Jobs und die Jobs

Romney oder Gingrich, Paul oder Santorum. Der amerikanische Wahlkampf zeigt nicht nur den Richtungsstreit in der republikanischen Partei auf. Nein, auch der große Unterschied zwischen dem demokratischen und dem republikanischen Politikverständnis wird immer deutlicher. Erst vor ein paar Tagen sprach Präsident Barack Obama in seiner „State of the Union“ Rede davon, jene Unternehmen steuerrechtlich zu bevorzugen, die in den USA produzieren lassen. „Jetzt ist es so, dass Firmen begünstigt werden, die Arbeitsplätze und Gewinne ins Ausland verlagern. Während Unternehmen, die in Amerika bleiben einen der höchsten Steuersätze in der Welt haben. Das macht keinen Sinn, jeder weiß das. Also, lassen sie es uns ändern“.

Klare Worte, die doch eigentlich auf eine breite und überparteiliche Resonanz stoßen sollten, gerade weil es um die Schaffung amerikanischer Arbeitsplätze geht. Doch die republikanische Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Der Gouverneur von Indiana, Mitch Daniels, hielt die traditionelle Gegenrede nach der „State of the Union“ des Präsidenten. Darin warf Daniels dem Präsidenten vor, dieser verunglimpfe immer wieder Unternehmer und Unternehmen und schaffe das falsche Klima für eine erfolgreiche Arbeitsmarktpolitik. Anstelle der hitzigen Kommentare solle Obama lieber die Arbeitgeber machen lassen, das sei amerikanisch und im Sinne der Amerikaner. Und dann meinte der Republikaner: „Nehmen wir Steve Jobs, was für ein passender Name, er schuf mehr Arbeitsplätze als all die Förderdollars, die sich der Präsident geliehen und dann verprasst hat“.

Apple ist das erfolgreichste amerikanische Unternehmen, das stimmt. Allerdings kann man die Firma nicht gerade als Jobmaschine beschreiben, auch wenn ihr ehemaliger CEO Steve Jobs hieß. Nur 43.000 Arbeitsplätze hat Apple in den USA. Das ist nur ein Zehntel von dem, was General Motors hatte, als der Autobauer noch die Führungsposition als erfolgreichste US Firma inne hatte. Apple jedoch hat indirekt und weltweit eine Arbeitnehmerschaft von 700.000 Mitarbeitern. Die Firma aus Cupertino läßt vor allem in China produzieren. Der Grund ist klar, dort gibt es ganze Produktionsansiedlungen, sogenannte „Industrial Clusters“. „Man braucht eintausend Gummidichtungen, eine Million Schrauben? Kein Problem, die Fabrik ist gleich um die Ecke“, so beschrieb es ein früherer Apple Führungsmann. Und Jennifer Rigoni, frühere Apple Managerin und zuständig für die weltweite Produktionsabläufe, beschrieb den Standort China so: „Welche US Fabrik kann über Nacht 3000 Leute finden und sie davon überzeugen in Schlafsälen zu nächtigen?“ Von einer Verantwortung des US Unternehmens für seine amerikanische Belegschaft kann also nicht gesprochen werden.

Die Rettung der amerikanischen Automobilindustrie durch die Obama Adminstration war nicht nur die Unterstützung der großen Automarken. Es war auch eine Förderung dieser „Industrial Clusters“ im amerikanischen Heartland, denn viele kleine und mittelständische Betriebe haben sich um die Produktionsstätten der Autobauer angesiedelt. Die Zahlen sprechen für sich. Seit Beginn der Ausschüttung der Fördermittel für die Automobilindustrie ist in Michigan, der Hauptstandort der US Automobilindustrie, die Arbeitslosenquote um fast fünf Prozent gefallen. Die „Car Companies“ produzieren wieder und ordern auch bei ihren Zulieferern im direkten Umfeld.

Der Wirtschaftsexperte Paul Krugman verweist bei dieser Diskussion immer wieder auf Deutschland. „Deutschland ist nach wie vor ein erfolgreicher Exporteur und das sogar mit hohen Arbeitnehmerkosten, die im Durchschnitt mit 44 Dollar pro Stunde viel höher liegen als die amerikanischer Arbeiter. Dieser Erfolg hat aber vor allem damit etwas zu tun, dass kleine und mittelständische Betriebe unterstützt werden – der berühmte Mittelstand.“

Die Republikaner wollen, dass sich der Staat aus allem raushält. Sie setzen auf die Ideen der Unternehmer und Visionäre: Laßt sie mal machen, die können das schon und der Markt reguliert sich am Ende selbst. Obama sieht das anders. Er ist ja auch „Sozialist“, wie es immer wieder aus dem GOP Lager heißt. Das ist lachhaft, doch Arbeitsmarktpolitik ist mehr als nur sagen zu können, die führenden und weltweit bekanntesten Unternehmen seien amerikanisch. Auf dem Papier wohlgemerkt, denn produziert wird woanders.

 

Tod des Monstertrucks

HummerAm Mittwoch war das Geheule gross. Nach Saturn und Pontiac begräbt GM nun auch die von Anfang an überflüssige Automarke Hummer. Die Chinesen kaufen den Monstertruck nun doch nicht. Sie winkten dankend ab. Und auch die Pläne von einigen Investoren das Unding irgendwie weiter produzieren zu können sind ausgeträumt. Kredite fielen durch, der Hummer  wird eingestampft.

Im letzten Jahr verkauften sich gerade mal noch 9000 Spritschleudern, nur noch ein Drittel von dem, was im Jahr zuvor von den Händlern abgesetzt wurde. Die steigenden Benzinpreise hatten selbst die Amerikaner zum Einlenken gebracht. Sogar das „sparsame“ H3 Modell liess gerade mal 16 Meilen pro Gallone hinter sich. Nicht genug in der Ölkrise.

Das Ende einer Legende

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Nach 83 Jahren ist Schluss. Die einst legendäre Automarke Pontiac ist reif für den Schrottplatz. GTO, Firebird oder Trans-Am, das sind Modelle aus längst vergangenen Tagen. Die ruhmreichen Jahre der amerikanischen Automobilindustrie sind lange vorbei. Nun krebsen GM, Chrysler und Ford nur noch herum und versuchen sich auf Druck der Obama-Regierung gesund zu schrumpfen. General Motors, der einst grösste Autokonzern der Welt, stösst alles ab, was nichts mehr einbringt. „Saturn“ und „Hummer“ Fabriken werden geschlossen, falls sich keine Käufer finden sollten und nun ist auch Pontiac dran.

Es geht um das Überleben einer ganzen Branche, ja, ganzer Landstriche in den USA. Da zählen keine Gefühlsduselei und nette Jugenderinnerungen in aufgedrehten PS-Karossen. Es geht nur noch um Zahlen. Und die brachte die Marke Pontiac schon lange nicht mehr. In den 60ern und 70ern war Pontiac noch was, konkurrierte mit dem Ford Modell „Mustang“ und sogar mit Porsche. Doch das ist Vergangenheit. Nun wird die Firma von GM abgewickelt. Was bleibt sind ein paar nette Werbespots aus besseren Tagen.

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