festival gemacht. In San Francisco werden die teils puritanischen Gesetze wie in anderen Teilen der USA einfach ignoriert. Die “City by the Bay” gilt als die Hauptstadt der Gay-Bewegung, hier feiert alljährlich die BDSM Szene ganz offen das Folsom Street Fair mit Hundertausenden von Besuchern. Und hier gibt es auch eine lange Geschichte von unabhängigen Filmschaffenden, die teils künstlerisch, teils gewagt und provokant “Adult Movies”, Filme mit sexuellem Inhalt, produzierten. In den 1960er Jahren nannte die New York Times San Francisco sogar “The Smut Capital of the United States”, also die Porno oder Schweinkram Hauptstadt der USA.

Die Dokumentation “Smut Capital of America”, die beim Festival gezeigt wird, erzählt genau davon, dass San Francisco einmal das Epicenter der amerikanischen Pornoszene war. Doch davon ist nicht mehr viel übrig geblieben. Heute denkt man bei US Pornos vor allem an das San Fernando Valley außerhalb von Los Angeles und an Las Vegas.
Für Shine Louise Houston ist es dennoch ein Heimbringen eines Filmgenres, dass hier sowieso schon auf verschiedenste Weise gefeiert wurde: “Ich verstehe Porno einfach als ein weiteres Film Genre. Es ist nicht monolithisch, es gibt vielmehr eine riesige künstlerische Vielfalt innerhalb des Genres, bei dem man denkt, oh mein Gott, das ist Porno?”

Es geht bei diesem Pornofilmfestival nicht um die schnelle Befriedigung, um unmögliche Positionen, um ein aneinander reiben von wunderschönen Körpern. Ganz im Gegenteil, Porno ist hier ein weit gefasster Begriff. Ja, es wird auch kopuliert, geleckt und mit Grenzen gespielt, aber es wird vor allem ein durchaus künstlerischer, ästhetischer und politisch korrekter Blick auf nackte Haut und Vorlieben gewährt.

Eigentlich sollte es ja ein traditionelles Festival in einem Kinosaal werden, die Verträge waren unterschrieben, doch dann kam Corona. Und alles änderte sich. Was tun? Für Shine Louise Houston war klar, man werde am eigentlichen Konzept festhalten. “Wir wollten nicht einfach “Video on demand” machen, also, dass die Leute sich die Filme einfach ansehen können, wann sie wollen. Mir war die Festivalidee wichtig. Das miteinander Ansehen als Erfahrung. Also machten wir uns daran, wie wir das live Streamen können, mit einem Live Chat und all dem, damit man das Gefühl bekommt, die Filme gemeinsam zu sehen. Denn für mich ist gerade das der wesentliche Part eines Festivals.”

Im nächsten Jahr soll es dann aber doch ins Kino gehen, der Vertrag mit dem Brava Theater am Rande des Mission Distrikts von San Francisco wurde einfach um 12 Monate verschoben. In diesem Jahr allerdings kann man problemlos auch aus der Nürnberger Metropolregion dabei sein.
Tickets für das Festival gibt es hier: https://sfpff.pinklabel.tv/tickets/

Man spricht Deutsch

Zum 19. Mal öffnet sich am heutigen Donnerstag der Vorhang im historischen Castro Theatre in San Francisco für das deutschsprachige Filmfestival „Berlin & Beyond“. Spielfilme, Kurzfilme, Dokumentarfilme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz werden in den kommenden Tagen präsentiert. Und meistens ist der Saal gut gefüllt oder sogar ausverkauft. Das Interesse am internationalen Kino, hier am deutschsprachigen Film, ist groß in San Francisco.

Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beim 19. "Berlin & Beyond" Filmfestival in San Francisco.

Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beim 19. „Berlin & Beyond“ Filmfestival in San Francisco.

Die „City by the Bay“ ist eine Filmfestivalstadt. Eigentlich gibt es das ganze Jahr über Angebote. Aus allen Ecken der Welt, zu den verschiedensten Themenschwerpunkten werden Filmfeste organisiert. Da ist es nicht leicht, eine Filmschau mit Streifen aus Übersee zu zeigen, alle mit Untertiteln und dennoch sein Publikum zu finden. Doch „Berlin & Beyond“ hat sich etabliert, ist zu einem frühen Highlight im Festivaljahr der Stadt, ja, der Region geworden.

Waren am Anfang, Mitte der 90er, die „Movies“ aus Deutschland noch eher düster und stimmungsgeladener, sind sie heute lockerer, leichter und weltoffener. Als jemand, der von Anfang an mit dabei war, kann man durchaus die Entwicklung im deutschsprachigen Kino beobachten und erkennen.

„Berlin & Beyond“ erlaubt diesen Blick nach drüben. Für Amerikaner, die zum einen das deutsche Kino schätzen, gerade diese etwas anderen, nicht Hollywood gerechten Filme lieben. Da sind aber auch Besucher, die auf irgendeine Art und Weise einen Bezug zu Deutschland, Österreich und der Schweiz haben und über die Filmwelt in die eigenen Erinnerungen und Erfahrungen eintauchen. Und „Berlin & Beyond“ wurde auch zu einem Treffpunkt der vielen hier lebenden Deutschen, Österreicher und Schweizer. Man merkt das deutlich, wenn im Kino dann gelacht wird, wenn die Untertitel diesen bestimmten und teils eigenartigen deutschen Humor nicht vermitteln können.

In diesem Jahr werden wieder etliche Gäste erwartet, darunter Hannelore Elsner, Doris Dörrie, Pepe Danquart und Ronald Zehrfeld. Sie alle werden begeistert sein vom begeisterten und interessierten Publikum, von den vielen Fragen – teils sehr detailiert, teils sehr schräg – und von einer Stadt, die sich in diesen Tagen in sommerlichen Temperaturen präsentiert.

„Berlin & Beyond“ wird organisiert vom Goethe-Insitut. Es ist ein tiefgehender, teils bewegender, teils humorvoller Blick auf eine irgendwie vertraute Kulturlandschaft, die doch so ganz anders ist. Das Publikum genießt diese Sichtweise, fernab der perfekten Hollywoodmaschine, und kommt jedes auf ein neues ins historische Castro Theatre.

YouTube Preview Image

Man spricht Deutsch

Das wohl größte deutsche und deutschsprachige Kulturereignis in Nordkalifornien ist in jedem Jahr das „Berlin & Beyond“ Filmfestival. Klein angefangen mit dunkel-düster Filmen, die im Rückblick eigentlich alle irgendwie herbstlich, bedrückend, depressiv wirken, hat sich das Festival über die Jahre zu einem festen Bestandteil der Kulturszene San Franciscos entwickelt. Heute rangiert B&B in den Top Ten der Filmfestivals Nordkaliforniens. Und das will was heißen in einer Region, in der fast an jedem Tag im Kalender ein Festival stattfindet.

Bei „Berlin & Beyond“ werden Filme gezeigt, die so ganz anders sind, als das, was man hier im Kino und im Fernsehen vorgesetzt bekommt. Es gibt zwar Programmkinos und Independent Television, aber dieser Blick von innen, den deutschsprachiges Kino ermöglicht, der fehlt ganz. Überraschend ist, dass die Streifen „Made in Germany, Switzerland and Austria“ so gut in San Francisco ankommen, und das, obwohl sie mit Untertiteln laufen. Hier will man den Blick über den eigenen Tellerrand und ist bereit Filme auch zu lesen. Mittlerweile hat sich „B&B“ sogar ausgebreitet und zeigt auch an anderen Orten deutsche Filme.

Organisiert wird das ganze vom Goethe-Institut, unterstützt von einer breiten Kultur-Koalition. Und hier muß man sagen und einfach anerkennen, dass deutsche Steuergelder sinnvoll eingesetzt werden. Deutschland präsentiert sich locker und offen, interessant und interessiert, jung, modern, kritisch, politisch und humorvoll, was ganz gegen das Vorurteil der Amerikaner ist. Deutsche und Humor? Doch, das geht und es wird gezeigt bei „Berlin & Beyond“. Deutsche lachen auf der Leinwand und im Publikum, auch über sich selbst, haben Spaß, genießen in vollen Zügen das Medium Film. Und, der deutsche Film hat international betrachtet eine durchaus gute Stellung.

Gestern war erneut „Opening Night“, das Castro Theatre, das „schönste Kino weltweit“, wie es Filmemacher Pepe Danquart beschreibt, war fast ausverkauft. Eine Woche deutschsprachige Filme warten aufs Publikum, eine richtig tolle Sache.

 

Der deutsche Film und Wim Wenders

In der vergangenen Woche fand zum 14. mal das deutschsprachige Filmfestival „Berlin & Beyond“ in San Francisco statt. Es ist das grösste und erfolgreichste seiner Art im Ausland. Und es war wieder ein voller Erfolg. Das riesige Castro Theatre, das schönste und auch grösste Kino der Stadt, war immer gut gefüllt und bei manchen Vorstellungen sogar ausverkauft. Gezeigt wurden Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die alle mit Untertiteln liefen. Das Publikum war und ist durchaus dankbar mal etwas anderes zu sehen, als das übliche „Made in Hollywood“.

Viele Gäste kamen, darunter Hannelore Elsner, Andreas Dresen und Wim Wenders, der in San Francisco für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Am Rande eines Empfangs im Deutschen Generalkonsulat interviewte ich Wenders über dessen Leben zwischen Deutschland und Amerika und seinen Weg Filme zu machen. Das Interview – auf Englisch – kann man hier finden.