Wieviel kostet das Klopapier?

1850 Dollar und 42 Cent sollte der Flug mit Swiss von Kalifornien über Zürich nach Nürnberg und zurück kosten. Wohlgemerkt Economy oder auch Holzklasse genannt. Dazu muss man natürlich noch einen Sitzplatz reservieren, sonst wird man auf einen Mittelplatz gesetzt, nicht ideal für jemanden der mehr als 120 Pfund wiegt und größer als 1,60 Meter ist. Kurz vor dem Buchen fiel mir dann noch auf, dass da „no baggage allowance“ stand, also kein Koffer erlaubt. Nun bin ich Vielflieger, was mich dann doch etwas wunderte. Also rief ich bei Swiss an.

Über den Wolken muss für die Freiheit bezahlt werden. Foto: Reuters.

Nach etwa 20 Minuten in der Warteschleife meldete sich eine nette Frau mit asiatischem Akzent. Ich schilderte ihr mein Anliegen und fragte, ob da was nicht stimme, denn bei dem Preis müsste doch ein Koffer aufzugeben sein. Nein, meinte die Dame, ich habe ja Klasse S, also den „Spartarif“ gewählt, von daher müsste ich für einen Koffer 60 Dollar extra zahlen. Pro Flug, also insgesamt 120 Dollar. Ich machte die Frau vom Swiss Kundentelefon darauf aufmerksam, dass ich ja seit rund 20 Jahren Kunde der Lufthansa Gruppe sei, dazu gehört auch Swiss, und seit vielen Jahren als „Frequent Flyer“ zwischen den Kontinenten hin und her jette. Eigentlich darf ich ja sogar zwei Koffer mitnehmen. Nein, meinte die Dame erneut, mit dieser Sparpreiskategorie ($1850,42) dürfe ich auch als „Frequent Flyer“ keinen Koffer mitnehmen und müsse für mein aufgegebenes Gepäck zahlen. Auf die Frage, was nun als nächstes kommt, ob ich dann demnächst auch fürs Klopapier zahlen müsse, falls ich über den Wolken mal ein menschliches Bedürfnis hätte, konnte oder wollte sie nichts sagen.

Ich blieb ruhig, sagte der Frau, ich wisse ja, sie könne nichts für die Preisgestaltung, aber es sei doch ein Unding, dass ein so teurer Flug als Spartarif ausgeschildert wird. Und das eben vor dem Hintergrund, dass die Lufthansa Gruppe im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn eingefahren hat, 12 Prozent mehr als im vorausgegangenen Jahr. Ich verstehe auch durchaus die Preisstaffelung, für Geschäftsreisende auf nationalen Flügen oder auch internationalen macht es oftmals keinen Sinn ein Gepäckstück aufzugeben, von daher sollte diese Möglichkeit durchaus bestehen. Aber für jeden normalen Reisenden, der international unterwegs ist, gehört ein Koffer doch dazu. Früher durfte man zwei Koffer a 32 Kg mit sich führen, dann wurde das auf 2 Koffer a 23 Kg verringert. Heute ist es nur noch ein Koffer a 23 Kg und man muss für die Platzreservierung zahlen. Die Frage ist also, was kommt als nächstes? Öh Ha, die Antwort ist also, man muss für jedes Gepäckstück zahlen. Kundenservice sieht dennoch anders aus….schade, schade Ihr Lufthanseaten…

California here I come

Ich hab‘ Rücken. Dazu gab es noch Ebola Warnung. Jeder, dem ich von einem Magen-Darm-Virus erzählte, gepaart mit der Tatsache, dass ich in Afrika war, ging gleich mal zwei Schritte rückwärts. Auch wenn es im Tschad kein Ebola gibt, auch wenn sogar der Ansprechpartner am „Kompetenzzentrum“ in München, das ich auf ärztliches Anraten kontaktierte, mich gleich unterbrach und sagte „Sie haben kein Ebola“. Afrika und Durchfall heißt in diesen Tagen Ebola. Punkt.

Auf dem Weg nach Kalifornien.Mit Swiss Air ging es zurück ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Viele Möglichkeiten hat man jedoch nicht auf dem Flug, man ist für 12 Stunden quasi an den Sitz gefesselt. Wenn der Vordermann die Rückenlehne zurück setzt, stößt man sich den Kopf. Meine Rückenlehne ging zurück und hinter mir war eine ältere Frau mit Blasenschwäche, die ständig monierte, ich solle die Lehne vor machen, da sie auf die Toilette müsse und so nicht von ihrem Platz kommt. Ein vor und zurück also über den Wolken. Film schauen ging auch nicht so richtig, denn zum einen hat man den Monitor quasi an der Nasenspitze hängen, zum anderen ist auch bei der Lufthansatochter Swiss der Sparwahn ausgebrochen und Filme werden nicht mehr so oft ausgetauscht. Ich hatte das, was ich interessant fand, schon auf dem Hinweg vor vier Wochen gesehen.

Der Platz im Flieger wird enger und enger. Der Beinraum wird noch durch eine metallene Box beschnitten, die einfach unter den Sitz des Vordermanns geschraubt wurde. Auch schön. Egal wie man sich auch setzt und dreht, 12 Stunden hält man es in diesen dünnen Sitzen nicht aus. Also, der Urlaub oder die Reise fängt mit Sicherheit nicht mehr am Flughafen an. Wer das dennoch behauptet, hat entweder kein Gefühl im Gesäß, ist auf Drogen, Fesselungsfetischist oder gehört zur körperlich kleineren Bevölkerungsgruppe.

Das Fliegen, ich rede hier ausdrücklich nur von der „Economy Class“, ist zu einer Tortur geworden. Und zwar, wenn man größer als 1,65 Meter ist und mehr als 65 Kilogramm wiegt. Da haben wir wohl auch wieder das alte Problem. Anscheinend werden nun auch die Flugzeuge, oder zumindest Teile der Innenausstattung, in China produziert. Die nehmen dann die chinesischen Normalgrößen als Grundlage für ihre Bemessungen. Ist genauso, wie wenn ich mir ein XL T-Shirt „Made in China“ kaufe, das spannt dann etwas im Arm-, Schulter- und Brustbereich und ist bauchnabelfrei. Sehr attraktiv. Und im Flugzeug ist es eben auch so, die Sitze sind nicht mehr für Ottonormalverbraucher sondern für Dengchongping ausgelegt. Selbst wenn ich mit angelegten Ellenbogen das Essen vor mir verzehre, stoße ich dem Nachbarn in die Seite. Auf dem Weg zur Bordtoilette kann ich nur noch seitlich gehen, so eng ist der Gang geworden. Die Toilettenräume sind für Häftlinge in San Quentin ausgelegt, die jahrelanges Training in der Unterbringung auf engstem Raum haben. Und sicherlich ist das alles EU Norm und vom Gesetzgeber abgenickt. Ich weiß, ich weiß. Und klar, billig ist das alles nicht mehr. Heute zahle ich dreimal so viel für einen Flug SFO – NUE, wie noch vor zehn Jahren. Aber irgendwie muß ja die Pilotenrente ab 55 bezahlt werden. Über den Wolken, ist von einer grenzenlosen Freiheit nichts mehr zu spüren.

Lufthansa Streikkönigin

Wieder mal am Flughafen, diesmal Nürnberg Airport und mal wieder ein nettes Lächeln einer Lufthansa Mitarbeiterin.

Sie: „Tja, Ihr Flug heute geht leider nicht, der ist gecancelt“.

Ich: „Wie?“.

Sie: „Ja die Piloten sind im Streik.“

Ich: „Ich dachte der Streik ist beigelegt?“

Sie: „Die Piloten von Augsburg Airways streiken, auf diesen Zubringerflug nach München wurden Sie gebucht.“

Ich: „Auch schön!“

Sie: „Ja, gehen Sie mal zum Schalter da rüber, damit Sie umgebucht werden können.“

Also zog ich meine zwei Koffer auf die andere Seite der Mittelhalle und dort meinte man, ich solle doch ein Taxi nehmen. Nochmal ein „Auch schön!“. Eineinhalb Stunden später, unterwegs eine nette Konversation mit einem türkischen Taxifahrer und nun sitze ich hier am Münchner Flughafen und warte auf meinen Flug Richtung Westen. Was soll man sagen, gleich zwei Streiks auf einer Reise….das ist wahrlich der Streikjackpot.

Über den Wolken…(NOT)

Als die Familie Thomas kürzlich von Cleveland nach Minneapolis fliegen wollte, erlebten sie am Schalter von Continental Airlines eine Überraschung. Beim Einchecken von Herrn, Frau und Tochter Thomas leuchtete auf einmal der Name der sechsjährigen Alyssa auf. Sie, so der Continental Mitarbeiter, sei auf der sogenannten „No Fly“ Liste der US Regierung. Eine ellenlange Liste mit Threat LevelNamen, denen verboten ist, per Flugzeug in und nach den USA zu reisen. Das Ministerium für Heimatschutz gibt lediglich zu, dass es diese Datenbank gibt, allerdings nicht, wer auf dieser Liste steht, wie man darauf kommt und vor allem wie man wieder von ihr gestrichen wird.

Nach langem hin und her durfte Alyssa mit ihren Eltern den Flug nehmen, aber nur, nachdem der Vater zusicherte, umgehend mit den Behörden in Kontakt zu treten, um den Sachverhalt zu klären. Seltsamerweise war dies nicht der erste Flug der Sechsjährigen, doch das erste mal, dass ihr Name beim Einchecken auf der „No Fly“ Liste auftauchte.

Wie der Name von Alyssa auf die Liste kam ist nach wie vor unklar, die offiziellen Stellen hüllen sich in Schweigen. Das Problem für die Familie Thomas ist nun, dass sie für jeden Flug früher am Flughafen sein müssen, um nach genauer Prüfung die Reiseerlaubnis zu bekommen.

Auch schön!

Nun wird das Fliegen ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten noch schöner und angenehmer und nicht zu vergessen noch bequemer. Weil ein sprichwörtlicher Knaller mit dem Feuer spielt flippen nun alle aus. Sicherheit hin oder her, es macht für mich keinen Sinn, dass man nun als Passagier eine Stunde vor Landung nicht mehr aus seinem Sitz aufstehen, sich nichts mehr aus seiner mitgeführten Tasche nehmen und nichts im Schoss liegen haben darf. Also jemand mit Blasenschwäche oder mit einem schwachen Magen oder jemand, der sich noch kurz vor Landung die Zähne putzen und die Haare kämmen möchte wird von nun an als Cousin dritten Grades von Osama bin Laden angesehen. Mal ganz abgesehen von den strengeren Kontrollen an den Flughäfen…das wird eine Fummelei geben.

Ich habe so das dumme Gefühl, dass irgendwelche bärtigen Terrornetzwerkkommandanten keine Ahnung mehr haben, wie sie westlichen Nationen eins auswischen können. Von daher schicken sie einfach solche Haubentaucher, dumm wie Brot, wie den Schuhbomber Richard Reid oder nun Umar Farouk Abdulmutallab ins Feld, um mit Minimaleinsatz extremen Schaden anzurichten. Und das haben sie erreicht. Die Ticketpreise werden aufgrund der erhöhten Sicherheitsbestimmungen steigen, die Leute mehr angenervt sein und das Misstrauen gegenüber seinem Sitznachbarn wird nur verstärkt. Fliegen macht keinen Spass mehr…wo sind die Zeiten geblieben, als Peter Sellers noch für TWA warb…ach ja, Peter Sellers ist schon fast 30 Jahre tot und auch TWA fliegt seit 2001 nicht mehr am amerikanischen Himmel herum.

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Über den Wolken…

JetBlue…muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Das zumindest denkt sich die Fluggesellschaft jetBlue, die vom 8. September bis zum 8. Oktober ein „All you can fly“ Angebot hat. Also, nach dem Motto einmal zahlen, soviel auf den Teller laden wie es nur geht, nun also einmal zahlen und soviel fliegen, wie man will.
Man zahlt eine einmalige Gebühr von 599 Dollar ein und kann dann in diesen vier Wochen so oft und wohin fliegen, wie man will. Die Airline geht damit ganz neue Wege, mal sehen, ob sich dieses Angebot durchsetzen kann.

United macht Gitarren kaputt

Dave Carroll ist ein kanadischer Country Sänger, den eigentlich bislang nicht viele kannten. Doch dann flog er mit seiner Band für ein Konzert nach Omaha Nebraska. Vom Flugzeug aus musste die Gruppe mitansehen, wie das Bodenpersonal die Instrumente der Band durch die Gegend schmiss. Eine Gitarre ging zu Bruch. Carroll versuchte die United Stewardessen zum Einschreiten zu bewegen, vergeblich.

Er beschwerte sich anschliessend bei der Fluggesellschaft, doch auch da stiess er auf taube Ohren….Also machte Dave Carroll das, was er kann, er schrieb ein Lied „United breaks Guitars“, drehte dazu ein Video, stellte es auf You Tube…und auf einmal war er bekannt wie ein bunter Hund. Das Video wurde bereits eine halbe Million mal angesehen, die Medien berichten darüber, die Airline United ist peinlich berührt von dem Zwischenfall und der Reaktion ihrer Mitarbeiter und versucht zurück zu rudern…leider, leider darf ich das Lied wohl nicht im Country Programm vom Star Alliance Partner Lufthansa spielen:

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Besuch in Afghanistan

Im Dezember hatte ich die Möglichkeit, mit der Bundeswehr nach Afghanistan zu fliegen. Der Hintergrund dafür war, dass nur wenige Amerikaner und Kanadier überhaupt wissen, dass Deutschland ein grosses Kontingent an Soldaten am Hindukusch hat. Das wurde auch immer wieder im Wahlkampf deutlich, die Kandidaten verprachen, im Falle ihrer Wahl auf die Nato-Partner einzuwirken, aktiver in Afghanistan zu werden.

Mein Radiobeitrag ist also eigentlich für eine amerikanische und kanadische Hörerschaft produziert worden, allerdings glaube ich, dass das Thema als solches durchaus auch interessant für deutsche Hörer ist:

      Visit to Afghanistan

Hab ich was verpasst?

Eine Woche Schweiz, Skifahren und Gespräche mit Kollegen liegen hinter mir. Und ich habe mir nicht die Knochen gebrochen, auch wenn meine Skifahrerei schon lange zurück liegt. Ich weiss nicht, ob das an den Skilagern des Dürer Gymnasiums und der Staatlichen Realschule Eibach gelegen hat, denn damals, wenn ich mich recht erinnere, bin ich nur im Pflug die Pisten runter getrudelt. Aber das liegt schon, boah, ziemlich lange zurück. Na, diesmal ging es etwas besser und schneller, nach dem Motto, unten ankommen tue ich sowieso.

Nun zurück in Oakland und der Versuch, Herr der Mails zu werden, Nachrichten nachzulesen und etwas Ordnung in das zu bringen, was ich verpasst habe. Es schüttet draussen in Strömen, Dolfi – mein Hund – liegt noch oben und schläft vor sich hin. Er ist der beste Hund überhaupt, der nicht schon morgens raus muss…der volle Langschläfer.

Vom Rückflug gestern gab es auch wieder bemerkenswertes zu berichten. Zum einen das Chaos am Flughafen in Washington DC. Also organisiert sind die amerikanischen Grenzer wirklich nicht. Lange Schlangen, sowohl an der Passkontrolle wie auch bei der Gepäckabholung und dem Zoll. Sowas habe ich noch nicht erlebt. Zum anderen muss man nun auch als Green Card Besitzer, also als im Land lebender Ausländer, jedesmal bei der Einreise seine Fingerabdrücke abgeben. Auf Nachfrage wurde mir gesagt, man wolle sichergehen, dass man auch wirklich die Person ist, die man vorgibt zu sein. Paranoia lässt grüssen.

Und dann auf dem Weiterflug…Zwei Männer photographierten vor dem Abflug die United Maschine und wurden dafür prompt nach der Ankunft von Federal Marshalls und lokaler Polizei an ihren Plätzen im Flugzeug abgeholt. Beide Männer „schienen“ arabischer Herkunft zu sein und sofort ging eine Debatte in den Reihen los, bei der eine Mutter mit zwei Kindern hinter mir meinte, „Solche Terroristen sollte man nicht fliegen lassen“. Auch eine Aussage…. die aber ganz gut widergibt, was nach wie vor viele in den USA (und auch anderswo) denken.