Freier und Zuhälter an den Pranger

Mit großem Interesse habe ich kürzlich in der Nürnberger Zeitung vom Besuch der Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig bei der Prostituiertenselbsthilfeeinrichtung Kassandra gelesen. Eine Ministerin vor Ort, die das Gespräch sucht. In den USA, und sogar in der liberalen San Francisco Bay Area, wäre so etwas ganz undenkbar. Hier geht man andere Wege, die klar machen, Prostitution ist nicht erwünscht.

Verhaftete Freier in Richmond, Kalifornien.

Verhaftete Freier in Richmond, Kalifornien.

Im Juni schon stellte die Polizeibehörde in Oakland eine Webseite online, auf der fortan verhaftete Freier und Zuhälter öffentlich mit Bild und Daten präsentiert werden. Richmond, nur ein paar Meilen nördlich von Oakland, zieht nun nach. In einer Polizeiaktion vor ein paar Tagen wurden 11 Männern die Handschellen angelegt, als sie in einer Undercover Operation Sex von als Prostituierte „verkleidete“ Polizeibeamtinnen verlangten. Nach dem Klicken der Fesseln wurden Fotos gemacht, die umgehend auf der facebook Seite der Richmond PD veröffentlicht wurden.

Das ist die neue Strategie der örtlichen Behörden in Abstimmung mit den Polizeieinheiten. Man will abschrecken, die illegale Prostitution unter Kontrolle bringen. Einige Straßenzüge in Oakland sind mittlerweile weit über die Stadtgrenzen hinaus als „besondere“ Meile bekannt. Zuhälter karren zum Teil minderjährige Prostituierte von Las Vegas und aus dem mexikanischen Tijuana hierher, um sie anschaffen zu lassen. Die Freier kommen aus der gesamten Bay Area, einem Einzugsbereich von nahezu sechs Millionen Menschen. Hilfen für die betroffenen Frauen gibt es kaum, von einer Organisierung, wie es in Nürnberg Kassandra macht, kann hier keine Rede sein. Also, wird mit drastischen Mitteln drauf gehauen, um dieses „gesellschaftliche Übel“ zu beenden. Wenn man schon nicht den Menschenhandel stoppen kann, dann soll der Online Pranger dabei helfen, die Freier fern zu halten.

Doch die öffentliche Zurschaustellung von Männern, die für Sex zahlen wollen, kommt nicht überall gut an. In vielen Foren wird über diese drastische Maßnahme heftigst diskutiert. Ein Argument wird dabei immer wieder angeführt, es sei verfassungswidrig jemanden zu bestrafen, bevor er verurteilt wurde. Denn klar ist, zumindest die Undercover Aktionen der Polizistinnen haben nicht zu Sexaktivitäten geführt. Ein Verhafteter in Richmond meinte, er habe nur mit den Frauen gesprochen, dabei ging es zwar auch um Sex, doch nichts sei passiert. Bei der Verhaftung war der Hosenstall des Mannes geschlossen. Sein Bild erschien dennoch auf der facebook Seite der Richmond PD. Nun sind die Gerichte gefragt, ob diese Art der mittelalterlichen Abschreckung überhaupt rechtens sind. Ganz zu schweigen davon, dass diese Aktionen den betroffenen Frauen rein gar nicht helfen, sie eher noch weiter an den Rand der Gesellschaft bringen.

Schlechte Zeiten für Freier

Dirty HarryMinneapolis und viele andere Städte machen es schon, nun denkt man auch in San Francisco darüber nach. Prostitution ist in den USA illegal, doch nach wie vor wackeln Damen und damenhafte Männer des horizontalen Gewerbes durch die Innenstädte, denn Freier gibt es überall. Für ein paar „Bucks“ ist alles käuflich. Verhaftungen hin oder her, es scheint, die Nachfrage bestimmt das Angebot.

Minneapolis hat nun eine Webseite mit dem treffenden Namen „JohnsPics“ ins Internet gestellt. Als „John“ werden Freier bezeichnet. Auf der Seite kann man jene Kunden sehen, die von der Polizei dabei erwischt wurden, wie sie Prostituierte in ihr Auto einsteigen liessen oder sogar direkt beim eigentlichen Akt verhaftet wurden. Immer mehr Gemeinden und Gerichte setzen auf die öffentliche Demütigung um abzuschrecken.

Nun also San Francisco. Im Bereich der unteren Polk Street, nur wenige Blocks vom Rathaus entfernt, ist die „Liebe“ in allen Variationen käuflich. Eine vor kurzem durchgeführte Verhaftungswelle ergab jedoch, dass von 15 Kunden, 14 von ausserhalb San Franciscos waren. Von den 36 abgeführten Prostituierten, männlichen und weiblichen Geschlechts, wohnten nur zwei in San Francisco. Der Grund dafür, San Francisco hat den Ruf weg, so gut wie gar nichts gegen Strassenprostitution zu unternehmen. Die Polizei schaut einfach weg, winkt mal nett aus dem Streifenwagen und sucht den nächsten Donut Laden für ein verdientes Päuschen. Nun aber ist ein neuer Polizeichef ins Amt gekommen und der hat die Faxen dicke. George Gascón will nun hart durchgreifen und macht sich damit alles andere als beliebt. Mal sehen, wie weit er kommt oder wann er frustriert das Handtuch schmeisst. San Francisco bräuchte zwar mal einen wirklichen „Dirty Harry“, aber die Wahrscheinlichkeit, dass dieser sich in der „City by the Bay“ durchsetzen könnte, sind gleich Null.