Nur schön sein reicht nicht

Riesenskandal bei der Miss USA Wahl in Las Vegas. Die 21jährigen Carrie Prejean aus Kalifornien war kurz davor die Krone als Schönste im Land aufgesetzt zu bekommen, als ihr eine Frage gestellt wurde, die alles über den Haufen warf. Prejean wurde von Jury-Mitglied Perez Hilton, der selbst homosexuell ist, gefragt, ob alle US-Bundesstaaten dem Vorbild von Vermont folgen und „Gay-Marriage“ erlauben sollten.

YouTube Preview Image

Prejean antwortete voll überzeugt und ganz ehrlich, dass sie so aufgewachsen sei, dass die Ehe nur zwischen Mann und Frau ist und sie deshalb die gleichgeschlechtliche Ehe ablehne. Und das entzündete einen Sturm der Entrüstung. Die Organisatoren ihres Bundesstaates wendeten sich umgehend von ihr ab, gratulierten ihr noch nicht einmal zum zweiten Platz. Stattdessen twitterten sie, dass Carrie Prejean Kalifornien blamiert habe und ihre Meinung nicht für den Sonnenstaat stehe. Übersehen wird dabei, dass Kalifornien im vergangenen Jahr „Proposition 8“ verabschiedet hat, in dem die Ehe als Verbindung von Mann und Frau festgelegt wurde. Ob ich das nun mag oder nicht, ist eine andere Sache, Fakt ist, die Mehrheit Kaliforniens (oder die Mehrheit der Wähler am Wahltag) hatte sich so entschieden.

Carrie Prejean jedenfalls erlebte die kalte Dusche, wurde mit allen möglichen Schimpfwörtern überschüttet. Bei den Fragen der Jury geht es also nicht um Überzeugungen und ehrliche Meinungen, sondern mehr um A….kriecherei, wer sich von den Schönen im knappen Bikini wohl eine braunere Nase holen kann.

Die Videoantwort des sogenannten „Star-Bloggers“ Perez Hilton auf Prejeans Meinungsäusserung spricht für sich. Was für eine Pappnase!!!

YouTube Preview Image

Arbeitsbesuch in San Francisco

Im Juni hatte der oberste kalifornische Gerichtshof entschieden, dass gleichgeschlechtliche Partner das verfassungsmässige Recht auf Eheschliessung haben. Dieses Urteil kam einem Erdbeben gleich. Bis in die letzte Ecke der USA hallte der Richterspruch und erschütterte einen Grossteil Amerikas in seinen Grundfesten.

Die christlichen Fundamentalisten sahen das als einen weiteren Angriff auf Familie und Familienwerte an und rannten Sturm. Schnell kündigten sie rechtliche Schritte beim Bundesverfassungsgericht an und hatten auf einmal ein Thema im Wahlkampf gefunden. Seit Wochen nun schon mobilisieren sie ihre Basis.

Das Urteil erregte weltweit Aufsehen. Nicht nur, dass man sich der Vorreiterrolle Kaliforniens in den USA bewusst ist. Sondern das Thema als solches war auf einmal wieder mit erheblichem Karacho in die tagesaktuelle Diskussion geschrammelt.

zypries_brigitte_292x344.jpgAm Sonntag reiste deshalb auch die Bundesjustizministerin, Brigitte Zypries, nach San Francisco, um sich vor Ort ein Bild der neuen Gesetzeslage zu machen. Am Montag suchte sie die Diskussion und den Austausch, lud deshalb zu einem Empfang ins Deutsche Generalkonsulat, war anschliessend im Rathaus der Stadt und war am Abend als Teilnehmerin bei einer Podiumsdiskussion im LGBT Community Center  mit dabei.

Nach dem Empfang hatte ich die Möglichkeit mit der Ministerin über die Situation von gleichgeschlechtlichen Partnern in Kalifornien und Deutschland zu sprechen…und nein, wie sie mir am Ende des Interviews lachend erklärte, wird sie in San Francisco keine Schuhe einkaufen.

Brigitte Zypries