Die Christliche Rechte übernimmt

Donald Trump macht den Schulterschluss. Im Wahlkampf biederte sich der unkonventionelle Kandidat den christlichen Fundamentalisten an. Er versprach nach seinem Wahlsieg auf sie zu hören, ihre Werte und Moralvorstellungen zu verteidigen. Und die Mega Churches, Fernsehprediger und christlichen Rechtsaußen bedankten sich bei Trump, in dem sie ihn schon frühzeitig im Wahlkampf unterstützten, ihn als den Heilsbringer für ein „geschundenes Land“, die USA, priesen.

Die Abtreibungsdebatte in den USA wird neu geführt. Foto: Reuters.

Und Trump liefert nun. Bei der Eröffnung der amerikanischen Botschaft in Jerusalem traten gleich zwei umstrittene Prediger auf, um für den Präsidenten, seine Entscheidung und die Botschaft zu beten. Die amerikanische Außenpolitik und Entwicklungshilfepolitik wird immer mehr von den Grundsätzen der Christlichen Rechte in den USA bestimmt. Ganz gezielt werden die Uhren zurück gedreht, amerikanische Steuergelder gibt es nur noch für eine Unterschrift, die bestätigt, eine Hilfsorganisation wird weder Abtreibungen durchführen, darüber beraten oder jemanden in eine entsprechende Einrichtung vermitteln. Das geht so weit, dass einer NGO, die in Somalia arbeitet und in Uganda eine lokale Organisation mit dem Bau einer Gesundheitsklinik fördert, in der Frauen sich zum Thema Abtreibungen beraten lassen können, das gesamte Fördergeld für alle Projekte auch in anderen Ländern entzogen wird. Noch ist unklar, welche Auswirkungen die sogenannte „Mexico City Policy“ oder „Global Gag Rule“ haben wird, doch schon jetzt deutet sich an, dass viele Gesundheitskliniken und -zentren in afrikanischen Ländern aus Mangel an amerikanischen Geldern dicht machen müssen. Das alles auf Druck der Fundamentalisten in den USA.

Nun der neue Schlag. Die Trump-Administration hat angekündigt öffentliche Gelder für Kliniken in den USA zu streichen, die Abtreibungen durchführen. Insgesamt geht es um 260 Millionen Dollar. Das war eines der Versprechen aus dem Wahlkampf und Trump hält Wort. Eine kleine, aber einflussreiche Gruppe von christlichen Fundamentalisten hat das Ohr des Präsidenten und scheint eine Wunschliste abzuarbeiten. Abtreibung, eigentlich erlaubt in den Vereinigten Staaten, wird so durch die Hintertür verboten. Wo keine entsprechende Klinik und kein Arzt mehr sind, da gibt es auch keine Schwangerschaftsabbrüche mehr, so die Erzkonservativen.

Donald Trump will mit der Christlichen Rechte an seiner Seite in die kommenden Wahlkämpfe ziehen, das macht er mit dieser Entscheidung erneut deutlich. Doch auch die Gegenseite mobilisiert und versucht das Thema Abtreibung in den Wahlkampf einzubringen. Vor allem Frauen werden die Wahlen 2018 und 2020 entscheiden. Von ihnen hängt die zukünftige Richtung der USA ab.

Trump von Gott gesandt

      Die Entwicklung des Fundamentalismus in den USA

Im Wahlkampf stellte sich die religiöse Rechte in den USA schon früh hinter den Kandidaten Donald Trump. Gescheiterte Ehen, ein ausuferndes Leben, in der Vergangenheit Demokrat, der jahrelang eigentlich gegen alles war, für was die fundamentalistischen Christen stehen, Hetze gegen Migranten, „Pussy grabbing“, all das schien die Gläubigen nicht zu stören. Trump, so die einhellige Meinung im „Bible Belt“ der USA, war von Gott gesandt, ein starker Führer, der Amerika aus der Sinn- und Moralkrise führen werde. Darüber geht auch das obige Feature vom vergangenen Juli, ausgestrahlt auf Deutschlandfunk Kultur.

Nun hat Präsident Trump seine erste diplomatische Krise auf dem Schreibtisch, oder genauer gesagt, auf seinem Golfplatz in New Jersey, wo er gerade seinen „Arbeitsurlaub“ verbringt. Von dort antwortet er den nordkoreanischen Drohgebärden mit einer flammigen Rede. „Feuer, Wut und Macht“ werde die passende Reaktion darauf sein, wenn Pjöngjang nicht mit den Drohungen gegen die USA aufhöre. Soviel dazu, wenn zwei Herren mit sehr eigenwilliger Haarfrisur das Nuklear-Roulette spielen.

Trump kann sich aber sicher sein, dass auch weiterhin die christliche Rechte im Land zu ihm steht. Robert Jeffress, der als Pastor in Texas einer Mega-Church vorsteht, erklärte nun, Trump habe die moralische Autorität, um Kim Jong Un auszuschalten. „Wenn es darum geht, wie wir mit Bösewichten umgehen sollten, dann sagt uns das die Bibel ganz klar: Gott hat Führern die notwendige Gewalt erteilt  – Krieg einbezogen – um Böses zu stoppen. Im Fall Nordkorea hat Gott Trump die Autorität erteilt Kim Jong Un zu beseitigen.“ Jeffress hatte auch am Morgen von Trumps Vereidigung das Gebet gehalten. Er ist bekannt für deutliche Worte. Barack Obama habe den Weg des Antichristen bereitet und im Präsidentschaftswahlkampf 2012 erklärte er, die Mormonen seien ein religiöser Kult. Die abhlehnende Haltung führte wohl auch dazu, dass Mitt Romney am Ende keine Chance hatte.

Damit wird Donald Trump zum Gotteskrieger gemacht. Das wird ihm gefallen, denn alles, was er durchsetzen will, sei es innenpolitisch oder auch nun außenpolitisch, kann er mit den Texten der Bibel belegen (lassen). Schon jetzt, nur wenige Monate nach seinem Einzug ins Weiße Haus, sieht er sich als einen der größten amerikanischen Präsidenten überhaupt. Seine Adminstration sei die erfolgreichste aller Zeiten, das ist eine Standardaussage von ihm auf Twitter, die er nur allzugerne wiederholt. Trump ist von Gott gesandt, jeder der das anzweifelt ist damit einen Pakt mit dem Teufel eingegangen.

 

 

Das gibt’s doch gar nicht!

Das Anti-Masturbationskreuz im Sonderangebot.

Das Anti-Masturbationskreuz im Sonderangebot.

Ich sah das und dachte mir, das gibt’s doch wohl nicht! Die Fundamentalisten im amerikanischen Bibelgürtel drehen nun voll am Rad. Das „Anti-Masturbation Cross“ für Kinder ab 5 Jahren. Wenn man die Kleinen nicht beaufsichtigen kann werden sie auf einem Kreuz festgeschnallt, damit sie sich nicht selbst anfassen, befriedigen, masturbieren. Für die älteren „Zwangsmasturbierer“ im Alter bis 16 Jahre bietet sich so eine ungestörte Nachtruhe an. Heute im Sonderangebot für gerade mal 199.99 Dollar.

In der Werbung wird auf die Webseite stopmasturbationnow.org verwiesen. Das muß man sehen und lesen. Dort fragt man sich erneut, ist das nun ernst gemeint oder eine bitterböse Parodie. Nach genauerem Durchlesen der Seite, nach vielen Lachern, weiß ich, dass man das nicht für voll nehmen kann. Doch viele Seitenbesucher steigen darauf ein, hinterlassen Kommentare, die Hass, Unverständnis und Drohungen beinhalten.

Man muß einfach darüber lachen, gerade wohl auch, weil es wohl wirklich Zeitgenossen gibt, die von der „angeblichen“ Botschaft der Webseite überzeugt sind: „Masturbation is a gateway drug to rape. It also leads to sexual dysfunction, erodes family values, and is a top ten cause of disease.“

Es geht um den Bart

Vor ein paar Tagen wurde in Cleveland Samuel Mullet Sr. wegen eines „Hate Crimes“, eines durch Hass bedingten Verbrechens für schuldig befunden. Er hatte 16 Mitglieder seiner fundamentalistischen Amish Glaubensgruppe, darunter vier seiner Kinder dazu angestiftet, mehrfach Mitglieder einer anderen Amish Gruppe zu überfallen und deren Bärte und Haare abzuschneiden. Ein ganz schlimmes Ding in der Amish Welt, nun drohen Mullet 15 Jahre Haft, denn die Staatsanwaltschaft konnte sich bei den Geschworenen mit ihrer Argumentation des „Hate Crimes“ durchsetzen.

Aber mal ganz ehrlich, eigentlich wären solche Bartabschneideaktionen gar nicht mal so schlecht, wenn sie denn dabei blieben. Man stelle sich vor radikale Islamisten würden mal solch eine Aktion machen, anstatt auf einem überfüllten Markt eine Autobombe zu zünden oder Selbstmordattentäter in jüdische Busse zu schicken. Zumindest könnten dann anschließend die Betroffenen auch zu diesen Mitteln greifen. Bart ab und gut ist…denn danach müssen alle erst mal wieder warten, bis ein neuer Bart gewachsen ist. Zeit zum „cool down“, zum Abkühlen der Gemüter. Ich weiß, alles Hirngespinste, aber mal ehrlich, andere wichtige und nicht so wichtige Zeitgenossen machen auch keine besseren Vorschläge, wie man extremistische und religiös fundamentalisch bedingte Gewalt einschränken oder unter Kontrolle bringen könnte. Von daher…ja, ja, ich hör‘ schon auf.