Es grünt so grün in Alaska

Schnee, Eis, Kälte. Das verbindet man mit Alaska. Goldrausch, Schlittenhunderennen, Eisbären. Doch irgendwie ist alles anders in Alaska, und nicht erst seit Sarah Palin dort zur Gouverneurin gewählt wurde. NASAs Terra Satellit hat am 17. Juni ein ungewöhnliches Bild aufgenommen. Beeindruckend schön und sehr rar, denn normalerweise gibt es in einigen Teilen Alaskas 340 Wolkentage im Jahr. Doch hier, an diesem 17. Juni, zeigte sich der US Bundesstaat fast vollkommen wolkenlos; und auch fast vollkommen schneelos.

Alaska erlebt derzeit einen Hitzerekord. Normalerweise gibt es im Juni noch Frosttage, derzeit liegen die Temperaturen in einigen Teilen über 30 Grad. Klimaforscher werten dieses Bild als eindeutiges Beispiel für den Klimawandel. Letztes Jahr war das neuntwärmste Jahr seit 1850, die Jahre 2001 bis 2012 sind unter den Top 13 dieser beunruhigenden „Hitparade“.

Sarah Palin, die nun einen Rücktritt von ihrem Rücktritt gemacht hat und wieder als FOXNews „Expertin“ ihren Senf dazu geben darf, wird das NASA Bild gefallen. So klar hat sie ihren Bundesstaat noch nie gesehen. Ich warte schon auf ihren sachlichen Kommentar zu den liberalen Klimaverschwörungstheorien. Mit Sicherheit steckt Obama wieder hinter allem.

Es wurde auch langsam Zeit

Ich gebe unumwunden zu, ich war nie ein Fan von Sarah Palin, der halben Gouverneurin aus Alaska. Als John McCain sie als seine Vize-Kandidatin im Wahlkampf 2008 vorstellte, dachte ich echt, jetzt spinnt er. Im Vorwahlkampf fiel der Senator aus Arizona noch durch sein kluges, durchdachtes und auch pragmatisches Denken auf. Und dann sowas! Sarah Palin wurde als „Hot Babe“ dargestellt, als „Pitbull mit Lippenstift“ im Politzirkus, als eine politische Außenseiterin, die bereit ist, mit dem eisernen Besen durch Washington zu kehren.

Die Kandidatur von Palin wurde dann doch eher zu einer Lachnummer, auch wenn sie zum Darling der Rechtsausleger von der „Tea Party“ wurde. Mehr als platte Phrasen konnte sie dann doch nicht ablassen. Na ja, unterhaltsam war es dann manchmal schon, als sie z.B. nach ihren außenpolitischen Erfahrungen gefragt wurde und darauf verwies, dass man von Alaska auch Russland sehen könne. Nach dem Motto, ja, ich bin auch Ornithologe, weil ich am Morgen immer die Tauben vor dem Fenster sehe.

Na egal, Palin wurde – Gott sei Dank – nicht Vize-Präsidentin, sondern startete – traurigerweise – eine sehr lukrative Fernsehkarriere. U.a. mit einer Reality Show „Sarah Palins Alaska“. Zwar nur für eine Spielzeit, dann war Schluß, aber das sind wir ja von ihr gewohnt, sie schmeißt gerne die Brocken frühzeitig hin. Und dann bekam sie noch einen sehr lukrativen Kommentatorenposten bei FOXNews. Ein Dreijahresvertrag wurde mit der damals noch potenziellen Präsidentschaftskandidatin für 2012 unterzeichnet, rund eine Million Dollar soll sie pro Jahr für ihre Einschätzungen erhalten haben. Und die waren eigentlich immer so: „Obama keine Ahnung, Obama kein Patriot, Obama unamerikanisch, Obama Sozialist, Obama planlos….Tea Party GUUUUT!“

Nun aber ist Schluß, FOXNews kam nach den verlorenen Wahlen der erklärten Senderpartei zu der Erkenntnis, dass Sarah Palin wohl doch nicht so die dolle Analystin ist. Puh, hoffen wir mal, dass wir nun endlich das Kapitel Sarah Palin in den USA ausgestanden haben. Umblättern und gut ist.

Wer ist verantwortlich?

Kann man Sarah Palin einen Vorwurf machen, die auf ihrer Webseite mit Fadenkreuzen arbeitet? Oder den Republikanern im Kongress, die ständig von „Obamacare“ reden und den Präsidenten als Sozialisten bezeichnen? Oder den „Birthern“, die Barack Obama als nicht-amerikanisch sehen, er sei vielmehr in Kenia, im Land seines Vaters, geboren? obamahitlerOder Teilen der Tea Party, die Obama und führende Demokraten mal als kommunistisch, mal als faschistisch darstellen? Oder den konservativen Talk Radio Moderatoren, die tagtächlich eine Wortsalve nach der anderen gegen die Administration und den politischen Gegner feuern? Und was ist mit den Demokraten, die acht Jahre lang gegen Bush wetterten und ihn als Ausgeburt der Hölle portraitierten? Was ist mit den Aktivisten von „moveon.org“, für die Präsident Bush ein neuer Hitler war?

Amerika merkt nach der Schießerei auf die Abgeordnete Gabrielle Giffords, bei der sechs Menschen getötet und 14 zum Teil schwer verletzt wurden, dass irgendwas nicht richtig läuft. Eine normale politische Debatte ist schon lange nicht mehr möglich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Fronten sind verhärtet und nichts scheint den tiefen Graben überbrücken zu können. Die Fernseh- und Radiosender zeichnen ein Bild eines Landes im Ausnahmezustand. FOXNews und MSNBC, Rush Limbaugh, Glenn Beck und Sean Hannity. Sie liefern vorgefertigte Meinungen, das Publikum nickt nur noch ab, ohne darüber wirklich nachzudenken.

BushHitlerShitAssholeUnd nun ist die Diskussion im Gange, wie so etwas passieren konnte. Jeder schiebt seine Verantwortung auf andere ab. Einige Kongressabgeordnete verlangen härtere Waffenschutzgesetze. Andere hingegen verlangen ganz offen, dass jeder Abgeordnete eine Waffe tragen sollte, um sich verteidigen zu können. Wild West Manier bei öffentlichen Veranstaltungen. Es ist ein erneutes Beispiel dafür, dass man auch nach dem Attentat von Tucson nicht zusammen kommen wird. Der Täter war ein Einzeltäter, etwas spinnert, etwas skuril…war ja klar, dass der irgendwann mal so was macht.

Amerika ist schon lange unregierbar geworden. Nur eine Minderheit nimmt aktiv am politischen Prozess teil. Ein weiterer Bevölkerungsanteil läßt sich von den Medien mal hierhin mal dorthin beeinflussen. Doch dem Großteil der Amerikaner geht Politik links am Allerwertesten vorbei. Warum auch Energien verschwenden, ändern tut sich ja sowieso nichts. Ob Bush oder Obama, ob Republikaner oder Demokraten, Amerika steckt in einer tieferen Krise, die nicht alleine von einer Seite gelöst werden kann. Und der Wille gemeinsam voran zu kommen, der fehlt schon lange….wie die Tage vor und nach dem Attentat auf Gabrielle Giffords gezeigt haben.

Fuck that shit

Aktueller Audiobeitrag zum „Fuck“-Urteil in den USA

Audiobeitrag zum Fuck-Urteil     

Als ich vor 14 Jahren bei KUSF in San Francisco mit meiner Sendung anfing wurde mir gleich gesagt, diese bestimmten sieben Wörter darfst Du „on-air“ nicht sagen. Dann schaute mich die Sendermitarbeiterin an und meinte mit einem Lächeln: „Auf Englisch geht das nicht. Auf Deutsch kannst Du sie schon sagen“. Und genau das macht schon deutlich, dass diese Liste von „unsittlichen“ Wörtern überhaupt keinen Sinn macht: Shit, Piss, Fuck, Cunt, Cocksucker, Motherfucker und Tits.

Seit Jahrzehnten hüten sich Stationen davor, „indecent language“ in ihren Programmen zu senden. Denn das kann teuer werden. Hunderttausende von Dollar Strafe bis zum Sendelizenzentzug. Gerade kleinere Stationen fürchten die Keule der Aufsichtsbehörde FCC, die nie selbst ermittelt sondern nur auf Anzeige von Hörern hin.

Die Situation verschlimmerte sich zunehmends unter der Administration von George W. Bush. Die FCC klagte alles und jeden an, verhängte Strafen und machte sehr viele Leute im Unterhaltungsgeschäft mehr als nervös. Und dann klagte der konservative Sender FOX von Rupert Murdoch gegen die Vorgehensweise der FCC. Im letzten Jahr schmetterte das Verfassungsgericht die Klage noch ab und erklärte, die FCC habe das Recht eine Art Sittenkatalog zu führen. Allerdings verwies das höchste Gericht die Frage der Verfassungsmässigkeit der Einschränkung von Meinungsäusserungen zurück an ein New Yorker Gericht. Und das hat nun entschieden: Shit, Piss, Fuck, Cunt, Cocksucker, Motherfucker und Tits fällt unter die Meinungsfreiheit.

Die FCC und Konservative im Land sind geschockt. Sie sehen nun schon eine Welle von lotterlastigen Kommentaren über den Äther rollen und haben umgehend Berufung eingelegt. Das Bundesverfassungsgericht muß sich nun mit der Frage beschäftigen, ob „Fuck“ unsittlich ist oder unter die Meinungsfreiheit fällt. Das höchste Gericht ist konservativ ausgerichtet, von daher ist der Ausgang dieses Verfahrens mit Spannung zu erwarten.

Bei KUSF unterdessen will man kein Risiko eingehen. Auch weiterhin dürfte ich auf Sendung nur „Mutterficker“ anstatt „Motherfucker“ sagen….aber wer will das schon, so oder so.

Hier das Video der Anhörung im Verfahren FOX gegen FCC:

YouTube Preview Image

Und hier der Comedy Meister George Carlin in den 70er mit seinen „famous seven words“:

YouTube Preview Image

Was fehlt ist der Mordaufruf

Die Rechte in den USA flippt aus. Barack Obama ist ein gutes Jahr im Amt, mit der Gesundheitsreform hat er endlich was vorzuweisen, nun kam der Abrüstungsbeschluss mit Russland. Darin wird festgelegt, dass beide Seiten ihre Nukleararsenale um 30 Prozent verringern. Etwas, was auch schon der von den Republikanern als Halbgott verehrte Ronald Reagan in den 80er Jahren anstrebte:

YouTube Preview Image

Doch Obama wird die Forderung nach der Reduzierung der nuklearen Waffen als Schwäche ausgelegt, auch wenn das verbleibende Waffenarsenal die Welt um ein vielfaches zerstören könnte. 30 Prozent weniger, so die Quasselköpfe der rechten Talk Shows, machten Amerika zu einem Ziel von Terrorstaaten. Mit bewussten Falschmeldungen greifen konservative Medien, allen voran FOX News, den Präsidenten an. Sean Hannity beschimpft Barack Obama als „Sozialisten“. Der frühere Sprecher des  US Kongresses Newt Gingrich erklärt, Obama sei „der radikalste aller Präsidenten“. Der selbsternannte Moralapostel und heimliche Führer der Republikaner, Rush Limbaugh, predigt seiner Hörerschaft, Obama „fügt diesem grossartigem Land unsagbaren Schaden zu“. Die Hoffnungsträgerin der Grand Old Party, Sarah Palin, weiss ja eh immer alles besser. Jene Frau, die im Wahlkampf als Erfahrungen in der Aussenpolitik angab, von Alaska aus Russland sehen zu können, spricht dem Präsidenten schlichtweg seine Entscheidungsfähigkeit in Fragen der Nuklearabschreckung ab. Er habe die wohl als „Community Organzier“ gelernt. Die Tochter von Grummel-Grummel Dick Cheney, Liz Cheney, die derzeit hinter den Kulissen die republikanische Partei auf einen Rechtskurs bringen will, erklärte, Obama bringe Amerika auf einen „Weg des Verfalls“.

Getoppt wurden diese Äusserungen nur noch von den Hass-Predigern, den Talk Radio Moderatoren Mark Levin und Michael Savage. Der eine meinte in seiner Sendung, Barack Obama sei das „näheste an einem Diktator, was wir jemals hatten“. Der andere hetzte „Obama der Zerstörer“.

Das schlimme an allem ist, diese Leute erreichen über die Talk Sendungen im Fernsehen und Radio Millionen von Menschen. Die Situation in den USA ist aufgeheizt. Und die Moderatoren schüren mit ihren Falschmeldungen und ihren provokanten Sprüchen noch den Hass auf den ungeliebten demokratischen Präsidenten. Das einzige was fehlt ist die offene Aufforderung zum Abschuss.