Das andere Amerika des Donald Trump

Dass die USA nicht gerade ein Hort von Friede, Freude, Eierkuchen sind, das war mir schon immer klar, Aber als ich hier vor einigen Jahren meine Papiere einreichte, um amerikanischer Staatsbürger zu werden, hatte ich eigentlich ein anderes Land im Kopf, in dem ich in Zukunft leben würde. Denn meine Vorstellungen von Amerika sind so ganz anders als die des derzeitigen Präsidenten der USA.

Selbst „Lady Liberty“ ist eine Immigrantin. Foto: AFP.

Der fordert eine massive Militärparade in Washington, vorbei am Weißen Haus und dem Kongress, um so eine Machtdemonstration sondergleichen zu zeigen. Wie es heißt, zögert man sogar im Pentagon vor solch einer teuren Waffenschau mit Panzern, Raketen, marschierenden Soldaten und Kampfjets auf der Pennsylvania Avenue. Derzeit, so schreibt die Washington Post, versuchen einige im Verteidigungsministerium eine Parade im November zu organisieren, am „Veterans Day“, um 100 Jahre Kriegsende des Ersten Weltkrieges zu feiern. Hintergedanke dabei ist, dass man solch eine Parade nicht unbedingt mit den Absichten des Präsidenten verbinden möchte.

Aber das ist nur ein Punkt in der langen Liste der Trumpschen Weltsicht, die mir derzeit aufstösst. Er bezeichnete oppositionelle Demokraten im Kongress, die bei seiner „State of the Union“ Rede nicht applaudierten und ihm keine stehende Ovationen gaben als „unamerikanisch“ und „verräterisch“. Trump will dauerhaft gebauchpinselt werden, wenn das nicht geschieht, schwingt er die unsägliche Patriotenkeule. Die anschließende Erklärung der Pressesprecherin des Weißen Hauses, Trump habe nur gescherzt, klang wie ein billiger Versuch der Schadensbegrenzung.

Eigentlich frage ich mich jeden Tag, wohin die Reise hier geht. Amerika durchlebt einen Kulturkrieg sondergleichen. Und Donald Trump ist der General auf dem Weg zu diesem unamerikanischen Amerika. Er will ein abgeschottetes Land, sprich, er will ein weißes Amerika. Nicht anders kann man die Politik erklären, die zwischen Mauerbau und einer geweißten Immigrationsreform liegt. Trump will keine Menschen mehr aus „Shithole Countries“ in Afrika in die USA lassen, ihm schweben vielmehr Immigranten aus Norwegen vor. Deutlich rassistischer geht es nicht. Unter Trump wurden sogar die Einreisemöglichkeiten für Asylsuchende weiter beschränkt und beschnitten. Die demokratische Abgeordnete Zoe Lofgren spricht gar von einer „Zerschlagung des Asylsystems“.

Donald Trump lässt sich gerne vor nationalen Symbolen ablichten oder nutzt diese für seinen nationalistischen Feldzug durch die USA. Es klingt wie Hohn, wenn man die Worte und die Absichten des 45. Präsidenten dem gegenüber stellt, was auf dem Sockel der Freiheitsstatue steht, jenem Symbol Amerikas, das Trump auch schon für sich beschlagnahmt hat:

Gebt mir eure Müden, eure Armen,
Eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren,
Die bemitleidenswerten Abgelehnten eurer gedrängten Küsten;
Schickt sie mir, die Heimatlosen, vom Sturme Getriebenen,
Hoch halt’ ich mein Licht am gold’nen Tore!
Sende sie, die Heimatlosen, vom Sturm Gestoßenen zu mir.
Hoch halte ich meine Fackel am goldenen Tor.

World Cup Twitter

twittergaffeDer eine twittert ein Bildchen mit Angela Merkel im Arm. Die anderen reduzieren ein Land auf ein Tier, das es in dem Land gar nicht gibt. Ein Siegertweet und eines, das nach hinten los ging. Podolski strahlt mit einer Bundeskanzlerin im Arm und Delta Airlines gratuliert dem US Nationalteam zum Sieg gegen Ghana. Eigentlich eine nette Geste der Fluggesellschaft, die auch zeigt, welche Beachtung mittlerweile Fußball in den USA findet.

Doch die „Social Media“ Experten der Airline hatten den harmlosen Satz „Congrats team #USA! Nice goal @clint_dempsey @soundersfc! #USAvGHA #USMNT #DeltaSEA.“ mit zwei Bildern unterlegt. Eines mit der Freiheitsstatue beim Sonnenaufgang. Ein anderes mit einer Giraffe beim Sonnenuntergang.

„Lady Liberty“ steht klar für das US Team. Die Giraffe soll dann wohl für das Verliererteam aus Ghana stehen. Klar, was fällt einem auch sofort ein, wenn man an Ghana denkt? Giraffen. Natürlich war das ein Schuß in den Ofen, der Aufschrei kam gleich und heftig. Da muß doch Rassismus im Spiel gewesen sein, hagelte es von allen Seiten, wenn man ein ganzes Land auf ein Tier reduziert. Und dazu noch eines, das es in Ghana gar nicht gibt. Auf Twitter wird bereits von #giraffegate“ gesprochen.

Delta Airlines löschte nach dem ersten „Shitstorm“ kurzerhand das Tweet und entschuldigte sich für diese etwas fehlgeschlagene Unternehmenskommunikation. Delta wollte die Gunst der Stunde nutzen, um das neue Drehkreuz in Seattle/Tacoma zu bewerben. Tja, etwas fehlgeschlagen dieser Schnellschuß.

Es tut sich was in Amerika

In Washington treffen sich Demokraten und Republikaner, plaudern ein bißchen über dies und das, Resultate fehlen allerdings. Staatliche Behörden und öffentliche Einrichtungen bleiben weiterhin geschlossen, Service- und Dienstleistungen gestoppf. Doch die Zeichen stehen auf einen Kompromiss, heißt, die Schuldengrenze soll angehoben werden und die Regierungsgeschäfte wieder in Gang kommen. Wann und wie, das steht allerdings noch nicht fest.

Unterdessen prüfen einige Bundesstaaten auf eigene Kosten Nationalparks zu öffnen. Seit dem „Shutdown“ mußten über 400 Nationalparks und Nationalmonumente geschlossen werden, darunter die Freiheitsstatue, der Grand Canyon, der Yosemite Nationalpark und Alcatraz Island. Die Regierung in Washington hat den einzelnen Bundesstaaten nun frei gestellt, die Parks zu öffnen, allerding unter der Bedingung, dass die Kosten auch übernommen werden. Eine Rückerstattung wird es nicht geben.

Arizona prüft derzeit, ob man den Grand Canyon wieder für die rund 18.000 Touristen am Tag öffnen kann. In New York versuchen Politiker auf Bundesstaats- und lokaler Ebene eine Lösung für die Freiheitsstatue zu finden. In Colorado und South Dakota prüft man noch, was dieser Schritt genau kosten würde. Wyoming hingegen hat bereits abgewunken. Der republikanische Gouverneur Matt Mead erklärte, man wolle nicht der US Regierung helfen und deren Job übernehmen. Und auch Nevada hat bei den Nationalparks eine Entscheidung gefällt. Andere Programme, wie die Ausgabe von „Food Stamps“ seien wichtiger und drängender als die Wiedereröffnung der Parks. Nur in Utah hat man schon gehandelt. Die dortige Regierung hat sich dazu entschlossen, mal schnell 1,65 Millionen Dollar nach Washington zu überweisen, damit die fünf Nationalparks, allen voran der Zyon National Park, wieder ihre Tore öffnen können.

Die einzelnen Bundesstaaten spüren immer mehr den Druck aus den Gemeinden rund um die Nationalparks. Hotels, Souvenirshops, Tankstellen, Restaurants und viele kleinere bis mittelständische Unternehmen sind von den Touristendollars abhängig, die nun bereits seit 10 Tagen ausbleiben.

Der Totalausfall der Regierung

[audio:http://blog.nz-online.de/peltner/wp-content/blogs.dir/7/files/2013/10/shutdown2013.mp3|titles=shutdown2013]

Seit Dienstag ist die amerikanische Regierung im Urlaub. Behörden sind geschlossen, Nationalparks dicht, sogar Armenspeisungen, die mit Bundesmitteln finanziert werden, fallen aus. Mehr als 800.000 staatlich Bedienstete sind in den unbezahlten Sonderurlaub geschickt worden. Kein Ende ist in Sicht. Noch verhalten sich die Amerikaner ganz ruhig, doch mit jedem Tag, an dem weiter nichts passiert, steigt der Druck auf die Politiker in Washington. Dazu der aktuelle Audiobeitrag.

Cartoonists wehren sich

TSA Kontrolle Die Sonntagszeitungen in den USA sind immer voll mit Cartoons. Von den „Peanuts“ und „Garfield“ bis zu „Hagar the Horrible“ und „Doonesbury“. Doch auch politische Cartoonisten nutzen diese Möglichkeit, um Stellung zu beziehen, um pointiert das aufzugreifen, was in Amerika passiert. Kritisch, frontal und ganz im Sinne von politischen Cartoonisten wird da die Feder geführt, wird ein Finger auf die wunden Stellen Amerikas gelegt.

Hier zwei hervorragende Cartoons, die heute in der Sonntagszeitung waren und die sich mit den verschärften Sicherheitskontrollen an US Flughäfen beschäftigen. Diese neuen Maßnahmen stoßen bei Reisenden und Bürgerrechtlern auf Unverständnis. Kontrollen ja, aber keine Eingriffe in die Intimssphäre.

Der eine Cartoon mit Uncle Sam und Lady Liberty ist von David Horsey. Der andere mit dem außergewöhnlichen Angebot im Sex Club ist von Nick Anderson.

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