Nazis in San Francisco

An der Adresse 1960 Jackson Street in San Francisco, gleich gegenüber dem Haus der Schriftstellerin Danielle Steel, wehen heute friedlich die deutsche und die europäische Fahne. Das Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland befindet sich in einem altehrwürdigen Gebäude, errichtet 1917 und erweitert 1924 von der Witwe des schwedischen Reeders William Matson.

Manfred Freiherr von Killinger 1934 im Staatstheater von Dresden gleich hinter Adolf Hitler.

Bis 1941 hatte das damalige Deutsche Reich sein Generalkonsulat im achten Stock 26 O’Farrell Street, direkt in Downtown San Francisco gelegen. Und hier hielt eine Zeitlang einer der verblendesten Nationalsozialisten die Fäden in der Hand. 1937 wurde Manfred Freiherr von Killinger als Generalkonsul an der amerikanischen Westküste eingesetzt. Der frühere NSDAP Reichstagspolitiker war kurzfristig sogar Ministerpräsident von Sachsen. Berüchtigt war er allerdings als  erklärter Anti-Semit und SA Mitglied, der 1921 direkt am Attentat auf den Zentrum-Politiker Matthias Erzberger beteiligt war. Nach dem Röhm-Putsch wechselte Killinger zunächst zum Volksgerichtshof, bevor er ins Auswärtige Amt berufen und am 14. Juni 1937 als neuer Generalkonsul nach San Francisco entsandt wurde.

Killinger sollte zwei Aufgaben erfüllen. Zum einen die Spionage Aktivitäten der Nazis an der Westküste ausweiten und koordinieren. Zum anderen den Versuch des Amerikadeutschen Volksbundes unterstützen, die deutschen Vereine in den USA auf einen einheitlichen Kurs Hitler-Deutschlands zu bringen. Die Aktivitäten des Generalkonsuls reichten von Seattle bis hinunter nach San Diego. Gewaltige Nazi-Aufmärsche im Cow Palace in South San Francisco waren das Ergebnis. Auch die Traumfabrik Hollywood in Los Angeles war ein Ziel der deutschen Diplomaten, wie ich schon vor ein paar Jahren in dem Audio-Beitrag über Ben Urwands Buch „The Collaboration – Hollywood’s Pact with Hitler“ darstellte.

Manfred Freiherr von Killinger erreichte sein Ziel nicht. In San Francisco organisierten sich, auch unter der Führung von deutschen Sozialdemokraten und Gewerkschaftsmitgliedern des einzigen Arbeiterbildungsvereins in den USA, die Mitglieder der Seeleute- und Hafenarbeitergewerkschaft, Maritime Union of the Pacific, gegen Killinger und erreichten schließlich die Abberufung des umstrittenen deutschen Generalkonsuls. Ende 1938 wurde der Diplomat nach Slowenien und Rumänien geschickt. In Bukarest machte er sich an der Verfolgung und Deportation von Juden mitschuldig. Als die Rote Armee in Bukarest einrückte, nahm sich der Freiherr am 2. September 1944 das Leben.

Auf diese Episode bin ich im Zuge meiner Recherchen zu einer Langen Nacht gestossen, die sich um die Geschichte der deutschen Einwanderer nach San Francisco und die Bay Area drehen wird. Die Sendung wird voraussichtlich Ende 2018 ausgestrahlt werden.

„Hey, Hey – Ho, Ho“

Nein, ich war nicht beim Fußball, ich komme gerade vom „Max Raabe &  Palastorchester“ Konzert zurück. Im wunderschönen alten Paramount Theatre in Oakland begeisterten sie ein fast volles Haus. Toll, einfach nur toll. Auch wenn man sich bei so einem Konzert etwas jung vorkommt – und ich bin auch nicht mehr der jüngste – ich kannte fast alle Lieder. Zum einen liegt das sicherlich daran, dass ich viel Musik aus den 20er und 30er Jahren hier in meiner Sammlung habe. Zum anderen aber auch an meinem Vater, der beim Abtrocknen und beim samstäglichen Bratkartoffel mit Gurkensalat zubereiten immer vor sich hin sang und flötete, bis meine Mutter sagte „Jetzt hör aber mal auf“.

Präsentiert wurde das Konzert von SFJazz, dem deutschen Generalkonsulat und dem Goethe-Institut. Neben vielen Amerikanern kamen auch unzählige von Deutschen, teils im 20er/30er Jahre Outfit. Und eben dieser grau melierte Herr schräg hinter mir, der immer wieder ganz begeistert „Hey, Hey – Ho, Ho“ von sich gab. Keine Ahnung warum, aber nach dem dritten mal, nervte er gewaltig. Dann war da noch die ältere Dame in meiner Reihe, die sowas von falsch mitklatschte…. Doch Max Raabe ließ sich nicht irritieren und sang klar und deutlich durch die Neumann Mikrofone.

Es war ein toller Abend für deutsche Kultur. Das nächste Konzert einer deutschen Kapelle in der Bay Area steht in drei Wochen an. Die legendäre Hard Rock Formation Accept wird dann San Francisco lautstark beschallen. Im Mai geht es dann weiter mit Rammstein, bevor die Pioniere des Metal-Industrial Die Krupps live in San Francisco aufspielen werden.

 

Bayerischer Besuch in San Quentin

Bayern ist eng mit Kalifornien verbunden. Das zeigt sich unter anderem durch das bayerische Büro in San Francisco. Wirtschaftlich hat Bayern mit dem Sonnenstaat am Pazifik einen guten Partner gefunden. Doch die Kontakte und der Austausch laufen auch auf anderen Ebenen, wie die Reise  der bayerischen Justizministerin Beate Merk in dieser Woche zeigte. Am Donnerstagmorgen besuchte sie das kalifornische Staatsgefängnis in San Quentin.
Ein Audiobericht:

      Beate Merk in San Quentin

Terrorlistenblödsinn

Schon beim Einchecken an amerikanischen Flughäfen wird jeder Name mit einer bestehenden „No-Fly Liste“ gegen gecheckt. Das ist eine Datei mit einer Unmenge an Passagiernamen, die in kein Flugzeug dürfen. Und wenn der Computer „bling bling“ macht, geht gar nichts mehr. So geschehen vor ein paar Jahren, als ich von einem befreundeten Korrespondenten angerufen wurde, ob ich nicht eine Notfallnummer beim Deutschen Generalkonsulat hätte. Dessen Kollegin durfte nämlich nicht mehr ausreisen. Sie war nun nicht nur eine Kollegin bei einem grossen deutschen Nachrichtenmagazin, sondern in der Vergangenheit auch Gründungsmitglied der RAF.

Nach ihrem Ausstieg und ihrer Haftzeit besuchte sie regelmässig problemlos San Francisco. Doch dann kam der 11. September 2001 und alles veränderte sich. Aus dringenden privaten Gründen musste sie nun wieder nach Kalifornien reisen, doch schon am Flughafen in Berlin gab es Probleme und der Flug wurde ihr verweigert. Ein bisschen hin und her hinter den Kulissen und sie durfte dann doch nach San Francisco fliegen. Zwei Wochen später war der Rückflug geplant, doch am SFO sagte man ihr, man könne sie nicht mitnehmen, denn ihr Name tauche auf der „No-Fly Liste“ auf. Offensichtlich hatte man sie einreisen lassen, doch dann wohl vergessen, ihren Namen auch von der Liste zu streichen.

Diese „No-Fly Liste“ ist eines der streng geheim gehaltenen Papiere in den USA. Keiner weiss, wer alles darauf steht. Keiner weiss, wie man darauf gelangen kann und keiner weiss, wie man seinen Namen wieder von der Liste bekommt. Und nein, dort sind nicht nur Terrorverdächtige aufgeführt, sondern auch Nonnen, die an Friedensdemonstrationen und -protesten teilnahmen und dafür verhaftet wurden und denen dann auch die Mitfliegerei verweigert wurde.

Doch wer glaubt, nur die USA hätten solche Namenslisten, der irrt. Das muss zur Zeit Michael Savage spüren, der in der letzten Woche auf die unerwünschte Besucherliste in England gesetzt wurde. Er würde „Hass“ und“ Aufruhr“ verbreiten, hiess es aus London. Doch Savage ist nicht einfach irgendjemand. Er ist ein Radiomoderator, der täglich auf rund 400 Stationen zu hören ist und rund 6-8 Millionen Hörer mit seiner Sendung erreicht. Ja, Michael Savage ist erzkonservativ, amerikanischer Patriot bis ins Mark, aufbrausend, wortgewaltig und klar in seinen Foderungen nach „Border, Language, Culture“. Aber eine Gefahr für die Öffentlichkeit? Na, das ist ein Witz. Auf alle Fälle, auch wenn man seine Wortergüsse nicht mag, hat er nichts auf dieser britischen Liste neben KKK-Mitgliedern, hasserfüllten Rassisten und Antisemiten zu suchen.

Seit rund einer Woche spricht er in seinen Sendungen nur noch über dieses Thema und auch andere Talk-Show Moderatoren eilen ihm zur Hilfe, denn sie könnten die nächsten sein. Auch welche, die ihm politisch gar nicht nahe stehen. Und nun fordert Michael Savage die amerikanische Aussenministerin Hillary Clinton auf, sich für ihn einzusetzen. Jene Hillary, die er seit Jahren brutalst und teils beleidigend von der Seite angegangen hat. Aber Talk Radio ist Entertainment….und das eigentlich immer auf Kosten anderer. Clinton hat noch nicht auf den Vorschlag Savages reagiert, aber durchaus vorstellbar wäre es, dass das State Department in London mal nachfragt, was das ganze soll. Denn es geht hier um „Freedom of Speech“, einem Grundrecht in der amerikanischen Gesellschaft. Savage labert vielleicht hin und wieder den totalen Stuss, aber eine öffentliche Gefahr für die Sicherheit Englands ist er wahrlich nicht.