Braumeister des Westens

Meine Wurzeln liegen in Nürnberg und Dortmund. Seit 23 Jahren lebe ich nun in Kalifornien und überall, wohin ich hier in den USA fahre, da schaue, lese und höre ich mich interessiert um, ob ich irgendwo Spuren von deutschen Einwanderern, ganz besonders von jenen aus Nürnberg, Dortmund und auch noch aus Schlesien finden kann.

„Westfalia“ und „Export“ von Fort Point Brewery.

Da ist es schon etwas besonderes, wenn es nun eine Brauerei in San Francisco gibt, die „Nuremberg inspired Red Ale“ und „Dortmunder Style Lager“ braut. Beides Biere, die dazu auch noch richtig gut schmecken. In den USA tut sich sowieso etwas beim guten Gerstensaft. Im ganzen Land kann man Microbreweries finden, die teils gewagt, teils klassische Biere brauen. Die Zeiten, der wässrigen Gerstensäfte der Großbrauereien sind vorbei. Wer hier dennoch weiterhin „The King of Beers“, „The Champagne of Beers“ oder „Banquet Beer“ trinkt, die damit Werbung machen, dass sie nun endlich ihre Inhaltsstoffe veröffentlichen, kaum Kalorien haben oder mit (vor allem) Wasser der Rocky Mountains gebraut werden, der ist selbst schuld.

Die neue Brauergeneration in den USA, so scheint es, schaut dabei auch ganz gezielt nach Bierdeutschland. Und da kann es passieren, wie bei diesem „Red Ale“ von Fort Point, dass der Brauer einfach mal zufällig in der Altstadthofbrauerei in Nürnberg ein Rotbier trank, es ihm schmeckte und er es hier dann nachbraute. Der große Unterschied zwischen deutschem und amerikanischem Bier ist allerdings der Preis. Ein Sixpack von Fort Point kostet selbst beim amerikanischen Aldi-Ableger, Trader Joe’s, zehn Dollar. In einer Kneipe in San Francisco kann dann solch ein Pint (0,47 l) schon mal acht Dollar kosten. Aber zumindest schmeckt das Bier.

Darauf ein Bier

Am 27. November ist „Giving Tuesday“. Und in diesem Jahr ist in Kalifornien klar, wohin die vielen Spenden gehen sollen. Die gewaltigen Brände im Bundesstaat haben Tausende von Menschen obdachlos gemacht, Geschäfte zerstört, Existenzen zunichte gemacht. 84 Menschen starben, 475 werden noch vermisst.

Sierra Nevada ist eine der ältesten und erfolgreichsten „Craft Breweries“ in den USA mit Sitz in Chico, unweit von Paradise. Auch wenn die Brauerei nicht selbst vom Camp Fire betroffen war, etliche der Mitarbeiter waren es. Ein Spendenkonto mit einem Startkapital über 100.000 Dollar wurde eingerichtet. Und nun hat sich die Brauerei noch etwas besonderes einfallen lassen. Am kommende Dienstag wird das „Resilience Butte County Proud IPA“ gebraut, 100 Prozent des Erlöses kommt auf das Spendenkonto für die Betroffenen des Feuers. Doch nicht nur das, die Grossman Braufamilie hat andere „Micro-“ und „Craft-Breweries“ dazu aufgerufen, an diesem Tag ihr eigenes „Resilience IPA“ zu brauen und ebenfalls den gesamten Erlös zu spenden. Hunderte von Brauereien im ganzen Land, darunter auch Fort Point in San Francisco, machen mit. Die Brauer von Fort Point schreiben dazu auf ihrer Seite: „If you see this beer around town, made by any brewery, know it was made with heart and symbolizes support and love from the local Bay Area craft beer community.“ Also, trinken für einen guten Zweck oder vielleicht einen Sixpack mit gutem Gewissen zu Weihnachten verschenken.