Zum JahresausKLANG

Diese Jahresenden sind schon seltsam. Man friert oft, man mummelt sich ein, genießt die wenigen Sonnenstrahlen, die es gibt, beginnt über das nachzudenken, was im vergangenen Jahr war, passiert ist. Ein Gefühlsgemenge zwischen „high and low“. Manche freuen sich auf die kommenden Feiertage, für andere ist die stille Zeit nur ein Graus.

Und dann liegt da dieses Klangbuch vor mir. Touch Records, ein experimentelles Label mit Sitz in England und den USA, legt nun zum Jahresende „Touch Movements“ vor, ein Bilderbuch mit Soundtrack. Das klingt zu einfach. Es ist vielmehr ein audio-visuelles Erlebnis, das man in aller Ruhe und mit viel Zeit genießen sollte. Ein Eintauchen in Fotos, die ihre eigenen Geschichten erzählen und dazu einladen, weitergesponnen zu werden. Augenblicke, die das Leben um uns herum liefert. Blicke, die der Betrachter selbst kennt. Erinnerungen, die in einem wach werden.

Dazu „Musik“, die ganz anders ist. Die immer wieder die Frage aufwirft, was Musik eigentlich ist, sein kann, sein sollte. Ein Soundtrack des Alltags. Mal „Field Recordings“, mal Drone Music, mal Orgelmusik, mal Klanglandschaften, mal verspielte Sequencerfolgen. Mal direkt, mal ganz sanft, mal monumental, mal leicht vorbei gestrichen. Touch ist kein Label für die Popkultur. Das wird auf „Movements“ ganz deutlich. Es ist vielmehr ein Klangspiegel der Gesellschaft. Hier hört man hin, was man zu hören glaubt und daraus entsteht Musik. Der Alltag als Orchester, bearbeitet von Soundtüftlern, die hier künstlerisch vorgehen, dort unverfälscht die Welt erklingen lassen. Entstanden ist ein Soundtrack für dieses Fotobuch und viel mehr. Es ist nicht die „Music for the Masses“. Es ist vielmehr diese ganze persönliche Musikerfahrung. Voller Herausforderungen, voller Erinnerungen, voller Gedankengänge. Ein tief bewegendes Klangbild zwischen den Jahren.