„Serving America’s Best“ – ein Besuch bei AFN

Heute ging es vor dem Abflug noch kurz nach Riverside. Dort am Rande eines Industriegebietes und gleich neben der „March Air Reserve Base“ liegen die Headquarters von AFN – American Forces Network. Und wer, wie ich, ein Kind der 70er und 80er Jahre war, der wuchs mit dem Sound der Amerikaner auf. „America’s Top 40“, Country Music, Rock. Begeistert hörte ich damals hin, was da aus dem Äther kam, so ganz anders, als das, was uns der damals allein auf weiter Flur sendende Bayerische Rundfunk vorsetzte.

Die Satelittenschüsseln von AFN sind schon von weitem zu sehen.

AFN aus dem Bavarian American Hotel sendete für die Soldaten in Nürnberg, Fürth, Erlangen, Schwabach, Ansbach, Würzburg. Das war anders, locker, vielseitiger, ganz und gar nicht steif. Und hier in Riverside traf ich „Gorgeous George“, der in den späten 70ern zum ersten Mal in Nürnberg die Morgensendung moderierte und später Anfang der 90er Jahre den Umzug vom Hauptbahnhof in Nürnberg in die Kaserne nach Fürth organisierte. Er erzählte mir seine Radiogeschichte, die vielleicht ganz typisch ist für einen AFN-Radiomann.

Der Radiovirus hat sie in Uniform gepackt und nie wieder losgelassen. In der Zentrale in Südkalifornien arbeiten viele ehemalige Militärangehörige, die heute Zivilangestellte sind. Mit einigen konnte ich heute sprechen, die in Südkorea, Thailand, Afghanistan und eben Deutschland sendeten. AFN ist und bleibt ein Truppensender. Das Fernseh- und das Radioprogramm sind auf diese Zielgruppe ausgerichtet. Und doch, „American Forces Network“ hat überall im Einsatz kulturelle Brücken gebaut. Hörer zum Englisch geführt, amerikanische Kultur und Leichtigkeit vermittelt, ganz ungewollt Werbung für amerikanische Grundprinzipien gemacht. Viele von uns hatten durch die Programme und die DJs von AFN ein positives Bild Amerikas mitbekommen.

Mit dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte wurden an vielen Orten, wie auch im Großraum Nürnberg, die Sendemasten abgebaut. Ohne die eigentlichen Hörer gab es keine Sendeberechtigung mehr für AFN Nuremberg. Doch die Programme, die Stimmen, das ausgestrahlte Amerikabild fehlt heute mehr denn je.

 

Zupf die Saiten, Dieter!

Dieter Bornschlegel ist ein Ausnahmegitarrist. In den 70er Jahren spielte er mit Guru Guru und Atlantis. Seitdem zupft er alleine seine Songs. Ich habe ihn durch sein Projekt „Dein Schatten“ kennengelernt, bei dem er der „Neuen Deutschen Härte“ seinen eigenen Stempel aufdrückte. Und das kam richtig gut an, sowohl in den USA und Kanada wie auch in Russland. Wenn „Dein Schatten“ im Programm von „Radio Goethe“ lief, folgten Rückmeldungen und Fragen „wer ist das?“.

Doch auch das ist schon ein paar Jahre her. Dieter Bornschlegel ist aber Musiker durch und durch und kann es einfach nicht lassen. Er besticht durch seine ganz eigene Art und Weise Gitarre zu spielen. Seinem Spiel zu folgen ist beeindruckend, man fragt sich, zumindest ich als Laie, wie er das macht. Leider bin ich Anfang März nicht vor Ort, aber ich hoffe, die Löwenbar in der Fürther Gustavstraße wird am kommenden Donnerstag, den 5. März, brechend voll sein, wenn Dieter Bornschlegel die Gitarre auf seinen Schoß legt.

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Zwei der Großen in der kleinen Stadt

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Mona Mur und En Esch am Freitag in Fürth.

Nicht allzu viele deutsche Musiker sind den amerikanischen Musikfans ein Begriff. Doch einige haben durchaus einen Namen. Dazu gehören Mona Mur, die in den Anfangsjahren mit den Einstürzenden Neubauten spielte, viele Soloprojekte verwirklichte, eine begehrte Muskerin für Videospielproduktionen und Soundtracks ist und jüngst mit FM Einheit kollaborierte. Und En Esch, ehemaliger Gitarrist und Sänger der legendären Industrialband KMFDM, der gerade die Arbeiten an seiner neuesten Soloplatte fertig gestellt hat.

Beide arbeiten schon seit ein paar Jahren zusammen, tourten in aller Herren Länder und nun stehen auch ein paar Konzerte in Deutschland an, eines davon am Freitag den 19. Dezember um 20 Uhr in Fürth. Im „Kopf und Kragen“, kannte ich bislang auch nicht, musste ich auch erst raussuchen, wo genau das ist… Aber es lohnt sich auf alle Fälle, denn Mona Mur und En Esch laufen regelmäßig mit ihren Alben und den vielen Nebenprojekten im Programm von Radio Goethe. Jüngst erst gab es ein kleines Spezial über die beiden, das man hier hören kann:

      hier

„Kopf und Kragen“, in der Ottostr. 27, Hinterhof EG in Fürth.

 

 

Ich habe Feuer gemacht

Das muß 1984 gewesen sein. Rührersaal in Nürnberg Reichelsdorf. Purple Schulz spielte dort auf seiner “Verliebte Jungs” Tournee. Eigentlich war das damals so gar nicht meine Musik, doch sein Song “Sehnsucht”, der hatte es in sich. Dieser Schrei, diese Sprachlosigkeit, diese innere Energie, die einfach raus mußte. Das Konzert war klasse, ich war von Purple Schulz, der Band und auch mir selbst überrascht. Fortan stand zwischen Kiss, Uriah Heep und Extrabreit nun auch Purple Schulz im Plattenregal. Seitdem verfolge ich seinen Weg. Mal intensiver, mal weniger. Wir haben uns vor ein paar Jahren mal in Köln auf einen Kaffee getroffen, immer mal wieder lief ein Song von ihm im Programm von Radio Goethe.

Nun hat er eine neue Platte herausgebracht “So und nicht anders”. Eine sehr persönliche Scheibe, die ihm selbst sehr am Herzen liegt. Und das hört man. Für die neue Platte geht er auch auf große Deutschlandtournee, am 6. März wird er in Fürth in der Comödie spielen. Nach all den Jahren war es mal an der Zeit mit Purple Schulz ein Interview zu führen.

NZ: Warum hat es so lange mit der neuen Platte gedauert…“So und nicht anders” ist der Titel des neuen Albums, das klingt etwas nach Trotz, nach persönlicher Freiheit, nach “This way or the Highway”… Ist es ein persönliches Album?

Purple Schulz: Ja, ich gebe zu, das Album hat sehr lange gedauert. 15 Jahre sind vergangen seit dem letzten Album und 15 Jahre sind natürlich eine lange Zeit, wenn man sie, wie Tom Hanks, auf einer einsamen Insel verlebt. Ich habe in diesen 15 Jahren wahnsinnig viele Sachen gemacht, habe zwei Kindermusicals geschrieben, ich habe mit den unterschiedlichsten Künstlern zusammen Konzerte gespielt. Hatte eine ganz lange Konzertreihe z.B. mit Heinz-Rudolf Kunze hier in Deutschland, die ging über drei Jahre und das waren rund 180 Konzerte. Ich habe mit dem Ensemble der Kölner Stunksitzung zusammen gearbeitet, Kabarett gemacht und Theater und was weiss ich alles. Also, ich habe mich in den 15 Jahren wirklich nicht gelangweilt, aber habe mich wie gesagt immer nur um die Projekte vor allem auch anderer Künstler gekümmert und dabei ein bißchen aus dem Auge verloren, dass ich ja auch noch was zu sagen habe.

Und ich habe mich dann Ende 2011 von meinem langjährigem Partner Josef Piek getrennt, nach 33 Jahren, mit dem ich wirklich allerhand zusammen eingespielt habe, komponiert hatte und so weiter und sofort. Ja und diese Trennung war nicht einfach, aber sie war die Initialzündung dieses neue Album zu machen, das jetzt heisst „So und nicht anders“. Und natürlich ist das auch ein bißchen provokant, aber ist halt so, ohne diese Trennung wäre das Album nicht so geworden. Und so wie es geworden ist, bin ich mehr als glücklich. Es ist wirklich, ich würde sagen, mein persönlichstes Album, weil ich all die Dinge reingepackt habe, die ich für wichtig erachte.

NZ: Was bedeutet ein neues Album für Dich? Ist es der Drang was raus zu lassen, Geschichten zu erzählen oder eine Art Tagebuch?

Purple Schulz: Ich glaube, jedes Album ist eine Art Tagebuch. Aber bei diesem Album ging es mir in allererster Linie darum Geschichten zu erzählen. Deshalb ist auch am Anfang des Booklets ein Zitat von Jorge Bucay, einem argentinischen Therapeuten. Das Zitat heisst ,,Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen“. Und das ist für mich auch das Leitmotiv des Albums und aller Texte, die darauf erschienen sind. Ich habe die Hälfte der Texte mit meiner Frau zusammen geschrieben, oben in der Küche.[nbsp]Und wir konnten immer, wenn so ein Text fertig war, runter gehen ins Studio, weil das ganze Album bei mir zu Hause entstanden ist. Das sollte man auch noch sagen, und dadurch wussten wir auch sehr, sehr schnell, was funktioniert und was nicht funktioniert. Es gibt Stücke, die haben vier verschiedene Texte bekommen, bis es dann wirklich so war, wie ich mir das vorgestellt habe. Das Album beginnt auf der Säuglingsstation und es endet auf dem Sterbebett. Zwischendurch ist all das vertreten, was das Leben der heutigen Vierzig- bis Fünfundsechzigjährigen ausmacht. Und das sind Geschichten über Demenz, über pubertierende Kinder, es sind Geschichten über die politische Situation, die wir jetzt im Moment in der Bundesrepublik haben, über Religion, alles, es gibt eigentlich kein Thema, was auf diesem Album ausgespart ist. Und trotzdem ist es eine ganz homogene Geschichte.

Ich würde sagen, es ist mein ernsthaftestes Album, aber auch mein bissigstes. Ja, kann man so sagen, stellenweise. Was auch ganz wunderschön ist, dass ganz viele befreundete Musiker, Musikerinnen mitarbeiteten und meine komplette Familie mitsingt. Das habe ich auch noch nicht erlebt, das war sehr, sehr schön bei der ganzen Produktion zu erleben, dass teilweise oben vier Generationen um den Tisch versammelt waren und gegessen haben in der Pause. Das hat mich sehr glücklich gemacht und ich bin jeden Abend ins Bett gegangen und habe mir sagen können “ey geil, ich habe Feuer gemacht!” Und das war richtig klasse.

NZ: Du bist schon seit Ewigkeiten im Geschäft, hast Riesenerfolge mit “Sehnsucht” und “Verliebte Jungs” gehabt. Die Musikindustrie hat sich verändert, lohnt es sich noch, ein Album zu veröffentlichen?

Purple Schulz: 2012/2013 ein Album zu veröffentlichen ist natürlich was anderes als es das vor 30 Jahren war. Die Musikindustrie hat sich komplett geändert, die ganze Medienlandschaft hat sich verändert. Ich hab das gesehen auf der Promotions Tour für das neue Album. Es ist alles anders als damals und wirtschaftlich macht es eigentlich überhaupt keinen Sinn ein Album rauszubringen, weil man an einem Album kaum noch was verdient. An Downloads sowieso schon mal nicht. Das einzige, wo Musiker an einem Album noch was verdienen, ist, wenn sie nach den Konzerten was verkaufen und das mache ich immer, weil ich signiere das dann auch. Da habe ich dann auch wirklich das direkte Feedback von den Fans, die in die Konzerte kommen. Obwohl, Feedback hat man natürlich auch über die ganzen Social Networks, wie facebook oder über youtube, wo ich einen Haufen Videos reingestellt habe. Die übrigens mein jüngster Sohn filmt und schneidet, der Dominik, der auch Gitarrist ist, aber er ist ein fantastischer Filmer und hat diese wunderschönen Purple Schulz Videos vom neuen Album gemacht.

NZ: Im Rückblick, was waren für Dich die schönsten Momente Deiner langen Karriere?

Purple Schulz: Unvergessen sind für mich die Konzerte in der ehemaligen DDR, als die Mauer noch stand. Dann das große Konzert mit Herbert Grönemeyer, Toten Hosen und Rio Reiser gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf. Aber es gibt natürlich auch diese ganz kleinen Konzerte, wenn man nur vor 150-200 Leuten in einem kleinen Theater spielt, wo man eigentlich diese opulenten Werke reduziert auf ein Gerüst mit Klavier und Gitarre. Das ist hoch spannend, was da dabei raus kommt. Man ist den Stücken sehr, sehr nahe und man ist dem Publikum unfassbar nahe. Das finde ich eine ganz aufregende und spannende Geschichte. Das sind Konzerte, die ich auch sehr, gerne spiele.

NZ: Was würdest Du heute anders machen?

Purple Schulz: Es gibt ja so ein bestimmtes Image von Purple Schulz, das geprägt ist durch die Songs, die heute noch im Radio laufen, das sind halt überwiegend die Titel aus den 80er Jahren. Das sind so Songs wie “Verliebte Jungs“, „Kleine Seen”, “Nur mit Dir”, mit denen ich eigentlich nicht mehr sehr viel am Hut habe, aber natürlich spiele ich sie noch in meinem Programm, weil die Fans die hören wollen. Das ist mein “Satisfaction”, das muss ich einfach spielen, da komme ich nicht drum rum, völlig klar und macht ja auch Spaß. Aber die Reaktion darauf ist, dass das mit dem heutigen Purple Schulz nichts mehr zu tun hat. Und da kann das schon sein, dass ein alter Titel zu einer Altlast wird, den man mit sich rum schleppt.

Bei „Sehnsucht“ ist das z.B. nicht der Fall. „Sehnsucht“ ist ein Stück aus dem Jahr 1983, das 1984 einen sensationellen Erfolg hatte und mit dem ich aber heute noch auf die Bühne gehen kann und es immer noch so frisch präsentieren kann, als wäre es gestern geschrieben worden. Das ist halt der Unterschied bei den Songs. Wenn man was anders machen würde im Laufe der Jahre, dann ist es vielleicht zu reflektieren, was ist eigentlich in 20 Jahren mit diesem Song? Also, das überlege ich mir schon, wenn ich den Text schreibe, weil ich möchte gerne Sachen machen, die nicht nur Substanz haben, sondern auch sich über Jahrzehnte behaupten können. Ich denke, das macht gute Musik aus. Gute Musik hat nichts mit Moden zu tun. Moden interessieren mich in der Musik überhaupt nicht und auch keine Trends und neue Produktionsgeschichten, das ist für mich völlig uninteressant. Für mich steht der Song im Vordergrund, die Geschichte, der Text, das ist für mich wichtig. Diese Geschichte muss man rüber bringen, wie in einem Film, für mich ist das nichts anderes wie Filme machen.

NZ: Du trittst immer wieder mit anderen Musikern auf, auch auf Deiner neuen Platte hast Du Gastmusiker, wie Heinz-Rudolf Kunze oder Christina Lux, eingeladen. Wie wichtig ist Dir der Austausch mit anderen?

Purple Schulz: Durch das gemeinsame Musizieren kommt man vielen Dingen richtig nahe, man entdeckt auch wieder ganz neue Facetten innerhalb der eigenen Sachen, die man geschrieben hat. Das ist eine tolle Erfahrung. Es ist aber auch so, dass sich all diese Musiker, die auf dem Album mitgewirkt haben, echt in den Dienst dieser Sache gestellt haben, das fand ich sehr beeindruckend. Es ging all diesen Menschen gar nicht darum sich irgendwo am Instrument zu profilieren, sondern die Geschichte rüber zu bringen, die Atmosphäre mit aufzubauen. Ich glaube, das ist auch, warum diese Songs die Hörer sehr, sehr tief und sehr, sehr emotional treffen. Also, ich merke das an den Reaktionen, die ich zurück bekomme, wirklich überwältigend teilweise. Ich hatte schon Leute hier sitzen, hier unten bei mir im Studio, denen ich z.B. einen Titel vorgestellt habe, erwachsene Menschen, die anfingen hemmungslos zu weinen, weil auf einmal diese Musik und diese Geschichte etwas bei ihnen ausgelöst haben, was ganz, ganz tief verborgen war bis dahin.

NZ: So richtig bekannt wurdest Du zur Zeit der Neuen Deutschen Welle mit der “Neuen Heimat” und dann mit Deiner ersten Soloplatte. Hätte ein Purple Schulz heute noch die Chance auf den Erfolg, mit Musik, die zwischen mehreren Genres daheim ist?

Purple Schulz: Dazu muss man sagen, „So und nicht anders“ ist eigentlich meine erste Soloplatte. „Verliebte Junges“, das war ja damals noch das Album von Purple Schulz und Purple Schulz war damals eigentlich ein Trio, bestehend aus Josef Piek (Gitarrist), Dieter Hoff (Schlagzeuger) und mir. Nur war es in den 80er Jahren so, dass die Künstler in Deutschland echt über die Frontleute verkauft wurden. Es gab halt Künstler wie Wolf Maahn, Klaus Lage, Herbert Grönemeyer, Herwig Mitteregger und insofern hat man auch beschlossen die Band nach mir zu benennen, weil ich nun mal der Mann bin, der da vorne steht und singt.

Ob das so richtig war, weiß ich nicht, aber es entsprach schon der Tatsache, weil ich doch schon sehr viel nach außen von dem repräsentiert habe, worum es in den Geschichten geht. Da ich ja heute so ein Wanderer bin zwischen Liedermachern und Pop Musikern – übrigens das Wort Pop benutze ich immer noch im althergebrachtem Sinn. Pop war damals eine Musik, die hat alles möglich gemacht. Popmusik, wie wir sie von den Beatles kennen, in der war alles machbar. Ganz im Gegensatz in der Popmusik von heute, man hat heute diese bescheuerten Radioformate, wo gar nichts mehr machbar ist. Wenn du heute ein etwas anderer Künstler bist, bekommst du einfach keine Schnitte bei den Medien. Das ist leider so und da muss man sich mit abfinden, fällt nicht immer leicht, aber ich weiß, dass es trotzdem genug Leute gibt, die diesen Bullshit gar nicht mehr hören und die kommen dann zu mir.

NZ: Wie siehst Du die heutige deutsche und deutschsprachige Musikszene?

Purple Schulz: Es gibt einen Haufen junger Bands, vor allen Dingen fantastische Sänger in Deutschland und es gibt auch ein paar gute Texter, aber im großen und ganzen finde ich im Moment die deutsche Musikszene eher uninteressant, weil da passiert nicht sehr viel Innovatives.

NZ: Was ist Musik für Dich, wie wichtig ist Dir das Songschreiben, das Auftreten, das Aufnehmen Deiner Lieder?

Purple Schulz: Musik ist für mich das Transportmittel für Emotionen. Konzerte sind für mich richtige kleine Feiern, wo man die eigene Kreativität natürlich ein bißchen feiert, wo man aber auch den Austausch hat mit den Leuten. Für mich sind die Konzerte eigentlich das Allerwichtigste und so eine CD, an der man ja sowieso nichts verdient, ist eigentlich mehr oder weniger so ein Vehikel, um wieder auf die Bühne zu kommen, so muss man sich das Konzertgeschäft vorstellen. Das ist auch der Grund, warum Prince z.B. eine CD kostenlos zum Konzertticket dazulegt. Was natürlich auf der anderen Seite schade ist, dass der Wert dadurch natürlich völlig ins Hintertreffen gerät. Das ist eine sehr traurige Entwicklung, können wir Künstler eigentlich nur damit auffangen, dass wir liebevolle Booklets dazu legen, wenn wir ein Album rausbringen, und, dass wir zeigen, dass das, was wir machen wirklich mit Herz machen. Dass es nicht in erster Linie darum geht, hier irgendwelche großartigen Umsätze zu erzielen, das kann man sowieso nur, wenn man mit einer Major Company zusammen arbeitet, die aber dann wiederum soviel Geld in die Promotion steckt und es dem Künstler durch die Hintertür wieder abnimmt. Für mich ist das völlig inakzeptabel und völlig uninteressant. Ich bin lieber autark, habe hier mein Studio, arbeite nach meinem Zeitplan, arbeite mit meinen Leuten und bin einfach frei. Das ist für mich das Entscheidende. Ich bin jetzt 56 Jahre alt und ich habe keinen Bock hier irgendwelche Rechte abzugeben, auf Jahre weg. Solche Fehler habe ich früher gemacht.