Amerika der Terrorstaat

Es ist schon ein komisches Bild Amerikas, das da in diesen Tagen präsentiert wird. Eine brutale weiße Polizei. Tote, unbewaffnete Schwarze, Massenproteste gegen Rassismus und Polizeigewalt. Ein nicht funktionierendes Politsystem in Washington und nun eben auch noch ein umfassender Bericht über Foltermethoden der CIA in den Geheimgefängnissen der USA. Lady Liberty macht da lieber die Augen zu, als sich das alles anzusehen.

Die CIA Anleitung zur Folter

Die CIA Anleitung zur Folter

Menschenrechtsgruppen sind entsetzt von dem, was man da in den Zeitungen lesen muß. Physischer und psychischer Terror gegen Gefangene, die größtenteils auch noch auf sehr fragwürdigen Wegen in amerikanische Gefangenschaft gerieten. Nicht in Kriegsgefangenschaft, denn dann würden sie unter dem Schutz der UN fallen. Nein, Amerika hat nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 ein eigenes Reglement aufgestellt, um die Täter zu schützen, die Opfer in die Mangel nehmen zu können, die Welt zu erzürnen. Und zur Klarstellung, die Täter sind hier amerikanische CIA Mitarbeiter und die Opfer Terrorverdächtige. Der Aufschrei ist groß, vor allem international. Im eigenen Land verteidigen Politiker wie der ehemalige Präsident George W. Bush, unter dessen Regierung die CIA einen Freifahrtsschein in Sachen Folter erhielt, und der ambitionierte republikanische Senator Marco Rubio das Vorgehen der Geheimdienstler. Rubio twitterte: „Jene, die sich für uns nach dem 11/9 einsetzten, verdienen unseren Dank und nicht einen einseitigen und parteiischen Senatsreport, der nun Amerikaner gefährdet“. Bush und Rubio und viele andere aus dem republikanischen Lager verteidigen so Folterknechte und damit sich selbst. Sie ziehen die patriotische USA Karte und verurteilen jene, die an die Grundwerte Amerikas appellieren. Eine Weißwaschung im Terrorsumpf.

Was ist nur aus Amerika geworden, aus dieser Nation, die sich als Hüter des Weltfriedens  und der Menschenrechte, der Gerechtigkeit und der Demokratie verstanden hatte? Es wirkt nun wie blanker Hohn, wenn Jahr für Jahr die Amerikaner in einem umfassenden Bericht mit dem Finger auf andere Länder zeigen, um deren Fehlverhalten anzuprangern. Darunter nicht nur Unrechtsregime wie Nordkorea, Sudan oder auch Russland. Nein, da werden auch Deutschland, die Schweiz und Österreich aufgeführt.

Mit der Veröffentlichung des CIA Senatsberichts zeigt Amerika gleich mehreres. Hier den löblichen Versuch, dass es doch noch eine Kontrolle der Geheimdienste gibt. Und dort die traurige Erkenntnis, dass Amerika die weltweite Terrorgefahr durch eigenes Fehlverhalten nur noch angeheizt hat. Leider, und das muß betont werden, werden die USA aus ihrem eigenen Fehlverhalten nichts lernen. Auch Senatorin Dianne Feinstein aus San Francisco, die nun erklärt, Präsident Bush und auch der Senat seien damals von der CIA getäuscht worden, versäumt, eigene Fehler einzugestehen. Denn es war klar, dass die CIA in ihren Geheimgefängnissen in aller Welt mehr macht, als nur ein paar Antworten aus den Gefangenen „herauszukitzeln“. Feinstein selbst sollte zurücktreten, denn sie hat als Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im US-Senat versagt. Trotz internationaler Appelle hat sie lange Zeit, zu lange, zugesehen, was da im amerikanischen Namen getrieben wurde. Aber Feinstein wird nicht zurücktreten, es wird sich nichts ändern. Was passierte, wird wieder passieren, man muß nur auf den nächsten Terrorangriff warten, der kommen wird.

Musikfolter für Amerikas Feinde

Als ich die Nachricht las, dachte ich mir, wow, darüber kann man was witziges schreiben. Musik als Folter. Wem ging es nicht schon so, dass er von irgendetwas irgendwo bedudelt wurde und das als Folter, als Ohrenterror empfand? Sei es im Aufzug mit so Schnullimusik, bei der Arbeit, bei Freunden und Verwandten. Irgendein Geheule, eine unsägliche Gefühlsduselei, Musik aus der Konserve a la Modern Talking. Immer spielt jemand etwas, was gar nicht geht und einem quer die Gehörgänge runterläuft. Schlimm, schmerzhaft, schonungslos.

Doch nach längerem Überlegen über die CIA Songliste, die in Geheimgefängnissen und im Sicherheitstrakt von Guantanamo eingesetzt wurde, dachte ich mir, das geht gar nicht. Folter ist Folter ist Folter. Und das hat nichts mit meinem Musikgeschmack oder meinen musikalischen Vorlieben zu tun, die, das weiss ich selber, selbst einige Freunde und Verwandte als schlimm ansehen. Ein Journalist der Huffington Post recherchiert seit Jahren zum Thema Geheimgefängnisse der USA. Er hat nun eine Liste veröffentlicht, Lieder, mit denen die CIA Inhaftierte gefügsam machen und zum Sprechen bringen wollte. Songs, die in Endlosschleifen abgespielt wurden, überlaut auf gefesselte Gefangene eingehämmert wurden. Lieder mit Textzeilen wie „Fuck your god“, eigentlich ein Anti-Christen Lied von Deicide, doch der Refrain verfehlt auch bei Muslims nicht sein Ziel.

Man stelle sich vor, man sitzt mit auf dem Rücken gefesselten Händen auf dem Boden einer kargen Zelle, über den Kopf wurde eine Kapuze gezogen und dann wird man mit Lärm beschallt. Egal was. Volksmusik, Hip Hop, Industrial, Techno, Noize, Mariachi… Musikfolter, die von amerikanischem Hip Hop bis Death Metal reicht. Man stellt sich das als harmlos vor, aber ein entlassener Guantanamo Häftling schilderte dieses Vorgehen als psychologische Folter. Auf die regelmäßigen brutalen Verhöre, die Schläge, die schmerzhaften Stellungen habe er sich einstellen können, sagte er. Nicht aber auf die Musikfolter, die 2003 eingeführt wurde: „Du hast das Gefühl verrückt zu werden. Man versteht nichts mehr und hat Angst durchzudrehen, wegen dieser Musik, wegen diesem lauten Lärm, und weil man nach einer Weile nicht mehr den Gesang hört, man hört nur noch das schwere Schlagen des Beats“.

Was bei dieser CIA Folter – und das ist es, auch wenn Bush und Co immer wieder betonten, es sei keine Folter – nicht beachtet wird ist, dass Musik Kunst ist, Kultur repräsentiert, etwas Kreatives, eigentlich Schönes ist, positive Reaktionen und Emotionen hervorrufen sollte und kann. Was die amerikanischen Geheimdienste hier allerdings machen ist, sie verfremden etwas ins totale Gegenteil. Und nicht nur das, viele der Musiker, als sie vom Einsatz ihrer Songs in den Geheimgefängnissen erfahren haben, forderten die amerikanischen Behörden auf, damit aufzuhören. Doch was unter George W. Bush und seinem Folterknecht Dick Cheney angefangen wurde, wurde auch unter dem Friedensnobelpreisträger Barack Obama und seinen Gehilfen fortgesetzt. Angetreten war er, das Lager auf Guantanamo und die weltweiten Geheimgefängnisse zu schließen. Doch daraus ist nichts geworden. Schöne Reden bedeuten noch lange nicht historische Taten. Zur Rechenschaft gezogen werden sie wohl alle nicht.