Er erklärte UFOs, die „Twilight Zone“ und Big Foot

Der legendäre Radiomoderator Art Bell. Foto: Reuters.

Art Bell ist tot. Schon am vergangenen Freitag verstarb einer der ganz großen amerikanischen Radiomacher im Alter von 72 Jahren. Art Bell war kein Schreihals, kein politischer Talk Show Moderator, kein „Shock-Jock“. Art Bell war vielmehr der König der Nacht. Mit seiner unverkennbaren sonoren Stimme unterhielt er Woche für Woche Millionen von Zuhörern zu später Nachtstunde. Zwischen 1989 und 2003 täglich, danach noch weiter an Wochenenden ließ Bell die Hörerinnen und Hörer zu Wort kommen. In der Hochzeit von „Coast to Coast“ wurde die Sendung auf rund 400 Stationen im ganzen Land ausgestrahlt.

Wer in den 1990er Jahren nachts durch die USA fuhr, kam an dieser einmaligen Radioshow nicht vorbei. Mitten aus dem Nirgendwo in Nevada sendete Art Bell, schaltete seine Hörer zu, lud „Fachleute“ ein, die über alles sprachen, was es da draussen gab und nicht erklärbar erschien. Bells Stimme beruhigte in der Nacht, ihm glaubte man, wenn es um Außerirdische, um UFOs, um Kontakte mit Geistern, um grenzwertige Erfahrungen ging. Er lachte nicht über seine Anrufer, auch wenn diese die seltsamsten Geschichten erzählten.

Art Bell fragte nach, gab Hinweise, Denkanstöße. Lange bevor der Begriff „Fake News“ geboren war, wurden Vermutungen, Halbwahrheiten, Erfundenes, ja, Hirngespinste als Tatsachen, als erlebte Erfahrungen dargestellt. Und als Hörer geriet man zumindest ins Zweifeln, ob da nicht doch etwas um uns herum passiert, was man so einfach nicht erklären kann. Das war das Meisterwerk von Art Bell, der unaufgeregt und überzeugend allem nachging. Mitten in der Nacht wurde er zum vertrauensvollen Begleiter für Schlaflose, Reisende durch Zeit und Raum, Zweifler, Überzeugte des paranormalen Lebens. Area 51, die geheime Militärbasis in der Wüste von Nevada, war ein immer wiederkehrendes Thema. Sichtungen von UFOs, Kontakte mit Außerirdischen, spirituelle Grenzerfahrungen, Art Bell konnte mit allem umgehen.

Etliche seiner Hörerinnen und Hörer, Gäste seiner Show konnte ich einmal auf einem UFO-Kongress in San Jose treffen. Eine Frau, die schon mehrmals auf dem Mars war. Ein Doktor, der erklärte kleine Sonden aus Menschen herausoperiert zu haben, die Außerirdische dort eingepflanzt hatten. Kornkreisexperten, Geisterjäger, UFOlogen. Bei meinen Interviews musste ich an Art Bell denken und wie er mit diesen teils unglaublichen Geschichten umging: ernsthaft, nachfragend, interessiert. Und so bekam ich die wohl einzigartigsten Interviews meiner langen Radiojournalistenkarriere. 2003 übergab Art Bell seine nächtliche „Coast to Coast“ Sendung an George Noory. Bell selbst sendete am Wochenende weiter. Bis zuletzt meldete er sich aus der Einsamkeit Nevadas mit seiner Botschaft: The truth is out there!

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Eine Radiolegende kehrt zurück

Seine Stimme kennt man. Bei nächtlichen Autofahrten habe ich immer auf der Mittelwelle nach dieser Stimme gesucht. Und da war sie. Tief, ruhig, ja beruhigend. So spricht Art Bell, hört zu und fragt nach, auch wenn es um ganz ausgefallene Themen geht. Und die waren und sind auf „Coast to Coast AM“ immer ausgefallen. UFOs, Außerirdische, Geister, Verschwörungstheorien, schräge wissenschaftliche Theorien. Wenn man nachts durch das Central Valley fährt, betrachtet man den Sternenhimmel auf einmal ganz anders. Diese Themenmischung aus Unvorstellbarem und Abgefahrenem kam an. Zum Höhepunkt von „Coast to Coast“ war das Programm auf über 500 Stationen in den USA zu hören, mehr als 15 Millionen Zuhörer schalteten zu später Nachtstunde ein, hörten dem Moderator, seinen Gästen und den vielen Höreranrufen zu. Nichts war zu ausgefallen, alles wurde ernsthaft und seriös diskutiert. Und gerade dieser Ton machte die Sendung aus. Auch wenn da jemand anrief und erklärte, er wäre schon mehrmals auf dem Mars gewesen, Art Bell reagierte ruhig und gelassen, stellte Fragen, ging auf den Hörer ein.

Die Radiosendung läuft noch immer nachts mit George Noory als Moderator, doch hat sie etwas an Biss verloren. Art Bell hatte sich seit 2003 zurück gezogen. Hin und wieder moderierte er noch am Wochenende, doch dann war ganz Schluß.

Nun kommt er zurück mit einer neuen und eigenen Sendung, die wieder direkt aus seinem Haus in einer abgelegenen Gegend in Nevada ausgestrahlt wird. Der Satellitenradioanbieter Sirius XM hat Bell zu diesem Schritt überreden können, ein Studio für ihn eingerichtet und eine Nachtsendezeit für „Art Bell’s Dark Matter“ bereit gestellt. Man kann gespannt sein auf diese neue Sendung. Außerirdische, Geister, das Unerklärbare….Art Bell wird es ansprechen. Radiounterhaltung zu später Stunde, besser kann es nicht sein.

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