„My first car was a Cadillac“

Raymond Estrada     

Als Journalist trifft man viele Menschen, hört ihre Geschichten, stellt Fragen, meist bekommt man Antworten darauf. Letztes Jahr habe ich einen Mann kennen gelernt, den ich für einen Beitrag über die Gewalt in Oakland interviewte. Raymond Estrada arbeit für „Caught in the Crossfire“, ein Programm, das jugendlichen Gang Mitgliedern beim Ausstieg helfen soll. Wenn es zu einer Schießerei in Oakland kommt, ein Opfer im Highland Hospital eingeliefert wird, geht ein Anruf gleich an Raymond Estrada. Er ist dann im Krankenhaus, stellt sich vor, redet mit Angehörigen, Freunden und dem Opfer, falls es möglich ist. So will er zuerst einmal Racheakte verhindern und dann versuchen, demjenigen zu helfen, der angeschossen wurde. Wie auch immer. Das reicht von Hilfen bei Behördengängen bis zu Umschulungsprogrammen und sogar Umzügen, falls das Opfer in seiner Nachbarschaft nicht mehr sicher ist.

Bei diesem Interview mit Raymond Estrada wurde mir langsam klar, dass er mehr zu erzählen hat, als er hier preisgibt. Nachdem der Rekorder ausgeschaltet war unterhielten wir uns noch. Und dabei ließ er durchblicken, dass er selbst eine Geschichte zu erzählen hat. Wir trafen uns mehrfach und Raymond berichtete von seiner Vergangenheit in San Jose, vom Autoklau („My first car was a Cadillac“), von seiner Schießerei, seinen 15 Jahren hinter Gittern, von brutalen Schlägereien und Messerstechereien. Schließlich seinem Wandel.

Der Audiobeitrag (siehe oben) ist ein kleiner Höreindruck zur Geschichte eines Mannes, der den brutalen Gefängnisalltag überlebt, die Statistiken besiegt und sein Leben ganz umgekrempelt hat.

Drogenkrieg eskaliert

Es geht um Milliarden Dollar. Auf beiden Seiten der Grenze verdienen sich einige Drogenbosse und Waffenschmuggler eine goldene Nase. Die mexikanische und die amerikanische Regierung wollen das Problem sogar gemeinsam angehen, doch bislang merkt man vor Ort nicht viel. 23.000 Morde in den letzten paar Jahren sprechen eine deutliche Sprache und die Gewaltspirale dreht sich weiter. Die Grenzstädte Juarez und Tijuana sind zu den gefährlichsten Städten der Welt geworden. Hier kennen die Gangs und Drogenbosse keine Gnade. Niemand ist sicher, der sich ihnen auch nur in den Weg stellt.

Die US Regierung hat nun angekündigt, die jährlichen Hilfszahlungen an Mexiko umschichten zu wollen. Anstelle von Hardware zur Drogenbekämpfung wolle man die finanziellen Mittel lieber zur Verringerung der Korruption bei Polizei, Armee und Politikern einsetzen. Das dies nicht weither geholt ist zeigt die Situation in Juarez. Der Bürgermeister der Stadt erklärte gegenüber der NZ, dass er bei Amtsantritt im Sommer 2007 rund 1600 korrupte Polizisten entlassen musste.

Mexico  Drug WarUnd nun wurde der Bürgermeister von Cancun, Gregorio Sanchez, verhaftet. Ihm wird Drogenhandel, Geldwäscherei und Verstrickungen in die organisierte Kriminalität vorgeworfen. Der Beschuldigte bestreitet dies, wirft der Regierung in Mexiko City ein politisches Manöver vor, denn Sanchez ist zur Zeit ein Kandidat bei der anstehenden Gouverneurswahl im Bundesstaat Quintana Roo.

Doch zweifellos ist die Korruption ein riesiges Problem in Mexiko. Viel Geld ist im Spiel, Polizisten und Soldaten sind unterbezahlt und auch Politiker halten gerne die Hand auf, um wegzuschauen. Die USA und Barack Obama erkennen langsam, dass der Drogenkrieg südlich der Grenze kein rein mexikanisches Problem mehr ist. Obamas Vorgänger, George W. Bush, kümmerte sich reichlich wenig um die Situation in Mexiko, auch wenn die USA unter Bush mit verschiedenen politischen Entscheidungen die Situation im Kartellkrieg nur noch weiter befeuerten. Barack Obama orderte nun auch US Truppen an die Grenze, um illegale Einwanderung und den Drogenschmuggel zu stoppen.

Die Einmischung Washingtons und der Versuch gemeinsam mit der Regierung Calderon der Korruption Herr zu werden. Ein wichtiger Schritt, der jedoch auch ins Leere führen kann. „Es herrscht Anarchie auf den Strassen“, erklärte mir ein mexikanischer Journalist in Juarez. Er beschrieb ein Bild mit wenig Hoffnung. Die Zeit wird es zeigen….bis dahin werden noch tausende von Menschen der Gewalt in Mexiko zum Opfer fallen.

Bambi ist tot!

Reh in OaklandEast-Oakland ist eine Problemgegend. Die Mordrate ist hoch, Drogendealer und Gangs bekriegen sich. An jedem Wochenende gibt es eine Ballerlei, meist mit tödlichem Ausgang. Am vergangenen Wochenende hat jedoch die Polizei munter drauf los geschossen. Ein Reh hatte sich in der Gegend verirrt und sich schliesslich in einem Garten versteckt. Ein paar Polizisten berieten sich und erklärten das Reh zum „public danger“, zur Gefahr für die Öffentlichkeit. Sie sperrten die Gegend ab, blockierten weitere Blicke von Schaulustigen und Kindern, die zum ersten mal ein richtiges „Bambi“ zu sehen bekamen und legten an. Sieben (!) Schüsse wurden auf das junge Reh abgefeuert, bevor es schliesslich tödlich getroffen wurde.

Der Aufschrei ist gross in Oakland. Wie konnte man nur ein gesundes Reh, das sich lediglich in eiem Garten verlaufen hatte, so niedermetzeln? Die Polizei hingegen verteidigt sich, man kenne sich aus mit Pitbulls, wisse, was man da zu tun habe. Aber mit Rehen in East-Oakland, da habe man keine Erfahrung. Von daher wurde Bambi als gefährlich eingestuft und erschossen….wow, in so einer Stadt lebe ich, ich fühle mich hier richtig sicher!!!