Friedensnobelpreis für Trump?

Auf einem großen deutschen Online Portal habe ich am Morgen diesen Satz zum angedachten Treffen zwischen Donald Trump und Kim Jong Un gefunden: „Der mächtigste Mann der Welt, Trump, ist offenbar so eingeschüchtert vom Atomarsenal der Regionalmacht, dass er sich persönlich Zeit für Verhandlungen mit dem nordkoreanischen Machthaber nimmt.“ Wie die Autorin und der Autor zu diesem Schluß kommen, ist zumindest fragwürdig.

Donald Trump meets Kim Jong Un. Foto: Reuters.

Donald Trump ist sicherlich nicht vom Atomarsenal des nordkoreanischen Machthabers eingeschüchtert. Ganz im Gegenteil, Trump liebt das Rampenlicht mehr als alles andere. Ein Treffen mit „Rocket Man“, dem jüngsten Kim, würde ihm eine großartige Bühne bieten, um sich international als Macher und Friedensstifter ins rechte Licht zu rücken. Was ihm ja immer wieder aufgestoßen ist und ihn auch nach wie vor stört, ist das Ansehen Barack Obamas im Ausland. Trump würde gerne international besser dastehen wollen, als sein Vorgänger. Aus diesem Grund stürzte er sich auch gleich nach Amtsübernahme auf die Friedensverhandlungen im Nahen Osten, machte das zur Chefsache und entsandte seinen Schwiegersohn Jared Kushner, um die Palästinenser und die Israelis wieder an den Verhandlungstisch zu bekommen. Und Trump möchte auch die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel lösen.

Ja, Donald Trump würde nur zu gerne für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen werden. Frieden im Nahen Osten, Frieden zwischen Nord- und Südkorea wären da eine sichere Sache. Doch Trump lebt in seiner „Alternativen Realität“, in der er nur sich und seine Entscheidungen sieht. Die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels begründet er damit, dass er so einen schwierigen Verhandlungspunkt vom Verhandlungstisch der Palästinenser und den Israelis genommen hat. Er schafft Tatsachen, die (nur) in seinen Augen dem Friedensprozess helfen.

Ähnlich ist es für ihn mit Nordkorea. Monatelange Drohungen gegen das Regime von Kim Jong Un, militärisches Muskelspiel und wirtschaftliche Sanktionen haben Trump nun in die Rolle des Friedensstifters geführt. Von „Angst“ oder „Einschüchterung“ kann hier überhaupt keine Rede sein. Trump sieht sich als der starke Mann, als derjenige, der mit seiner Politik der Provokation Erfolg hat. Er glaubt wirklich, dass er alleine die Probleme der Welt lösen, mit seiner „America First“ Linie, alle anderen Staaten bevormunden kann.

Trump ist beratungsresistent. Der Posten des südkoreanischen Botschafters ist noch immer nicht besetzt. Der Sonderbeauftragte für Nordkorea hat die Brocken hingeschmissen, ein Nachfolger wurde noch nicht benannt. Nun versucht man in Washington ein Treffen zwischen Donald Trump und Kim Jong Un vorzubereiten, dessen Ablauf und Ausgang noch völlig ungewiss ist. Wenn es denn wirklich überhaupt dazu kommen sollte. Denn weder Kim noch Trump sind für ihre feinfühligen Schritte auf dem diplomatischen Parkett bekannt. Eingeschüchtert ist keiner der beiden Regierungschefs.