DBUK is OMG OK

Schon mal von der Band „The Denver Broncos UK“ gehört, kurz DBUK? Nein, dann haben Sie etwas verpasst. Hinter diesem Namen stecken Munly Munly, Lord Dwight Pentacost, Rebecca Vera und Slim Cessna von „Slim Cessna’s Auto Club“ aus Denver, Colorado. Während der „Auto Club“ treibend und voller Energie ist, werden bei DBUK ganz andere, viel gemäßigtere Klangpfade verfolgt.

„Songs One Through Sixteen“ heißt die neue Platte und sie verbindet Country, Folk, Americana mit einer gehörigen Prise dunklem Gothic Sound. Ein beeindruckendes Album, das einem „Road Movie“ gleichkommt. Schon vor etlichen Jahren, als ich noch für eine deutsche Airline deren Country/Folk Inflight Radioprogramm zusammenstellte, war ich Fan des Denver Sounds. Von dort kamen und kommen unglaublich gute Bands, wie 16 Horsepower, Wovenhand, Denver Gentlemen, DeVotchKa und die vielen musikalischen Projekte, die im Umfeld und durch das Eingreifen von Slim Cessna entstanden.

Nun also diese neue Platte von DBUK, die in den USA „Songs Nine Through Sixteen“ heisst und in Deutschland bei Glitterhouse gleich noch die bereits 2015 erschienene „Songs One Through Eight“ beinhaltet. Es sind Songs, die so ganz anders sind, musikalisch als Gothic-Americana umschrieben werden können und textlich manchmal einem blutigen Horrortrip gleichen. Und das alles ganz harmlos und weich vorgetragen. Lieder, die sich um Tod, Selbstmord, Erschießen drehen und mittendrin der Hörer, der die zärtlichen Melodien genießt. „Songs One Through Sixteen“ ist eine Platte, die man sich genauer anhören, die wahnhaften Texte mitlesen sollte. Und erneut komme ich an den Punkt, an dem ich merke, genau dieses Album belegt, warum ich Amerika mag. Es ist so skuril schön, so tief abgründig, so seltsam anders als das, was man Tag für Tag im Irrsinn der Newswelt erfährt. Hier zeigen sich die USA von ihrer wunderbarsten und faszinierendsten Seite. Ein Soundtrack des wahren „American Life“.

Der Sound des Westens

Der Sänger kommt ursprünglich aus Augsburg, vor dem Watt in Emmelsbüll-Horsbüll wurde aufgenommen, veröffentlicht wird auf dem Dresdner Indie-Label KF-Records. „Heated Land“ schaffen es erneut, den Klang des amerikanischen Westens, die Stimmung zwischen den Jahren, die Schwere dieser Zeit in ihrer Musik einzufangen.

„In a wider tone“ heißt die neue Platte, die Anfang Februar erscheinen wird. Es ist die zweite von „Heated Land“ und ein großer musikalischer Schritt. Die Band schafft es darauf problemlos zwischen durchaus hörbaren Anlehnungen an bedeutende Musiker wie Bob Dylan und Townes van Zandt ihren eigenen Weg zu gehen. Hier spielt eine Band, die ganz tief in die wunderbare Welt der amerikanischen Folk Musik vorgedrungen ist, die Wurzeln erkennt und sie für sich ganz neu und ganz eigen entdeckt.

Selten hört man ein so komplettes Album. „Heated Land“ haben sich zwischen den beiden Veröffentlichungen ihrer Alben fast sechs Jahre lang Zeit gelassen. Da wurde nichts hastig aufgenommen, nichts übereilt auf den Markt geworfen, alles klingt so, wie es klingen soll, wie es klingen muss. Für solch eine Platte braucht man Zeit. Sie muss wachsen, sich langsam entwickeln, Ton für Ton, Zeile für Zeile, Song für Song. „In a wider tone“ ist für mich ein absolutes Highlight in diesem noch sehr jungen Jahr und ich bin mir sicher, dass „Heated Land“ mit diesem Album am Ende des Jahres in meinen Top Ten für 2019 zu finden sein werden. Es ist einfach richtig gute Musik. Bewegend, handgemacht, mit Tiefe und Zärtlichkeit. Perfekt für diese verrückte Zeit, in der man solche Klanginseln zum Verweilen, zum Ausruhen, zum Nachdenken schlichtweg braucht.

Heated Land, In a wider tone, KF Records.

So klingt Amerika

Zehn Jahre lang produzierte und moderierte ich die Country, Folk und Americana Sendung auf allen Langstreckenflügen einer großen deutschen Airline. Diese Zweistundenshow war ein offener Raum, in dem ich frei entscheiden konnte, was ich in die Playlisten aufnahm. Dabei sollte ich mich nicht an den Country Charts orientieren, sondern vielmehr die Alternative Country Szene vorstellen. Ein paar wenige Auflagen gab es, keine Schimpfwörter und keine Songs, die bei Menschen mit Flugangst Panik auslösen könnten.

Aber sonst hatte ich alle Freiheiten, die dazu führten, dass ich von den Shiny Gnomes und ihr „Lazing at Desert Inn“, von den Berliner Infamis und ihrem Metropolen Country Sound, bis hin zu 16 Horsepower und ihrem für mich grandiosen Song „American Wheeze“ alles einsetzen konnte. Manchmal sah ich Bands in kleinen Clubs spielen, war begeistert und fragte nach dem Konzert einfach, ob sie mir eine CD geben könnten, ich würde sie gerne in meiner Show über den Wolken spielen. Das war wirklich handgemachtes Radio mit einem Fokus auf Independent Künstler.

Und eine der Bands, die ich über das Programm kennenlernte waren die Crooked Jades aus San Francisco. Eine Gruppe, die sich selbst als „old-time string band closer in spirit to Tom Waits and Nick Cave“ beschreibt. Doch das trifft es ganz gut. Die Wurzeln des Americana Sounds und dazu das Düstere von Nick Cave und das Verschrobene von Tom Waits, angereichert mit musikalischen Einflüssen aus Afrika und Europa. Beeindruckend, faszinierend, mitreissend.

Nun melden sich die Crooked Jades mit einem neuen Album zurück. „Empathy Moves The Water“ heißt es und ist erneut eine tolle Songsammlung, eine Mischung aus neu arrangierten „Traditionals“ und eigenen Liedern. Hinter den Crooked Jades steckt Jeff Kazor, der diese Vision eines musikalischen Brückenschlags zwischen Alt und Neu, zwischen Americana und der weiten Klangwelt da draußen verwirklicht. Einfach brillant.

„Empathy Moves The Water“ klingt nach Amerika, nach dem, was mich hier immer wieder anspricht, fasziniert, bewegt. Musik, die die Schönheit des Landes, die Offenheit dieser Gesellschaft, die Möglichkeit des Lebens hier in den USA beschreibt. Das klingt nach viel, aber in diesen Zeiten des Geplärres und der lauten Töne, sollte man nicht vergessen, was Amerika auch ausmacht, was das Schöne an diesem Land ist. Und die Crooked Jades schaffen es – bewußt oder unbewußt – all das einzufangen. Ein tolles Album zum Jahresende, sehr empfehlenswert für alle, die den wahren Americana Sound entdecken wollen.

Der Geist von Woody

Amerika braucht in diesen Tagen eine Folk-Musikerin und -Sängerin wie Mary Gauthier. Am gestrigen Mittwoch war Gauthier zu Gast in Berkeley, im legendären „Freight & Salvage Coffeehouse“. Es war ein Heimspiel für die „linke Lesbe“, wie sie sich selbst bezeichnete. Mary Gauthier präsentierte vor allem ihre neue Platte „Rifles & Rosary Beads„, ein Album, das sie gemeinsam mit US Veteranen und ihren Angehörigen geschrieben hat.

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Die Lieder auf dieser Platte sind nahegehend, denn sie beschreiben ein Kapitel der amerikanischen Gesellschaft, das nur zu gerne übersehen wird. Soldatinnen und Soldaten, die nach Kriegen heimkommen, ihren Platz finden müssen, das aufarbeiten, was sie erlebt haben. Es geht in den Songs um Leere, um Schuld und auch um sexuellen Missbrauch von Soldatinnen im Einsatz. „Wir warten noch immer auf die #metoo Kampagne von Soldatinnen“, meinte Mary Gauthier in Berkeley. Was diese Lieder auf „Rifles & Rosary Beads“ so beeindruckend, gefühlvoll, zärtlich und bewegend macht sind die einfachen Worte und Beschreibungen. Das Album ist nicht politisch und doch so direkt. Es ist eine Anklage, einfach durch die Ereignisse, die Erinnerungen, die Denkanstösse, die hier beschrieben werden. Da sind Frauen von zurückkehrenden Soldaten, die ihre eigenen vier Wände als „Minenfeld“ beschreiben. Ihnen wird nicht gedankt, sie erhalten keine Orden, doch auch sie sind von den Kriegen ihrer, zumeist, Männer tief verwundet.

Mary Gauthier ist eine außergewöhnliche Folkmusikerin, die sich in der Tradition von Woody Guthrie sieht. Sie erzählt Geschichten, sie findet den richtigen Ton. Zum Schluß des Konzertes das Lied Guthries, das mehr ist als nur eine inoffizielle amerikanische Hymne: This land is your land, this land is my land. Mary Gauthier muss nicht von der Bühne und auf ihren Platten agitieren, sie hält den Amerikanern einfach einen Spiegel vor. Das ist mutig, das ist wichtig, genau das braucht Amerika in diesen Zeiten mehr denn je.

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This land is your land, this land is my land

Dieses Land braucht wieder Musiker wie Woody Guthrie. Musiker, die durch dieses Land tingeln, die Menschen dort sehen, wo sie leben, darüber Lieder schreiben, vom Leben da draußen berichten und irgendwie der Nation und der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten. Das wird mir ganz klar, wenn ich mir die neueste Box von Bear Family Records anhöre: Woody Guthrie – The Tribute Concerts.

Nach langer, schwerer Krankheit verstarb Woody Guthrie am 3. Oktober 1967. Nach seinem Tod wurden zwei Konzerte organisiert, die an das Leben dieses Ausnahmemusikers des 20. Jahrhunderts erinnerten. Eins fand am 20. Januar 1968 in der New Yorker Carnegie Hall statt, ein zweites am 12. September 1970 in der Hollywood Bowl in Los Angeles. Und hier kamen sie alle zusammen, die von seiner Musik, seinen Songs, seinen Geschichten beeinflusst, bewegt, motiviert worden waren: Judy Collins, Bob Dylan, Jack Elliott, Arlo Guthrie, Richie Havens, Odetta, Tom Paxton, Pete Seeger, Country Joe McDonald, Richie Havens, Earl Robinson und Mitglieder von The Band. Gespielt wurden Woody Guthries Songs, die zeitlos waren und noch immer sind.

Diese ungekürzten Konzertaufnahmen wurden nun bei Bear Family Records neu veröffentlicht, dazu gibt es zwei umfangreiche Begleitbücher, in denen die Geschichte dieser Konzerte erzählt wird. Es ist mehr als eine Hommage der verschiedensten Folk Musiker am Ende der stürmischen und hochpolitischen 1960er Jahre. Vielmehr ist diese Box ein beeindruckendes, klangliches Zeitdokument, das auch nach fast 50 Jahren noch mitreißend, lebendig, aufbauend, bewegend ist. Musik die einfach erscheint, doch so viel über die USA aussagt. Über die Hoffnung, den „American Dream“, das Leben fernab der Glanz und Glitter Metropolen. Über Immigranten, Land- und Fabrikarbeiter. Über den täglichen Kampf der vielen, vielen Amerikaner, die nicht auf der Sonnenseite stehen.

Woody Guthrie war ein politischer Sänger, einer, der nicht beschönigte, der vielmehr an das Gemeinwesen, an die Kraft des Organisierens, an Gewerkschaften glaubte. Nur mit seiner Gitarre „bewaffnet“ schuf er wahre Hymnen, mobilisierte mit seinen Liedern die Menschen im ganzen Land. „This Machine kills fascists“ stand auf seiner Klampfe. Es war mehr als nur eine provokante Zeile. Es war seine Grundhaltung, die immer wieder in seinen Songs durchkam. Und er schuf mit „This land is your land“ eine wahrhaftige alternative Nationalhyme, die eigentlich so viel besser zu den USA passt als „The Star-Spangled Banner“, gerade weil sie so inklusiv ist. Hier, bei diesen „Tribute Concerts“ wird das noch einmal ganz deutlich gemacht, Amerika, ein Land der offenen Grenzen. Eine wunderbare, aktuelle und wichtige Veröffentlichung aus dem Haus Bear Family Records.

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Let’s Make American Radio Great Again

Bear Family Records, das Independent Plattenlabel aus Holste-Oldendorf, hat es mal wieder geschafft. Ich sitze da und grinse wie ein Honigkuchenpferd vor mich hin. Beschwingliche Musik klingt aus dem CD Player, mein rechter Fuss wippt im Takt mit. „At the Louisiana Hayride tonight“ heißt diese 20 Cds umfassende Box, die nicht nur ein wunderbares Kapitel der amerikanischen Radiogeschichte dokumentiert, sondern auch fantastische Musik präsentiert.

Von 1948 bis in 1960er Jahre sendete KWKH aus Shreveport, Louisiana, eine wöchentliche Live-Radiosendung am Samstagabend. Es waren nicht die Topentertainer ihrer Zeit, wie sie die „Grand Old Opry“ in Nashville anzog. Der „Louisiana Hayride“ brachte vielmehr die kommenden Stars, darunter Johnny Cash, Hank Williams, The Stanley Brothers, Johnny Horton, Carl Perkins, Hank Snow, Jim Reeves, George Jones und nicht zu vergessen Elvis Presley und viele, viele mehr. Die Musik wurde als „Folk“ und „Hillbilly“ bezeichnet, das Genre „Country“ war noch nicht bekannt.

Die Aufnahmen auf diesen 20 Cds sind mitreißend, unterhaltsam, voller Energie. Sie stammen aus der Hochzeit des Live-Radios, als aus einem Auditorium in Shreveport die „United States of America“ via CBS beschallt wurden. Samstagabend für Samstagabend wurde der klassische amerikanische Sound vor einem Live-Publikum über den Äther geschickt. Moderationen, kleine Showeinlagen und Witze, kurze Interviews mit neuen Musikern (darunter auch Elvis Presley) beleben diese „Recordings“. Viele der Songs sind bekannt, manche werden wiederentdeckt, viele hört man zum ersten Mal.

Amerika präsentiert sich hier als heile Welt, Shreveport war damals eine boomende Metropole. Es ist auch eine weiße Welt. In dem umfangreichen Begleitbuch zur Geschichte des „Louisiana Hayride“ findet man kein schwarzes Gesicht. Nicht auf der Bühne und nicht im Publikum. Es waren andere Zeiten. Und doch klingt hier das weite Land Amerikas durch, der kulturelle „Melting Pot“, denn viele der musikalischen Einflüsse, gerade aus dem schwarzen Gospel und dem „Rhythm & Blues“, hielten Einzug in den Folk und Country und in die Musik von Elvis Presley.

Seit Stunden sitze ich nun hier und höre die Aufnahmen von „At the Louisiana Hayride tonight“. Ich kann nicht sagen, welcher Song, welcher Künstler mir am besten gefällt. Es ist das Gesamtbild, was hier wirkt. Musiker wie Johnny Cash und Elvis Presley neben für mich ganz unbekannten Künstlern. Das Live, ungefiltert, ungeschönt. Der Sound manchmal dünn und doch ist es so ein breites, klangvolles Hörereignis. Geschichte trifft auf Kultur, Old Time Country auf die Fragen von heute. Und beim Abspielen all dieser Cds denke ich mir, wie schade es ist, dass es diese Art des Live-Radios nicht mehr gibt. Diese Offenheit und Direktheit ging schon lange verloren. Viel zu viel ist heute streng formatiert, kommt aus der Konserve, ist geglättet und begradigt und mit Effekten überzogen worden. Bear Family Records hat hier erneut eine wunderbare Box vorgelegt, die einfach nur begeistert. Die deutlich macht, wie schön das Zuhören sein kann.

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Eine Folklegende sagt zum Abschied leise Servus

Glenn Yarbrough (rechts) mit den Limeliters.

Glenn Yarbrough (rechts) mit den Limeliters.

Glenn Yarbrough ist tot. Der Name wird nicht vielen in Deutschland etwas sagen. Doch Yarbrough ist sehr eng mit der amerikansichen Folkmusik-Bewegung der 60er Jahre verbunden. 1959 war er Mitbegründer der „Limeliters“, einer Gruppe in der Tradition des „Kingston Trios“. Die Limeliters wurden schnell zu Superstars, traten in Fernsehsendungen auf und repräsentierten den neuen Sound einer jungen Generation.

Schon 1963 jedoch verließ Glenn Yarbrough die Band, um auf Solopfaden zu wandeln. Und das durchaus erfolgreich. Sein bekanntester Hit war „Baby the rain must fall“. Yarbrough setzte sich ein Leben lang für soziale Projekte ein, gründete mit seinen verdienten Millionen Dollar eine Schule für benachteiligte Kinder. Und es zog ihn immer wieder hinaus aufs Meer, Segeln wurde zu seiner Leidenschaft. Immer wieder wollte er den Bruch mit dem Musikbusiness, kehrte aber stets zurück.

2004 lernte ich den gealteten Glenn Yarbrough persönlich kennen. Bei einem privaten Überraschungskonzert im kalifornischen Ojai hatte ich die Gelegenheit mich lange mit ihm zu unterhalten, Fotos zu machen, das Konzert für gerade mal 15 Personen in voller Länge aufzuzeichnen. Er war ein beeindruckender Geschichtenerzähler und ein interessierter Zuhörer. Danach spielte ich seine Musik oftmals im Country und Folk Programm einer deutschen Airline, für die ich zehn Jahre lang das Inflight Radio produzierte und moderierte. Yarbrough hatte viele private und berufliche Rückschläge erlebt. Gleich mehrmals hatte er sein Geld in fragwürdige Projekte investiert, war von anderen ausgenutzt, von Plattenfirmen über den Tisch gezogen worden. Und dennoch, er gab nie auf. Die Musik begleitete ihn ein Leben lang. Als er da auf der Farm stand und seine Lieder sang, blitzte noch einmal die ganze Größe dieses Ausnahmesängers auf. Er hatte sie noch, die Stimme, die Millionen von Fans in den frühen 60ern faszinierte.

Ein paar Monate später traf ich ihn erneut bei einem Weihnachtskonzert. Sein weißer Rauschebart passte perfekt zur Weihnachtsgeschichte, die er vortrug und mit ein paar Liedern musikalisch umrahmte. Ein liebenswürdiger, lächelnder, vom Leben durchaus gezeichneter Mann. Glenn Yarbrough starb am 11. August im Alter von 86 Jahren in Nashville, Tennessee

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Eine Stimme wie aus dem Jenseits

Es muß so Ende der 90er Jahre gewesen sein, da hörte ich zum ersten Mal Ralph Stanley. Das war damals beim Collegesender KUSF, ich half bei einer Spätabendsendung aus, kam ins Sendestudio und der DJ vor mir war schon gegangen, hatte aber eine CD zum Durchlaufen eingelegt. Und das war ein Album von Ralph Stanley. Zu der Zeit kannte ich noch nicht viel im Bereich Country, Bluegrass, Gospel und Folk. KUSF war aber ein Sender, der offen für alle Genres war, der eine Playlist zusammenstellte, in der man diese Musik neben Indie-Rock, Noise, Industrial, Weltmusik und total abgefahrenen Sachen hören konnte. In vielerlei Hinsicht hat KUSF meinen musikalischen Horizont erweitert. Und mir eben auch den Zugang zu Ralph Stanley ermöglicht.

Ralph Stanley ist im Alter von 89 Jahren verstorben. Foto: AFP.

Ralph Stanley ist im Alter von 89 Jahren verstorben. Foto: AFP.

Ich saß an diesem Abend im Studio, eigentlich hätte ich die CD ausfaden und meine Musikauswahl spielen können, die da zwischen Einstürzende Neubauten und Rammstein lag. Doch ich ließ das Album von Ralph Stanley weiterlaufen. Was mich gleich beeindruckte war sein Banjo-Spiel, seine Stimme, die von der anderen Seite des Jordan zu kommen schien. Die Schwere seiner Lieder, das Tragische in seinem Gesang. An manchen Stellen, diese unglaubliche Tiefe und Traurigkeit in den Songs, die mich berührte. Und dann diese Hoffnung, diese Helligkeit, dieser tiefe Glaube. Ralph Stanley war ein Meister des emotionalen Spiels.

Aus dieser ersten, sehr ungewöhnlichen Hörefahrung wurde eine große Verehrung für den Musiker aus Virginia. Immer mal wieder baute ich Lieder von Ralph Stanley in meine Country & Folk Sendung auf einer großen deutschen Airline ein. Und einige Rückmeldungen bestätigten mich in meiner Auswahl. Am Donnerstag nun ist Ralph Stanley, einer der größten Bluegrassmusiker aller Zeiten im Alter von 89 Jahren verstorben. Er hinterlässt einen reichen Schatz an Musik, Lieder, die zum kulturellen Erbe der USA geworden sind.

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Ein Lied gegen Hitler

Als in Deutschland das Horst-Wessel-Lied gesungen wurde, erlebten die USA eine Hochzeit der Folk- und Protestsongs. Die 20er und 30er Jahre waren in den Vereinigten Staaten ein tumulthafte Zeit. Massenarbeitslosigkeit, Migration, Armut und Elend führten auch zu einer Musikergeneration, die zum Sprachrohr der Benachteiligten wurde. Die 30er und 40er Jahre brachten eine engagierte und kritische, eine anti-faschistische und auch patriotische Gruppe an Musikern hervor. Woody Guthrie, Pete Seeger, Joe Hill, Lead Belly und viele andere sangen Songs, in denen sie sich mit den Themen der Zeit auseinandersetzten.

Auf “That’s why we’re marching”, veröffentlicht auf Smithsonian Folkways, werden Lieder präsentiert, die einen Eindruck der amerikanischen Folkmusik-Bewegung während des Zweiten Weltkriegs geben. Titel wie “Move into Germany”, “When the Yanks go marching in”, “Mr. Hitler”, “The Fuhrer” oder auch “Round and round Hitler’s grave” zeigen, was neben den klassichen Themen der US-Troubadours zum Thema wurde. Die Musiker sangen gegen den Krieg, gegen den Faschismus, gegen die Gewaltherrschaft der Nazis, und alles mit einem patriotischen Unterton.

In der Krise rückte die amerikanische Nation zusammen. Kritik an der Lage daheim bedeutete damals (noch) nicht, dass man gegen den Einsatz für Frieden, Freiheit und Demokratie in Übersee war. Der Spanische Bürgerkrieg ein paar Jahre zuvor hatte schon früh die amerikanische Linke organisiert, und damit auch viele Folk-Musiker beeinflusst. Der Kampf gegen den Faschismus wurde ein zentrales Thema für Guthrie, Seeger und die vielen anderen. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor richteten die Musiker erneut ihren Blick auf Europa. Hitler und seine Schergen wurden in den Liedern lächerlich gemacht, der Nazi-Diktatur frühzeitig ein Ende gesetzt.

Smithsonian Folkways greift mit diesem Album tief in den Archivschatz, der da in den klimatisierten Räumen in Washington DC schlummert. “That’s why we’re marching” belegt, welche Kraft Musik haben kann, welche Bedeutung sie hat und vor allem, wie zeitlos sie ist. Eine beeindruckende Song-Sammlung, die von einem umfangreichen Booklet begleitet wird.

This is Country Music

Mary Gauthier

Eine Musikerin, die man hören sollte: Mary Gauthier

Mehr durch Zufall stieß ich vor einigen Jahren auf Mary Gauthier (Go-Schee). In einem Plattenladen fand ich in einer Ramschkiste eine ihrer CDs und da ich jemanden kenne, der „Gauthier“ hieß, dachte ich, ich nehme das Album mal mit. Gefunden habe ich eine Sängerin und Musikerin, die sehr persönliche Lieder schreibt, die ihr turbulentes Leben musikalisch verarbeitet, die auf der Suche nach Sinn, Inhalt, ja, Halt ist.

Als Mary Gauthiers Album „Mercy Now“ erschien, war ich zutiefst beeindruckt. Eine Platte der Extraklasse. Der Titelsong und „Falling out of love“ sind wunderschöne Lieder, die man einfach hören, genießen, wirken lassen muß.

Und nun legt Mary Gauthier ihr neuestes Album vor; „Trouble & Love“. Es ist erneut eine sehr persönliche Platte, ganz schlicht, leise, behutsam. Mary Gauthier singt mit ihrem Akzent des amerikanischen Südens. Sie öffnet ihr Herz, läßt den Hörer teilhaben an ihrem Lebensweg. Es ist Country, es ist Folk, es ist zärtliche Musik. Gauthier bekennt sich zu ihren musikalischen Wurzeln, gesteht immer wieder ein, dass Musik für sie ein Weg der Verarbeitung ist. Hier geht sie auf, es ist ein Akt der Offenbarung. Sie macht sich angreifbar, zeigt ihre Verletzlichkeiten, ihre Narben. Und dennoch hat man als Hörer das Gefühl, dass hier eine starke Frau singt. Ehrlich, kraftvoll, überzeugt.

Mary Gauthiers Album "Trouble & Love"

Mary Gauthiers Album „Trouble & Love“

„Trouble & Love“ ist ein wunderschönes Country Album fernab der meist belanglos, langweiligen Charts. Country hat in Deutschland einen schlechten Ruf. Man denkt da an fahenschwingende Patrioten in Pick up Cars, Wrangler Jeans und Cowboyhut. Doch Country drückt einen Teil der USA aus, wie es kein anderes Genre schafft. Es erzählt von den Weiten des Landes, den Hoffnungen, den Träumen. Doch auch von Verlusten, dem Scheitern, dem Abgesang auf den American Dream. Country Musik ist oftmals politisch und das nicht nur, wie fälschlicherweise gedacht wird, im pro-amerikanischen Sinne.

All das zeigt Mary Gauthier in ihrer Musik. Sie singt von ihren Problemen als Alkoholikerin, von ihrer langjährigen Suche als Findelkind nach Liebe und Nähe, von den Schmerzen persönlicher Erfahrungen und Verluste, sie fordert ein bißchen „Mercy Now“ für Amerika.

Zehn Jahre lang habe ich viel Country und Folk Musik für das Inflight Radio Programm der Lufthansa durchgehört. Mary Gauthier ist eine dieser Musikerinnen, die mich irgendwie erwischt hat, die mir Country nahe gebracht, die mich zu einem Country Fan gemacht hat. Und nein, ich höre noch immer kein Truck Stop und auch keine Country Charts. Es ist vielmehr genau diese Musik, die Gauthier auf ihrer Platte „Trouble & Love“ präsentiert. Musik, die handgemacht ist, die Lebensgeschichten erzählt, die sich zu den reichen Wurzeln des Country bekennt. Die eine verletzliche Musikerin zeigt, die genau dadurch auch mich als Hörer anspricht, zum Nachdenken bringt, mich emotional erreicht. „Trouble & Love“ ist ein amerikanisches Album, eine Platte, die man 2014 unbedingt hören sollte, um Amerika in diesen stürmischen Zeiten auch mal anders zu erleben.

„Another Train“ ist aus Mary Gauthiers neuem Album „Trouble & Love“:

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„Falling out of love“ ist eines meiner Lieblingslieder, und das nicht nur von Mary Gauthier:

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