20.000 Selbstmorde durch Schußwaffen

Es hinterlässt ein komisches Gefühl, wenn man diese Zahlen liest. Jedes Jahr bringen sich in den USA mehr als 40.000 Menschen um. In Deutschland sind es etwa 10.000. 2013 nahmen sich in den USA 41,149 Menschen das Leben. Mehr als die Hälfte davon, 21,175, nutzten eine Schußwaffe für ihren Freitod, das waren 58 Selbstmorde mit einer Knarre pro Tag.

Foto: AFP.

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Viele von denen, die sich durch Erhängen, Vergiften, durch einen Sprung in die Tiefe oder mit dem Aufschneiden von Pulsadern das Leben nehmen wollen, schaffen es nicht. 90 Prozent der Männer, Frauen, Jungen und Mädchen, die den Suizidversuch überleben, versuchen es kein zweites Mal, das hat eine Studie der Harvard Universität belegt. Bei Schußwaffen sieht das ganz anders aus. 90 Prozent der Selbstmordversuche mit Knarren sind erfolgreich.

Die Selbstmordrate mit Schießeisen in den USA ist hoch. Bei der ganzen Diskussion um den leichten Zugang zu Waffen wird diese Zahl meist vergessen, unterschlagen, übergangen. Man redet von den 16.000 Morden im Jahr, von den Schießereien, von den Amokläufen. Doch mehr als 20.000 Menschen sterben Jahr für Jahr in diesem Land durch Schußwaffen, die gegen sich selbst gerichtet sind, und nichts wird dagegen unternommen. Das Recht auf Waffenbesitz scheint mehr zu zählen, scheint wichtiger zu sein, als das Recht auf Leben. Ja, wer sich umbringen will, wird einen Weg finden. Doch die Wahrscheinlichkeit zu überleben sinkt mit dem Griff zur Knarre.

Tod einer Schülerin

Am 29. August fuhr die 17jährige Gabri Aparicio zur Golden Gate Bridge, parkte ihren Wagen, spazierte auf die Brücke und sprang in den Tod. 46 Menschen brachten sich so im vergangenen Jahr um, so viele wie noch nie zuvor seit der Eröffnung der weltbekannten Brücke 1937.

Eine halbe Stunde vor ihrem Freitod schickte die Schülerin noch einen Fragenkatalog per Email ab, für einen Artikel an dem sie für ihre Schulzeitung arbeitete. Das sei ein Zeichen dafür, dass es eine Kurzschlusshandlung gewesen sei, so die Eltern der 17jährigen. Ihr Leben hätte gerettet werden können. Die Geschichte der jungen Frau und die vieler anderer Selbstmörder wurden am Montag vor dem Rathaus in San Francisco erzählt. Angehörige und verschiedenste Organisationen fordern schon seit langem ein Netz unter der Brücke anzubringen, um Todesspringer retten zu können. Beschlossen wurde so ein Schutz im Jahr 2008, doch fehlt dem Brückenbetreiber, Golden Gate Bridge Highway and Transportation District. die dafür notwendigen 45 Millionen Dollar.

Die Angehörigen von Selbstmördern wollen sich damit nicht zufrieden geben und verlangen endlich die Umsetzung des Plans. Kritiker eines Sprungnetzes unterhalb der Golden Gate Bridge führen immer wieder an, dass durch diese Baumaßnahme das Bild der Brücke zerstört werden würde und, dass man damit einem zum Selbstmord entschlossenen Menschen langfristig nicht von seiner Tag abhalten kann.

„The Bridge“ ist eine beeindruckende Dokumentation über Menschen, die den Freitod an der Golden Gate Bridge wählen.

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Todessprung überlebt

Eine Schulklasse aus Sonoma County hatte am Donnerstag einen unvergesslichen Schulausflug nach San Francisco. Einer der Schüler meinte, es sei besonders „cool“ von der Golden Gate Bridge zu springen. Als die 45 Schüler über die Brücke liefen, überkletterte der 17jährige das Geländer und sprang. Was in 99 Prozent der Fälle tödlich ausgeht, am Donnerstag war dies anders. Ein Surfer, der zu dieser Zeit an einem beliebten Spot direkt unterhalb der Brücke die Wellen ritt, sah den Schüler ins Wasser fallen und wieder auftauchen. Er schwamm sofort auf seinem Surfbrett zu ihm und gemeinsam mit dem Schüler zurück an Land. Der Junge meinte zu dem perplexen Surfer, er sei wegen des „Kicks“ gesprungen.

Im Krankenhaus stellten sie nur einen kleineren Bruch und ein paar blaue Flecken an dem Jugendlichen fest. Der Surfer ist sich sicher, dass ein starker Südwind, den Sprung des Jungen abgefedert und ihn letztendlich gerettet habe. Seitdem die Brücke 1937 eröffnet wurde, sprangen fast 2000 Menschen am Golden Gate in den Freitod. Pro Jahr bringen sich hier zwischen 20 und 30 Menschen um, meist auf der Seite, auf der San Francisco liegt.

Schutz vor Selbstmörder?

Die kalifornische Strassenbaubehörde, CalTrans, wurde nun von einer Gruppe verklagt, die verhindern will, dass auf der Cold Spring Bridge in Santa Barbara County ein Selbstmordzaun errichtet wird. Die “Freunde der Brücke” begründen ihren Schritt damit, dass die Behörde keinerlei Rücksicht auf umweltpolitische Konsequenzen beachtet habe. Der rund 2,50 Meter hohe Zaun würde das Bild der Brücke total verändern, so die Gruppe in ihrer Klage. Seitdem die Brücke 1953 errichtet wurde, sprangen 47 Menschen von dort in den Freitod. Die Brücke ist ein Teilstück des San Marcos Pass, eine Abkürzung auf der Nord- oder Südroute des 101.
Interessant ist diese Klage gerade im Hinblick auf den geplanten Selbstmordzaun an der Golden Gate Bridge. Seit Jahren wird hier die Errichtung diskutiert, es wurden Studien in Auftrag gegeben und die Bürger auf beiden Seiten der Brücke befragt. Der Ausgang der Klage könnte durchaus Folgen für den beliebtesten Selbstmordplatz in Kalifornien haben.