Krisen? Welche Krisen?

Gestern Abend flog Präsident Barack Obama in der Bay Area ein. Um 21:20 Uhr landete „Air Force One“ auf dem San Francisco International Airport. Obama übernachtete in der Stadt, um am heutigen Mittwoch zwei „Fundraiser“ abzuhalten. Der 18. Klingelbeuteltrip von Obama as Präsident in die Bay Area. Preisschild für ein Ehepaar 32,400 Dollar. Von SF geht es gleich weiter nach LA, auch dort wird Geld gesammelt.

Barack Obama bei seiner Ankunft am Dienstagabend in San Francisco.

Barack Obama bei seiner Ankunft in San Francisco.

Der Nahe Osten brennt, in der Ukraine steppt der russische Bär, an der US amerikanischen Grenze gibt es eine humanitäre Krise und ein Gericht in den USA hat einen wichtigen Teilpunkt der Obamaschen Gesundheitsreform gekippt. Aber der Präsident nippt lieber an Cocktails, diniert mit guten Freunden und lacht breit in die Kameras. Von Krisen keine Rede, das Leben geht weiter, sprich der nächste Wahlkampf muß ja auch finanziert werden.

Am Mittwoch ist zufälligerweise auch Hillary Clinton in San Francisco. Sie sammelt keine Spenden, noch nicht. Ganz im Gegenteil, Clinton ist hier, um sich verschiedene Projekte anzusehen, Bürgernähe zu zeigen und weiter die Gerüchteküche anzuheizen, ob sie denn nun fürs Präsidentenamt kandidieren wird oder nicht.

Obama gibt derzeit mit seinen Reiseaktivitäten und seinen eher unklaren Aussagen Steilvorlagen für den politischen Gegner. Die bekunden in Interviews, dass sie „diesen Präsidenten nicht mehr verstehen“, so John McCain. Einige erklären sogar, dass Obama bereits „ausgecheckt“ hat, so als ob er bereits sein Amt hinter sich gelassen hat. Doch auch Demokraten sind derzeit etwas verwirrt über die Reiselust ihres vordersten Mannes. Auch wenn die „Fundraiser“ bereits vor zwei Wochen geplant waren, also vor der Gaza Invasion und dem Abschuß der malaysischen Maschine, so hätte das Weiße Haus anders reagieren müssen, heißt es aus der Präsidentenpartei. Obama und seine Vertrauten lassen die Kritik an sich abperlen. Der Präsident sei immer telefonisch erreichbar, heißt es. Stimmt, beim Krabbencocktail kann man durchaus auch über Waffenexporte, bombardierte Städte und Weltkrisen sprechen.

Obamas Stern sinkt

Selbst in San Francisco glaubt man nicht mehr so richtig an den Friedensnobelpreisträger. Kein Wort mehr von „Hope“ und „Change“, stattdessen nur noch Resignation. Und von ihm selbst kommen nur noch Durchhalteparolen. Barack Obamas Ruf ist angekratzt. Irgendwie sieht man ihn als einen Präsidenten, der gerne und viel redet, aber auf die Worte kaum Taten folgen läßt.

Da ist der Abhörskandal. Er, ein Präsident, der angetreten ist, um die Regierungsgeschäfte klarer und durchsichtiger zu machen ist verantwortlich für die systematische Ausspionierung der eigenen Bürger und der Bürger von befreundeten Nationen. Da ist die große Gesundheitsreform, die seine Handschrift tragen sollte. Doch schon beim Anlaufen gab es nur Pleiten, Pech und Pannen. Ob „Obamacare“ jemals richtig umgesetzt werden wird, daran glauben selbst liberale Demokraten in San Francisco nicht mehr so ganz. Sie wissen, die Unterstützung in der Bevölkerung für die Reform sinkt immer mehr und die Republikaner warten nur auf ihre Chance, das ganze irgendwie zu Fall zu bringen. Der Präsident hat es schlichtweg verbockt.

Und da sind der Drohenkrieg in Übersee und das Gefangenenlager in Guantanamo. Hochtrabend forderte er als Senator die Schließung, wiederholte diese Forderung als Kandidat, doch noch immer ist das Lager in Betrieb. So was kommt nicht gut an im pazifistischen San Francisco.

Barack Obama bekam dafür am Montag die Rechnung. Ein Fundraiser im SF Jazz Center drohte nicht voll zu werden, da sah man sich genötigt, die Preise im Vorfeld zu senken. Auf dem Weg durch die Stadt fuhr Obama an etlichen Protesten gegen ihn vorbei. Und bei zwei Veranstaltungen mit ausgewähltem Publikum, wurde er sogar von Besuchern verbal angegangen. Er solle doch bitte endlich mal was machen.

Barack Obama reagierte gelassen, er würde ja gerne, aber in einer Demokratie müsse man Kompromisse suchen und finden. Er kann ja nicht alleine handeln. So einfach oder schwer ist das mit der Politik. Der Präsident kann zu diesem Zeitpunkt in seiner zweiten Amtszeit froh sein, dass er nicht noch einmal kandidieren darf und muß. Die Umfragewerte sind im Keller, da werden sie wohl auch bleiben. Sein Stern war wohl doch eher eine Sternschnuppe am amerikanischen Himmel. Einmal kurz geleuchtet und das wars.

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Dirty Harry kehrt zurück

Clint Eastwood hat eine erfolgreiche Karriere mit seinen Charakterrollen gemacht. Nicht viele Worte, ein harter Blick, der schnelle Griff zur Knarre und wumm….schon war das Problem gelöst. Am Freitagabend nun überraschte der 82jährige erneut mit ein paar knappen Worten: „Ich glaube, das Land braucht einen Ruck. Jetzt mehr als jemals zuvor brauchen wir Gouverneur Romney. Ich werde für ihn stimmen“. Das meinte Eastwood auf einem Fundraiser im kalifornischen Sun Valley. Man brauche wieder ein Steuersystem, das gerecht sei für alle und keiner deshalb angegangen werde, ob er nun seine Steuern zahle oder nicht, so die Hollywood Legende.

Kandidat Mitt Romney freute sich über den Promi im Wahlkampfteam, „Was für ein Kerl“, meinte er strahlend. Noch im Februar dachten viele, Clint Eastwood unterstütze mit seinem Super Bowl Werbeclip „Halftime in America“ Präsident Obama, doch schon damals meinte der Oscar Preisträger, er sei nicht mit Obama politisch liiert.

Eastwood ist nicht der einzige bekannte Name aus dem Showbusiness, der den republikanischen Kandidaten unterstützt. Auch Schauspieler Jon Voight und Rockstar Kid Rock haben sich schon für Romney ausgesprochen.

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