Im Auge des Tigers von Gott gesandt

Ich glaube mal nicht, dass Survivor ihren Hitsong für diesen Moment geschrieben haben. Als die Standesbeamtin für Rowan County, Kim Davis, auf die Bühne tritt, röhrt „Eye of the tiger“ durch die Lautsprecherboxen, so, als ob sie einen Schwergewichtskampf gewonnen hätte. Davis war nach fünf Tagen Gefängnis entlassen worden. Zuvor hatte sie sich trotz Richterspruch geweigert, Trauscheine auszustellen. Der Grund, Kim Davis erklärte, Gay Marriage verstosse gegen ihre religiöse Überzeugung, von daher unterschreibe sie diese Trauscheine nicht. Egal, ob das oberste Verfassungsgericht die Eheschließung zwischen Mann und Mann, zwischen Frau und Frau als „law of the land“ erklärte. Egal, ob Kim Davis bei ihrer Amtseinführung schwor, die Gesetze in Kentucky und den USA zu befolgen. Egal, ob ein zuständiger Richter ihr mit Beugungshaft drohte. Kim Davis blieb dabei und meinte, sie befolge nur Gottes Wort.

Kim "Rocky" Davis vor ihrer Verhaftung. Foto: AFP.

Kim „Rocky“ Davis vor ihrer Verhaftung. Foto: AFP.

Was dann in Grayson, Kentucky, passierte war ein sonderbarer Zirkus. Kim Davis wurde für die Christlich-Konservativen im Land zur Heldin, die für ihren Glauben einstand. Die Präsidentschaftskandidaten Mike Huckabee und Ted Cruz eilten in die Kleinstadt, um Unterstützung zu zeigen und Aufmerksamkeit im Wahlkampf zu erzielen. Huckabee polterte von der „Rechtstyrannei“ und meinte ernsthaft; „Gott hat sich gezeigt. Er hat sich gezeigt in der Form einer gewählten Demokratin mit dem Namen Kim Davis“. Die Menge applaudierte.

Nun also ist die dreifach geschiedene Kim Davis das Darling der heterosexuellen Eheverfechter in den USA. Richter David Bunning entliess sie mit der Auflage, dass sie sich fortan nicht mehr um die Trauscheine in ihrem Büro kümmern darf. Davis ließ am Dienstag offen, ob sie sich daran halten wird.

Aber denken wir mal weiter. Nehmen wir mal an, ich wäre in einer Stadtverwaltung für die Ausstellung von Jagd- und Waffenscheinen verantwortlich. Ich würde als überzeugter Vegetarier meine Unterschrift verweigern, denn „you shall not kill“ heißt es ganz klar in der Bibel. Mein Glauben verbiete mir das Abknallen von Tieren, so meine Begründung. Man stelle sich mal den „Shitstorm“ vor, allen voran von Seiten der Freiheitsverfechter der NRA, der danach mit Sicherheit kommen würde.

Ich spreche Kim Davis ihren Glauben nicht ab, allerdings lebt sie in einem Land, in dem die geschriebenen Gesetze vor Gottes Wort stehen, egal, wie sie dies auch auslegen mag. Sie muß ihre Unterschrift unter einen Trauschein gleichgeschlechtlicher Partner nicht geben, das ist ihr überlassen. Diese Freiheit hat sie. Doch wenn sie sich so entscheidet, muß sie ihren Schreibtisch räumen. Als eine demokratisch gewählte Kommunalangestellte, darf sie nicht mehr und nicht weniger machen, als die Gesetze zu befolgen.

YouTube Preview Image

#LoveWins oder ein Naturgesetz gebrochen

„Gay Pride Weekend“ in San Francisco, dem Zentrum der Schwulen und Lesben. Und noch nie kamen so viele Menschen, um zu feiern. Und es waren eben nicht nur homosexuelle Aktivisten, es schien, als ob ganz Nordkalifornien auf den Beinen war. Der amerikanische Verfassungsgerichtshof hatte mit seinem Urteil zum gleichen Recht für alle auf Eheschließung ein deutliches Zeichen gesetzt. Fortan wird es keine Ausnahme mehr geben, ob jemand in diesem Bundesstaat oder in jenem lebt, und es davon abhängt, ob man heiraten darf oder nicht. Der Richterspruch war quasi eine Einladung zur großen Party quer über den Kontinent nach San Francisco geschickt. Und die kam auch an, einen besseren Zeitpunkt hätten sich die Richter im fernen Washington gar nicht aussuchen können.

Der Republikaner Mike Huckabee sieht Naturgesetze außer Kraft gesetzt.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mike Huckabee sieht die Naturgesetze außer Kraft gesetzt.

Barack Obama twitterte unter seinem Namen POTUS (President of the United States): „Heute ist ein großer Schritt auf dem Marsch für Gleichberechtigung gemacht worden. Schwule und lesbische Paare haben nun das Recht, genau wie jeder andere zu heiraten. #LoveWins“. Doch nicht jeder im Land war begeistert. Die republikanischen Präsidentschaftskandidaten reagierten alle mit eindeutigen Stellungnahmen. Sie sprachen von „Aktivisten Richtern“, von politischen Entscheidungen, die von ungewählten Richtern zum Gesetz gemacht wurden. Einige, wie Lyndsay Graham, erklärten, sie akzeptierten die Entscheidung, werden aber dafür kämpfen, dass das Recht auf Religionsfreiheit und Religionsausübung bestehen bleibe. Andere, wie Mike Huckabee, erklärten, dieser Urteilspruch der Verfassungsrichter komme einer Aushebelung natürlicher Gesetze gleich. Die Dimension dieser Entscheidung sei gleichzusetzen, wie wenn die Juristen richterlich entschieden hätten, dass die Erdanziehungskraft aufgehoben sei. Das ist dann wohl auch eine Meinung.

Klar wird bei all diesen Reaktionen, dass die Republikaner sich in den kommenden Wochen und Monaten in einen Moralwahlkampf verlieren werden, in dem sie von den „Family Values“ und den „christlichen“ Moralvorstellungen sprechen. Dabei jedoch vergessen, dass Amerika ein anderes Land geworden ist, in dem man so nicht mehr, wie noch 2004 George W. Bush, eine Wahl gewinnen kann. Der Überdemokratin Hillary Clinton kommt das ganz recht, denn sie stellt sich schon seit Jahren als Verfechterin der Homoehe dar. Vergessen ist die Ablehnung von gleichgeschlechtlichen Ehen, als die Clintons noch im Weißen Haus waren. „Don’t ask, don’t tell“, das Gesetz, das Homosexuellen ein offenes Leben im Militär verbot, wurde seinerzeit von Bill Clinton unterschrieben.

Amerikanische Rechtsverdrehung

Die Uhren werden zurück gedreht. Nein, nicht die Zeit, die ist in den USA schon auf Sommerzeit gestellt. Vielmehr werden politisch die Uhren zurück gedreht. Mit den konservativen Mehrheiten im Abgeordnetenhaus und im Senat, mit der Vielzahl der republikanisch geführten Bundesstaaten, mit dem breiten Feld der republikanischen Kandidaten für das Präsidentenamt wird an so einigen Schrauben in der amerikanischen Gesellschaft rumgefummelt.

Wo diskriminierende Gesetze verabschiedet werden, tauchen auch solche Schilder auf, die deutlich machen, hier wird jeder gleich als Kunde behandelt.

Wo diskriminierende Gesetze verabschiedet werden, tauchen auch solche Schilder auf, die deutlich machen, hier wird jeder gleich als Kunde behandelt.

Da können sich republikanische Gouverneure nicht mit der Gesundheitsreform anfreunden, die eine allgemeine Krankenversicherung garantiert, und klagen vor dem Verfassungsgericht. „Obamacare“ sei unamerikanisch, wird behauptet. Da behindern mehr und mehr republikanische Gouverneure Kliniken, in denen Abtreibungen durchgeführt werden. In einigen Landesstrichen haben Frauen überhaupt nicht mehr die Möglichkeit eine sichere Abtreibung durchführen zu lassen und müssen in andere Staaten ausweichen. Da wird in vielen Bundesstaaten das vermeintliche Grundrecht auf Waffenbesitz fest verankert, auch und gerade nach weiteren Schulmassakern. Da werden die Grenzen von Wahlbezirken neu verlegt, um sichere Wahlbezirke für republikanische Amtsinhaber zu schaffen. Die Reihe der parteipolitisch motivierten Entscheidungen ist lang und wird immer länger.

Und nun hat Indiana als erster Staat in einer Reihe von 19 weiteren ein Gesetz zum vermeintlichen Schutz auf religiöse Freiheit verabschiedet, was zu massiven Diskriminierungen für andere führen kann. Vorausgegangen waren Klagen von gleichgeschlechtlichen Paaren, denen am Hochzeitstag von christlichen Bäckern und Fotografen der Service verweigert wurde, nachdem diese erfuhren, dass es sich um eine Ehe zwischen zwei Männern und zwei Frauen handelte.

Der republikanische Gouverneur Mike Pence hat am Donnerstag ein Gesetz unterschrieben, dass es Geschäftsinhabern erlaubt, aus religiösen Gründen einen Service zu verweigern, wenn sie damit gegen ihre Überzeugung handeln müßten. Eine klare Antwort auf die Diskriminierungsklagen der „Gay Marriage“ Befürworter. Indiana ist nur der erste Bundesstaat, der hier versucht, von höchster politischer Stelle gegen eine mittlerweile weit verbreitete Akzeptanz der gleichgeschlechtlichen Ehe vorzugehen. Es ist ein Zeichen, dass dieses Thema erneut in den Wahlkampf Einzug finden wird. Und es ist auch eine Kampfansage an die Demokraten, denn Amerika steckt bis zu den Knien in einem, wie es konservative Talk Show Moderatoren immer wieder betonen, „Cultural War“, einem Krieg der Kulturen, der Ideologien, der moralischen Überzeugungen. Auch wenn es dabei im Land der unbegrenzten Möglichkeiten keinen Sieger geben wird, alleine die Kriegsführung schwächt das Land und die amerikanische Gesellschaft.

YouTube Preview Image

 

Amerika im Umbruch

2004 verlor John Kerry die Präsidentenwahl. George W. Bush und sein Politarchitekt Karl Rove hatten einen Wahlkampf um Moral und Familie losgetreten, der Amerika erschütterte und verändern sollte. Bush sprach offen von einem Verfassungszusatz, für den er sich einsetzen wollte. Die Ehe, so Bush, sei nur zwischen einem Mann und einer Frau möglich. Niemand wolle die „San Francisco Values“ im Land. Damit spielte Bush auf den Alleingang von Bürgermeister Gavin Newsom an, der die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern erlaubte.

Alle Protestse halfen nichts. Gleichgeschlechtliche Ehen sind nun fast überall in den USA erlaubt.

Alle Protestse halfen nichts. Gleichgeschlechtliche Ehen sind nun in den meisten Bundesstaaten der USA erlaubt.

Karl Rove wandte sich an christliche und konservative Organisationen, mobilisierte Wählerinnen und Wähler in einer Angstkampagne und schaffte schließlich das unmögliche. George W. Bush wurde trotz der katastrophalen Situation im eigenen Land, im Irak und Afghanistan wiedergewählt. Die USA machten einen Rechtsruck, viele Bundesstaaten verankerten in ihren Verfassungen ein Eherecht zwischen Mann und Frau.

Zehn Jahre später sieht alles anders aus. Mehr und mehr Bundesstaaten erlauben die Heirat von zwei Männern und zwei Frauen. Gesetze, die in der Folge des 2004er Wahlkampfes verabschiedet wurden, fallen reihenweise. Verfassungsgerichte erklären sie meist kommentarlos für verfassungswidrig. Anfangs war der Aufschrei noch groß, doch mittlerweile wird immer deutlicher, dass die USA sich wieder in der Mitte des politischen Spektrums einpendeln. In diesen Tagen erklärten Gerichte in Virginia, North Carolina und Idaho ein Verbot der Homo-Ehe für unrechtmäßig. Kein großes Aufbrausen folgte, vielmehr ein Abnicken. Genau so soll es sein.

Kein Wunder also, dass in jüngsten Umfragen von Gallup herauskam, dass eine Mehrheit der jungen Wähler zwischen 18 und 29 Jahren mehr den Demokraten zuneigt. 53 Prozent der Befragten stimmen mehr mit ihnen überein, 35 Prozent gaben an, die Republikaner zu wählen. Der Großteil der Befragten erklärte, dass die Sozialpolitik der Demokraten ihnen eher zusage, dabei wurde auch immer wieder auf die Position der Präsidentenpartei bezüglich „Gay Marriage“ und die Gesundheitsreform verwiesen.

Die Republikaner haben derzeit ein Problem, sie erreichen kaum noch die junge Wählerschicht. In der Umfrage wurde deutlich, dass viele Neuwähler die Republikaner als eine Partei alter, weißer Männer sehen, die eng mit Wirtschaftslobbyisten verbunden ist. Kein guter Ruf für eine Partei, die wieder Verantwortung im Land übernehmen will.

Die Bürgerrechtsbewegung unserer Zeit

Es geht um Gleichberechtigung     

In Washington DC, vor dem Gebäude des Verfassungsgerichtes, protestierten in dieser Woche Tausende von Menschen. Befürworter und Gegner der Ehe für Schwule und Lesben waren angereist, um lautstark ihren Standpunkt zu erklären. Überall im Land gab es Proteste und Mahnwachen, bunte und schrille Parties. Eines wurde in den letzten Wochen ganz deutlich, Amerika hat in den vergangenen Jahren einen Wandel vollzogen.

Der „Krieg der Kulturen“, vor dem konservative, christliche Radiomacher vor ein paar Jahren im NZ Interview noch warnten, scheint entschieden zu sein. Die USA sind liberaler geworden, zumindest im Bereich der Akzeptanz für gleichgeschlechtliche Ehen. Etliche Umfrageergebnisse belegen dies und machen aber auch deutlich, dass die amerikanische Nation tief gespalten ist.

 

Ein perfekt abgestimmter Wahlkampf

Barack Obama wurde nicht gedrängt. Weder von Vize-Präsident Joe Biden, noch von Bildungsminister Arne Duncan, die sich beide in dieser Woche für die Homo-Ehe ausgesprochen hatten. Das ABC Interview am Mittwoch, war nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Wiederwahl von Obama. Alles geplant, alles Kalkül, nichts wird bei so einem Unternehmen „White House“ dem Zufall überlassen. Wer wirklich glaubt, Obama habe sich nicht mit seinen Kabinettskollegen abgestimmt, der ist naiv.

In den jüngsten Umfragen sind 50 Prozent der Amerikaner für gleichgeschlechtliche Ehen, 48 Prozent dagegen. Doch die Zahlen trügen. Dem Großteil der jungen Amerikaner ist es eigentlich egal, ob Schwule und Lesben heiraten können und damit die gleichen Rechte und Pflichten wie heterosexuelle Paare bekommen. Junge demokratische und junge republikanische Wähler sind sich hier sogar einig. Obama hat hier die Unterstützung einer riesigen parteiübergreifenden Wählergruppe.

Die Diskussion über die „Gay Marriage“ wird nicht auf der Straße oder in den Kantinen, in der Mensa oder in High Schools geführt. Es ist vielmehr eine erzwungene Debatte über den sogenannten „cultural war“, den Krieg der Kulturen in den USA. Die wird von den konservativen Radiotalkshows, von FOXNews angeheizt, die schon kurz nach dem ABC Interview über Twitter verbreiteten: Obama Declares War On Marriage, Obama hat der Ehe den Krieg erklärt. Mit solch markigen Sprüchen wird das Feuer angefacht. Vor allem mit solchen Falschaussagen, denn Obama hat eigentlich nichts gesagt, was irgendwie große Veränderungen nach sich ziehen wird. Er hat lediglich davon geredet, dass er persönlich (!) die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren unterstütze. Gleichzeitig wies er daraufhin, dass auch weiterhin die einzelnen Bundesstaaten darüber entscheiden sollen, ob sie Ehen zwischen Schwulen und Lesben erlauben oder nicht. Obama hat weder eine Gesetzesvorlage auf Bundesebene noch eine Verfassungsänderung ins Spiel gebracht, wie das sein Vorgänger George W. Bush geplant hatte.

Das Interview von Barack Obama war ein kluger Schachzug. Er hat damit seine Basis mit einem emotionalen Thema angefeuert, gleichzeitig viele in der GOP angesprochen. Klar ist nun, Barack Obama ist der einzige Kandidat, der, wie es FOXNews Moderator Shepard Smith ausdrückte, „im 21. Jahrhundert angekommen ist“. Von nun an wird der Wahlkampf emotional geführt werden, es wird ein Kulturkampf. Obama hat mit seiner „persönlichen Meinung“ das Gespenst der reaktionären Bewegung in den USA aus dem Sack gelassen. Und die erzkonservativen Kräfte laufen ihm geradewegs ins offene Messer. Sie werden protestieren, lauthals schreien, mobilisieren, gegen Obama als Satan, Islamisten und Schwulenfreund wettern ….doch am Ende steht da ein wiedergewählter Präsident Barack Obama, der trotz Wirtschaftskrise, trotz innen- und außenpolitischer Probleme und trotz einer nicht existierenden Ehegarantie für gleichgeschlechtliche Partner im Weißen Haus bleiben wird. Good job, Mister President!

„Sexed up“ Wahlkampf

Sex sells…das ist eine alte Werbeweisheit. Das denken sich wahrscheinlich auch die Republikaner im etwas drögen US Wahlkampf. Um die Basis zu mobilisieren, wird nun einfach etwas über Sex gesprochen.

Der konservative Superstar Rush Limbaugh, seines Zeichens Pionier in Sachen Talkradio, dessen Radioshow auf nahezu 500 Stationen ausgestrahlt wird, hat in der letzten Woche in seinen Sendungen eine junge Studentin angegriffen. Sandra Fluke war von der Demokratin Nancy Pelosi, die Limbaugh „Botox gefüllt“ nannte, zu einer Anhörung im Kongress eingeladen worden.

Zum Hintergrund: Fluke studiert an der Georgetown Universität, der ältesten katholischen Universität in den USA. Die Studentin kritisierte, dass es Bestrebungen gebe, kirchliche Einrichtungen davon zu befreien, dass Verhütungsmittel über deren Versicherungsschutz finanziert werden. Sandra Fluke meinte, Verhütungsmittel kosten Studentinnen viel Geld im Laufe ihres Studiums, es sei jedoch unumgänglich, dass junge Frauen vor ungewollten Schwangerschaften geschützt seien. Von daher unterstütze sie den Plan der Obamaregierung, dass Krankenversicherungen von nun an auch Verhütungsmittel bezahlen müßten. Gegen diese Festlegung hatten kirchliche Einrichtungen schon länger protestiert und angedroht das Thema in den Wahlkampf zu bringen. Die Republikaner griffen das natürlich auf.

Sandra Flukes Auftritt im Kongress blieb nicht unbeantwortet. Der Höhepunkt waren die Äußerungen von Limbaugh, der Fluke als „Nutte“, als „Schlampe“ bezeichnete, die für Sex von der Allgemeinheit bezahlt werden will. Warum müßten alle Versicherten dafür blechen, dass sie mit einem Mann ins Bett gehe. „Miss Fluke, wenn wir schon dafür zahlen sollen, dass sie Sex haben, dann wollen wir auch was dafür. Wir wollen, dass sie Videos online stellen, damit wir alle zusehen können“, meinte Limbaugh abschließend.

Die Demokraten und etliche Frauengruppen zeigten sich entsetzt über diese Angriffe Limbaughs und forderten die republikanische Parteispitze auf, sich davon zu distanzieren. Präsident Barack Obama rief sogar Sandra Fluke an, um ihr für ihren mutigen Auftritt vor dem Kongress zu danken.

Und auch der republikanische Präsidentschaftskandidat Rick Santorum versucht mit Sex zu punkten. Das „Darling“ der christlich-konservativen Wählerschaft hat nun erklärt, dass er nach seiner Wahl zum US Präsidenten ein einheitliches Ehegesetz einführen werde und alle homosexuellen Ehen im Land für nichtig erklären wird. US weit sind das rund 131.000 homosexuelle Partnerschaften, die für Santorum nicht zählen. Einige Bundesstaaten haben die sogenannten Homoehen erlaubt, diese gelten jedoch nur in dem jeweiligen Staat.“Wir können keine 50 verschiedenen Ehegesetze im Land haben. Man muß nur eins haben“.

 

Ein rosa Wochenende mit Sonnenschein

Die Nachricht am Freitag verbreitete sich blitzartig. Der Senat im Bundesstaat New York stimmte nach langer Debatte endlich der sogenannten „Homo Ehe“ zu, also der Ehe gleichgeschlechtlicher Partner. Und am Wochenende wurden in Queens und Brooklyn, im Village und auf Long Island Heiratspläne gemacht. Ab dem 24. Juli wird New York zum Mekka der heiratswilligen Schwulen und Lesben im ganzen Land. Zwar kann man(n) auch schon legal in Connecticut, Iowa, Massachusetts, New Hampshire, Vermont  und Washington, D.C heiraten, doch New York ist über Nacht zum Vorreiter der Gay-Bewegung geworden, im Kampf um Gleichberechtigung. Der Bundesstaat New York hat mit seinen 22 Millionen Einwohnern soviele wie die anderen Bundesstaaten gemeinsam. Die politische Entscheidung in New York hat deshalb auch politische Auswirkungen.

Und das spürte man auch gleich am Wochenende in Kalifornien und San Francisco. Am Gay Pride Weekend. Zehntausende kamen zur jährlichen Parade auf der Market Street, um zu zeigen, das die Gay Community präsent und aktiv ist. Doch im Mittelpunkt stand die Entscheidung aus New York. Es wurde gefeiert und getanzt, gesungen und gejubelt. Hier in San Francisco hofft man auf einen positiven Effekt. Denn schon vor Jahren hatte San Francisco quasi im Alleingang die Homo-Ehe eingeführt, wurde jedoch von den Gerichten ausgebremst. Die Entscheidung liegt nun noch immer beim kalifornischen Verfassungsgericht. Damals erklärte mir Bürgermeister Gavin Newsom, dass man die Ehe gleichgeschlechtlicher Partner nicht aufhalten könne. Es sei eine Frage der Gleichberechtigung. Der Kampf um die „Gay Marriage“ sei gleichzusetzen mit der Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre.

Der Bürgermeister von New York City Michael Bloomberg sieht schon die Kassen klingeln und hat bereits angekündigt, New York City zur besten Hochzeitsstadt der Welt zu machen.

Richterspruch schockt San Francisco

Ein Tag der Juristen. Während Präsident Obama im Weissen Haus seine Kandidatin für das Bundesverfassungsgericht vorstellte, entschieden in San Francisco die Richter über die verfassungsmässigkeit von Proposition 8. Im vergangenen Herbst stimmte eine Mehrzahl der kalifornischen Bürger für einen Zusatz in der Verfassung des Bundesstaates, der die Ehe zwischen „Mann und Frau“ regelt. Damit waren Ehen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern ausgegrenzt.

Nun haben die kalifornischen Verfassungsrichter Richter in San Francisco darüber entschieden und erklärt, Proposition 8 sei verfassungskonform. Allerdings wollten die Juristen nicht die Ehen annullieren, die Anfang 2004 in San Francisco und einigen anderen Gemeinden Kaliforniens geschlossen wurden. Davon betroffen rund 18.000 Schwule und Lesben, die nun den gesetzlichen Schutz der Ehe geniessen.

In San Francisco laufen derzeit Proteste beider Seiten. Hier die Gay-Community, die sich schockiert von diesem Richterspruch zeigt. Dort Konservative und christliche Gruppierungen, die mit diesem Teilsieg nicht zufrieden sind. Es wird ein stürmischer Tag in San Francisco.

Nur schön sein reicht nicht

Riesenskandal bei der Miss USA Wahl in Las Vegas. Die 21jährigen Carrie Prejean aus Kalifornien war kurz davor die Krone als Schönste im Land aufgesetzt zu bekommen, als ihr eine Frage gestellt wurde, die alles über den Haufen warf. Prejean wurde von Jury-Mitglied Perez Hilton, der selbst homosexuell ist, gefragt, ob alle US-Bundesstaaten dem Vorbild von Vermont folgen und „Gay-Marriage“ erlauben sollten.

YouTube Preview Image

Prejean antwortete voll überzeugt und ganz ehrlich, dass sie so aufgewachsen sei, dass die Ehe nur zwischen Mann und Frau ist und sie deshalb die gleichgeschlechtliche Ehe ablehne. Und das entzündete einen Sturm der Entrüstung. Die Organisatoren ihres Bundesstaates wendeten sich umgehend von ihr ab, gratulierten ihr noch nicht einmal zum zweiten Platz. Stattdessen twitterten sie, dass Carrie Prejean Kalifornien blamiert habe und ihre Meinung nicht für den Sonnenstaat stehe. Übersehen wird dabei, dass Kalifornien im vergangenen Jahr „Proposition 8“ verabschiedet hat, in dem die Ehe als Verbindung von Mann und Frau festgelegt wurde. Ob ich das nun mag oder nicht, ist eine andere Sache, Fakt ist, die Mehrheit Kaliforniens (oder die Mehrheit der Wähler am Wahltag) hatte sich so entschieden.

Carrie Prejean jedenfalls erlebte die kalte Dusche, wurde mit allen möglichen Schimpfwörtern überschüttet. Bei den Fragen der Jury geht es also nicht um Überzeugungen und ehrliche Meinungen, sondern mehr um A….kriecherei, wer sich von den Schönen im knappen Bikini wohl eine braunere Nase holen kann.

Die Videoantwort des sogenannten „Star-Bloggers“ Perez Hilton auf Prejeans Meinungsäusserung spricht für sich. Was für eine Pappnase!!!

YouTube Preview Image